It’s the Gespür, stupid!

Nein, liebe Leser, die Einschätzung von Eintracht Frankfurt in der Saison 2014/2015 und die stärker aufkommenden Unmutsäußungen, fußen nicht auf überzogenen Erwartungen der Kritiker. Wer diese Keule schwingt, der offenbart ein gerüttet Maß an Unkenntnis der Situation (und Spielweise unter Trainer Thomas Schaaf). Denn unzufrieden ist kein Fan mit dem (aktuell noch belegten) 9. Platz in der Bundesliga. Unterschrieben hätten diese Position zu Saisonbeginn 99,99 Prozent der SGE-Anhängerschaft.

Denn der Geist, dass in Frankfurt die Erwartungen, besser: die Wünsche schnell ins Universum wachsen, ist seit geraumer Zeit aus den allermeisten Köpfen vertrieben. Der Konsens dieser neueren Eintracht-Fan-Generation, also all jener, die über die dunklen 1990er- und 2000er-Jahre sozialisiert wurden, ist nicht Europa oder gar Titelträume á la Meisterschaft, es ist vielmehr der Nicht-Abstieg. Der Klassenerhalt, das Bundesligaspielen sorgt für eine Grundzufriedenheit, die sonst eher bei „kleineren“ Klubs herrscht. Das hat mit Duckmäusigkeit, mit gebückter, devoter Haltung oder Dankbarkeit nichts zutun, es ist schlicht eine heilsame, eine wesentlich gesündere Einstellung als das Fliegen durch die Wolken, was bis vor gut 15, 20 Jahren Frankfurter Tagesordnung war. Von hochhaushohen Erwartungen, die Vorstandschef Heribert Bruchhagen auch immer wieder gerne ausmacht und anprangert, ist schon lange nichts mehr vorhanden. Das scheinen die Funktionäre in ihrer Blase allerdings zu verkennen. In Frankfurt ist der Druck, auch medial, schon lange nicht mehr auf dem Kessel. Schon gar nicht so, wie in anderen Bundesligastädten. Jedoch ist bei den Fans der Eintracht nicht das Gespür für Chancen, für die Erreichbarkeit des (realistisch) Machbaren verschwunden. Jeder, der a) mit dem Team fiebert und leidet und b) die Mannschaft spielen sieht, kennt die Tabelle, weiß um das Schneckenrennen um Europa (zumindest um Rang 7), um die Vielzahl der liegengelassenen Punkte auf der einen, die erduselten Zähler auf der anderen Seite. Mittlerweile ist auch dem letzten Zuschauer aufgefallen, dass das Hinrunden-Gekicke eben kein als solches vermarktete Spektakel, sondern der gleiche Zufall war und ist wie in der Rückrunde.

Neuester Witz: Die Mörderoffensive von Servette Gen… ähm, dem SV Sandhausen hat der Mannschaft im Testspiel am Mittwoch zwei Mal eingeschenkt (Endstand 2:2, es spielte und traf Johannes Flum im Kick B-Elf BuLi1 gegen B-Elf BuLi2). Das Problematische bei dieser Sache: Spätestens seit Schaafs Amtsantritt wissen wir Fans ja, dass Testspiele eben doch Aussagekraft besitzen. Immerhin sind zahlreiche Eindrücke aus Trainingslagern, Vorbereitungsspielen und Co. (in Sommer wie Winter) überliefert, wo Journalisten all die Mängel angesprochen haben, die in den Folgemonaten und bis heute auftreten. Wäre es nicht sportlich so folgenschwer und emotional so unbefriedigend, könnte man etwa herzlichst darüber feixen, dass das Trainer-Team im Wintertrainingslager speziell die Defensive verbessern wollte. Das dürfte jedenfalls einer der größten Treppenwitze der jüngeren Eintracht-Vergangenheit sein. Faktisch schaffte man nur eins: Die Defensive eher noch zu schwächen, während man gleichzeitig die Offensive lähmte.

Sollte das Scheunentor am Samstag abermals offenstehen, gegen eine Mannschaft, die in 7 der letzten 8 Spiele kein Tor (!) geschossen hat, wird sich das Team rund um Thomas Schaaf endgültig zum Gespött gemacht haben.
So oder so: Noch fünf Punkte müssen her. Theoretisch (!!!) kann man den Klassenerhalt in den nächsten zwei Saisonspielen klarmachen. Damit ist klar, dass das nicht klappen wird.

Meinungen?

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “It’s the Gespür, stupid!

  1. Olli

    Jackpot …. Stuttgart kriegt in Leverkusen, wie es zu erwarten war, die Hucke voll. Jede Wette, nächste Woche erleben wir den nicht mehr in Stuttgart.

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