Feste beißen

Die Distanz zwischen meiner Person und dem nächsten Gegner von Eintracht Frankfurt, könnte größer kaum sein. Nicht nur emotional, sondern auch entfernungstechnisch. 750 Kilometer, achteinhalb Stunden Autofahrt trennt mich (im Urlaub) in Mayrhofen von dieser seit jeher blassen Hertha.

Woran liegt das eigentlich, dass Hertha BSC Berlin so strukturell, historisch, sportlich, personell grau wirkt? Ich meine, unsere SGE ist nun wahrlich nicht so glanzvoll wie sie viele – vor allem ältere – Fans sich denken. Yeboah, Bein, Okocha, das war eine Phase, nicht mehr. Aber Berlin? Damit verbindet man so irgendwie gar nichts. Doch, einen leidend dreiblickenden Michael Preetz. Wenn schon Hauptstadt, dann doch Eisern Union. Da ist gefühlt etwas Wahrhaftiges dran.

Nun gut. So wenig man mit Hertha BSC auch anfangen kann, so trist der Klub wirkt, so finanziell augespritzt er vor der Saison von einem Investor (50 Millionen Euro) wurde – am Mittwochabend geht es gegen die bei 0:0 los und ein Sieg, den doch gefühlt viele irgendwie erwarten, ist alles andere als verbrieft. Sicher, Eintracht Frankfurt nimmt – trotz der Niederlage in Hoppenheim – endlich wieder am Fußballspiel teil, wirkt gefestigter als in den vergangenen ein, eineinhalb Jahren. Aber Hurra-Fußball gegen eine Jos-Luhukay-Mannschaft? Schwierig. Im Waldstadion wird es auf zwei Dinge – die sich teilweise gegenseitig bedingen – ankommen. Erstens muss man Anis Ben-Harita, einen schnellen, dribbel“starken“ Spieler aus der Partie nehmen. Da sind vor allem die Außenverteidiger und Sechser Hasebe gefragt, und zwar unter Anwendung möglichst weniger Fouls (sondern mit Stellungsspiel). Denn, zweitens, wird mit Ronny ein Kicker auf dem Feld stehen (ja, stehen), der Standardsituationen, vor allem Freistöße, verwunbar schlägt. Und dass die Eintracht bei Standards zittert, schwimmt, bisweilen Spiele verliert, hat man am Sonntag leidvoll erleben dürfen. Es war nicht das erste Mal, dass eine phyisch gut ausgerüstete Truppe (Russ, Meier, Anderson, Seferovic + Keeper) dabei wackelt, Abschlüsse zulässt.

Gaumenfreuden wird der WinterHerbstkick im Waldstadion niemandem bereiten. Das wird wieder mal zäh, wenn es dumm läuft, landet eine Gurke hinter Timo Hildebrand und man muss wieder anrennen, Räume zulässen und das Prinzip Hoffnung regiert hüben wie drüben. Es ist an Thomas Schaaf, bei allen offensiven Geberqualitäten, auch in der Defensive – die mit Russ und Anderson im Zentrum individuell gute Leistungen zeigt – Klasse zu beweisen. Da ist nicht nur die Kette, da ist vor allem Makoto Hasebe als Sechser bzw. das Aufrücken, die Rückwärtsbewegen des Teams im Ganzen gefragt. Denn eines ist klar: Werder Bremen 2.0 mag auch in Frankfurt Spekraktel versprechen. Doch es gibt mehr als ein, zwei Spiele pro Saison wo es darauf ankommt, dass dir die Defensive die Partien gewinnt. Gegen Hoppenheim war das zu sehen: Zu keinem Zeitpunkt bekam man den entscheidenden Mann – Firmino – in den Griff. Alle anderen, selbst der angeblich so starke Volland waren in Zaun zu halten. 3 Dinger gab es, 2 schoss man. Auf 3:2 , 2:3 ausgelegte Spiele mögen viele verzücken, 1:0, 0:1 weniger. Aber 3 Punkte gibt es so oder so nur (zu gewinnen). Gegen Berlin könnte so ein Spiel bevorstehen, wo diese eine Butze über Wohl und Weh entscheidet. Sicher, die Eintracht muss ihr Spiel, das nach vorne gerichtete aufziehen. Nicht zu zögerlich und abwartend agieren. Jedoch darf dann die Luzie auch nicht erst nach einem Rückstand abgehen.

Aus Österreich warne ich daher mehr als pflichtgemäß: Unterschätzt mir diese Hertha, die ich ehrich gesagt langfristig auch zu den ersten drei, vier Abstiegskandidaten zählte und zähle, nicht. Wieso ich das schreibe? Weil es wieder so eine Chancen-Situation ist, vor welcher die Frankfurter stehen. Ein Dreier am Mittwoch, und man ist (unverhofft) bei der europäischen Musik dabei. Als einer von vielen, aber immerhin als einer. Ein Punkt bedeutet: guter Hinrunden(quasi)abschluss, aber Tendenz gesichertes Mittelfeld (was mehr als völlig okay, was gut wäre). Eine Niederlage, und man bleibt in der Achterbahn, von der man nicht so recht weiß, wo diese einen hinführen wird.

Das Ziel ist klar formuliert. Nicht von mir, sondern von den Spielern. Bastian Oczipka etwa will europäisch spielen, wie einige andere spricht er von dem (unsäglichen und bislang nach solchen Äußerungen nie eingetretenen) „oben festbeißen“. Schauen wir mal, was die Mannschaft nun zeigt, ob sie ihren Hoffnungen, ihren Ansprüchen gerecht wird.

… und nun gehts ab ins Bett, die Pisten warten in ein paar Stunden bereits wieder (und der alternder Körper ächzt).

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