Monatsarchiv: Dezember 2014

Gutes Rutschen

Vermutlich haben nicht mal Szenekenner, nicht mal die 24/7-Profis im Fußballgeschäft alle Spielernamen samt Positionen, Stärken, Schwächen, Form und Vertragslaufzeiten auf dem Schirm. Von daher ist es alles andere als überraschend, wenn dieser Tage Namen auf dem allmählich in die Gänge kommenden Transfer(gerüchte)markt hochploppen, die man sich gut im Eintracht-Dress vorstellen könnte.

Vorab: Pierre Emil Hojberg meine ich damit nicht. Nur weil einer bei Bayern München kickt, ist das nicht automatisch ein Qualitätsmerkmal. Das hat eventuell sogar Nürnbergs Sportdirektor Martin Bader mittlerweile eingesehen, der einst nach der Verpflichtung von Granaten wie Breno und Andreas Ottl darüber referierte, dass die Nummer 14,15,16 etc. stets besser sei als alles, was ein Klub niederer Größenordnung so personell zu bieten habe. Und seien wir ehlich: Sebastian Rode haben wir den Sprung ins FCB-Team nicht zugetraut, aber wie man sieht, können die Mitspieler einen Profi besser machen als er war oder ist. Verboten hat es dem Seppl Rode seinerzeit niemand, mal so Gas zu geben und so torgefährlicher zu spielen, wie er das seit ein paar Wochen tut. Da kann man mal sehen, dass es neben Stars auch für Arbeiter leichter ist, zu glänzen.

Aber wir waren ja nicht bei der Rück- sondern Vorschau. Einer dieser Namen, die bei unser einem Begehrlichkeiten wecken sollten, ist Zlatko Junuzovic. Wenn es mal sinnvoll war, in Mannschaften zu wildern, die noch schlechter sind als man selbst (We remember the letzten Einkaufs-Touren der SGE), dann kann man über den Österreicher nachdenken. Doof nur, dass den Standard-Spezialisten, der mehr spielt als Standfußball, auch auf der Liste der Oberen-Sechs (vor allem Mönchengladbach) steht. Perdu. Über einen Xherdan Shaqiri muss man in Frankfurt gar nicht erst spekulieren, nicht nur wegen Ablöse- und Gehaltsgeschichten. Auch positionell gibt es größere Baustellen als die offensiven Außenbahnen – Takashi Inui zum Trotz.

Im dritten Jahr in Folge wird in diesem Blog der Name Sven Schipplock vom Sympathie- und Traditionsverein 18,99 Euro Hoppenheim in den Ring geworfen. Im Sturm hat es die Eintacht, 34 Tore hin oder her, personell wahrlich nicht dicke. Eine Fußballgottverletzung, und schon wird es dünn – quantiativ wie qualitativ. An Status einbüßen würde ein Schipplock mit dem Deal in Frankfurt nicht, ob er an Einsatzzeit gewinnt, ist (vorerst) aber auch fraglich. So oder so: Spätestens ab Sommer 2015 muss sich der Verein kluge Gedanken über die Zeit und die Qualitäts-Verlust-Kompensation nach Alexander Meier machen.

Marcell Janßen, der im Sommer ablösefrei ist und der den HSV am besten noch im Januar von der Gehaltsliste streichen will, wäre als Außenverteidiger eine mehr als überlegenswerte Option. Nicht, dass gewisse Nationalmannschafts-Berufugen (je) nachvollziehbar gewesen wären, aber als ggf. stabilerer Konkurrent zu Bastian Oczipka, wäre der 29-Jährige eine Bereicherung. Zumal man nicht weiß, wann und in welcher Verfassung Constant Djakpa nach seinem Kreuzbandriss zurückkehrt.

So, und mit diesen ersten Namen werdet ihr, liebe Leser, ins Jahr 2015 geschickt. Schöne Feier am Abend, gemäßigten Kater am Folgemorgen und viel Kraft und Gesundheit fürs bevorstehende (Eintracht)Jahr. Aufwühlend genug wird es sicher.

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PR in Höchstform

Der unsägliche Hallenkick in der Ballsporthalle steht am Wochenende (wieder) bevor. Ein Graus. PR ist wichtig, gerade um die Kinder über die Nähe zu den „Stars“ zu begeistern. Jedoch: dazu müssten diese auch spielen, Autogramme schreiben, für Fotos mit jedem Hajo posieren.

Doch dann fehlen alle Beliebten, alle Magneten wieder. Koan Fußballgott, koan Aiges, koan Zambrano, Trapp oder Russ. Da wird dann wieder die U23 – Pardon, die schaffte man ja ab – auflaufen, ein paar aus der 3. Profireihe garniert mit 2,3 der Kategorie Jani Rosenthal und Václav Kadlec. Mager-PR mit hohem Verletzungsrisiko. Aber eben weil das jeder weiß, kickt da ja hoffentlich (!) keiner aus den ersten 16,17,18 der SGE. Und somit wird die Sache in Höchst höchst unattraktiv. Finde ich.

Kommt gut rein in 2015, liebe Leser. Wir haben in den nächsten Monaten ein hohes Pensum an Hoffnung und Leid zu absolvieren, also schont euch! 😉

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Transfers. Jetzt.

Genug besonnen, geruht und gemenschelt – lasset uns wieder Fahrt aufnehmen. Sagt sich leicht, wenn ein 24. , 25. und 26. Dezember für einen nichts anderes waren, als stinknormale Arbeitstage. Okay, das Telefon im Büro klingelt seltener, der Seitenumfang ist reduziert, anstatt drei gibt es nur eine Tages-Konferenz. Für Feierstimmung und Zurücklehnen reichte und reicht das trotzdem nicht.

Und weil das so ist, kann sich der arbeitsame Eintracht-Blogger so seine Gedanken um die Zukunft des kickenden Gebildes machen. Immerhin steht man ja, verschenkte Punkte gegen Hertha BSC Berlin (Berlin!!!) und Bayer Leverkusen zum Trotz, immerhin in Schlagdistanz zum Futtertrog Europa League. Es duftet herüber, von Rang 6 bis runter in den Tabellenkeller, was da europäisch-kulinarisch gekocht wird in diesem Topf: Geld, Glorie, Geschichten. Könnte alles so vielversprechend enden, wären in das Gerangel um eben jene Gratifikationen nicht konstantere Mannschaften wie Hoppenheim, und Augsburg involviert. Und davon ausgehend, dass mit Borussia Dortmund und einem weiteren Team unterhalb von Rang 9 sicher noch zwei weitere Mannschaften den 6. Platz attackieren werden, müssen die Frankfurter in den kommenden Monaten noch viele weitere November-Dezember-2014 spielen, um den Coup perfekt zu machen. Wie ist das eigentlich, unter welchen Umständen kann Bundesliga-Rang 7 für die Europa League reichen? Wenn Bayern die Champions League gewinnt?

Ich fange daher mal das Fordern an, der Druck muss hochgehalten werden: Eintracht Frankfurt benötigt einen bis zwei neue Spieler. Im defensiven Mittelfeld sollte eine Neuverpflichtung getätigt werden, da Makoto Hasebe vorerst in der Rückrunde nicht wird mittun können (Asien-Cup) und seine Ersatzleute bis dato samt und sonders Qualitätsverlust bedeuten. Das gilt vor allem dann, wenn die SGE sich für einen Verkauf des von Trainer Thomas Schaaf ignorierten Johannes Flum entscheiden würde (was ich persönlich sehr bedauern würde). Slobodan Medojeciv und Martin Lanig, neue Vorbereitung hin oder her, dürften nicht die besten Optionen für eine Attacke in Richtung Platz 6 / 7 sein. Auf dem linken Flügel und/oder im Sturm, spräche auch vieles für Verstärkungen. Zum einen, weil dem nominell defensiven Part die Konstanz fehlt und der offensive Spieler ebenfalls erst beim Asien-Cup weilt und ohnehin auch gerne Formtiefs pflegt (Möglichkeit fürs linke, offensive Mittelfeld: der in Bremen gehandelte Aaron Hunt). Im Sturm hingegen hängt, da man Vaclav Kadlec abschreiben kann und wird, alles an Fitness, Gesundheit und Können von Alexander Meier und Haris Seferovic. Da täte eine zusätzliche Option sehr gut, ob ein 18-jähriger Afrikaner aus Mailand derjenige welche ist, geschweige denn der dauerverletzte Luca Waldschmidt … eher nicht.

Immer daran denken: Wenn man wirklich da oben rein will, sprechen wir vom Muss dauerhaft, langfristig hohe Qualität auf den Platz zu bringen. In die Europaliga mogelt man sich nicht rein, das Schneckenrennen kennt nur zwei Gewinner, aber in der Bundesliga gut und gerne fünf, sechs Verlierer. In der ganzen Rückrunde dürfen ja angesichts dieses Fernziels nicht weniger Punkte geholt werden als in der Hinserie, im Gegenteil, es müssen für den großen Fang nochmal einige mehr werden. 47, 48 Zähler, dann kann man mit dem Hoffen beginnen. 50, und man dürfte drin sein im europäischen Geschäft. Dass das drin ist, jedenfalls in der Hinrunde vier, fünf Punkte mehr drin gewesen wären, ist oft genug thematisiert worden. Alleine die Partien gegen Berlin (!!!) und Leverkusen müssen zu zwei Zählern mehr führen als sie faktisch taten. Dazu die Vermeidung der Aufbauhilfe Stuttgart, schon wäre man sowohl jetzt als auch perspektivisch dicke drin im Rennen um Europa. Angesichts dessen, was man aber bis November kickte, wäre diese Ausbeute auch wirklich des Guten zu viel gewesen.

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Ausblick im Winter

Chris ist den Eintracht-Fans sicher noch ein Begriff. Lange genug bezog der Italo-Brasilianer jedenfalls Gehalt von Eintracht Frankfurt. Sehr oft Fußball gespielt hat der Sechser nicht, obgleich es keinen anderen Profi der SGE gab und gibt, der so oft als Neuzugang verpflichtet hätte werden sollen, wie er. Wann immer er verletzt war, die Winterpause diente den Funktionären stets dazu, Chris als einen gefühlten Neuzugang anzupreisen. Der Rückkehrer als neue Alternative, als Dampfmacher für die Fitten. Er kam nur nie, zumindest nicht dauerhaft zurück, und schon gar nicht in einer Form, die umgehend konkurrenzfähig gewesen wäre.

Chris gibt es in der Saison 2014/2015 mehrfach. Er heißt Zambrano, Trapp, Djakpa und Valdez. Auf sie alle, auf deren Gesundung, Rückkehr und In-Form-Kommen setzt man bei der SGE laut eigenen Aussagen. Das mache den Kader noch stärker, vergrößere die Alternativen und somit die Chance, eine ganze Weile im oberen Mittelfeld der Bundesliga zu bleiben, beim Gerangel um Rang 6. mitzumischen. Ist das so? In der Theorie ja. Dass Trapp und Zambrano, die sicherlich beiden wichtigsten Chris-Klone, in guter Form die Qualität einer Startelf erhöhen können, ist kaum anzuzweifeln. Doch werdne sie in Form, in Spielpraxi, in Routineabläufe kommen? Auf einem Niveau, dass an Spieltag 18 hoch genug ist um dann einen – wenn man wirklich da oben mitkämpfen will – Pflichtsieg gegen Freiburg zu landen? Die Fragezeichen sind erlaubt. Djakpa und Valdez werden dem Konkurrenzkampf in ihren Mannschaftsteilen ebenfalls gut tun, auf sie richtet sich der Fokus aber erstmal weniger.

Überhaupt unterläuft den Funktionären beim Blick auf die möglichen Rückkehrer ein Fehler: Die Positionen, die die Noch-Maladen spielen, sind nicht die Schwachstellen des Teams gewesen. Und angesichts des Asien-Cups, bei dem Takashi Inui und Makoto Hasebe auflaufen und somit einige Rückrunden-Wochen verpassen (und ausgelaugt sein) werden, sollte man die Transfer-Überlegungen nicht non chalant ins Reich der Fabel verweisen. Denn während man sinnvollerweise über eine Trennung von Vaclav Kadlec, Jan Rosenthal und selbst Johannes Flum nachdenkt, sollten die Verantwortlichen gesehen haben, dass im defensiven Mittelfeld die Not groß ist. Außer Makoto Hasebe hat niemand die nötige Qualität, schon gar nicht als einziger Sechser im zuletzt gespielten 4-1-4-1-System. Marco Russ könnte nach einer Genesung Zambranos zwar auf die Sechs rücken. Aber als einziger DM ohne Nebenmann an seiner Seite? Das dürfte schiefgehen. Slobodan Medojevic nährt die Hoffnungen nicht, Martin Lanig ebenso wenig. Flum sah man monatelang nicht mehr auf dem Feld, er scheint weder Standing beim Trainer noch die Motivation zu besitzen. Derzeit scheint nichts naheliegender, als die Genannten zu verkaufen und einen zentral defensiven Mittelfeldspieler im Winter zu verpflichten. Alternativ, vor allem auch perspektivisch, müsste ein Linksfuß für Mittelfeld und/oder Abwehr her. Als Konkurrenz und/oder Ergänzung für Inui und/oder Bastian Oczipka.

Das schlagendere Gegen-Argument, ist ein anderes. Es hängt mit dem „Scouting“ des Vereins zusammen. Kurz gesagt: Sie finden keinen Gescheiten, keinen Tauglichen, keinen der einschlägt. Ausgerechnet einer von den Freien Turnern Braunschweig, dessen Handynummern sein Ex-Trainer noch im Notizbuch hatte, ist der gelungenste Halbserien-Neuzugang der Eintracht seit vielen Jahren.

Ein bisschen was wird sich in den kommenden Wochen sicher rundum die SGE tun auf dem Transfermarkt. Und wie man sie kennt, verleihen / verkaufen sie den einen oder anderen an die Liga-Konkurrenz 😉

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Der Bilanz zweiter Teil: Einzelbewertung

Tor:

Kevin Trapp
Patzte böse gegen Wolfsburg, war zu Saisonbeginn noch nicht in der gewohnt starken Verfassung. Steigerte sich, wurde zügig und bis zur Verletzung der Klassemann, den man in Frankfurt schätzt und benötigt. Ist auch ein Typ, ein Charakter, zumal bestimmter Mannschaftskapitän. Erwies sich aber als nicht unersetzlich, womit auch die Vertragsfrage für die Eintracht eine etwas andere sein könnte – Stichwort Ablöse statt Verlängerungs-Unsummen.

Felix Wiedwald
Starker Rückhalt, dessen Autorität mit den Spielen gewachsen ist und weiter wachsen wird. Steht qualitativ Trapp in wenig nach, einzig bei der Strafraumbeherrschung wirkt er weniger souverän. Anstatt ggf. Unsummen in Trapp zu investieren und sich auf eine Hängepartie einzulassen, sollte der Klub mit ihm verlängern, auf ihn als Nummer 1 setzen.

Timo Hildebrand
Acht Gegentore in drei Spielen, fast jeder Schuss ein Treffer. Zweifach parierte er stark, jeweils punktrettend – gegen Berlin einen Schieber-Schuss, gegen Leverkusen mit der Brust gegen Brandt. Machte nie den sichersten Eindruck, die mangelnde Praxis, das Notnageltum merkte man ihm an. Er war halt da, als man ihn brauchte. In Erinnerung bleiben wird er USA hin, Verbleib her wohl nicht.

Innenverteidigung:

Carlos Zambrano
Konzentriert, robus, schnörkelos: Das waren und sind seine Eigenschaften. Phasenweise schien es, als habe er sich auch die Mätzchen, die Schauspieleinlagen und Überkocher ausgetrieben. War dann aber doch nicht so. Mit ihm wären es vielleicht ein paar Gegentore (34) weniger geworden, aber alles in allem war auch er ohne Mega-Qualitätsverlust ersetzbar.

Bamba Anderson
Zurück in der guten Spur. Defensiv ruhig, hin und wieder etwas fahrig und unkonzentriert. Vor allem im Aufbauspiel zu Beginn der Saison – wie die meisten – schlimm. Schlug permanent lange Bälle. Änderte sich mit Taktikumstellung, gut so.

Marco Russ
Anfangs als Sechser bereits meist gut, machte er Zambranos Ausfall in der IV fast vergessen. Kompromisslos, sicher im Aufbauspiel und manches Mal mit Ausflügen nach vorne. Ein folgenschwerer Patzer im ersten Saisondrittel, ansonsten weitgehend fehlerlos. Zudem ist er der torgefährlichste Defensive, der Antreiber von hinten.

Alexander Madlung
Bis zum Leverkusenspiel sah es nach einer lupenreinen Seuchensaison aus. Traf immer wieder in des Gegners und ins eigene Netz, strahlte als Ersatzmann viel Unsicherheit aus und kam so gar nicht in die Spur. Dann, am 17. Spieltag, wurde er zur Mauer, die man aus der vergangenen Rückrunde kennt. Darauf lässt sich aufbauen.

Außenverteidigung:

Bastian Oczipka
Rutschte nach Djakpas Kreuzbandriss ins Team und spielte so, wie man das aus den vergangenen 2,5 Jahren kannte: Defensiv wirr, ohne Durschlagskraft nach vorne. Stabilisierte sich Mitte der Hinrude, nach der Taktikumstellung plötzlich mit drei sehr starken Spielen. Dann plötzlich wieder der Abwärtstrend, vor allem schwach gegen Berlin. In Leverkusen okay. Alles in allem: so lala mit berechtigter Hoffnung auf (konstantere) Besserung.

Timothy Chandler
Fand lange überhaupt nicht in die Saison, noch nicht mal ins Team. Als er seine Chance(n) erhielt, oft der schwächste Feldspieler, ihm gelang defensiv wenig, offensiv kaum etwas. In den vergangenen fünf, sechs Spielen aber absolut aufsteigende Form, bisweilen einer der besten Spieler. Kann Sebastian Jung nicht eins-zu-eins ersetzen – aber das hätte sowieso kaum jemand gekonnt. Ist auf einem guten Weg, der zumindest bestmögliche Jung-Ersatz zu werden.

Aleksandr Ignovski
Kam nach Frankfurt, um auf der Sechs statt Außen zu spielen. Er (musste) dann Außen
spielen und man sah all zu oft, wieso er sich dort nicht wohlfühlt. Probierte, biss und malochte – aber qualitativ reichte es nicht, die Fehler kamen hinzu, er verlor den Platz im Team. Auf der Sechs nie länger als zehn Minuten eingesetzt worden. Wirkt ein wenig wie ein Fremdkörper in Frankfurt.

Defensives Mittelfeld:

Makoto Hasebe
Gute Halbserie, selbst in den düsteren Phasen oft der beste Frankfurter. Ihm sah man früh die Qualität an, ruhig am Ball, umsichtig, ordnend und mittlerweile – nach einem Durchhänger – zweikampfstärker und robuster. Beschränkft sich offensiv oft auf einen unaufgeregten Aufbau, ersten/zweiten Pass, sichert im Zweifel die Offensivreihe ab. Das ist gut, macht den Abgang von Ex-Kapitän Pirmin Schwegler vergessen und wurde zuletzt, vor allem nach der Systemumstellung nochmals stärker. Nur das Meckern könnte er manchesmal sein lassen – aber er braucht es wohl zur Motivation, was okay ist.

Slobodan Medojevic
Bleibt bislang vieles schuldig, das ihm zugeschrieben Potential versteckt er sehr erfolgreich. Sein Passspiel ist gefährlich unpräzise, hat Probleme mit Ball und Aufbauspiel im ganzen. Gipfelte in dem schlimmen Ball- und somit Punkteverlust in Leverkusen. Spielt zu oft Foul, bringt keinen Impuls nach vorne, verlor seinen Stammplatz recht zügig. Man fragt sich zusehens nach dem Sinn seiner Verpflichtung.

Martin Lanig
Nach offenbar guter Vorbereitung durch eine Verletzung ausgebremst. Danach nicht mehr dran am Team, nach Einwechslungen wirkte er starksig, als Defensivoption nicht beruhigend. Ist nach Flums permanenter Nicht-Berücksichtigung aber die Nummer zwei auf der Sechser-Position.

Offensives Mittelfeld:

Stefan Aigner
Das Duracell-Häschen läuft wieder. Kam nach einer Verletzung schwer in die Gänge, ihm gelang wenig. Dann drehte er am Leistungsrad, wuselte und wirbelte, schmiss sich gewohnt agil in Bälle und den Gegner. Belohnte sich mit Toren, Vorlagen und war dem Team im entscheidenden letzten Hinrundendrittel eine große Hilfe. Weiter so.

Takashi Inui
Startete sehr schwach, reihte lange Ballverlust an Ballverlust, schenkte seinem Team dadurch so manches Gegentor ein. Seine Herausnahme stoppte den Trend, war nach der Denkpause besser, auch, weil er auf den Flügel, nicht ins Zentrum gestellt wurde. Zuletzt drei, vier deutlich bessere Partien, beschränkte sich dort auf einfacherere Dinge, half dadurch dem Team mehr als durch gewagte Aktionen. Muss nicht aufblühen wie vor drei Jahren, aber so unaufgeregt und doch zielstrebig kicken wie gegen Gladbach, Dortmund, Bremen und Hoppenheim.

Lucas Piazon
Lustlos, planlos, körperlos. Die Leihgabe liefert bestenfalls Alibifußball. Es mutet wie Freizeitfußball auf dem Dorf-Festplatz an, was er zeigt. An diesem Eindruck ändert auch das phänomenale Freistoß-Tor gegen den HSV nichts. Der Trainer sollte Abstand davon nehmen, ihn als erste Ersatz-Option für den Flügel zu bringen. Ist sowieso und zum Glück nach Rundenende wieder auf Wanderschaft. Unerklärlich, was man in ihm sah, außer den vor der Saison bereits zitierten Notkauf.

Marc Stendera
Lange außen vor, rückte er mehr aus spielerisch und qualitativer Not ins Team. Macht seine Sache passabel, auch wenn seine Stärke – die Standards – überhaupt nicht passen und er am Ball noch zu behäbig agiert. Ihm fehlt das Tempo, der Antritt. Auch deshalb zuletzt als Zentral-Offensiver mehr als giftiger Defensiv-Terrier, als erster Verteidiger im Team, auffällig. Macht seine Sache ordentlich, hat aber Luft nach oben.

Sonny Kittel
Unbemerkt so etwas wie der Überraschungs-Gewinn(er) für das Team. Wann immer er ins Spiel kommt, spürt man seine Präsenz. Er versucht etwas, ohne Harakiri zu spielen. Nach so vielen und schweren Verletzungen ist seine Form nach diesem Comeback phänomenal. Steckt Piazon in die Tasche, sollte der Trainer häufiger erkennen.

Sturm:

Alexander Meier
Nicht so prägend und allgegenwärtig wie in den vergangenen neun, zehn Jahren, aber torgefährlich wie eh und je. Führt sensationell die Torschützenliste der Liga an, kam aber erst richtig zur Geltung als er wieder am Aufbauspiel teilnehmen, sich Bälle im Mittelfeld abholen durfte. Die neue Position als vorderster Mann lässt ihn häufiger als gewohnt in der Luft hängen, aber es funktioniert.

Haris Seferovic
Reibt sich auf, gibt keinen Ball verloren, stellt seinen Körper in jeden Zweikampf, macht Zuspiele fest, gibt dem Team somit Zeit zum nachrücken, sorgt für Ballbesitz. Oft zu überhastet im Abschluss. In Leverkusen erst zum zweiten, dritten Mal in der Hinrunde blass. Ingesamt ein klarer Zugewinn fürs Team, ein Top-Transfer, einer der qualitativ drei, vier besten Neuzugänge der vergangenen Jahre.

Vaclav Kadlec
Kaum Einsätze, aber ein wichtiges Tor. Soll im Training desolat sein, die schon von Armin Veh kritisierte Körperlichkeit immernoch nicht beherzigen, daher auch keine Chance bekommen. Nach nun eineinhalb Jahren ist klar, dass es kam, wie es kommen musste: Kadlec ist, wie vorhergesagt, Martin Fenin 2.0. Er wird in der Rückrunde nicht mehr in Frankfurt spielen, mal wieder hat die SGE einen hohen Millionenbertrag verschleudert.

Thomas Schaaf: Reiht sich ein in die Riege der erfahrenen Trainertypen, die es in Frankfurt benötigt, um a) anerkannt und b) erfolgreich zu sein. Nach Friedhelm Funkel und Armin Veh, ist er der nächste 50pluser, der alleine mit seiner Art, mit seinem Charisma für Vertrauen sorgt. Dazu gesellen sich Überlieferungen, dass er von Beginn an ebenso akribisch wie besessen und umfassend im Training mit dem Team gearbeitet hat. Zu sehen etwa daran, dass diese Mannschaft deutlich fitter und spritziger wirkt als in den vergangenen Jahren, gerade bei dem enormen Aufwand, dass es betreibt. Das vielleicht Wichtigste: Der Trainer hat seinen Grundfehler der Taktik, der Spielweise und vorher noch des gewählten Personals korrigiert, korrigieren lassen, von einem Team, dass er offenbar für mündig hält. Als er mit dem Rücken an der Wand stand, hatte er natürlich kaum noch Möglichkeiten – aber seitdem setzt er einen neuen Kurs konsequent um. Und dass die Mannschaft nun doch auch anders, zurückhaltender, defensiver kann, bewies sie gegen Leverkusen. Da reift(e) zuletzt etwas. Schaaf tut der Eintracht gut, auf eine andere Art als Armin Veh das seinerzeit tat.

Ohne Wertung (weil zu wenig Einsätze/Eindrücke):

Johannes Flum, Constant Djakpa, Jan Rosenthal, David Kinsombi, Nelson Valdez

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Der Bilanz erster Teil: sportlich

Mit den Zahlen ist eigentlich alles gesagt: 9. Platz, 23 Punkte, 34:34 Tore. Eintracht Frankfurt steht tabellarisch dort, wo es stehen wollte, wo es stehen sollte. Die Perspektive nach oben ist vorhanden, vier Punkte Rückstand sind es auf den begehrten 6. Platz. Das verschafft dem Verein zum einen sportlich eine gute Ausgangsposition für die Rückrunde, zum anderen befindet man sich in einer guten Verhandlungsposition was Spielerverträge, was frühzeitig klargemachte Neuverpflichtungen in Richtung 2015/2016 anbelangt. Einschub: Was mehr als diese Rampe, dieses Dran-Sein an Europapokalplätzen könnten Spieler wie Kevin Trapp und Carlos Zambrano vom Verein verlangen? Sollten sie dieses Zwischenergebnis, die kolportierten Summen von 3 Millionen Euro Gehalt sowie die entstandende Euphorie im Spektakel-Haus Frankfurt nicht überzeugen, handelt es sich bei ihrer Haltung, dem prinzipiellen Vertrags-Verlängerungswillen nur um einen verlogenen Poker.

Zurück zur Analyse: Die Mannschaft hat eine spielerische Katastrophen-Hinrunde zu einer sportlich sehr starken Halbserie gewandelt. Das, was bis November, bis zum Bayern-Spiel gezeigt wurde, war schlicht grausig. Die Ergebnisse passten anfangs, die Punkte waren aber manches Mal erduselt und vor allem war es reiner Zufallsfußball. Die individuelle Klasse sicherte bis in den Herbst so manchen Zähler, nicht das System, nicht das Kollektiv, nicht die Taktik. Mit den Pleiten gegen limitierte und/oder formschwache Teams wie Stuttgart, Paderborn und Hannover war dann auch die letzte Maske gefallen. Es drohte angesichts des Restprogramms ein Abstiegsplatz. Dann kam dieses Gespräch zwischen den Mannschaftsältesten und Trainer Thomas Schaaf, die Umstellung von Formation und Herangehensweise. Es sollte die Wende werden, vor allem was die fußballerischen Darbietungen anbelangt. Man schlug sodann die damals noch stärkeren Mönchengladbacher und die verunsicherten Dortmunder. 6 Punkte kamen so aus Spielen zustande, aus denen man vorab höchstens zwei, drei Punkte hätte kalkulieren können. Abschlißend hat man mit den Coups gegen die beiden Borussen die Pleitenpartie-Phase ausgeglichen. Nicht mehr, nicht weniger.

Die Bewertungsgrundlage für das, was eine gute oder schlechte Hinrunde werden würde, hatte sich im Laufe der Zeit massiv verändert: Angesichts der Heimspiele gegen die direkte Konkurrenz in puncto Klassenerhalt, war vor Saisonbeginn klar, dass 50 Prozent+ der nötigen Punkte bis Mitte Dezember geholt werden müssen. Zwischendurch sah es so aus, als ob man diese nötigen rund 20 Zähler nicht im Ansatz würde erreichen können. 15,16 war die Tendenz. Also hätte man 17,18 Punkte nach dem Fiasko-Fußball dankend genommen. Es sind letztlich 23 geworden, womit klar ist, dass man das ursprüngliche Ziel erreicht, eventuell sogar minimal übertroffen hat. Die Leistung sollte man daher nicht kleiner reden, als sie ist.

Jedoch: Die zwischen-16-und-5-kann-jeder-jeden-schlagen-Tatsache sorgt für ein ständiges Auf und Ab gerade im oberen Mittelfeld der Tabelle. Dort ist es bislang mehr Roulette als Qualitätsnachweis, was darüber entscheidet, welches Team wo genau steht. Und das Glückspiel macht nicht Halt vor der Abstiegszone. Nüchtern betrachtet liegt die SGE vor Beginn der Rückrunde nur sechs Punkte vor den letzten drei Teams der Tabelle. Das ist beileibe nicht viel. Es gab Zeiten, da lagen zwischen Rang 7,8,9 und dem 16. / 17. im Klassement mehr Punkte. Von daher sollte niemand in Frankfurt die Korken zu früh knallen lassen, den Blick zu sehr nach oben richten. Die laufende Saison wird punktemäßig im Tabellenkeller nicht derart mau enden, wie die vergangene. 30 Punkte reichen da mit Sicherheit nicht, es könnte erstmals in Richtung 37, 38 Punkte gehen (nach Einfürhung der 3-Punkt-Regel reichten immer 36 zum sicheren Verbleib). Wie schnell es geht, dass man den Fuß nicht mehr in die Tür bekommt, hat niemand schmerzhafter miterlitten, wie wir Eintracht-Fans.

Im nächsten Teil: Die Einschätzung der Einzelleistungen.

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Einzelkritik vs. Bayer Leverkusen

Timo Hildebrand: Hatte so gut wie nichts zutun, als er einmal gefordert war, schlägt es im Torwarteck ein. Da sah er schlecht aus, den Schuss muss er halten. Einige Minuten später partiert er mit dem Kopf, rettet das 1:1.

Bamba Anderson: Einige Anwandlungen von „Bruder Leichtfuß“, stand auch zwei, drei Mal in Laufduellen schlecht zum Mann. Fing sich, als es notwendig wurde in Halbzeit zwei.

Alexander Madlung: Bärenstarke Partie, bester Frankfurter. Immer nah am Mann, stets mit dem Kopf oder Fuß präsent. Rettete zwei Mal entscheidend bei Abspielen.

Timothy Chandler: Hinter Madlung und Hasebe drittbester Eintrachtler. Defensiv ließ er Son über das ganze Spiel abblitzen, nach vorne so lange mutig, wie es das eigene Team zuließ.

Bastian Oczipka: Hielt Bellarabi meistens in Schach, bei dessen (Gegen)Tor machtlos. Stand hin und wieder gewohnt schlecht zu Ball und Gegner, war aber a) folgenlos und b) nicht so nennenswert wie häufig in der Vergangenheit. Offensiv beste Szene: Er dribbelte sich einmal in den 16er, zog ab – und scheiterte mit dem Flachschuss.

Makoto Hasebe: Starkes Spiel, fischte in der Zentrale so gut wie alles weg, was von Bayer kam. Zweikampfstark, lauffreudig und mit klugen Aufbaupässen. Auch als der Druck immer größer wurde, hielt er im Mittelfeld (als einziger) effektiv dagegen.

Marc Stendera: Wuselte vor allem in der Rückwärtsbewegung, giftiger Störenfried, weniger aber effektiver Balleroberer. Nach vorne kaum Impulse, auch bei Standards nicht.

Takashi Inui: Lange ganz okay, den Strafstoß gut herausgeholt. Im zweiten Abschnitt mit einer kläglich vergebenen Konterchance, die das 2:0 hätte zur Folge haben können. Verlor plötzlich wieder jede Menge Bälle, ging Zweikämpfen aus dem Weg.

Lucas Piazon: Ein, das nächste Ärgernis. Führt keine Zweikämpfe, die wenigen Ballkontakte, die er hat, enden zu oft beim Gegenspieler. Ohne Impuls, ohne Idee, ohne Galligkeit nach hinten. Wieso er (zumal von Beginn an) 93 Minuten spielen durfte, bleibt ein Rätsel.

Haris Seferovic: Schäwchere Partie, aber auch undankbares Spiel. Hing in der Luft, auch der Körpereinsatz war nicht so effektiv wie zuletzt. Half dem Team – wie Meier – im zweiten Abschnitt nicht, durch Bälle-Festmachen eine Verschnaufpause zu erhaschen.

Alexander Meier: Gute erste Halbzeit, war auch im Vergleich zum Berlinspiel mehr beteiligt am Spielaufbau. Den Elfmeter verwandelt er kühl. Einmal nimmt er dem besser postierten Piazon den Ball vom Fuß, einmal rettet Toprak seinen Schuß auf der Linie. Ab Minute 46 abgetaucht, auch, weil nur noch lange Schläge von hinten kamen. Machte (dann) keinen Ball fest.

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Sonny Kittel: Hätte von Beginn an spieln sollen, für Piazon. Unauffällig in seinen paar Minuten.

Slobodan Medojevic: Eine schlechtere Leistung hätte man in so kurzer Zeit (keine zehn Minuten!) kaum zeigen können. Verschuldet durch einen vermeidbaren, weil lässig hergeschenkten Ballverlust den Ausgleichstreffer. Zwei Minuten später lässt er sich im 16er austanzen und es setzt fast das 2:1 für Leverkusen. Dazu streute er noch zwei Fouls an, die ein Standard-Spezialist wie Calhanoglu noch in den 16er bringen konnte.

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Thomas Schaaf: Wählte eine kluge, defensivere Herangehensweise, womit Leverkusen entweder nicht rechnete und deshalb in Passivität verfiel, oder die SGE machte die Rückwärtsbewegung so gut wie nie in der Saison. Nach vorne war das, angesichts des Gegners, eine Halbzeit lang in Ordnung. Das Konterspiel hingegen fand in Halbzeit zwei nicht statt, da gab es nur noch Befreiungsschläge. Hätte früher reagieren, Sonny Kittel ab ca. der 60. Minute bringen müssen. Die Medojevic-Einwechselung war die Richtige, für dessen Bock kann der Trainer nichts – obgleich man in der Vergangenheit ja bereits sah, dass der Serbe mit Ball und Spielaufbau große Schwierigkeiten hat.
Lucas Piazon hätte zudem nicht in der Startelf stehen, nicht durchspielen dürfen. Was sieht der Trainer in dem laxen Brasilianer nur?

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