Frankfurter Fledermäuse

In dem Moment, wo sich Frankfurter Spieler Batman und Robin Masken aufziehen, bin ich glaub ich raus. Wessen Geistes Kind so Typen wie Marco Reus und Pierre Aubemeyang sind, das zu erahnen, dafür reicht so eine Aktion schon. Da hängst du mit deiner Mannschaft nach wie vor im Abstiegskampf, spielst weit unter den eigenen Erwartungen – aber du hast im Kopf Kapazitäten um so alberne Umhänge und Masken neben die Tore zu legen um bei einem Treffer deine Show abziehen zu können. Unterhaltung, Amüsment, heute will ja jeder witzig und kreativ sein. Und natürlich springen so Highspeed-und-bildergeile Medien wie „Spiegel Online“ darauf an, promoten Borussia Dortmund „gebührend“, geben die Marketingabteilung des BVB. Bilder statt Inhalte transportieren, Willkommen im Zeitalter von Facebook, Instragram, Twitter und all dem anderen Blödsinn.

Da lobe ich mir einen Alexander Meier, der nach dem 1:0 gegen Hamburg kurz mit den Armen pumpt und beim Siegtreffer jubelnd in die Nordwestkurve rennt und dann einfach weitermacht. Das hat etwas mit Geisteshaltung zutun, mit Reife sowieso. Vielleicht braucht es auch einfach einen Führerschein, um auf dem Boden zu bleiben.

Boden, gutes Stichwort. Nach dem Heimsieg gegen Hamburg wird von nicht wenigen offensiv in Richtung Europapokal geschielt. Natürlich muss es das Ziel eines jeden Sportlers sein, zu gewinnen, er muss bei Niederlagen grollen, böse sein, die Gefühle wiederum in trotzigen Ehrgeiz wandeln und siegeswillig sein. Aber angesichts der einträchtlichen Eindrücke lehne ich mich aus dem Fenster und behaupte, dass diese Frankfurter Mannschaft am Saisonende nicht auf einem Rang landen wird, der für europäische Spiele qualifizieren wird. Nicht auf 6, nicht auf 7 – der bei einem (wahrscheinlichen) Bayernpokalsieg zur EL-Teilnahme berechtigen würde.

Wieso ich, der Schwarzmaler, die Cassandra, der Nörgler das behaupte? Nicht so sehr wegen des Wankelmuts dieses Teams, sondern weil spielerische Elemente, weil Souveränität fehlt. Gegen Hamburg war zwar gerade in der Vorwärtsbewegung endlich wieder vieles besser als in den Vorwochen/Vormonaten. Aber immer wieder verfiel die Mannschaft in Arbeit, mühte sich mehr als dass sie miteinander spielte. Als Hamburg dezimiert, nur noch zu zehnt war, ging bei der Eintracht nach vorne kaum noch etwas zusammen. Abschlüsse blieben Mangelware. Schon Ansätze zu Kontern wurden verspielt, die einzigen zwei ausgespielten Gegenstöße durch schlechte letzte Pässe zunichte gemacht. Der Deckel wurde nicht draufgeschraubt, gegen 10 (tretende) HSV´ler geriet man sogar zweimal noch bedenklich in Gefahr. Die Viererkette, das sah man vor allem in der ersten Halbzeit, stand angesichts ihrer bekannten Langsamkeit viel zu hoch, gerade nach einer Führung. Das war gegen Hamburg eine Kopie der Situation(en) gegen Mainz.
Natürlich ist es nach diesem Spieltag, so wie dieser für die SGE und gegen manchen Konkurrenten lief, nicht unmöglich mehr zu erreichen als den Klassenerhalt schon Mitte/Ende April. Aber neben mindestens zehn Punkten aus den kommenden Partien (einen Sieg gegen Köln halte ich für höchst unwahrscheinlich) müsste dafür gerade in Bezug auf die Sicherheit viel verbessert werden. Mit den nach wie vor eklatanten Schwächen in der Rückwärtsbewegung lässt sich der Coup nicht erreichen. Es ist allerdings höchst unwahrscheinlich, dass nach neun Trainer-Thomas-Schaaf-Monaten plötzlich die Probleme aufhören zu existieren, die eben seit dieser Zeit existieren.

Spannend wird in dieser Woche, im Hinblick auf die Partie in Köln sein, für welches Personal der Trainer sich entscheidet. Im Vergleich zum Spiel gegen Mainz präsentierte sich das am Wochenende aufgestellte Team wesentlich besser, offensiv wie defensiv. Und angesichts der schaafschen Dauerwechsel in der Startformation, wäre es nun eventuell an der Zeit, das Bewährte beizubehalten. Denn selbst die gewohnheitsmäßigen Dauer-Minderleister – etwa Bastian Oczipka, Lucas Piazon, Takashi Inui – haben gegen Hamburg zu überzeugen gewusst. Nur weil Carlos Zambrano und Haris Seferovic nun wieder spielberechtigt sind, darf man deren Vorleistung, deren Form nicht ignorieren. Gerade bei Seferovic ist das Leistungsvermögen in der Rückrunde im Sturzflug, ihm gelingt seit Wochen nichts, selbst läuferisch ist das mehr wild als effektiv. Es spricht derzeit nichts gegen ein Beibehalten der Offensivformation vom Hamburg-Spiel, ergo Inui und Piazon im Team, abwechselnd auf Außen und der Zehn hinter Meier. Eventuell aus dem Team rotieren könnte auch Marc Stendera, der pro Spiel zwei, drei lichte, auffällige Momente hat und sonst häufig untergetaucht bleibt. Ohnehin ist mir seine Position, sein Aktionsradius in der Schaaf´schen Formation nicht wirklich klar.

Und Zambrano? Die Defensive Nummer eins, neben Makoto Hasebe, ist eindeutig und seit langem Marco Russ. Wie das Fußballmagazin „Kicker“ errechnete, ist die erfolgreichste Innenverteidiger-Formation eine mit Russ und Bamba Anderson. Die wenigsten Gegentore kassierte, die meisten Punkte (1,6) holte die Eintracht mit diesem Duo. Wieso der Brasilianer Anderson auf einmal, mit der Vertragsverlängerung außen vor ist, verstehen derzeit die wenigsten. Da Alexander Madlung, der seine Sache eigentlich stets ordentlich bis gut macht, aber – logischerweise, angesichts von gut zwei Metern Körperlänge – gegen flinke Gegenspieler Schwächen hat, wird er nun um seinen Startelfplatz fürchten müssen. Es läuft also auf ein Pärchen Russ/Zambrano hinaus – laut Kicker endeten alle drei Spiele, in denen beide das IV-Duo bildeten, unentschieden (ergo Schnitt von 1,0). Nur das Pärchen Madlung/Anderson (zwei Mal aufgelaufen) ist mit 0,5 Zählern schwächer, das einstmalige Südamerika-Bollwerk und die häufigste IV-Kombination Zambrano/Anderson kommt in dieser Saison auf einen Schnitt von 1,25 Punkten.

Der Sprung auf 31 Punkte, da lege ich mich ebenso fest wie bei der Nicht-Europa-Prognose, katapultiert das Team in Richtung Klassenerhalt. Fünf, sechs Punkte fehlen zwar noch bis zur faktischen Rettung. Aber dem Strudel, der einen plötzlich gefangen halten und für Negativerlebenis nach Negativerlebnis sorgen kann, hält sich die Mannschaft schon jetzt weit genug fern. Das gefährliche Abrutschen, gerade nach dem Mainzer Murks und den dann klaffenen Wunden im Team, hätte bei einer Niederlage gegen den HSV begonnen, dann wäre es aus vielerlei Gründen eng und beängstigend geworden. Spirale des Misserfolgs eben. Der Bann, gegen die Formschwachen stets zu patzen, ist gebrochen. Für den Kopf, die Denke der Spieler ist das wichtig. Einmal müssen, einmal werden sie noch gegen einen der Abstiegskandidaten bzw. Formschwächeren gewinnen.
Dass das gegen Köln, die in München erst katastrophal und dann immer stärker spielten, weitergeht, passiert, halte ich für unwahrscheinlich. Der Effzeh ist, neben Mainz, das spielerisch beste und vor allem gefestigste Team aus dem unteren Tabellendrittel. Holt die SGE am Rhein einen Punkt, ist das gut, ist das ausreichend. Die Siegesserie, wenn man denn tatsächlich die Europamöglichkeit möglich zu machen gedenkt, müsste in der Woche darauf gestartet werden.

In diesem Sinne, auf geht’s Eintracht!

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Frankfurter Fledermäuse

  1. Olli

    Der 7. Platz wird nur zum EL-Platz, wenn beide (!) Pokalfinalisten in der Liga unter den ersten 6 sind.
    Ist der Pokal-Gewinner bereits durch die Liga europäisch qualifiziert, dann kriegt der Pokalfinal-Verlierer den EL-Platz. Ist der Verlierer vom Pokalfinale auch über die Liga bereits qualifiziert, dann kriegt der Liga-Siebte den Platz.

    Es gibt noch genug Gemüse im Pokal, dass im Finale stehen kann ohne bereits in Europa zu sein. Wird aber nach Dienstag/Mittwoch und der anschließenden Auslosung vermutlich einfacher zu beurteilen.

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