Der Wow-Effekt

Ein Sieg mit dem niemand rechnen konnte, mit einer Spielweise, wie man sie seit zwei Jahren nicht mehr gesehen hat. Was dort im Borussiapark ablief, muss vom Leidgeprüften erstmal verarbeitet werden. Eintracht Frankfurt hat zum ersten Mal in dieser Saison ein (75%) überzeugendes Spiel gezeigt, eines, in dem man den Plan, die Spielanlage, das System erkannte – und in welchem die Abläufe funktionierten. Der Befreiungsschlag, der verdiente (!) Sieg gelang, das ist beinahe die größte Überraschung, nicht etwa im unter Armin Veh bewehrten 4-2-3-1, sondern in einem 4-1-4-1, phasenweise einem 4-1-3-2.

Obgleich im ersten Abschnitt speziell den Außen – sowohl Chandler als auch Oczipka in der Defensive, Aigner und Inui in der Offensive – quasi nichts gelang, wirkte das Gebilde nach der üblen Anfangsphase stabiler als je zuvor in dieser Saison. Die Innenverteidiger Russ und Anderson überzeugten (wieder einmal), Makoto Hasebe war wieder besser in Tritt als zuletzt und neben Alex Meier war es vor allem Haris Seferovic, der am meisten überzeugte. Marc Stendera kam nach 30,35 Minuten immer besser in die Partie. In Halbzeit zwei explodierte die Leistung der Mannschaft dann regelrecht. Alle, selbst Inui, Oczipka und Chandler waren plötzlich auf einem Leitungslevel, das man von ihnen lange nicht gesehen hat. Es wurde gepasst, es wurde endlich auf Ballbesitz gespielt, die Laufwege – vor allem zu sehen an dem offenbar nicht mehr geltenden Verbot für Alex Meier, sich die Bälle weiter hinten zu holen – waren besser. An diesem Spiel gibt es wenig auszusetzen.

Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass Mönchengladbach einen entscheidenden Fehler machte, der dieses Spiel so werden ließ, wie es wurde. Das Team von Lucien Favre nahm nach der frühen Führung, spätestens nach zehn, 15 Minuten sichtbar den Druck raus. Bis dato wurde die Eintracht schwindelig gespielt, hatte Mühe mit Gegner, sich selbst und dem Tempo, dass dort von Gladbach gegangen wurde. Aber irgendwann bekam die Eintracht den Fuß in die Tür, sie dränge in des Gegners Hälfte und gab sich trotzig. Endlich Erleichterung, 15 Punkte sind jetzt erreicht, mindestens drei Zähler braucht es noch bis Mitte Dezember. Das scheint angesichts des Sieges in Gladbach und der Tatsache, wie man aufgetreten ist – war das Bayernspiel also doch kein Trugschluss – nun wieder möglich zu sein. Wobei wir ja wissen, dass es keine besseren Hoffnungszerstörer gibt als die Typen in Rot-Schwarz.

Für den Moment kann man zufrieden, happy sein. Der ganz große Druck ist aus dem Kessel, aber die Dezemberpartien gegen Bremen und Berlin bleiben weiter die Fixpunkte, die den Weg der SGE entscheiden werden. Leider ändert das alles nichts an den strukturellen Problemen, die dieser Verein erzeugt hat. Die Themen Transfers, Leistungsträger, Vertragsverlängerungen und Co. laufen alle auf dasselbe hinaus – mehr als Klassenkampf wird in diesem Jahr nicht drin sein, ein Versprechen für die Zukunft kauft dem Klub niemand mehr ab. Nicht umsonst gewinnen Marc Stendera und Sonny Kittel an Stellenwert im Team, das werden so zwei Spieler sein, sein müssen, auf die man angesichts des drohenden Umbruchs 3.0 im Sommer 2015 setzt. Aber damit sollte man sich als Fan an diesem Jubeltag nicht beschäftigen müssen. Jetzt ist erstmal Freude angesagt – musste man schließlich lange genug drauf warten.

Advertisements

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Beiträge

Eine Antwort zu “Der Wow-Effekt

  1. Jermaine Jones Junior

    Seit langem wünsche ich mir von Dir mal wieder eine Einzelkritik über die Spieler.

Diskussion

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s