Kenntnisnahme

Haben sie gut gemacht, die Spieler von Eintracht Frankfurt. Wie prognostiziert, hat man sich gegen das mieseste Rückrundenteam einen weiteren Zähler erquält, sensationelle 35 der zum sicheren Klassenerhalt benötigten 36 Punkte sind im Sack. So früh in der Saison! Ein Wahnsinn! Emotion! Spektakel! Dieses bidere Real Madrid, von welchem dieser seltsame Mediendirektor Ende der Woche fabulierte, erblasst vor Neid.

Man muss zufrieden sein. Man hat vieles gut gemacht. Man hat einen 2:0 Vorsprung herausgespielt. Man muss mit dem Spielgeschehen leben. Hat er alles so gesagt, Trainer Thomas Schaaf.

Wundert es angesichts dieser Haltung noch jemanden, wieso nun binnen einer Saison 23 (!) Punkte nach Führung liegengelassen wurden? Man muss halt damit leben. Abhaken. Austrudeln. Alles ist erreicht. Die nüchterne Arbeitsbeziehung zwischen Trainer und Team schlägt voll durch. Man macht halt gerade so viel, wie das Arbeitspapier verlangt. Ergebnis und Conclusio sind zur Kenntnis genommen.

Nun ist es ja schon vor dem völlig erwartbaren Spielausgang und Spielverlauf losgegangen, dass der Sportdirektor vom Fehlen von Typen gesprochen hat. Er meint damit Spieler, die auf dem Feld irgendwas Symbolträchtiges machen, machen sollen. Subber, Bruno, ein Blick auf die Kapitänswahl vor der Saison hätte genügt um eben dieses Problem zu erkennen. Die Binde als Vertragsverlängerungs-Schmankerl – es bekam nicht der Geeigneste die Kapitänswürde sondern derjenige, der ein Vereinswechselkandidat war.

Und so steht er dahinten, 25 bis 75 Meter entfernt vom Geschehen, der Kevin Trapp und übt Einfluß auf die Mitspieler aus, fegt symbolisch im Mittelfeld dazwischen, putscht Team und Tribühne auf – wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, den Ball mit dem Fuß irgendwo blind nach vorne zu dreschen, im Regelfall zum Gegner, ob er nun Sané, Felipe, Marcelo oder Schulz heißt. Kevin Trapp ist, das mit Sicherheit nicht als Hauptschuldiger, nach dem 27. Spieltag auch endlich Herr der schlechtesten Abwehr der Bundesliga, paron, des gesamten deutschen Profifußballs (auf einem Niveau mit Weder Bremen, Unterhaching und Rostock).

Im Eintracht-Universum ist jedenfalls, allem Defensiv-Diletantismus und Trainer-Tatenlosigkeit, alles tutti. Im Stadion wird „Pipi Langstrumpf“ gehüpft, der Gegner wird mit Schmähgesängen überzogen, aber die eigene Mannschaft, der eigene Trainer darf nach Herzenslust diletieren. Unmutsbekundungen, etwa die guten alten Pfiffe? Buhen? Iwo! Positiv, immer positiv. Ist ja ganz im Sinne des Übungsleiters, der sich ja schon vor dem legendären Stuttgartspektakel daürber mokierte, dass zu viel Negatives gesehen wird. Die ganzen positiven Ansätze würde von den undankbaren, unwissenden Kostverächtern, die sich Eintracht-Fans oder schlimemr noch Medien (! – oh Gott, pfui, weg mit denen!) nennen, nicht gewürdigt.

Gegen Hannover 96, in einem Heimspiel, kommt Eintracht Frankfurt auf 36 Prozent Ballbesitz. Eine Flanke nach der anderen segelte in den SGE-Straftraum, bewacht von einem mehrmals irrlichtenden Torhüter. Man war den Niedersachsen in fast allen Belangen, vom Willen ganz zu schweigen, unterlegen. Das Spiel nach vorne bestand aus langen Bällen (Alexander Madlung auf irgendeinen mit nun dröhnendem Schädel), die beiden erzielten Tore wurden heraus-gestandardet und dank gütiger Hannover-Hilfe heraus-diletiert. Offensivpower, diese unheimliche Wucht im Spiel nach vorne, die Eintracht Frankfurt angeblich auszeichnet, sie kam voll zum tragen. Wie so oft zuletzt, zelebrierte man Kombinationsfußball erster Güte.

Jedenfalls hat der Trainer das geschafft, woran er nun seit einem Dreivierteljahr arbeitete: Mich emotionslos zu machen. Nicht nur, da ich das Resultat vor Tagen schon voraussagte, bin ich dieses Gekickes, der Sprechblasen davor und danach, der wohligen Kuschelzone Frankfurt überdrüssig. Für mich hat Eintracht Frankfurt unter Thomas Schaaf mit Fußball nichts, nichts mehr zutun. Das ist von vorne bis hinten Zufall. Da kann man in Las Vegas Roulette spielen und die Gewinn- / Verlustchancen sind ähnlich verteilt. Die einzigen beiden Konstanten sind, dass diese Mannschaft nach einem Rückstand implodiert und der Trainer keine Ahnung hat, wie er das Spiel von außen beeinflußen kann.

In Frankfurt herrscht Zufriedenheit. Man wird – was die Ligezugehörigekeit angeht – erstklassig geblieben sein. Damit ist alles erreicht, jedem Kontext zum Trotz.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Kenntnisnahme

  1. Olli

    Auch wenn man ein 2:0 hat liegen lassen, mehr als den Punkt hat man aufs Spiel gesehen auch nicht verdient. Eigentlich ist der Punkt schon ein bisschen zuviel.
    Ich bin jetzt schon auf die Antworten nach der Saison auf die Frage gespannt, in welchen Spielen man Europa denn hat liegen lassen.
    Irrsinnig, dass man da immer doch voll mit dabei ist. Die nächsten drei Spiele werden das aber wohl zurecht biegen.

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