Heute hü, morgen hott

Ich meine, okay, Timo Hildebrand als Ersatztorwart war von Beginn an eine Bankpersonalie. Aber dass er nach was, drei Monaten als Gehaltsbezieher, dann wieder den Vertrag auflösen, wohl in die USA wechseln will – das passt doch ganz gut zu der Kritik, die Karl-Heinz Körbel in dieser Woche kundtat: Heute in diesem, morgen in jenem Trikot, völlig egal. Der Fußballprofi als Ich-AG in Reinform. Schulterzucken. Kommt eben als nächstes ein jungscher Kerl aus Aserbaidschan, der im Probetraining vier, fünf Bälle fängt (empfohlen vom hellen Köpfchen Ulrich Stein) und sich diebisch über seinen ersten richtigen Fußballervertrag freuen würde. Geld soll die Motivation vieler ja durchaus nach oben treiben. Mehr noch als die Auslebung ihres Hobbys als Beruf, wie man so hört.

Nun gut. Persönlich verbinde ich mit Timo Hildebrand sowieso nichts, außer Dunlop (Pirelli?)-Reifenwerbung und der verpatzen Karriereplanung nach der Meisterschaft mit Stuttgart. Die Frage ist halt, ob sich dieses Wahnsinns-Karussell irgendwann wieder langsamer drehen wird. Der ewige Poker um Verträge und Laufzeiten, das Bäumchen-wechsel-dich im Saisontakt, das heute Hü, morgen Hott – geht es denn um nichts anderes mehr als um Geld und vermeintliche Perspektive? Der Wasserkopf kann doch nicht ewig anschwellen, nicht jeder gute Kicker kann in der Riege Bayern, Dortmund, Leverkusen etc. spielen. Und wie wechselhaft die Gruppe derer ist, die es dieses Jahr mal in die Europa League schaffen, nächstes Jahr nicht, ist doch klar umrissen. Der Blick auf die Tabelle belegt doch seit Jahren, dass man sich ein Schneckenrennen um die Ränge hinter den Futtertrögen liefert, dass die Gunst mal den VfB Stuttgart, mal Eintracht Frankfurt, mal Hannover 96 trifft. Im Prinzip wetten Profis, sagen wir mal Joselu, doch auf nichts als Theorie. Es ist Spekulation, von Eintracht Frankfurt zu Hannover 96 zu wechseln im Glauben, in Niedersachsen sei das Gras viel grüner. Nuancen, die den Unterschied machen, sind mal so, mal so verteilt. Am Ende der Hinrunde 2014/2015 werden zwischen Rang 6 und 15 vielleicht gut sechs Punkte liegen. Wer mag da seriös sagen können, dass Team A und Team B perspektiv-sportliche Welten trennen?

Bastian Oczipka, der sein erstes gutes Spiel seit zwei Jahren gemacht hat, wird sogleich von der Eintracht ein neuer Vertrag angeboten. Manchmal fragst du dich bei diesem Verein wirklich, wer da so mit welchen Vorstellungen am Hebel sitzt. „Im Erfolg, in der Euophorie macht man die größten Fehler“, sagte der oft gescholtene Heribert Bruchhagen in der Vergangenheit mal. Damit hat er recht. Nur sollte nach dem Sieg gegen Mönchengladbach jetzt nicht so getan werden, als habe man Gott weiß was für einen Erfolg gelandet gegen das defensivgeschwächte Fohlengebilde. Dass das stark war, in Halbzeit zwei zumal, ist unbenommen. Aber dieser gefühlte Spannungsabfall, der sich in Sätzen wie „auch diese zum Endspiel hochgejazzte Partie gegen Bremen hat an Brisanz verloren“ (Frankfurter Rundschau) ausdrückt, ist nicht gut. Denn angesichts des Rückrundenspielplans (viele Auswärtsspiele gegen direkte Konkurrenten) ist die 20-Punkte-Marke nach wie vor der Fixpunkt in Richtung Klassenerhaltsmaxime. Man muss sich nämlich nichts vormachen: Gegen Mönchengladbach eroberte man „nur“ drei der zumindest sechs liegengelassenen Punkte (Stuttgart, Paderborn, Hannover) zurück. Im Soll ist man demnach eben nicht. Wasser in den Wochenwein muss niemand schütten, aber bitte nicht vom Trauerkloß zum Jubelperser mutieren 😉

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