Die Perspektiven-Phrase

Die Vertragsverlängerung von Eintracht-Torwart und Mannschaftskapitän Kevin Trapp hat mich dazu veranlasst, etwas tiefer in die Masche der Vertragszockerei einzutauchen. Egal bei welcher Personalie, das Geld, die eigenen Gehaltsvorstellungen nennt – bis auf Albert Streit – niemand offen als Grund für einen Wechsel oder für sein Zögern. Es geht vordergründig, daher öffentlichkeitswirksam und skandalöserweise stets widerspruchslos akzeptiert (angeblich) um Konzepte und Konstrukte.

Dabei lässt sich die gesamte Perspektiven-Phrasendrescherei einzig auf den Faktor Geld reduzieren. Es geht, auch den Spielern die verlängern sollen, offenbar um die Höhe der seitens des Vereins investierten Summen, dessen Verteilung / Aufteilung von Transfer- und Gehaltsbudget. Über das Gehalt, das Gehaltsgefüge wird sich in Frankfurt niemand beschweren können. Das wird nach allem was wir wissen / ahnen auf einem ordentlichen, für Normalsterbliche nicht nachvollziehbaren Niveau liegen: Schätzungsweise, den Nachwuchs ausgenommen, wird das Mittel rund um die eine Million Euro pro Spieler liegen. Die Stars, also die Kategorie Meier, Trapp, Aigner, ggf. Zambrano erhalten (nun) wohl zwischen 1,5 und 3 Millionen Euro. Legt man pro Bundesligist den Etat, der natürlich aufgrund von juristischen Winkelzügen nur bedingt Aussagekraft besitzt, als Maßstab an, kann man sagen: Die Eintracht liegt in diesem Bereich ziemlich sicher im Mittelfeldbereich, plus/minus.

Was die Neuverpflichtungen angeht – ein Faktor, den man zur Perspektive eines Klubs zählen sollte – investiert die Eintracht auf den ersten Blick weniger Geld als andere Klubs. Für die Gesamtsumme lässt sich diese These durchaus bestätigen (vor der laufenden Saison 6,5 Millionen Euro, Rang 15. Zum Vergleich: Hannover, 10,6 Millionen, Rang 8), für die durchschnittliche Pro-Kopf-Transferausgabe jedoch nicht. Da liegt man 2014/2015 (mit rund 500 000 Euro) auf einem Level mit vergleichbaren Klubs wie Hannover, Stuttgart, Köln und Mainz.
Auf die letzten beiden Saisons gerechnet, hinkt die SGE zwar etwas hinter, mit 13,6 Millionen, zum Vergleich Stuttgart 17,4 Millionen, Hannover 19,2 Millionen). Jedoch muss man dabei die Auswirkungen des Faktors Abstieg mitdenken und festhalten, dass dies a) keine Unsummen sind, die man den anderen hinter-transferiert und b) die Transferausgaben kein Indikator für den Erfolg einer Transferpolitik sind. Das Mittel der Transferausgaben pro Verein liegt übrigens bei 15 Millionen Euro – bei einer Spanne zwischen 54 Millionen (Dortmund), 50 Millionen (Bayern) und 1,6 Millionen (Paderborn und Bremen). Demnach knausert die SGE, die angeblich so sparwütige Crew rund um Heribert Bruchhagen nicht wirklich. Das geht aus den gesammelten Transferdaten der Plattform Fußball-Geld.de hervor.

Was sagt uns das? Schall. Rauch. Show. Wenn Spieler über Perspektive sprechen und deren Mangel als Argument ins Feld gegen die Eintracht führen, ist das wohlfeil. Denn wenn man nicht gerade auf die Finanzstärksten, auf die Investorenklubs schaut – sprich von 6,7 „Vereinen“ spricht – steht man in puncto Investitionen nicht meilenweit hinter der Konkurrenz des, ich nenne es mal „Mittelsegments“.

Woran es in Frankfurt krankt, ist eine (halbwegs konstante) Entwicklung von jungen Spielern, um mit diesen Transfererlöse im Bereich fünf bis zehn Millionen Euro plus zu erzielen. Nicht mal aus der eigenen Jugend müssten diese kommen, man müsste – wie im Fall Sebastian Rode – jedoch schnell genug verkaufen. Dieses Kapitel als Re-Invest-Masse, dann wäre ein Sprung ran ans internationale Fußballgeschäft möglich. Denn die Besten halten, um sportlich mehr zu erreichen, funktioniert im heutigen Fußball-Verdrängungskampf für Nicht-Investorenvereine bzw. die älteren ChampionsLeague-Einführung-und Bossmann-Profiteure nicht.

Man kann darüber lamentieren, man muss das traurig und schlimm finden. Konkurrieren, mithalten, aufholen wird man als Verein der Kategorie Eintracht Frankfurt nur via Investor/Mäzen/Gönner – man nenne es, wie man will. Wir sprechen nämlich von Summen, dauerhaftem Geldfluß in Bereichen von 10, 20 Millionen Euro. Per annum. Und zusätzlich zum bisherigen Erlös / Etat. Bei gut und gerne 45, 50 Millionen Euro Geldmasse – pro Saison – fängt das mit dem (gekauften) Erfolg an. Ob dass einen Fan emotional noch mitreißt wie der Mangel, ob der Anhänger bereit ist, das Logo des Sponsors/Mäzens im Stadion zu formen und eine Litfaßsäule zu mimen? Das kann ich für mich verneinen. Artifitielels hatte noch nie die Bindungskraft von etwas Realem. Zumindest für einen wie mich aus, Jahrgang 1982. Wer aber in Zeiten von „World of Warcraft“ aufgewachsen ist, wird das anders beurteilen. Von daher steht dem Geschäft Profifußball nichts im Wege.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Die Perspektiven-Phrase

  1. Eintrachtfan a HH

    Hoffentlich schlägt sich dieser Fakt, wie er im Text absolut anschaulich dargelegt wird, auch bei diesen meinungsschweren Phantasten nieder, die bspw. bei einer Personalie Bendtner völlig unbedarft herumkrakelen, dieser unsägliche Heribert möge doch endlich die Schatulle für 5 mio öffnen, dieser Egoist. Nur, um sich im darauf folgenden Satz mit der vergleichbar großen
    Tradition&Eigenständigkeit des Vereins
    gegenüber Klubs, die sich bereits an machtige

    Geldgeber prostituiert haben zu rühmen!
    Wem der traditionelle Fußball wichtig ist,
    sollte sich alle 5 Jahre am Ausreißer
    noch oben erfreuen. Wer das nicht will, könnte von den Folgeereignisen überrollt werden. Weil das Ende vom Lied:
    Hier in Hamburg schauen Sie (ehemals große Fangruppe HSV; choosen few) nun 3. Mannschaft (Bezigsliga), toll!

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