Ein gelernter Wandel

Thomas Schaaf hat gelernt. Er ist abgekehrt von seiner Philosophie, von seiner Spielidee, von seinem Vorhaben, dem Team eine bestimmte Herangehensweise zu vermitteln, er verzichtet auf das Neue und besinnt sich auf die stets beste Wahl: Lass ein Team spielen, wie es dessen Stärken entspricht, mit den Leuten, die auf ihren gelernten Positionen eingesetzt werden. Fußball kann (dann) so einfach sein.

Etwas an dem ruhigen Thomas Schaaf entputt sich dieser Tage als Glücksfall: Er ist wohl jemand, der nicht stur seine Linie durchziehen will, der – wie oben geschrieben- lernt, Schlüsse zieht und das Maßgebliche verändert. Sicher, es hat (zu) lange gedauert, die drei, vier Muss-Punkten-Partien aus denen es einen Salto Nullo gab, hat er (mit)verschnarcht. Aber das ist – nun, nach diesem Mutmacher ist das leicht gesagt – oft genug thematisiert worden in den vergangenen Monaten. Jetzt gibt es allen Grund, nach vorne zu schauen, die Dunkelheit der bisherigen elf, zwölf Spiele hinter sich zu lassen. Der Schnitt, der Schritt ist gemacht. Ob das nun reicht, um an die 20-Punkte-Marke zu kommen bis Hinrundenende, ist zwar alles andere als klar, aber die Hoffnung darf man wenigstens wieder hegen. Nein, mehr als Hoffnung: man darf es glauben. Denn der Glaube ist mit dem Sieg, vor allem mit der Art und Weise dieses Erfolgs, zurückgekehrt.

Wie bemerkenswert der Erfolg in Mönchengladbach ist, wie außgergewöhnlich die Einzelleistungen der Spieler einzuschätzen sind, zeigt der Blick auf die Zahlen: 25:9 Torschüsse, dem Gegner ein Drittel aller seiner Saisongegentore eingeschenkt, 82 Prozent Passquote, 118 zu 116 Kilometer Laufleistung. Da fällt der geringere Ballbesitz und selbst die geringe Zweikampfquote nicht mal ins Gewicht. Einfach,weil man diesmal mehr UND richtig lief, weil Power, weil Druck, weil Fußball gemacht wurde. Sinnbildlich für den Wandel, für die Leistungssteigerung der Eintracht ist die Szene vor dem 2:1, der Ballgewinn von Bastian Oczipka (!). Er grätscht einen Pass, einen Angriff der Gladbacher ab, geht hinterher und spielt den Ball zu Marc Stendera. Dessen langer Hieb in die Spitze sorgt für Seferovics Annahme, Aigners Wueselei mit Abschluss und Meiers Abstauber. Ganz nebenbei war es ein Kontertor, gefühlt das erste seit dem Ende der Ära Friedhelm Funkel.

Dieser Anzug passt, dieses Gerüst ist stabiler (die ersten 10,15 Minuten, in denen das Spiel auch problemlos 2:0 für BMG stehen kann, ausgenommen). Und ganz zufällig ist das alles nicht. Es spielen die richtigen Leute auf den richtigen Positionen (ja, auch Wackel-Chandler) und es spielen die richtigen Spieler nicht mehr (Medojevic, Ignovski). Sonny Kittel als erste Offensivoption ist ebenso überraschend wie eine gute Wahl und Johannes Flum wird früher oder später auch eine Hilfe, zumal als Sechser / Achter auf der Halbposition.

Den einen oder anderen Satz möchte ich noch zu den Verletzten bzw. deren Ersatzleuten verlieren. Felix Wiedwald steht Kevin Trapp in puncto Leistung in Nichts nach. Es stimmt zwar, dass Trapp (noch) eine andere Aura besitzt, als Typ mächtiger wirkt. Aber wenn es ums Bällehalten – dem Kerngeschäft – geht, ist Wiedwald nicht weit weg. Der Ex-Duisburger wirkt sicher irgendwie wackeliger, unkonventioneller bei den Paraden als Trapp. Zumal bei den hohen Bällen in den Fünfer. Aber er fischt die Dinger – mal mit der Hand, mal mit dem Fuß. Das ist stark. Und das ist es von der ersten Sekunde an.
Zum Duo bzw. Trio Bamba Anderson, Marco Russ und Alexander Madlung kann man ähnliches sagen, wenn man ihre Leistung in Vergleich mit Carlos Zambrano setzt. Ja, diese kompromisslose Coolnes fehlt in der Defensive, aber die zuletzt vielen Gegentore liegen nicht an Anderson, Russ oder Madlung (Eigentor hin oder her). Die Innenverteidigung macht das in der Regel gut, sie stand zuletzt nur – vor allem aufgrund der mauen Außenverteidiger und deren zu hohem Stand – im 30-Sekunden-Takt unter Druck, das forciert nunmal Fehler.

Ich persönlich bin der Letzte, der zum abheben neigt, „nur“ weil die Eintracht mal ein gutes Spiel gezeigt, einen verdienten Sieg eingefahren hat. Daher mahne ich bei aller Erleichterung schon jetzt davor, die Wiedergeburt auszurufen. Es war ein wichtiger Sieg, wichtige Punkte zu einem wichtigen Zeitpunkt – aber das ganze war auch bedingt durch ein Mönchengladbach, dem A) die besten Defensivkräfte fehlten und das B) nach zehn, 15 Minuten den Druck aufs Tor einstellte und sich damit selbst mehr schwächte als die SGE das zu diesem Zeitpunkt hätte tun können.

Mit Sicherheit spucken einige nun wieder große Töne, gegen Dortmund am Wochenende ginge was, zumal dieser Marco Reus doch ausfällt, die in der Negativspirale stecken und ohnehin Verletzungspech haben. Da werden sie schnell mal groß, die Augen des Eintracht-Fans. Obacht, ich warne! So sehr es der Anspruch von Profis sein muss, jede Partie zu gewinnen, Meister werden zu wollen, so unangebracht ist eine Überhöhung der eigenen Stärke. Borussia Dortmund, das unterscheidet sie von schwachen Teams, hat Chancen, und zwar viele. Sie vergeben sie am Fließband, das ist die Schwäche. Doch richtig schlecht geht es einem nur, ist man nur dann, wenn man nach vorne gar nichts gebacken bekommt (na, wir erinnern uns?!). Also: Immer schön am Boden bleiben, die wichtigen Spiele kommen ab übernächster Woche. Bremen, Leute, danach können wir absehen von welcher Tabellenregion wir in der Saison 2014/2015 auszugehen haben.

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