Souveränität gegen Schwäche

Es geht doch. Ruhig, souverän, konzentriert, clever und immer mal wieder mit dem nötigen Zug zum gegnerischen Tor – Eintracht Frankfurt hat gegen Paderborn in erster Linie abgezockt gespielt. Der Auftritt der SGE war spielerisch schwankend, zwischen solala und okay. Bisweilen reihten einige Spieler – vor allem Takashi Inui – Fehlpass an Fehlpass, aus der Innenverteidigung – speziell Alexander Madlung – kamen unverarbeitbare lange Bälle. Es ist (endlich) Marc Stendera und (wie immer) Makoto Hasebe zu verdanken gewesen, dass nach einer Viertelstunde zuerst Ordnung, dann Struktur und dann Offensivdrang ins Eintrachtspiel gelangte. Bis dato tat sich das Team, wie immer, gegen den anfangs früh attackierenden SCP schwer.
Ab den drei, vier Minuten vor dem 1:0 (einem Mix aus diletantischer Defensive und bissigem Stendera) war die Eintracht im Spiel. Da lief der Ball, da minimierten sich die Abspielfehler und es waren Kombinationen zu sehen. Wenige gelangen, aber der Versuch war da, gepaart mit dem nötigen Nachsetzen nach Ballverlusten. Bastian Oczipka, der nun seinen Vertrag bis 2018 verlängert hat, zeigte über 90 Minuten einers seiner besten Spiele im Eintracht-Trikot. Sein Stellungsspiel passte jedenfalls, er verlor keinen Zweikampf. Loben kann man nach diesem Auftritt so manchen in Rot-Schwarz.

Aber: Wer die Klasse halten, geschweigedenn Rang 7 angreifen will, muss(te) diesen SC Paderborn schlagen. Auch 3:0, 4:0. Zu dürftig war/ist die Qualität der Ostwestfalen in der Rückrunde, vor allem weil wohl kein Mannschaftsteil funktioniert. Die Viererkette profitierte innen wie außen sogar noch maßgeblich von den vielen vielen Fehlpässen der Eintracht im letzten Felddrittel. Wäre den Außenbahnspielern mehr Präzision geglückt, Paderborn hätte häufiger aufs und in der Folge vermutlich ins Tor bekommen.

Die ansprechende Leistung der meisten Eintracht-Spieler sollte aber nicht nur aufgrund der zigfach gefahrenen Leistungs- und Ergebnis-Achterbahn anno 2014/2015 überbewertet werden. Das 4:0, den Spielverlauf muss man anhand der Schwäche des Gegners einzuordnen wissen. Paderborn war schlicht und ergreifend in vielerlei Hinsicht (zu) schwach. Man kann jetzt natürlich sagen, dass andere Teams das auch waren und man trotzdem diletierte, Punkte verschenkte (Stuttgart, Berlin …), jedoch sah man nun erstmals ein Team, bei dem mit und seit dem Rückstand kollektiv die Köpfe unten waren, kein Aufbäumen geschweigedenn Hauruck-Fußball (man erinnere sich an Stuttgart in der Hinrunde) zu erkennen war. Kurzum: Diese Partie sollten weder Eintracht-Fans noch die Funktionäre oder gar das Team überbewerten. Wie schon so oft in dieser Saison ist nämlich das nächste Spiel das, bei welchem sich eine Richtung entscheidet, bei der man der Schwelle steht: Springt man mal oben ran, oder wird der Stöpsel abermals gezogen? In Schwaben, gegen die Schwaben generell, sieht die Eintracht seit Jahren jedenfalls schlecht aus. Dem Abstiegskandidaten zu helfen wie Sankt Martin höchstselbst, das ist nicht erst seit dieser, aber im Besonderen in dieser Saison, fast naturwissenschaftliches Gesetz.
Immerhin hält VfB-Manager Robin Dutt (ein grandioser Treppenwitz eigentlich, das ein Rauswurf-Trainer Chef eines andereren Trainers wird) an Huub Stevens fest. Nicht, dass Stevens eine Gurke (á la Dutt) wäre, aber so bleibt wenigstens die Symboik, dieser Hallo-Wach-Effekt beim kommenden Eintracht-Gegner aus.

Genug des Ausblicks. Leben wir den Moment und schnaufen durch: Der Klassenerhalt ist mit diesem Heimsieg ziemlich sicher geschafft, rechnerisch fehlen nur noch zwei Zähler. Das gesagt, das erreicht, ist die Mannschaft früh, viel früher als man das auch bei günstigen Prognosen erwarten konnte, aus dem Grobschlächtigen aus. Zu erwarten war das trotz der immer mal wieder passenden Ergebnisse nicht immer, ein Abrutschen ist zwei, drei Mal in dieser Saison durch ein quasi in letzter Minute passendes Ergebnis verhindert worden. Das Team hat Potential, das weiß jeder Fan. Daher ist das Herschenken so vieler Punkte so frustrierend. Damit man vielleicht tatsächlich irgendwie diesen 7. Platz erreichen könnte, muss die Mannschaft aber aus der Achterbahn raus. Gegen die Konkurrenz aus Augsburg, Hoffenheim und Dortmund wird das Unterfangen schwer genug, selbst wenn es ab sofort stabiler läuft.

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