Der Bilanz zweiter Teil: Einzelbewertung

Tor:

Kevin Trapp
Patzte böse gegen Wolfsburg, war zu Saisonbeginn noch nicht in der gewohnt starken Verfassung. Steigerte sich, wurde zügig und bis zur Verletzung der Klassemann, den man in Frankfurt schätzt und benötigt. Ist auch ein Typ, ein Charakter, zumal bestimmter Mannschaftskapitän. Erwies sich aber als nicht unersetzlich, womit auch die Vertragsfrage für die Eintracht eine etwas andere sein könnte – Stichwort Ablöse statt Verlängerungs-Unsummen.

Felix Wiedwald
Starker Rückhalt, dessen Autorität mit den Spielen gewachsen ist und weiter wachsen wird. Steht qualitativ Trapp in wenig nach, einzig bei der Strafraumbeherrschung wirkt er weniger souverän. Anstatt ggf. Unsummen in Trapp zu investieren und sich auf eine Hängepartie einzulassen, sollte der Klub mit ihm verlängern, auf ihn als Nummer 1 setzen.

Timo Hildebrand
Acht Gegentore in drei Spielen, fast jeder Schuss ein Treffer. Zweifach parierte er stark, jeweils punktrettend – gegen Berlin einen Schieber-Schuss, gegen Leverkusen mit der Brust gegen Brandt. Machte nie den sichersten Eindruck, die mangelnde Praxis, das Notnageltum merkte man ihm an. Er war halt da, als man ihn brauchte. In Erinnerung bleiben wird er USA hin, Verbleib her wohl nicht.

Innenverteidigung:

Carlos Zambrano
Konzentriert, robus, schnörkelos: Das waren und sind seine Eigenschaften. Phasenweise schien es, als habe er sich auch die Mätzchen, die Schauspieleinlagen und Überkocher ausgetrieben. War dann aber doch nicht so. Mit ihm wären es vielleicht ein paar Gegentore (34) weniger geworden, aber alles in allem war auch er ohne Mega-Qualitätsverlust ersetzbar.

Bamba Anderson
Zurück in der guten Spur. Defensiv ruhig, hin und wieder etwas fahrig und unkonzentriert. Vor allem im Aufbauspiel zu Beginn der Saison – wie die meisten – schlimm. Schlug permanent lange Bälle. Änderte sich mit Taktikumstellung, gut so.

Marco Russ
Anfangs als Sechser bereits meist gut, machte er Zambranos Ausfall in der IV fast vergessen. Kompromisslos, sicher im Aufbauspiel und manches Mal mit Ausflügen nach vorne. Ein folgenschwerer Patzer im ersten Saisondrittel, ansonsten weitgehend fehlerlos. Zudem ist er der torgefährlichste Defensive, der Antreiber von hinten.

Alexander Madlung
Bis zum Leverkusenspiel sah es nach einer lupenreinen Seuchensaison aus. Traf immer wieder in des Gegners und ins eigene Netz, strahlte als Ersatzmann viel Unsicherheit aus und kam so gar nicht in die Spur. Dann, am 17. Spieltag, wurde er zur Mauer, die man aus der vergangenen Rückrunde kennt. Darauf lässt sich aufbauen.

Außenverteidigung:

Bastian Oczipka
Rutschte nach Djakpas Kreuzbandriss ins Team und spielte so, wie man das aus den vergangenen 2,5 Jahren kannte: Defensiv wirr, ohne Durschlagskraft nach vorne. Stabilisierte sich Mitte der Hinrude, nach der Taktikumstellung plötzlich mit drei sehr starken Spielen. Dann plötzlich wieder der Abwärtstrend, vor allem schwach gegen Berlin. In Leverkusen okay. Alles in allem: so lala mit berechtigter Hoffnung auf (konstantere) Besserung.

Timothy Chandler
Fand lange überhaupt nicht in die Saison, noch nicht mal ins Team. Als er seine Chance(n) erhielt, oft der schwächste Feldspieler, ihm gelang defensiv wenig, offensiv kaum etwas. In den vergangenen fünf, sechs Spielen aber absolut aufsteigende Form, bisweilen einer der besten Spieler. Kann Sebastian Jung nicht eins-zu-eins ersetzen – aber das hätte sowieso kaum jemand gekonnt. Ist auf einem guten Weg, der zumindest bestmögliche Jung-Ersatz zu werden.

Aleksandr Ignovski
Kam nach Frankfurt, um auf der Sechs statt Außen zu spielen. Er (musste) dann Außen
spielen und man sah all zu oft, wieso er sich dort nicht wohlfühlt. Probierte, biss und malochte – aber qualitativ reichte es nicht, die Fehler kamen hinzu, er verlor den Platz im Team. Auf der Sechs nie länger als zehn Minuten eingesetzt worden. Wirkt ein wenig wie ein Fremdkörper in Frankfurt.

Defensives Mittelfeld:

Makoto Hasebe
Gute Halbserie, selbst in den düsteren Phasen oft der beste Frankfurter. Ihm sah man früh die Qualität an, ruhig am Ball, umsichtig, ordnend und mittlerweile – nach einem Durchhänger – zweikampfstärker und robuster. Beschränkft sich offensiv oft auf einen unaufgeregten Aufbau, ersten/zweiten Pass, sichert im Zweifel die Offensivreihe ab. Das ist gut, macht den Abgang von Ex-Kapitän Pirmin Schwegler vergessen und wurde zuletzt, vor allem nach der Systemumstellung nochmals stärker. Nur das Meckern könnte er manchesmal sein lassen – aber er braucht es wohl zur Motivation, was okay ist.

Slobodan Medojevic
Bleibt bislang vieles schuldig, das ihm zugeschrieben Potential versteckt er sehr erfolgreich. Sein Passspiel ist gefährlich unpräzise, hat Probleme mit Ball und Aufbauspiel im ganzen. Gipfelte in dem schlimmen Ball- und somit Punkteverlust in Leverkusen. Spielt zu oft Foul, bringt keinen Impuls nach vorne, verlor seinen Stammplatz recht zügig. Man fragt sich zusehens nach dem Sinn seiner Verpflichtung.

Martin Lanig
Nach offenbar guter Vorbereitung durch eine Verletzung ausgebremst. Danach nicht mehr dran am Team, nach Einwechslungen wirkte er starksig, als Defensivoption nicht beruhigend. Ist nach Flums permanenter Nicht-Berücksichtigung aber die Nummer zwei auf der Sechser-Position.

Offensives Mittelfeld:

Stefan Aigner
Das Duracell-Häschen läuft wieder. Kam nach einer Verletzung schwer in die Gänge, ihm gelang wenig. Dann drehte er am Leistungsrad, wuselte und wirbelte, schmiss sich gewohnt agil in Bälle und den Gegner. Belohnte sich mit Toren, Vorlagen und war dem Team im entscheidenden letzten Hinrundendrittel eine große Hilfe. Weiter so.

Takashi Inui
Startete sehr schwach, reihte lange Ballverlust an Ballverlust, schenkte seinem Team dadurch so manches Gegentor ein. Seine Herausnahme stoppte den Trend, war nach der Denkpause besser, auch, weil er auf den Flügel, nicht ins Zentrum gestellt wurde. Zuletzt drei, vier deutlich bessere Partien, beschränkte sich dort auf einfacherere Dinge, half dadurch dem Team mehr als durch gewagte Aktionen. Muss nicht aufblühen wie vor drei Jahren, aber so unaufgeregt und doch zielstrebig kicken wie gegen Gladbach, Dortmund, Bremen und Hoppenheim.

Lucas Piazon
Lustlos, planlos, körperlos. Die Leihgabe liefert bestenfalls Alibifußball. Es mutet wie Freizeitfußball auf dem Dorf-Festplatz an, was er zeigt. An diesem Eindruck ändert auch das phänomenale Freistoß-Tor gegen den HSV nichts. Der Trainer sollte Abstand davon nehmen, ihn als erste Ersatz-Option für den Flügel zu bringen. Ist sowieso und zum Glück nach Rundenende wieder auf Wanderschaft. Unerklärlich, was man in ihm sah, außer den vor der Saison bereits zitierten Notkauf.

Marc Stendera
Lange außen vor, rückte er mehr aus spielerisch und qualitativer Not ins Team. Macht seine Sache passabel, auch wenn seine Stärke – die Standards – überhaupt nicht passen und er am Ball noch zu behäbig agiert. Ihm fehlt das Tempo, der Antritt. Auch deshalb zuletzt als Zentral-Offensiver mehr als giftiger Defensiv-Terrier, als erster Verteidiger im Team, auffällig. Macht seine Sache ordentlich, hat aber Luft nach oben.

Sonny Kittel
Unbemerkt so etwas wie der Überraschungs-Gewinn(er) für das Team. Wann immer er ins Spiel kommt, spürt man seine Präsenz. Er versucht etwas, ohne Harakiri zu spielen. Nach so vielen und schweren Verletzungen ist seine Form nach diesem Comeback phänomenal. Steckt Piazon in die Tasche, sollte der Trainer häufiger erkennen.

Sturm:

Alexander Meier
Nicht so prägend und allgegenwärtig wie in den vergangenen neun, zehn Jahren, aber torgefährlich wie eh und je. Führt sensationell die Torschützenliste der Liga an, kam aber erst richtig zur Geltung als er wieder am Aufbauspiel teilnehmen, sich Bälle im Mittelfeld abholen durfte. Die neue Position als vorderster Mann lässt ihn häufiger als gewohnt in der Luft hängen, aber es funktioniert.

Haris Seferovic
Reibt sich auf, gibt keinen Ball verloren, stellt seinen Körper in jeden Zweikampf, macht Zuspiele fest, gibt dem Team somit Zeit zum nachrücken, sorgt für Ballbesitz. Oft zu überhastet im Abschluss. In Leverkusen erst zum zweiten, dritten Mal in der Hinrunde blass. Ingesamt ein klarer Zugewinn fürs Team, ein Top-Transfer, einer der qualitativ drei, vier besten Neuzugänge der vergangenen Jahre.

Vaclav Kadlec
Kaum Einsätze, aber ein wichtiges Tor. Soll im Training desolat sein, die schon von Armin Veh kritisierte Körperlichkeit immernoch nicht beherzigen, daher auch keine Chance bekommen. Nach nun eineinhalb Jahren ist klar, dass es kam, wie es kommen musste: Kadlec ist, wie vorhergesagt, Martin Fenin 2.0. Er wird in der Rückrunde nicht mehr in Frankfurt spielen, mal wieder hat die SGE einen hohen Millionenbertrag verschleudert.

Thomas Schaaf: Reiht sich ein in die Riege der erfahrenen Trainertypen, die es in Frankfurt benötigt, um a) anerkannt und b) erfolgreich zu sein. Nach Friedhelm Funkel und Armin Veh, ist er der nächste 50pluser, der alleine mit seiner Art, mit seinem Charisma für Vertrauen sorgt. Dazu gesellen sich Überlieferungen, dass er von Beginn an ebenso akribisch wie besessen und umfassend im Training mit dem Team gearbeitet hat. Zu sehen etwa daran, dass diese Mannschaft deutlich fitter und spritziger wirkt als in den vergangenen Jahren, gerade bei dem enormen Aufwand, dass es betreibt. Das vielleicht Wichtigste: Der Trainer hat seinen Grundfehler der Taktik, der Spielweise und vorher noch des gewählten Personals korrigiert, korrigieren lassen, von einem Team, dass er offenbar für mündig hält. Als er mit dem Rücken an der Wand stand, hatte er natürlich kaum noch Möglichkeiten – aber seitdem setzt er einen neuen Kurs konsequent um. Und dass die Mannschaft nun doch auch anders, zurückhaltender, defensiver kann, bewies sie gegen Leverkusen. Da reift(e) zuletzt etwas. Schaaf tut der Eintracht gut, auf eine andere Art als Armin Veh das seinerzeit tat.

Ohne Wertung (weil zu wenig Einsätze/Eindrücke):

Johannes Flum, Constant Djakpa, Jan Rosenthal, David Kinsombi, Nelson Valdez

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Der Bilanz zweiter Teil: Einzelbewertung

  1. akloppi

    Schöne Zusammenfassung! Vielen Dank und ein frohes Fest. Möge uns BH ein paar Vertragsverlängerungen unter den Baum legen.

Diskussion

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