Monatsarchiv: April 2015

Wie unter Helmut Kohl

Das berühmte Kriechen auf dem Zahnfleisch, alle, die mit der Eintracht in irgendeiner physischen wie kognitiven Beziehung stehen, werden es spüren. Man hat einfach keine Lust mehr auf die Wochenendkicks, auf das Ansehen derer, geschweigedenn die Analyse des Gesehenen. Seit Wochen, ach, Monaten ist das alles nur noch mühsam. Eine Tretmühle, in deren Betrieb man als Fan, als emotional Abhängiger massiv Energie investiert. Und für was? Um sich durch einen Großteil von 32 Pflichtspielen zu mühen, sich dank Sturheit des Trainers, Unlust der Spieler, Unvermögen der Funktionäre Stück für Stück weiter von der Abhängigkeit zu lösen. Die Spielweise, die dem Fan seit August 2014 präsentiert wird, kommt einer unfreiwilligen Teilnahme am Methadonprogramm gleich. Entzugserscheinungen, jedenfalls was strukturierten Fußball angeht, inklusive.

Wer will es einem verdenken? Wer gut und gerne zwei Dutzend Mal (von mehr als 30 Versuchen) gegen die Wand rennt, dazu noch gegen ein und dieselbe Wand, kann doch nicht ernsthaft noch Zuspruch erwarten. Schlimm genug, dass auch bei den letzten paar Gewürgen der Saison wieder 50 000+ Menschen auf den Stadion-Sitzschalen und ein paar Zehntausend vor dem Fernseher Platz nehmen werden. Aus Überzeugung? Glaube? Weil es Freude macht? Wohl kaum. Man hat die Tickets ja bezahlt, 20, 25, 35, 50 Euro. So dicke hat es von uns keiner, als dass er dann auf den Besuch verzichtet. Man ist knauserig – oder zumindest nicht verschwenderisch. Und am Ende verbringt man im Mai in der Regel auch klimatisch angenehmere Tage, bummelt vorher und nacher über die Zeil oder am Main entlang, als zwischen Oktober und April. Heribert Bruchhagen wertet die Zuschauerzahlen ja als ein Beleg für die Attraktivität #spektakel des Klubs. Naja. Fernsehen kann man wenigstens ausschalten, auch die Emotionen regelt man mit einem Umschalten runter.

Bewegung wird sowieso nur auf zwei Weisen in den Klub kommen (wie man das schon 2011 dachte): Abstieg oder geordnete Führungsetagen-Erneuerung. Das Verzwickete ist halt, dass das Team den Abstieg in dieser Saison nicht mehr schaffen wird, es nächste Saison jedoch dahingehend virulent zu werden droht. Abstieg und zwangsläufige Führungsetagen-Erneuerung folgen dann. Es war, ist und bleibt ein Hinwarten auf den 30. Juni 2016, wenn die Amtszeit von Heribert Bruchhagen endet. Muffig, miefig, bleiern – man fühlt sich, vergleicht man Eintracht Frankfurt mit der Geschichte, an die Jahre der Kanzlerschaft Helmut Kohls erinnert. Ob sich die Dinge nach Bruchhagens Vorstandsvorsitz zum Guten oder Schlechten entwickeln, das wird halt die Frage sein. Da sollte man zwar auch nicht zu euphorisch sein. Entwicklung als solche wäre ja aber schonmal ein wünschenswerter Schritt. Wo also, wer also ist der Gerd Schröder, der Joschka Fischer für die SGE? Dem Gebilde samt Gefolge wieder Leben einzuhauchen, dafür hätte man jedenfalls bald drei Monate Zeit – bis zum ersten Kicker-Sonderheft-Transfer.

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So grau grau grau blüht der Eintrachtian

Eine These: Hätte sich Alexander Meier auch nur ein wenig früher verletzt, stünde Eintracht Frankfurt (nicht erst seit dieser Woche) auf einem Abstiegsplatz.

Eine Aussage, deren Wahrheitsgehalt sich nie überprüfen lassen wird, geschenkt. Und doch muss einem jedem Eintracht-Fan diese Möglichkeit, diese Annahme den Angstschweiß auf die Stirn treiben – im Hinblick auf die nächste Saison, aber auch in der Einordnung der noch laufenden Spielzeit. Schon oft zitiert, stand der Name Alexander Meier vermutlich noch nie mehr als Synonym für  Lebensversicherung wie unter Trainer Thomas Schaaf.

Ironischerweise ist es am Ende also der Vielverschmähte, die „Kröte“ (Bruno Hübner), die dem nüchternen Übungsleiter seinen Arbeitsplatz gerettet, gesichert hat.

Ausgehend von Tabellenplatz 8, wo auch niemand so recht weiß wie es diese Mannschaft dorthin spülen konnte, und profitierend von einem elenden Europa-Schneckenrennen bei günstigem Spielplan, wird Eintracht Frankfurt schlußendlich dann doch irgendwo zwischen Position 10 und 13 landen. Bewertung Grauschleier oder Grausen – entscheidet euch. Einer hat sich seine Meinung, zumal über den Trainer jedenfalls schon gebildet: „Das Beste was passieren konnte„. Nunja.

Unbenommen, Thomas Schaaf tut eine Sache im Speziellen, die seit Jahren so in Frankfurt niemand mehr gewagt hat: er gibt jungen Spieler eine, mehrere Chancen. Marc Stendera, der von Armin Veh schon in die Spur gebracht und nah an das Team heran geführt wurde, ist unter ihm Stammspieler geworden. Sonny Kittel hat sich, so kopflos er auch spielt, zu einer Alternative im Mittelfeld entwickelt und auch David Kinsombi und nun Luca Waldschmidt haben Chancen bekommen, sind auf dem Zettel des Trainers. Joel Gereghizer, der Dauerverletzte, soll dem Vernehmen nach ebenfalls hoch in der Gunst des Trainers stehen und nur aufgrund der Verletzungen noch ohne Einsatz sein. Ob dieses Handeln derpersonellen oder qualitativen Not geschuldet ist, also quasi aus Zwang geschieht oder nicht, sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass Schaaf sich auch bei den Jugendmannschaften immer wieder blicken lässt (eine U23 gibt es ja, weil man phänomenale 800 000 Euro sparen wollte, nicht mehr) und somit mittel- bis langfristig eine positive Entwicklung anstoßen, davon profitieren könnte.

Allerdings stellt sich die Frage, wie sinnvoll eine Weiterarbeit zwischen Schaaf und der Mannschaft ist. Im Kernbereich, der Spiel- und Sportvermittlung, dem klimatischen Auskommen zu bzw. mit den Spielern, liegen Erklärungsansätze für den Saisonverlauf, die Spielweise. Doch abseits von allem Spekulativen, von allen Mutmaßungen was die frostige Team-Trainer-Verbindung angeht, zeigen die Ergebnisse, zeigt vor allem die Spiel- und Herangehensweise derart gravierende Mängel auf, dass man die Kritik am Trainer auch getrost daran alleine festmachen kann. Lucas Piazon aufzustellen, per se, aber im Speziellen gegen Borussia Dortmund, einem flügelfanatischen Team, zeugt beim SGE-Trainer von wenig … Gelehrsamkeit was die Gegnereinschätzung anbelangt. Dazu Slobodan Medojevic abermals zu stellen, ihn statt Marc Stendera mit der Spieleröffnung zu betrauen, wie oft muss das noch scheitern? Über die Nicht-Nominierung von Constant Djakpa als Linksverteidiger kann man nach dessen langer Verletzung geteilter Meinung sein, geschenkt. Nun gut, in Dortmund war es personell in der Tat, aber das auch erstmals, wirklich dünner. Aber die Blaupause der Spielanlage war dieselbe, auch bis zum Knick nach dem Strafstoß: Langholz und Ballverlust wechselten sich mit Ballverlusten und Langholz ab. Da redet man dann wohl kaum mehr von Zufall, sondern von Hilflosigkeit oder gar Anweisung – beides Faktoren, die ursächlich mit dem Trainer, dessen Handwerksvermittlung zusammenhängen.

Die Lustlosigkeit, der mangelnde Eifer mit dem das alles, die uninspirierte Spielweise geschieht, dürften aber dann doch nicht ganz so singulär mit handwerklichen Geschichten zusammenhängen. Stichwort Frost. Verschworene Einheit? Davon, einem Eindruck den man in den vergangenen zwei, drei Jahren von dieser Mannschaft – die ja eben längst nicht so umgebrochen ist, wie der Sportdirektor das gerne verkauft – stets haben konnte, ist nichts mehr zu spüren. Und sollte die Grüppchenbildung, die von einigen wesentlich näher am Geschehen Befindlichen kolportiert wird, Realität sein, nunja, dann ist ein weiteres Mosaiksteinchen hinzugefügt.

Wenn der Sportdirektor sich dann noch hinstellt und a) behauptet, man habe in der Saison andauernd unter Verletzungspech gelitten, b) einem mittlerweile auch die personellen Alternativen ausgegangen seien, man jedoch c) eine mögliche Alternative (Vaclav Kadlec, so mangelbehaftet dessen Spiel auch war/ist) im Winter verschachert, dann d) ein Timothy Chandler – von „ein bisschen mehr als 40 Punkte am Saisonende wären überragend“ erzählt – ja dann ist auch irgendwann der Punkt erreicht, wo ein Anreden gegen die Vereins-PR, EintrachtTV-gleiche-Verdummung einen Realisten wahrlich dem Hirntod nahebringt. Die glauben vermutlich selbst, was sie erzählen – womit dann auch geklärt ist, wieso die Dinge in Frankfurt laufen, wie sie laufen.

Schon jetzt, wo man auf der letzten Lust-Rille auf der Kante zum Abstieg entlang-schlittert, muss man sich vor der nächsten Saison fürchten. Etwas, dass man Umbruch nennen könnte, steht jetzt erst bevor. Doch da es spielerisch an so vielen Dingen mangelt, wird es mit drei,vier Neuzugängen nicht getan sein. Im Prinzip taugen nur wenige Eintracht-Profis für eine Weiterbeschäftigung, das sind Trapp, Hasebe, Aigner und Meier sowie der erstarkte Oczipka, meinetwegen noch Bamba Anderson und Marc Stendera. Gestaltet man um diese Spieler – wobei Meier ja erst in der Rückrunde einsatzbereit und auch dann außer Form sein wird – mit gutklassigen Leuten der Klassenkategorie Hasebe eine erste Elf, wird der Abstieg „auch“ 2015/2016 kein Thema, wird das Mittelfeld anpeilbar sein. Setzt man den Cut weiter unten an, also schleppt man Kicker der Güteklasse Medojevic, Inui, Chandler, Ignovski weiter mit, setzt gar verstärkt auf diese Spieler, wird es düster.

Aber erstmal muss dieser Verein überhaupt Spieler verpflichten. Die Klassen-Kategorie sinkt jedenfalls mit jedem abgerutschten Tabellenrang, mit jeder Null-Bock-Nummer weiter. Irgendwann reicht es dann eben zwangsläufig nur noch für die Maladen, die Ausgehungerten, die Vereins-Waisen. Ich sehe schon Ivo Illecevic oder Gojko Kacar bzw. ähnliche Raketen am Main unterschreiben.

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Das „Spektakel“ hat sich verzogen

Und geworden sind es im Westfalenstadion folgende elf Eintracht-Trikotträger: Trapp, Chandler, Madlung, Zambrano, Ignjovski, Piazon, Hasebe, Medojevic, Kittel, Seferovic und Valdez.

Hat Trainer Thomas Schaaf doch tatsächlich das Zweikampfmonster, den Läuferirrwisch Lucas Piazon von Beginn an gebracht. Chapeau! Damit habe ich, zugegeben, selbst angesichts der Personalnot und der Aufstellungsskizze von vor drei Tagen wahrlich nicht gerechnet. Aufmerksam wie ich als Unwissender bin, schaute ich zwecks erstem Piazon-Ballkontakt gegen Dortmund auf die Uhr: 13. Minute. War natürlich gar nicht erwartbar. Wie so vieles, was sich gegen den BVB zutrug völlig unvorhersehbar gewesen ist, Stichwort Anrennen von Dortmund.

Sicher, dem (Hand-)Elfmeterpfiff gegen Sonny Kittel haftet etwas Seltsames an – wobei man schon wesentlich absurdere Pfiffe gehört hat; soll heißen: So gaaaanz daneben lag er auch nicht. Doch jeder, der drei, vier Profifußballspiele gesehen hat, weiß, dass ein Gegentor beim Stand von 0:0 die Vorzeichen des Spiels, der Spielanlage des (sichtbar) unterlegenen Gegners grundsätzlich ändert, ihm in der Regel den Zahn zieht. Dafür hat Schiedsrichter Michael Weiner gesorgt, das, er war ein Faktor.
Jedoch: Die spielerische Limitation der Mannschaft, das Langholz-Gebolze, die Unzulänglichkeiten im Stellungsspiel, die schlampigen Anspiele – all das hat kein Schiedsrichter zu verantworten, auch hat es kein Schiedsrichter beeinflußt. Und die waren auch vor dem 1:0-Geschenk erkennbar. Nicht mal das Tiefstehen, das prinzipiell sinnvoll offenbar verordnet war, wirkte strukturiert. Da wurde weggebolzt, vorne Flipper gespielt und minütlich immer ein bisschen mehr Dortmunder Gefahr zugelassen.
Was solls, vergebene Liebesmüh‘.

Die Mängel, die jetzt im 30. Bundesliga, im 32. Pflichtspiel unter Thomas Schaaf und seinen Assistenten zu sehen sind, haben System. Und das ist öffentliches, es ist quasi Wikipedia-Wissen. Gegnerische Trainer müssen nicht mal Expertise entwickeln, um Eintracht Frankfurt unter Schaaf wie im Schongang zu schlagen, das Team wenigstens zu beherrschen. Ab der Mittellinie den Fokus radikal auf die eigenen offensiven Außenbahnen legen, die Spieler das Laufduell gegen die Außenverteidiger suchen lassen – schon kommt in rund zwei Dritteln der Fälle wenigstens ein Zuspiel in die Mitte. Immer mal wieder einen Dribbler im Mittelfeldzentrum antreten lassen, dann wird es für die langsame Hintermannschaft der SGE fast unmöglich, den Torabschluss zu verhindern (siehe Entstehung des 2:0, wobei Madlung im Zentrum kaum ein Vorwurf zu machen ist, der Fehler geschieht vorher). Makoto Hasebe  kann nicht alleine alles regeln, muss er aber, soll er aber. Slobodan Medojevic, so oft schon wegen seiner Probleme mit dem Ball im Fokus, kommt in Dortmund bis zu seienr Auswechslung nach 45 Minuten auf eine Passquote von 67 Prozent. 67 Prozent – ein Mittelfeldspieler, ein zentraler (im Zentrum steht das Tor) Mittelfeldspieler. Zum Vergleich Henriykh Mykhitarian: 100 Prozent (bei Spielende 81 Prozent). 67 Prozent, als Mitspieler des Teams, das auf Sicherheit spielen muss, sollte, das – gerade auf der Position – kein Risiko gehen, keine Risikopässe spielen muss. Wahnsinn.

Diese Mannschaft ist, spätestens seit der Verletzung von Alexander Meier – diesem von Sportdirektor Bruno Hübner quasi als „Kröte“ bezeichnete und vom Trainer mehrfach verschmähte Spieler – sogar meilenweit von echten Torchancen entfernt. Gut, gegen Mönchengladbach gab es die vielzitierte Aigner-Chance und noch ein, zwei ganz okay’ene Möglichkeiten. Gegen Dortmund hingegen ist, wie schon in den Wochen zuvor, ja nicht mal nach der Versuch unternommen worden,strukturiert nach vorne zu spielen. Das ist dann eben gleichbedeutend damit, dass eine Situation , in der Sonny Kittel (nach 7 Minuten) eineinhalb Meter im Abseits steht, die beste Tormöglichkeit des Teams markiert. Es war kurioserweise auch die einzige Situation im gesamten Spiel, in der der Ball fünf, sechs Mal kurz und flach zum jeweiligen Mitspieler gepas… nein, bugsiert wurde. Die „Spektakel“-SGE hat quasi keinen Torschuss zustande gebracht. Tja. Der Höhepunkt aus SGE-Sicht? Die Grätsche von Makoto Hasebe auf dem rechten Flügel in der ersten Halbzeit, als er dem durchstartenden Dortmunder den Ball rutschend mit der Hacke abluchste.

Was, und das möge mir bitte mal jemand beantworten der mehr Ahnung von dem Spiel Fußball hat als ich, ist das da? Was ist Thomas Schaafs Idee, um in die Nähe eines Punkterfolgs zu kommen? Natürlich flüchtet man sich sogleich in die Verletzungs-Problematik, die nun erstmals, wirklich erstmals aufgetreten ist. Dankbarerweise kann man mal eine Woche diese als Grund angeben, wieso nicht mal Basics funktionieren. Die anderen zwei Dutzend Misserfolgs-Male musste ja der „Umbruch“ als Erklärung herhalten, wieso das alles so furchtbar schwierig ist mit dem Pass- und Stellungsspiel. Diese Mannschaft spielt abstiegsreif, sie tritt absteigerwürdig auf. Den einen Spielern steht die Unlust, den anderen die Frustration ins Gesicht geschrieben. Durch dieses Kollektiv, da lege ich mich fest, hat sich ein Graben gefressen. Und mit gespreizten Beinen steht einer darüber, der weiß, dass der Riss ihm die Beine nicht wegziehen wird: Trainer Thomas Schaaf.

Aber ja, ich weiß es ja: Es wird zu wenig das Positive gesehen. Zum Glück wird uns all das Formidable immer und immer wieder erklärt. Ohne Hilfe von Trainer und Funktionären würde ich persönlich, unwissend wie ich bin, sowas ja gar nicht erkennen, erkennen können. #dankbarkeit #schlechterundschlechter

Ich weiß nicht, wie es euch geht, liebe Leser, aber mit jedem weiteren Spieltag vergeht mir die Lust an diesem Verein etwas mehr. Ein seit Monaten anhaltender Abwärtstrend, die Hilflosigkeit erinnert an die Abstiegs-Saison unter dem Trainerimitat. Damals wurde der Niedergang als schleichend empfunden, so offenkundig die Mängel waren, so häufig sie benannt wurden. Heute ist der Absturz ebenso wenig schleichend, der Kader hat diesmal lediglich eine höhere Grund-Qualität, drei, vier einzelne Spieler haben dafür gesorgt und sorgen dafür, dass es nicht im Totaldesaster á la 2011 endet. Strukturell, da vertue sich niemand, erinnert so einiges an den „Abstieg der Schande“, seien es die spielerische Limitation, die Unbelehrbarkeit des Trainers oder das Binnenklima.

Emotionslos würgen wir, Mitlesende und Mitleidend,  gemeinsam diese Saison, diese elende Spielzeit zuende. 36 Punkte plus noch den einen oder anderen Zufallszähler, das wird dann am Ende eben für Rang 12, 13 reichen. Alles andere, das hat uns der Vorstandsvorsitzende ja einmal mehr oberbelehrt, ist auch giftig-böswilliges, jedenfalls übersteigertes Anspruchsdenken. Getreu dem Motto „seid froh, Kinners, dass ihr pro Jahr zwei mal Spiele gegen Bayern München, dass ihr Bundesliga spielen dürft“. Yippieh.

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Jetzt läuft es

Wer bleibt, ist Makoto Hasebe. Von den konstant gut spielenden Eintracht-Akteuren, wird er der einzige und letzte sein, der gegen Borussia Dortmund am Samstag aufläuft. Kein Alexander Meier, kein Stefan Aigner, kein Bamba Anderson. Dazu kein, nach eineinhalb Jahren des kompletten Durchhängens erstarkter Bastian Oczipka und wohl auch kein – ohnehin nur semifitter – Carlos Zambrano.

Da bleibt einem nur tief durchzuatmen, dass diese Personalsituation erst auf der Zielgeraden der Saison eingetreten ist. In einer Phase, in der der Klassenerhalt geschafft, der Europa-Zug abgefahren und alle Weichen auf Austrudeln gestellt sind. Nicht auszudenken wo diese Mannschaft in der Tabelle stehen würde, wenn die besagten Spieler früher ausgefallen, gar dauerhaft malad gewesen wären.

In Dortmund, beim europa-befreiten BVB, sieht es derzeit nach Feldspieler-Torso aus. Kevin Trapp im Tor, Alexander Madlung und Makoto Hasebe in der Innenverteidigung, Timothy Chandler und Aleksandr Ignovski auf den Außenverteidigerpositionen, Slobodan Medojevic als Sechser neben der 28 Spieltage lang undefinierten Positionen des Marc Stendera, flankiert von zwei Dritteln des Trios Takashi Inui/Lucas Piazon/Sonny Kittel und komplettiert durch den Spieler auf der Herumeier-Position namens Haris „Shotgun“ Seferovic sowie Nelson Valdez. Der nicht wirklich flinke David Kinsombi und der Langzeitverletzte Constant Djakpa bleiben als (Startelf)Alternativen. Johannes Flum ist ja bekanntlich der Teufel höchstselbst, von daher ist ein Einsatz – geschweigedenn ein Verbleib – dieses Spielers total ausgeschlossen.

Durchatmen, wie gesagt. Zum Glück geht es um nichts mehr.

Wird sich aber alles ändern. 2015/2016 muss man irgendwie die Klasse halten, überstehen, danach steigen Investoren („gegen die man nichts hat„), die man nicht so nennt, ein und – hossa – ab geht die wilde Fahrt. Mit neuem Vorstandsboss, neuen Geldgebern, neuen Strukturen, neuem Trainer, neuen Spielern. Solange müssen wir uns noch gedulden. Und können uns daran erfreuen, dass bei Eintracht Frankfurt, der Spielersichtung, nun das hergestellt ist, was Standard sein dürfte. Man darf gar nicht darüber nachdenken, wie es bislang war, wie es ist, wenn man diese Zeilen liest. #jetztlaueftes

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Gewohnheiten

Zauberei, so lautet nur eine der Lobpreis-Bezeichnungen für Bayern München nach dem 6:1 Schlachtfest über den FC Porto. Als ob der Spielverlauf, das Ergebnis unvorhersehbar, eine Marien-Erscheinung gewesen wäre.

Ist das so? Nunja. Ein wenig Hinschauen beim Hinspiel legt(e) andere Schlüsse nah. Dazu muss man sich nur die Entstehung der drei Porto-Tore im Hinspiel anschauen. Drei, wenigstens zweieinhalb individuelle Fehler von München führten zu den Gegentreffern. Sie baggerten selbst an ihrem Loch. Aber es war doch schin in Portugal nicht so, dass die Gastgeber nun – mit Ausnahme der durch Heimfans angestachelten Euphorie – dominant, kontrolliert aufgetreten wären. Sie nutzten, allen voran der schon gegen Eintracht Frankfurt 2014 leider so unglaublich gute Jackson Martinez, besagte Fehler sehr gut aus. Dass gereizte Bayern dann ähnlich loslegen würden wie sie es am Dienstagabend taten, tja, Verwunderung kann es eigentlich nicht geben.

Nur eine Sache kann verwundern: Wie, in welcher roboterhaft anmutenden Art und Weise diese Mannschaft ihr Spiel durchzieht, dem Gegner die Luft abschnürt. Keine Zweifel, keine Umwege, einfach nur Stringenz, Eiseskälte und System gepaart mit klarer Spielidee und natürlich der Technik samt Tempo.

Hätte Eintracht Frankfurt von diesen sieben Fähigkeiten auch nur ein, zwei – sie wäre 2015/2016 im europäischen Wettbewerb. Denn prinzipiell sind, pardon, waren einige Elemente im SGE-Spiel selbst unter Trainer Thomas Schaaf vorhanden. Als das Team sich ein- und aufstellte, damals, im November, als mehr Kohlenmonoxid als Sauerstoff in der Luft für den Übungsleiter lag, sah man das. Spielidee und Tempo, da konnte man in diesen vier, fünf Wochen einen Haken hinter machen. Davor, danach: kaum.

Doch das Zürnen und Lamentieren dauert nun schon fast ein Dreivierteljahr, das Gros der 30 Pflichtspiele an. Da der Klassenerhalt, und den musste man in der Tat primär erstmal erreichen, nun geschafft sein sollte, richtet sich der Blick auf den Sommer, auf die nächste Saison. Der von den Funktionären der Eintracht so oft zitierte und inhaltlich verkehrte Umstand, dass es einen Umbruch im Vorfeld dieser Saison gab, wird ab Ende Mai eintreten.

So einige Spieler werden – mancher als sicheres Millionen-Verlustgeschäft – verkauft, andere verlassen den Verein ablösefrei. Hinzu werden nicht nur Ersatzleute für die abgewanderten Ersatzleute kommen, nein, dieses Team muss in allen Mannschaftsteilen verstärkt werden, in einigen sogar doppelt bis dreifach. Innenverteidigung (im Doppel- bis Dreierpack), Außenverteidigung (rechts), defensives Mittelfeld (im Doppelpack), offensives Mittelfeld (links), Sturm (im Doppelpack) – und einen zweiten Torwächter braucht es ebenfalls. Eine Kalkulation von gut und gerne acht Neuzugängen ist alles andere als unrealistisch, wenn man den sportlichen Bedarf sieht.

Verwunderlich ist, das gilt allerdings für die ganze Liga, dass es selbst in der Gerüchteküche derzeit wenig brodelt. Eigentlich kursierten rund um die Eintracht nur zwei Namen, der eine ist Patrick Klandt (was für eine SGE-typische Posse…) und der andere ist Stefan Reinartz. Letzterer dürfte aber eher für ein Europapokal-Team schwärmen, jedenfalls werden auch Mönchengladbach und andere Teams dieser Kategorie gerüchtet. Julian Baumgartlinger, der Mainzer, den auch dieser Blog bereits vor 2,3 Wochen in die mögliche Neuzugangsliste aufnahm, ploppte zudem mal kurz auf.

Wüsste man nicht um die … Transfergewohnheiten … in Frankfurt, könnte man einige mögliche Kandidaten getrost in der Kategorie Gruselkabinett verorten. Heiko Westermann, Marcell Janßen, Vedad Ibisevic

Aporpos Ibisevic: Gab es um den nicht vor ein-, eineinhalb Jahren mal Gerüchte, dass er zur Eintracht sollte,wollte,könnte? Der Bosnier wäre so ein Kicker-Sonderheft-Gescouteter, wo der SGE-Fan wüsste: Jo, war irgendwie klar, lag auf dem Grabbeltisch und war sicher günstiger zu haben als je zuvor.

Ein paar mehr oder minder interessante junge und im Sommer vertragslose Spieler – auch auf schwach besetzten Eintracht-Positionen – gibt es durchaus.

Mitchell Weiser für die offensive Außenbahn im Mittelfeld (dürfte finanziell schwer werden), Adam Matuschyk als offensiver ausgerichteter Sechser (Gefahr: ewiges Talent), Yunus Malli als schneller Außenbahnspieler (will international spielen).

Dazu werden einige Dauerbrenner  auf dem Markt sein, etwa Christian Pander (Linksverteidiger) und Leon Andreasen (defensives Mittelfeld), Didier Ya Konan , Jan Schlaudraff von Hannover 96, Chinedu Obasi (Sturm, Außen) und Ivo Illecevic (Außenmittelfeld).

Ungewiss ist angesichts des aktuellen Tabellenbilds (und das wohl bis mindestens zum 33. Spieltag) natürlich, welche Spieler im Abstiegsfall des einen oder anderen Teams günstig zu haben wären. Sprechen wir es aus: Bei aller Griepigkeit halten der Hamburger SV und vor allem der VfB Stuttgart die vielversprechensten Profis parat. Tobias Werner als Wunsch-Offensiver oder Alexandru Maxim als Mittelfeldaktivposten sowie Standardschütze etwa.

Allerdings gehe ich persönlich von einem Liga-Verbleib der Stuttgarter aus, sehe Paderborn als sicheren Absteiger, auch der SC Freiburg droht perspektivisch eher auf 17 zu rutschen als die direkten Konkurrenten. Einer der „Großen“ wird in die Relegation gehen – vermutlich Hamburg, je nach Frontzeck-Verpuffung Hannover – und dann in der Liga bleiben. Ergo würde sich der Blick, wieder mal, in den Breisgau richten. Johannes Schmid, immer wieder von mir genannt, würde ich als Eintracht-Verantwortlicher sofort verpflichten, sei es als Mittelfeldspieler oder offensivst denkbarer Rechtsverteidiger (zumal, da Sebastian Jungs Rückkehr schwerlich machbar sein wird). Die Freiburger haben mit Oliver Sorg und Immanuel Höhn noch zwei weitere interessante, gute Defensivspieler im Kader. Vladimir Darida (Mittelfeld) und Admir Mehemdi (Sturm) – da scheiden sich die Geister, ich wäre eher skeptisch.

Und so ist aus einem lausigen Schriebstück mitten in der Woche, wo das Auswärtsspiel in Dortmund – weil Misserfolg vorprogrammiert – keine Beachtung findet, eine Aktualisierung der möglichen Transfers von Eintracht Frankfurt geworden. Eure Gedanken? Ist überhaupt einer der Namen realistisch?

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Ins Ziel taktiert

Was wochelang überfällig war, ist nun geschehen: Eintracht Frankfurt ist in der Tabelle abgerutscht, von Rang 8 auf 10 gefallen. Mit dieser Tatsache bzw. den Ereignissen am 29. Spieltag, gibt es zwei Gewissheiten. Die eine besteht darin, dass die SGE in dieser Saison mit dem Abstieg nichts zutun haben wir. 36 Punkte, die überlebenswichtige Marke sind mit dem Unentschieden gegen Mönchengladbach erreicht worden. Zudem haben alle Mannschaften auf den Niedergangs-Positionen verloren. Neun Punkte Vorsprung bei noch 15 zu vergebenden Zählern – nein, das erreicht von den untersten Teams keines mehr; schon gar nicht vier, fünf, sechs unerhalb des 10. Platzes. Die andere Gewissheit ist die, dass das Europapokalpfänzchen plattgetreten ist. Die Siege von Borussia Dortmund und Werder Bremen, deren Über- bzw. Ranspringen an Rang 7 sowie das auf-der-Stelle-Treten von Schalke 04 deuten auf ein „zwei aus drei“ hin (wenn Rang 7 schlussendlich wirklich für Europa reichen sollte, wofür das Finale Bayern vs. Wolfsburg lauten müsste).

Werder Bremen. Da wird es einem doch ganz anders. Nicht nur, dass die unter Robin Dutt, in der Nach-Verwaltung der letzten zwei Thomas-Schaaf-Jahre so schön runtergestrudelt waren. Nein, angeblich – man erinnere sich an die Aussagen der Frankfurter Klubspitze – habe man den SVW strukturell, sportlich hinter sich gelassen. Perdu. Plötzlich, nach einem Trainerwechsel, spielt ein qualitativ wahrlich schmächtig bestücktes Team um die EL-Qualifikation mit. Eine Mannschaft, die personell so viel schlechter besetzt ist als Eintracht Frankfurt. Kein Torwart! Sebastian Prödl! Asani Lukimya! Und das sind nur die Spitzen des Qualitativ-Eisbergs in dieser Mannschaft.

Nun gut,den direkten Vergleich gibt es ja in Bälde. Überhaupt: Am kommenden Wochenende in Dortmund, dann gegen Bremen. Wollte man in Sachen TV-Tabelle, also die Millionenbeträge für das ach-so-chronisch-unterfinanzierte Frankfurt, etwas unternehmen, müssen vier Punkte her. Bekanntlich müsste die SGE zwei (!) Positionen vor den Norddeutschen landen, um mit mehr Geld gepämpert zu werden. Realistisches Szenario?

Angesichts des Tabellenbilds und des Spielplans wird sich Frankfurt erstmal davor schützen müssen, am Ende auf Rang 12 / 13 zu landen. Mainz, Köln, selbst Berlin (Berlin!!!) stehen unmittelbar hinter den notorisch sieglosen SGE`lern, diesem Spektakel-Ensemble.

Was macht Hoffnung? Einige Eindrücke aus dem Spiel gegen Mönchengladbach. Zum ersten Mal in dieser Saison, nach 29 (!) Spielen, war ein Plan im Spiel zu erkennen. Es war sichtbar, wie man in dieser Partie bestehen, wie man agieren, wie man auftreten wollte. Das, gepaart mit dem ebenfalls nur in Ausnahmefällen bislang gesehenen Grundlagen, dem Fußball-Einmaleins (laufen, zweikämpfen, die einfachen Bälle spielen), kann die Grundlage für den einen oder anderen noch zu holenden Punkt sein. Nein, nicht kann, es muss die Grundlage sein, es ist die einzige Chance dafür/darauf.

In Dortmund fehlt der zuletzt deutlich verbesserte, stabile Bastian Oczipka als Linksverteidiger. Eine Schwächung. Ob Thomas Schaaf dort Constant Djakpa bringt? Unwahrscheinlich. Timothy Chandler wird, wie in der Nationalmannschaft der USA, auf links gestellt werden, Aleksandr Ignovski rechts hinten bleiben. Carlos Zambrano dürfte, semi-fit, für den ebenfalls gesperrten Bamba Anderson zurückkehren – als zweiter Mann des punktemäßig uneffektivisten Innenverteidiger-Duos des Klubs. Und sonst so? Stendera ersetzt den gegen Gladbach abermals zwar bemühten, aber wackeligen Medojevic.

Die Eintracht muss also vier, mindestens drei Punkte aus den nächsten zwei Spielen mitnehmen, um die aktuelle Position zumindest festigen zu können. Gegen Berlin und Hoppenheim muss dieselbe Anzahl, eher vier bis sechs Zähler, herausspringen. So könnte ein einstelliger Tabellenplatz herausspringen, Rang 10 sollte unter diesen Voraussetzungen, mit einer Punktzahl zwischen 42 und 45 jedenfalls machbar sein.

Nur mal so am Rande gefragt: Wir werden das die Funktionäre bei Eintracht Frankfurt eigentlich bewerten, sollte es am Ende eben nicht Rang 8 oder 9, von 7 ganz zu schweigen, sondern eher 10 bis 13 werden? Welche Schlüsse und welche Konsequenzen würden daraus gezogen? Weiterwursteln, weil überglücklich nach dem „Umbruch“ im Sommer 2014?

Besagtes Phänomen, liebe Leute, steht erst noch an. Es braucht noch ein paar treue Schäfchen in der Herde … 😉

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Auf den Punkt

Punkt, zu Null, ordentlich gespielt, Klassenerhalt – (fast) wie orakelt.

Ziel erreicht. Dass es nach vorne gegen (defensivstarke) Mönchengladbacher limitiert, wenig durchschlagskräftig werden würde, war zu erahnen. Aber das Team spielte engagiert, da war Leben drin – gut so.

Dass Alexander Meier (Ausfallzeit nicht mehr 3,4 sondern 4 bis 6 Monate!)  fehlt, merkte man bei den Offensivaktionen. Wenig zwingende Abschlüsse, und die, die es gab … davon hätte der FG eine genetzt.

Alles in allem war und ist das aber in Ordnung gewesen, sowohl Spielweise als auch Ergebnis. Für Europa reichts trotzdem nicht,  aber die Chance wurde mitnichten gegen Gladbach liegengelassen.

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