Leiern aus dem Kasten

Bamba Anderson, der seine Stabilität und Ruhe wiedergefunden hat, hat seinen Vertrag verlängert, im Gegenzug erhält er ab sofort siebenstellige Beträge aufs Konto. Wer es noch nicht wusste, kann das bei einem Blick auf den Twitter-Account des Brasilianers sehen. Heutzutage ist diese Amüsement-Allgegenwart bekanntlich unerlässlich. So oder so: eine gute Nachricht ist das mit Bamba Anderson.

Baustelle Nummer eins ist mit dem neuen Dreijahresvertrag zugeschüttet. Somit steht für 2015/2016 schonmal eine potentielle Innenverteidigung zumindest zur Verfügung – Bamba Anderson/Marco Russ – und man muss nicht von der Pike auf was zusammenbasteln. Das ist gut, wenn auch erst ein Anfang. Man hat, böse gesagt, jetzt erstmal dem stellvertretenden Klassensprecher das Zuckerl gegeben. Den Chef wird das herzlich wenig jucken, Südamerika-Sinn hin oder her.

Bei Takashi Inui, das lernten wir vom Klauselkönig nun, greift eine Option für ein Zusatzjahr in Frankfurt. Das bedeutet aber, zynisch wie wir sind, nicht, dass der Japaner über den Sommer hinaus bei der Eintracht bleibt. Die Option bedeutet erstmal nur, dass er nicht für umme wechseln könnte. Wobei mit der Option sicher eine Ausstiegsklausel ins Spiel kommt. Euer Tipp, wie viel, 750 000 Euro?
😉

Und Kevin Trapp, der abermals Wehwehchen zu haben scheint? Still ruht der See. Derweil wechselt – verräterischerweise nur für die Rückrunde – Koen Casteels von Hoppenheim nach Werder Bremen. Ein Indiz mehr dafür, dass Felix Wiedwald bereits in seiner Heimatstadt unterschrieben hat, gültig sein wird das Arbeitspapier ab Sommer. Und schon befände – Konjunktiv, Konjunktiv – sich die Eintracht exakt in der Bredoullie, wo sie sich zielsicher hingeschlafen hat. Wann wurden Trapp und Zambrano die Verträge hingelegt? Mitte, Ende November? Ein Vierteljahr Bedenkzeit, Zockerzeit? Lachhaft. Und wenn tatsächlich währenddessen die sinnvolle Erstazpersonalie die lange Nase dreht, dann … Ach, alles Theorie. Warten wir einfach auf die Verkündung. Entweder wird sich im eigenen Verhandlungsgeschick geaalt, die Geduld gepriesen, oder es wird sich für die „tollen Verdienste“ bedankt.
Geht es eigentlich noch irgendjemandem da draußen so, dass er mit diesem ganzen Fußballbums, diesem Vereinsding mehr verbindet als dass er Kicker braucht, die drei Jahre irgendwo Geld verdienen und dann weiterziehen? Dieses Fußball-Nomadentum, wo die Angestellten jedes zweite Jahr aufs Neue zocken dürfen, wo stets jeder auf dem Absprung ist, sobald ihr Klub nicht auf 1,2,3,4,5 oder 6 steht?

Ist ja in den konkreten Fällen (noch) nicht geschehen. Also das Wechseln. Das Zocken, das Feilschen jedoch allemal. Wahrscheinlich nervt es mich am meisten, dass die Teilzeit-Berufstätigen keinen Arsch in der Hose haben, nicht sagen, was Fakt und für jeden sichtbar ist: Sie wollen erst unterschreiben, wenn die nächsten paar Spiele gewonnen wurden, wenn dieses für alle stets als Messlatte geltende Europa erreichbar ist. Ist für den Verein aber nicht zu vertreten, diese Haltung. Wer ist Berg, wer ist Prophet? Eintracht Frankfurt, sicher auch andere Klubs, haben sich zum Bittsteller machen lassen. Wieso rutscht man, seit Jahren, vor den Spielern auf Knien rum? Am Ende sind es nicht Zlatan Ibrahimovic und Per Mertesacker die man zu halten gedenkt. Es sind gute, für Frankfurter Verhältnisse sehr gute Spieler. Aber sie sind, das ist offensichtlich, ersetzbar. Mehr als es ein Alexander Meier war und ist, mehr als es Stefan Aigner war und ist oder (wohl) Makoto Hasebe sein wird. Wie schon bei Pirmin Schwegler, wo einem vermittelt wurde, er sei King Dingeling, darf man sich nicht abermals von den Gelüsten der Angestellten treiben lassen. Sie wollen nicht in, für Frankfurt spielen? Nicht mal für ein Schmerzensgeld von, kolportiert, drei Millionen Euro? Bitteschön, hinfort! Hat es Eintracht Frankfurt nötig, derat geduckt, gebückt zu laufen? Am Ende ist dieser Klub – auch wegen der Stadt und des Standorts,sportlich sicher auch wegen der Fans im Stadion – einer der zehn attraktivsten Vereine in Deutschland. Ist das nichts wert? Anders gesagt: Wem das nichts wert ist, wer das, wer sportliches Auf und Ab nicht mal für viele Millionen Euro erträgt, der soll eben weiterziehen.

Der Thrill des Auf und Ab, machen wir uns nichts vor, schweißt uns Irre doch an diese Truppe, an diesen Verein. Das ist Adrenalin, das ist Emotion, das ist Erlebnis. Auch wenn wir nie Deutscher Meister waren und werden, auch wenn die SGE außer Fuji Cup und Antalya-Kokolores keine Titel je gewinnen wird: Da ist etwas da, was das mal obere, mal untere Mittelmaß erträglich, was es faszinierend macht. Wird einem das noch versüßt durch die Treue und Leistungsbereitschaft weniger – wie einst Oka Nikolov, jetzt Alexander Meier – ist das wahrscheinlich mehr als man heute erwarten darf.

Also, Kevin, Carlos, macht eine Ansage. Ihr seid nicht bei der Darmspiegelung, liegt nicht ohne Narkose auf dem OP-Tisch – es geht schlicht darum, wo ihr (mehr) Geld verdienen wollt. Damit rauszurücken, sollte so schwer nicht sein.

Advertisements

3 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

3 Antworten zu “Leiern aus dem Kasten

  1. Staniii

    Der Wechsel von Casteels ist interessanter als gedacht, zumal er zu Wolfsburg geht und für die Dauer der Rückrunde nach Bremen verliehen wird. Die Personalie Wiedwald außen vor heißt das, das sich die Tür für Trapp in Wolfsburg erst mal schließt.

    • Florian

      ich sehe ihn eher in Dortmund. Vielleicht kann man ja Mitch Langerak dafür loseisen. Wäre aber wirklich zu schade, wenn Wiedwald nächstes Jahr wirklich zweite Liga spielen wird.So hat sich die Eintracht aus einer guten Ausgangslage in ein Torwartproblem manövriert, zumal Trapp ja laut eigenem Bekunden überhaupt nicht daran denkt, sich schnell zu entscheiden.

      • Staniii

        Pistole auf die Brust kann und macht Hübner nun mal nicht sonst wäre das Thema gegessen. Vertrag bis vor dem Freiburg Spiel unterschreiben, ansonsten wird das Angebot zurückgezogen. Dann Wiedwald ins Tor und Trapp wie damals in Lautern auf die Bank. Wenn es stimmt, verlängert sich Wiedwalds Vertrag nach 20 Einsätzen wobei man ihm dann auch einen ordentlichen neuen Vertrag vorlegen kann. Trapp ist Kapitän, dann soll er doch wenigstens mit offenen Karten Spielen. Aber scheinbar kann HB nur auf Knien rutschend den Verhandlungsraum betreten.

Diskussion

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s