Ein Spiel dauert länger als 25 Minuten

Respekt, Eintracht Frankfurt. Der Sieg gegen Schalke war angesichts der Entwicklungen im Tabellenkeller und den spielerisch mangelhaften Eindrücken der vergangenen Wochen eminent wichtig. Drei Punkte, die dem Rückrundenstart nun das Prädikat gut, überraschend gut verpassen. Denn: Eintracht Frankfurt hat an den Spieltagen 18 bis 21 nicht irgendwelche Gegner vor der Brust gehabt. Es war der – Stand jetzt – 2. , 4. und 5. der Bundesliga. Den SC Freiburg vergessen wir an dieser Stelle, dank dieses Heimsiegs mal geflissentlich.

Was war der Grund für den Erfolg gegen Gelsenkirchen? Dreierlei bedingte diesen. Erstens vergab der Gegner in den Minuten 1 bis 25 vier Großchancen, zwei Mal parierte Kevin Trapp stark, die anderen mal diletierten die Schalke den Ball derart, dass sie sich der Torerfolge selbst beraubten (Fuchs und Höger sowie Uchidas Querpass). Zweitens arbeitete sich das Team nach eben diesen 25 Minuten in allen Mannschaftsteilen in die Partie, plötzlich war defensiv Zugriff vorhanden, vor allem durch den zwar enorm glücklosen, vor allem in der Offensive Fehler an Fehler reihenden Stefan Aigner. Der biss, half dem bis dato abermals schwimmenden Timothy Chandler. Drittens gelang Thomas Schaaf mit der Hereinnahme Lucas Piazons (!) der entscheidende Schritt für eine deutlich bessere, weil sicherere zweite Halbzeit. Ungewohnt lauffreudig sorgte der Brasilianer für eine Verbesserung der bis dato – durch Sonny Kittel – brachliegenden und gefährdeten linken Seite. Die Schalker kamen fortan auf dem Flügel nicht mehr spielend leicht durch, auch die Zentrale, die Makoto Hasebe in den ersten 25 Minuten alleine gar nicht dichthalten konnte (weil, wie immer, der zweite Sechser fehlte). Das Tor selbst war dann Glück gereiht an Glück. Stenderas Dribbling in den Gegner kommt zu ihm zurück, Chandlers Flanke wird entscheidend abgefälscht und Schalkes Torhüter zögert – Piazons Kopfball war zudem technisch gut gemacht (sah man bei der Schlussaktion in Augsburg, dass der köpfen kann).

Danach hielt die Eintracht die Partie lange erstaunlich ruhig und sachlich. Erst in den letzen 15 Minuten, als Thomas Schaaf erneut einen zweiten Wechsel verbummelte, obwohl gerade Haris Seferovic über 90 Minuten ein Totalausfall war und um den Platzverweis bettelte, wurde es für die Hintermannschaft kniffeliger. Aber was Alexander Madlung und Marco Russ dort hinten spielten, war schon sehr gut. Wesentlich ruhiger als mit Carlos Zambrano ging es zu. Keine Theatralik, kein Zeichensetzen, einfach simple, ruhige, abgeklärte und robuste Verteidigung. Mehr braucht es nicht.

Dieses Spiel hätte Eintracht Frankfurt nach Rückstand, der in den ersten 25 Minuten mehr als höchstwahrscheinlich war, nicht gedreht. Umso wichtiger, dass Kevin Trapp zur Stelle war. Und das Glück. Denn um ein Haar hätte der schwache Schiedsrichter Marco Fritz diesen Kick (anders) entschieden. Wie man das Foul an Hasebe im 16er als irgendetwas anderes werten kann, ist mir schleierhaft. Zumal der Mann fast genau daneben stand. Grotesk. Überdies pfiff er jede Kleinigkeit gegen die SGE. Perdu. Diesmal hielt das Team die Arbeit, die es mit den eigenen Füßen leistete, fest. Kein Schnickschnack hinten raus – und ein Johannes Flum, der endlich mal mitmachen durfte und in der 91. Minute sogar noch eine Doppelklärung im Mittelfeld, nach schimmer Aigner-Hackenablage, beisteuerte.

Nun stehen für die Eintracht die saisonverlaufsentscheidenden Wochen an. Mit dem Sieg – und den Ergebnissen gerade von Stuttgart, Mainz und Hamburg – ist man vorerst vor dem Runterrutschen gefeit. Bis auf Rang sieben, um den die halbe Liga kämpft, ist es ein Katzensprung. Aber genau diese Frage, hoch/runter oder eben doch Baum und Borke, wird nun zu beantworten sein. Mainz, Hamburg, Stuttgart, Paderborn etc. stehen ab sofort auf dem Spielplan. Egal, ob es um Klassenerhalt oder ums Europa-Mitkämpfen geht – jetzt müssen die Punkte geholt werden, ab sofort geht es um die Definition und das Erreichen der (minimalen) Saisonziele. Das Team ist besser gewappnet, wenngleich nach wie vor vieles Stückwerk ist und von der Offensivkraft wenig übriggeblieben ist. Jedoch: Zig Tore braucht es nicht, wenn hinten die 0 steht oder man im Schnitt nur ein, nicht zwei Gegentore frisst …

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Ein Spiel dauert länger als 25 Minuten

  1. Jermaine Jones Junior

    Ein sehr schöner Artikel.

    Ich bin sehr froh über den Sieg gegen Schalke. Kevin Trapp hat super gehalten und Thomas Schaaf hat vieles richtig gemacht. Ich war auch positiv überrascht über die Einwechslung von Johannes Flum. Dessen Einsatzerfahrung wird sich nämlich bezahlt machen, weil Hasebe gesperrt sein wird.
    Einzig hätte ich mir eine Einwechslung von Kadlec für den formschwachen Seferovic gewünscht. Kadlecs Trainingsengagement (Quelle: FR) muss so langsam auch mal gewürdigt werden.

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