Umbruch auf der Bank

Nach dem Eigenlob, dass Eintracht Frankfurt mit fast allen Stammspielern – oder denen, die es mal waren (Bamba Anderson) – die Verträge verlängert hat, lohnt ein Blick auf die bevorstehenden Abgänge. So absurd es nämlich war und ist, dass Trainer Thomas Schaaf und Funktionäre á la Bruno Hübner zuletzt von einem Umbruch (bezogen auf die laufende Saison) sprachen, so sehr wird dieser zur nächsten Saison anstehen. Vier/fünf Abgänge zeichnen sich deutlich ab, drei/vier sind sehr wahrscheinlich.

Felix Wiedwald, Carlos Zambrano, Alexander Madlung, Johannes Flum, Aleksandr Ignovski, Slobodan Medojeciv, Lucas Piazon und Vaclav Kadlec sind diejenigen, die zumindest im Schaufenster stehen, wenn sie nicht – wie Wiedwald – bereits anderswo unterschrieben haben bzw. verhandeln.
Von den Wackelnadidaten dürfte Aleksandr Ignovski als Defensiv-Allrounder sowie Schaaf-Vertrauter die größten Verweil-Chancen besitzen, Slobodan Medojevic folgt aufgrund seines 1,8-Millionen-Euro-Transfergewichts auf dem Fuße. Vaclav Kadlec wird wohl in Prag, zu einem Kleckerpreis, bleiben wollen. Eine neuerliche Leihe von Lucas Piazon kann selbst dieser Verein nicht ernsthaft in Erwägung ziehen.

Wie man anhand der Namen erkennt, betrifft das anstehende Streichkonzert vor allem die Defensive, grundsätzlicher aber noch die Reserve-/Bankspieler, sozusagen die Positionen 12 bis 18.

Die Spekulationen um mögliche Neuzugänge sind bislang ebenso rar wie wiederkehrend:
Im defensiven Mittelfeld ist der ablösefrei zu habende Stefan Reinartz offenbar im Fokus und, wie jedes Halbjahr, wird die Rückkehr von Patrick Ochs als Rechtsverteidiger gerüchtet. Um die Wahrscheinlichkeit(en) solcher Transfers einzuordnen, hier mal zwei vor kurzem gefallende Zitate von Heribert Bruchhagen. „Er hat in Wolfsburg sein wirtschaftliches Glück gefunden“ (zu Ochs), „Er wäre sicher eine Bereicherung“ (zu Reinartz). Möchte man jetzt hermeneutisch tätig werden, dürfte das heißen: Reinartz hätten wir gerne, Ochs nicht. Ob einer vom Kaliber Reinartz, an dem auch Schalke (die a) auf der Sechserposition Handlungsbedarf sehen und b) wohl Roman Neustädter in die Auslange stellen) sowie Köln (Leverkusens Nachbarstadt und dank England-Millionen finanziell relaxt) und Hannover interessiert sein sollen, tatsächlich zu einer Nicht-Europa-Eintracht wechseln würde? Schwer vorstellbar, obgleich bzw. eben weil das ein guter Spieler wäre.

Zuletzt kursierte in Frankfurt jedenfalls die Zahl von vier bis fünf geplanten Neuzugängen. Als Alternative zu Reinartz könnte der Mainzer Julian Baumgartlinger in Frage kommen, der ebenfalls einen auslaufenden Vertrag besitzt.

Für den linken Flügel gebe es die erfahrenen Christian Fuchs und Marcell Jansen für 0 Cent Abslöse. Doch da sieht man sich bei der SGE mit dem Duo Ocizpka/Djakpa im Defensivbereich und Inui (+ Mr.X?) offenbar auch für 2015/2016 gut genug aufgestellt.

Wie ein Damoklesschwert schwebt immer wieder der Name Heiko Westermann, als Innenverteidiger-Ersatz für einen aus dem Duo Zambrano/Madlung, über dem Stadtwald. Dessen Vertrag in Hamburg endet im Sommer. Eine fatale Kombination, wenn man sich die Eintracht-Transferpolitik der Vergangenheit anschaut.

Zu den oben genannten Fußballern gesellen sich jene vier bis sechs Dutzend Profis, die von den (noch lange nicht feststehenden) Absteigern günstig bis ablösefrei zu verpflichten sein werden.
Spekulation: Den SC Freiburg wird es wohl, so schade ich das persönlich finde, treffen. Dort wäre Jonathan Schmid ein geeigneter, ein guter Spieler für den linken Frankfurter Flügel. Ob darüber hinaus noch Vladimir Darida als defensiver Mittelfeldspieler, Admir Mehmedi als Stürmer oder – man erinnert sich an den nach wie vor bundesligsieg-losen – Innenverteidiger Marc-Oliver Kempf tauglich wären, ist diskutabel.
Auch der SC Paderborn dürfte nach der starken Hinrunde dann doch absteigen, womit für das defensive Mittelfeld / die Halbposition der 24-jährige Lukas Rupp als SGE-Neuzugang denkbar wäre, wohl eher als der bereits aus seinem Frankfurter Ignoranz-Intermezzo bekannte Marvin Bakalorz.
Im Gegensatz zu den meisten, sehe ich Hertha BSC Berlin (seit Saisonbeginn) als heißen Abstiegskandidaten. Innenverteidiger John Anthony-Brooks, auf der Sechs Per Skjelbred und/oder der in Wolfsburg und Mönchengladbach ausgebildete aber verletzungsanfällige Tolga Cigerci sowie Valentin Stocker als offensiver Mittelfeldspieler kämen aus diesem Kader zumindest spekulativ in Betracht.

Hätte die Eintracht ihnen nicht den Rettungsanker zugeworfen, wäre der VfB Stuttgart in Bezug auf mögliche Neuzugänge ein El Dorado gewesen. Timo Werner als offensiver Außenbahnspieler oder Stürmer, Vedad Ibisevic, Daniel Ginczek, Mohammed Abdellaoue als Sturm-Optionen, Alexandru Maxim für das Mittelfeld, speziell Standards, für die Defensive der (wieso auch immer) Nationalspieler Antonio Rüdiger … Auch die jungen Leute, die dort seit Wochen auflaufen, werden durch die Spielzeit und Erfahrung nicht schlechter: Timo Baumgartl sei da genannt.

Das sind nun alles nur die Spieler, die man via Kicker-Sonderheft binnen zweistündiger Recherche auf dem Zettel haben kann, haben sollte. Dazu gibt es eine zweite Bundesliga, eine Jugend-Bundesliga und natürlich eine Reihe Auslands-Ligen. Der entscheidende Punkt für Eintracht Frankfurt ist, wie man es auch dreht und wendet, dass endlich a) zwei, drei Spieler mit höherer, dauerhaft hoch bleibender Qualität und/oder b) schnelle, flinke Spieler verpflichtet werden. Bislang hat man besagte konstante Qualität nur in Person von Makoto Hasebe, Alexander Meier und Stefan Aigner, hohe Geschwindigkeit/Wendigkeit nur via Takashi Inui. Von den in diesem Text genannten möglichen Neuzugängen könnten wenige, aber doch der eine oder andere diese Anforderungen erfüllen: Reinartz und Fuchs vor allem was die grundsätzliche Qualität angeht, Timo Werner wäre einer für das Tempo, und nicht nur für das. Schnell und gut ist zudem Freiburgs Jonathan Schmid.

Sobald die Eintracht offiziell das Austrudeln beginnt, kann man ja mal die Namen diskutieren. Die meisten der Genannten dürften eine Entscheidung eh nicht von einer Eintracht-Europa-Qualifikation abhängig machen. Doof halt, dass es Frankfurt selbst ist, welches die Abstiegs(Vor)entscheidung partout vermieden hat.

Advertisements

6 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

6 Antworten zu “Umbruch auf der Bank

  1. Florian

    ich muss zugeben, den HSV und dessen Akteure nicht ständig zu beobachten, aber was kann denn der Rajkovic so?
    Wie auch immer, es werden ja einige geeignete Spieler verfügbar, wen lässt sich Bruno denn dieses Jahr durch die Lappen gehen? wir mussten ja die Kohle für Trapp und im schlimmsten Fall noch für Zambrano raushauen. 😦

  2. Olli

    Denkst du wirklich, dass ein „Sportdirektor“, der Inui langfristig binden will aber mit Madlung wohl kein Wort redet, einen Piazon wirklich so ohne weiteres wird ziehen lassen? Immerhin ist der für 4 Punkte diese Saison verantwortlich!

  3. Mein Wunschkandidat wäre Timo Werner. Für einen Spieler wie ihn dürften in den nächsten Jahren ordentliche Ablösesummen gefordert werden. Werner würde sich wahrscheinlich nur bei einer Europacup-Teilnahme überzeugen lassen.
    Zweiter Wunschkandidat ist Valentin Stocker. Ein hervorragender Kicker, den ich noch aus der Schweizer Liga kenne. In einer intakten Mannschaft wird er aufblühen. Stocker dürfte aber nur bei Hertha Abstieg bekommen zu sein.

    Unser Bruno ist ja schon auf der Suche nach einem ersten Transfer. Er sucht einen „Typen“. Mal sehen was da rauskommt. Vor allem bei der Frage (nach einem Transfer) wer in der nächsten Saison Kapitän sein wird. Hab beim Training gehört, dass Hübner findet, dass Trapp zu weit vom Geschehen weg ist (Überraschung!).

Diskussion

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s