Der oberste aller Lehrer

Der Donnerstag war für mich thematisch ein Zöger-Tag. Doch dann kam Blog-Leser „Der Norddeutsche“ mit seinem Hinweis auf die Aussagen von Eintracht Frankfurts Vorstandsvorsitzendem Heribert Bruchhagen in der Bild-Zeitung, somit war klar: Ich muss das hier kommentieren, subjektiv einordnen.

Bruchhagen äußerte sich zu der mindestens latenten, wenn nicht gar offen genervten Stimmung unter Eintracht-Anhängern / Eintracht-Beobachtern / Eintracht-Begleitern. Und wie so oft, wenn er das tut, bleibt weniger der Inhalt als das Auftreten haften. So auch diesmal, wo er sich nicht nur gewohnt oberlehrerhaft, sondern auch widersprüchlich äußert.

Auszüge aus dem Gespräch mit der Bild-Frankfurt:

1. „Wenn die Unsicherheit um sich greift, führt das nicht zur Verbesserung, sondern auf lange Sicht zur Verschlechterung der sportlichen Gesamt-Situation.“

2. „Ich kenne mich bei der Einschätzung der Bundesliga einfach besser aus. Das behaupte ich, da bin ich arrogant.“

3. „Es kommen 49 000 Zuschauer zu unserem Spiel gegen Hannover ins Stadion. Das ist ein toller Wert. Doch die melden sich alle nicht zu Wort. Aber es melden sich fünf Journalisten zu Wort – und 50 Nutzer im Internet.“

4. (Thema Austrudelei) „Dafür geht es um zu viel! Ich möchte am Ende mindestens Platz zehn belegen. Und dass wir Werder am besten zwei Plätze hinter uns lassen. Dann könnten wir in der Fernsehgeld-Tabelle einen großen Sprung machen.

Rums. Für jemanden, dem man völlig zurecht eine überdurchschnittliche Klugheit im Profifußball zusprechen darf, ist bei diesen Aussagen sehr viel Kokolores dabei. Zu 1: Die sportliche Gesamt-Situation hängt 0,0 mit den Stimmungen der Fans oder gar den bösen Medien zusammen. Diese haben einzig und alleine Funktionäre samt Trainer zu beeinflußen, mittels Kaderplanung, Training, Spielweise und Aufstellung. Dass in diesen Bereichen (seit Jahren) einiges im Argen liegt, ist nicht nur offensichtlich sondern auch – mehr als grundgesetzlich abgesichert – öffentlich diskutabel. Zu 2: Mag sein, und Arroganz halte ich persönlich manchmal zwar für nervig, nicht aber für einen grundsätzlichen Makel. Dennoch ist es fraglich, ob er den Fußball als Sport – nicht als Geschäft – tatsächlich besser kennt/versteht als alle anderen, die sich in großem Umfang damit beschäftigen. Als Trainer jedenfalls hat es bei ihm seinerzeit nicht gereicht, was ebenfalls kein Makel ist, aber diese Aussage wiederum ein Stück weit relativiert. Zu 3: Wenn 10 000 Fliegen auf einen Misthaufen … Mehr als die Hälfte dieser
49 000 haben vor (!) der Saison Dauerkarten gekauft, Hunderte Euro investiert. Die zählen, ob sie kommen oder nicht, zum Zuschauervolumen dazu; abgesehen davon, dass wenige bereitwillig viel Geld bezahlen und dann nicht im Stadon aufschlagen, egal wie mau das Gekicke ist. Dafür ist der Deutsche zu geizig, da macht der Hesse keinen Unterschied. Es wäre zudem schön, wenn es überhaupt noch mehr als fünf Journalisten gebe, die diesen Verein auf täglicher Basis begleiten und berichten. Bruchhagen sollte aus seiner Sicht jeden Tag einen Sekt aus dem Eiskübel holen, dass so wenige verblieben sind, anderswo ist die Beobachtung- und Kritikäußerung wesentlich strenger. 50 Internet-Nutzer? Hier ist schonmal einer, dazu ein halbes Dutzend weiterer regelmäßig aktualisierter Blogs mit jeweils um die 100 Lesern täglich – ein paar mehr als schnöde 50 sind es dann doch. Plus die zuletzt zunehmend pfeiffenden Fans in der realen Realität, die auch die Profisportler wahrnehmen und verstehen können – nur der Vorstandsvorsitzende ist offenbar dünnhäutig und stur geworden?! Zu 4: Vor wenigen Wochen, als die Ausgangslage – wie so oft- ideal dafür war, war von ihm selbst die Maßgabe „Wir wären dumm, die Europa League nicht erreichen zu wollen“ zu hören. Es war eine Sendung des Gutschein- und Werbesenders Sport1, der Doppelpass, wo er das so oder so ähnlich äußerte. Zurecht, übrigens. Angesichts der Situation war, ist es die einzig legitime Zielvorgabe. Dass haben Mannschaft und Trainer (mehrfach) vergeigt, weshalb die Unzufriedenheit, die Kritik sich auch an eben dieser (verfehlten) Vorgabe – die alles andere als illusorisch war, Stichwort Schneckenrennen und Kellerkinder – entzündet. Was soll daran falsch sein? Rang 10? Fernsehtabelle? Verdammt noch eins, wie kann man ernsthaft über Platzierung „grau“ reden, das alles supi verkaufen, wenn die Mängel so offensichtlich, die liegengelassene Chance so nah dran ist an den Beobachtern? Man muss doch mal sagen dürfen, dass scheisse ist, was scheisse ist – und das hat der Empfänger dann halt mal zu schlucken. Ist ja nicht so, dass irgendein Eintracht-Fan dem Verein, dem Team etwas Böses wollte. Übrigens auch die bösen bösen Medien nicht, Herr Bruchhagen, die Sie (bzw. ein ausgewähltes Haus im Grüneburgweg) in den vergangenen ein, zwei Jahren gezielt für Übermittlung und Belehrung genutzt haben.

Nein, Heribert Bruchhagen, im Pädagogen-Slang würde man angesichts solcher Aussagen von ungenügend sprechen. Verbockt haben die Saison – und verbockt ist sie angesichts der realisitschen (!) Chance – keine Fans, keine Journalisten, sondern die von Ihnen mit-ausgewählten Angestellten. Die hiesige Blogger-Auffassung sagt: der sportlich leitende Angestellte, wie nicht wenige kolportieren übrigens Ihre Erstwahl (der zum damaligen Zeitpunkt, der Bummel-Trainersuche, in der Tat die bestmögliche Wahl zu sein schien).

Und nun ab in Richtung Wochenende, ein konservatives 0:3 / 1:3 steht an. Es wird eine ordentliche Leistung gegen eine verstärkte Bayern-B-Elf zu sehen geben. Ob Pingpong-Rode der Eintracht einen einschenkt? Ob Claudio Pizarro eine Bude rein-relaxed? Ob die Weisers, Gaudinos (!) und Kurts (sowie natürlich Thiago Alcantaras) knipsen oder vorlegen werden? Matthias Sammer mahnte jedenfalls nach dem Pokalspiel gegen Leverkusen eine „kluge Vorbereitung“ des FCB auf das Champions League Spiel gegen Porto an. Heißt: „Pep, schon die, die sich keinesfalls auch noch verletzten dürfen“. So, Kevin Trapp, dann ruf mal den Oka an und besorg dir dessen 38:0-Krakenarme.

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Der oberste aller Lehrer

  1. Der Norddeutsche

    Für alle Nostalgiker, am 13.04. jährt sich zum 24ten Mal ein besonderer Tag.
    Damals hat eine andere Mannschaft zu einer anderen Zeit selbst nach Lösungen gesucht!
    Unter dankbarer Mithilfe des Vereins aus Hamburg- Stellingen.
    Obwohl, dem Trainer hatten wir acht Jahre später viel zu verdanken!

  2. Jermaine Jones Junior

    Alex Meier ist gegen Bayern nicht dabei!

  3. Adlerschnabel

    Die 38:0 Krakenarme von Oka waren damals nicht allein. Es gab dazu noch eine Abwehr, die zurecht diesen Namen trug und nicht – wie nunmehr stets von Trapp – selbst bei einer 2:0 Führung noch mit dem Feldstecher gesucht werden mußte. Schaaf wird mit seinem kopflosen Hurrafussball in München untergehen. Das wird sich so in der Austrudelphase fortsetzen und in der nächsten Schaaf-Saison vermutlich verschärfen. Und Bruchhagen nebst Blockflöten werden weiter versuchen, den Beobachtern und den Fans einen Maulkorb anzulegen. Schließlich muss ein Sündenbock her, da hat Bruchhagen dazugelernt. Der von ihm ausgesuchte Trainer, der seinerzeit Okas Krakenarmen mit einer brauchbaren Abwehr half, war nämlich bald darauf der Sündenbock der Beobachter und Fans. Jetzt dreht Bruchhagen mal den Spiess um. So gesehen hat er vielleicht sogar ein Recht dazu.

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