Offenes Scheunentor

78 Prozent. So steil ist das Gefälle von Österreichs steilster Abfahrt. Sie liegt im Zillertal und heißt Harakiri. Das da gegen Berlin, das ist kein Fußball gewesen, das ist: Harakiri. Mag sein, dass sich das verkauft, dass es telegen ist. Aber gut ist das nicht. 0:3 gegen das biedere Berlin. Das geht so nicht, defensiv geht das überhaupt nicht. Vier Tore, dazu auf diese Weise zu kassieren, da darf man nicht so non chalant drüber hinweg sehen.

Da lass ich jetzt auch Moral und Co nur schwerlich als Beruhigungspille gelten – mich nervt das offene Scheunentor (33 Gegentore nach 16 spielen !!!) mehr als dass mich der er-wollte, ergaunerte Punkt erfreut. Klar, Karren ist aus dem Dreck, das hat die SGE in diesem Spiel, in dieser Halbserie erreicht. Aber wie die Balance, in alter Bremen-Manier so völlig dahingeht, nein, das darf so nicht bleiben. Und nein, dass liegt nicht am fehlen eines Carlos Zambrano. Im Mittelfeld und auf den aussenverteidiger-Positionen (hat Bastian Oczipka wieder zu oft mitbekommen, was er für’n Toller ist,ja?!) werden die Fehler fabriziert, gegen Hertha am Fließband und ohne jede Not.

Herrje, das Lesen dieses amateurhaft und analysierend geschriebenen Blogs hätte gereicht um die Knackpunkte erahnen zu können, siehe 1:0. Ziemlich sicher wird das Gejatze über das Spektakel, über die Achterbahn Eintracht Frankfurt die Rückschsu bestimmen. Die (starke) Aufholjagd, das (starke) Nicht-Zurückstecken muss, soll erwähnt werden. Ein verlorenes Spiel noch halbwegs gedreht zu haben, das ist natürlich ein Lob wert. Aber man darf, muss sehr wohl über diese Rückstanderitis reden, über die Tatsache, dass man sich (nur) das wieder aufbaut, dass man sich zuvor einriss. Das Berlin-Spiel ist dahingehend ein Sinnbild der Saison.

Was also nun, wie ordnen wir das 4:4 im Hinblick auf die Perspektive ein (außer es absurd zu nennen)? Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig, wenn man in richtig Europa-Attacke schaut. Klar ist nämlich, aller unverhofftheit zum trotz, dass derzeit derart viele Teams under-performen, dass anno 2014/2015 die Lücke für 1,2 Überraschungs-Teams entsteht. Sicher, was die Europa League angeht. Und da richtig bei der Musik dabei zu sein, dass hat die SGE gegen Berlin verspielt.

Wenn man vor 5 Wochen noch vom Niedergang ausging, darf man nun aber nicht Europa als Bewertungsmaßstab anlegen. Das macht die (wieder mal) verpatze „oben festbeißen“ (Bastian Oczipka) Chance jedoch nicht minder ärgerlich.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Offenes Scheunentor

  1. Adlerschnabel

    Volle Zustimmung. Allerdings gehen in Frankfurt die Uhren etwas anders. Da wurde jahrelang für diesen Hurra-Fußball, für das Spektakel mit „offenem Visier“, du nennst es zutreffend „offenes Scheunentor“, getrommelt. Jetzt haben diese zahlreichen Trommler bekommen was sie wollten. The show must go on, ob es mir und dir passt, oder nicht. Denn diese Trommler sind in der Mehrheit. Zumindest sind sie am lautesten. Und es sind unter ihnen die Zahlungskräftigen, die Kunden. Wer die Musik bezahlt, bestimmt das Lied. So ist dieses Geschäft.
    Spektakel, „Spassfußball“ ist in. Zumindest in Frankfurt. Zirkus SGE.
    Zum Beleg ein paar Zitate aus dem Blog G (17.12.14):
    Nr. 582, Bärchen 76: „Schaaf find ich gut und alle die den Mann nicht mögen, wollen anscheinend keinen Spass an diesem Sport. Er gibt uns die Garantie, wieder Fussball zu fühlen. Danke TS :-)“
    Nr. 583, Polterpetra: „Vom Wald zurück…was soll ich sagen? War grandios emotinal, liebe Sesselgucker. Mir fehlen die Worte“
    Nr. 578, Dr. Kunter: „Nehme aber natürlich die 33 beide lieber als das Trostlosentorverhältnis der anderen 16 Teams.“
    Nr. 567, hobday: „bin grad zurück aus dem wald, bin (noch) wie besoffen…. einfach nur großartig, wer ins stadion geht um mit seinem verein mitzufiebern dann gibt es momentan nichts besseres als die sge.“
    Nr. 533, Nidda-Adler: „also ich finds ganz geil ehrlich gesagt, aber wenn man auf Bausparverträge steht und den harsewinkelschen Führungsstil der unaufgeregten Hand gewohnt ist……..” (Ach was, der ist längst Zirkusdirektor geworden.)
    Natürlich gibt es auch kritische Stimmen, aber die sind klar in der Minderheit und gehen in der Frankfurter Spassgesellschaft unter.

    • Du hast wohl recht. Ich habe es nie und werde es nie verstehen, wie man aus Fußball, aus Sport mehr machen kann als das Ergebnis. Der Eintritt ins Stadion, die gebühren fürs fernsehen – das verstehen viele ofenbar als entrichtete Vergnügungssteuer. Dann will man bespasst werden. Und ein 1:0 Sieg ist – das sah man ja am 4:5 gegen Stuttgart – mehr pfui als Dammbruch-Fußball mit welchem Ergebnis auch immer.

      Nicht falsch verstehen, natürlich ist es vor allem für neutrale (!) Zuschauer so spaßiger. Aber für Fans? Nein, ich als Liebhaber des Fußballs und Frankfurts wünsche mir Struktur, Stabilität in selben Masse wie Erfolg. Diesen hat man in dieser Saison unerwarterweise. Zwischendurch, im November, gab es die auch. Aber dieses 4:4, wie schon das 2:3 in Hoppenheim, feiere ich nicht als riesen-Ding, ich sehe gegen Hertha eher 2. erspielte Punkte.

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