Einzelkritik vs. Borussia Dortmund

Felix Wiedwald: Starke Leistung, weil er – wie schon gegen Mönchengladbach – dem Team den Coup erst ermöglichte. Er war in den zwei Phasen, in denen der Gegner massiv drückte, zur Stelle, parierte die (zugegeben oft schwachen) Abschlüsse. Ersetzt Kevin Trapp auf einem Niveau, das bemerkenswert hoch ist. Unsicherer in der Strafraumbeherrschung, nicht so eindrucksvoll im Auftreten – aber er hält die Bälle zuhauf, was will man mehr verlangen?

Bamba Anderson: Kein Vergleich mehr zu dem phasenweise wackeligen Innenverteidiger der vergangenen ein, eineinhalb Saisons. Er läuft Bälle gut und clever ab, spielt keine langen Schläge mehr und verschätzt sich im Stellungsspiel nicht. Ruhepol und Souverän gegen den BVB.

Marco Russ: Sehr gut, er wirkt in der Innenverteidigung mittlerweile richtig abgeklärt, ruhig und trotzdem ebenso wuchtig wie kompromisslos. Er drischt die Kugel eben auch mal weg, ohne spielerischen Schnickschnack – gut so! Doch der Steilpass auf Meier war kein Befreiungsschlag, kein Zufall. Er hat den Kopf oben und spielt den riskanten, spekulativen Ball und leitet somit ein Sieg, einen gewissen Spielverlauf ein.

Timothy Chandler: Für die Grätsche vor dem 2:0 muss man ihm einen Orden anheften, eine Riesenaktion. Ansonsten, gerade in der ersten Halbzeit, der wackeligste Frankfurter. Er hat weiterhin sichtbar Schwierigkeiten, die rechte Seite funktioniert noch nicht.

Bastian Oczipka: Was ist da passiert? Eine Leistung, wie man sie von ihm seit mehr als zwei Jahren nicht mehr sah. Gallig, vor allem konzentriert in der Defensive und plötzlich offensiv ebenso agil wie produktiv. Das ist etwas, dass etwa von der „Frankfurter Rundschau“ zwar gerne monatelang behauptet worden ist, aber lange nicht mehr der Realität entsprach. Weiter so.

Makoto Hasebe: Bemerkenswert unauffällig als einziger Sechser – und Unauffälligkeit ist für einen Defensiven das, was für einen Offensiven Auffälligkeit ist: ein Lob. Er spielt klug und ruhig, trotz der verantwortungsvollen Aufgabe als einzig zentral Defensiver.

Takashi Inui: Sucht nicht mehr die ganz großen Aktionen – endlich, ist man geneigt zu sagen. Ein Spiel ohne Glanzlichter und ohne Aussetzer, so ist es wesentlich besser, so ist er eine Bereicherung.

Stefan Aigner: Leidet unter den Abstimmungsproblemen mit Chandler, marschiert, macht und tut aber so, wie man es von ihm kennt. Muss das 2:0 erzielen, zu zögerlich und dann ein Mix aus Schuss und Querpass im Fünfmeterraum.

Marc Stendera: Nicht so im Spiel, ihm fehlt – man schaue auf das Geburtsjahr – die Härte. Am Ball ist er noch zu langsam, muss schneller (ab)spielen. Die Auswechslung nach einer Stunde war sicher mehr taktisch denn leistungsbedingt, aber nachvollziehbar. Zumal: Was ist aus den gelobten und einst tatsächlich brandgefährlichen Standards geworden?

Haris Seferovic: Über die große Geste mit dem Tugce-Shirt darf und soll man ruhig und gerne weiter sprechen, aber abseits dessen hat er wieder ein klasse Spiel absolviert. Er beschäftigt den Gegner, ist kantig, unangenehm. Dank seinem Einsatzwillen und Herz so etwas wie ein Carlos Zambrano der Offensive – mit weniger Theatralik.

Alexander Meier: Hätte den BVB im Alleingang erlegen können, vielleicht sogar müssen. Neben dem Tor ein starker Kopfball, vor allem noch ein anti-meierischer Schuss. Seitdem er wieder so spielen darf, wie er es jahrelang tat – laufstark bis ins defensive Mittelfeld um sich Bälle zu holen, siehe der Traumpass zum 2:0 – läuft es für das ganze Team besser. Er, der jahrelang Verschmähte und Angefeindete, ist derzeit Führender in der Torschützenliste. Noch Fragen?

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Martin Lanig: So sinnvoll die Einwechslung eines zweiten Sechsers für Stendera war, so wackelig fügte er sich ein. Die ersten zehn Minuten starkste er mehr durchs Mittelfeld als dass er spielte, hatte Anpassungsprobleme nach mehreren Wochen Verletzung. Als das 2:0 erzielt und Dortmund am Boden war, schaffte er es auch, das Bein in die Partie zu bekommen. Spielpraxis und Selbstvertrauen – schaden kann es weder ihm noch dem Team.

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Thomas Schaaf: Der Verwandler. Aus dem Team kommen Spieler auf ihn zu, erbitten eine andere Herangehensweise an die Spiele – er hört auf sie, setzt das um und sorgt für 6 von 9 Punkten gegen drei der stärksten Mannschaften der Bundesliga. Auch das, Herrschaften, ist Größe, Qualität. Man mag sagen, dass Schaaf nichts anderes übrigblieb als diese vermeintlich letzte Patrone einzulegen. Aber er tat es und hat alles richtig gemacht. Jetzt, so ändern sich die Perspektiven binnen kurzer Zeit, kann man einen Platz im gesicherten Mittelfeld anpeilen, es ist nicht mehr illusorisch von einem Erreichen der 20-Punkte-Marke auszugehen. So wahrscheinlich wie eine (divenhafte) Niederlage in Bremen auch ist, das Minimalziel für die Hinrunde ist unerhoffterweise noch erreicht worden.

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Einzelkritik vs. Borussia Dortmund

  1. Anonymous

    Eine Einzelkritik vermisse ich noch:
    Wie war er denn diesesmal, unser Leib und Magen Schiedsrichter?
    Der „Kicker“ gab ihm eine glatte 2!

    • Er ließ sich nichts zu schulden kommen. Ist ja ein Sprung, zumal er sich auf die Statistik auswirkt. Nein, unabhängig vom positiven Ergebnis, sehe ich nicht, wo er auf der einen oder anderen Seite falschgelegen haben soll.

      • Der Norddeutsche

        Der o.g.Beitrag ist wirkilich frei von jeglicher Ironie!
        Nun, ich hatte wirklich keine Schmetterlinge im Bauch,
        nach den letzten Leistungen.

  2. Olli

    Ja, Wiedwald vertritt den Trapp eigentlich sehr gut. Er ist aber noch nicht so souverän – gerade gegen Stuttgart sah er doch manchmal recht dämlich aus. Aber er kann ja noch reifen.
    Aber so machen mir die Vertrags-Verhandlungen mit dem Kevin wenig Sorgen. Laut der Sport-Bild möchte er wohl gerne verlängern, aber mit Ausstiegsklausel ab 2016. Die soll sich im Bereich 6-8 Millionen belaufen. Da kann man sicher auch höhere Summen rein schreiben, gerade wenn es wirklich was mit Juventus Turin werden sollte. Aber definitiv schon mal ein Fortschritt gegenüber den bisherigen „Klauseln“.

    Was ist jetzt eigentlich mit Bruno. Ist der immer noch beim VFB im Gespräch nachdem Veh jetzt keine Hände mehr schütteln muss?

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