Gewohnheiten

Zauberei, so lautet nur eine der Lobpreis-Bezeichnungen für Bayern München nach dem 6:1 Schlachtfest über den FC Porto. Als ob der Spielverlauf, das Ergebnis unvorhersehbar, eine Marien-Erscheinung gewesen wäre.

Ist das so? Nunja. Ein wenig Hinschauen beim Hinspiel legt(e) andere Schlüsse nah. Dazu muss man sich nur die Entstehung der drei Porto-Tore im Hinspiel anschauen. Drei, wenigstens zweieinhalb individuelle Fehler von München führten zu den Gegentreffern. Sie baggerten selbst an ihrem Loch. Aber es war doch schin in Portugal nicht so, dass die Gastgeber nun – mit Ausnahme der durch Heimfans angestachelten Euphorie – dominant, kontrolliert aufgetreten wären. Sie nutzten, allen voran der schon gegen Eintracht Frankfurt 2014 leider so unglaublich gute Jackson Martinez, besagte Fehler sehr gut aus. Dass gereizte Bayern dann ähnlich loslegen würden wie sie es am Dienstagabend taten, tja, Verwunderung kann es eigentlich nicht geben.

Nur eine Sache kann verwundern: Wie, in welcher roboterhaft anmutenden Art und Weise diese Mannschaft ihr Spiel durchzieht, dem Gegner die Luft abschnürt. Keine Zweifel, keine Umwege, einfach nur Stringenz, Eiseskälte und System gepaart mit klarer Spielidee und natürlich der Technik samt Tempo.

Hätte Eintracht Frankfurt von diesen sieben Fähigkeiten auch nur ein, zwei – sie wäre 2015/2016 im europäischen Wettbewerb. Denn prinzipiell sind, pardon, waren einige Elemente im SGE-Spiel selbst unter Trainer Thomas Schaaf vorhanden. Als das Team sich ein- und aufstellte, damals, im November, als mehr Kohlenmonoxid als Sauerstoff in der Luft für den Übungsleiter lag, sah man das. Spielidee und Tempo, da konnte man in diesen vier, fünf Wochen einen Haken hinter machen. Davor, danach: kaum.

Doch das Zürnen und Lamentieren dauert nun schon fast ein Dreivierteljahr, das Gros der 30 Pflichtspiele an. Da der Klassenerhalt, und den musste man in der Tat primär erstmal erreichen, nun geschafft sein sollte, richtet sich der Blick auf den Sommer, auf die nächste Saison. Der von den Funktionären der Eintracht so oft zitierte und inhaltlich verkehrte Umstand, dass es einen Umbruch im Vorfeld dieser Saison gab, wird ab Ende Mai eintreten.

So einige Spieler werden – mancher als sicheres Millionen-Verlustgeschäft – verkauft, andere verlassen den Verein ablösefrei. Hinzu werden nicht nur Ersatzleute für die abgewanderten Ersatzleute kommen, nein, dieses Team muss in allen Mannschaftsteilen verstärkt werden, in einigen sogar doppelt bis dreifach. Innenverteidigung (im Doppel- bis Dreierpack), Außenverteidigung (rechts), defensives Mittelfeld (im Doppelpack), offensives Mittelfeld (links), Sturm (im Doppelpack) – und einen zweiten Torwächter braucht es ebenfalls. Eine Kalkulation von gut und gerne acht Neuzugängen ist alles andere als unrealistisch, wenn man den sportlichen Bedarf sieht.

Verwunderlich ist, das gilt allerdings für die ganze Liga, dass es selbst in der Gerüchteküche derzeit wenig brodelt. Eigentlich kursierten rund um die Eintracht nur zwei Namen, der eine ist Patrick Klandt (was für eine SGE-typische Posse…) und der andere ist Stefan Reinartz. Letzterer dürfte aber eher für ein Europapokal-Team schwärmen, jedenfalls werden auch Mönchengladbach und andere Teams dieser Kategorie gerüchtet. Julian Baumgartlinger, der Mainzer, den auch dieser Blog bereits vor 2,3 Wochen in die mögliche Neuzugangsliste aufnahm, ploppte zudem mal kurz auf.

Wüsste man nicht um die … Transfergewohnheiten … in Frankfurt, könnte man einige mögliche Kandidaten getrost in der Kategorie Gruselkabinett verorten. Heiko Westermann, Marcell Janßen, Vedad Ibisevic

Aporpos Ibisevic: Gab es um den nicht vor ein-, eineinhalb Jahren mal Gerüchte, dass er zur Eintracht sollte,wollte,könnte? Der Bosnier wäre so ein Kicker-Sonderheft-Gescouteter, wo der SGE-Fan wüsste: Jo, war irgendwie klar, lag auf dem Grabbeltisch und war sicher günstiger zu haben als je zuvor.

Ein paar mehr oder minder interessante junge und im Sommer vertragslose Spieler – auch auf schwach besetzten Eintracht-Positionen – gibt es durchaus.

Mitchell Weiser für die offensive Außenbahn im Mittelfeld (dürfte finanziell schwer werden), Adam Matuschyk als offensiver ausgerichteter Sechser (Gefahr: ewiges Talent), Yunus Malli als schneller Außenbahnspieler (will international spielen).

Dazu werden einige Dauerbrenner  auf dem Markt sein, etwa Christian Pander (Linksverteidiger) und Leon Andreasen (defensives Mittelfeld), Didier Ya Konan , Jan Schlaudraff von Hannover 96, Chinedu Obasi (Sturm, Außen) und Ivo Illecevic (Außenmittelfeld).

Ungewiss ist angesichts des aktuellen Tabellenbilds (und das wohl bis mindestens zum 33. Spieltag) natürlich, welche Spieler im Abstiegsfall des einen oder anderen Teams günstig zu haben wären. Sprechen wir es aus: Bei aller Griepigkeit halten der Hamburger SV und vor allem der VfB Stuttgart die vielversprechensten Profis parat. Tobias Werner als Wunsch-Offensiver oder Alexandru Maxim als Mittelfeldaktivposten sowie Standardschütze etwa.

Allerdings gehe ich persönlich von einem Liga-Verbleib der Stuttgarter aus, sehe Paderborn als sicheren Absteiger, auch der SC Freiburg droht perspektivisch eher auf 17 zu rutschen als die direkten Konkurrenten. Einer der „Großen“ wird in die Relegation gehen – vermutlich Hamburg, je nach Frontzeck-Verpuffung Hannover – und dann in der Liga bleiben. Ergo würde sich der Blick, wieder mal, in den Breisgau richten. Johannes Schmid, immer wieder von mir genannt, würde ich als Eintracht-Verantwortlicher sofort verpflichten, sei es als Mittelfeldspieler oder offensivst denkbarer Rechtsverteidiger (zumal, da Sebastian Jungs Rückkehr schwerlich machbar sein wird). Die Freiburger haben mit Oliver Sorg und Immanuel Höhn noch zwei weitere interessante, gute Defensivspieler im Kader. Vladimir Darida (Mittelfeld) und Admir Mehemdi (Sturm) – da scheiden sich die Geister, ich wäre eher skeptisch.

Und so ist aus einem lausigen Schriebstück mitten in der Woche, wo das Auswärtsspiel in Dortmund – weil Misserfolg vorprogrammiert – keine Beachtung findet, eine Aktualisierung der möglichen Transfers von Eintracht Frankfurt geworden. Eure Gedanken? Ist überhaupt einer der Namen realistisch?

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9 Kommentare

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9 Antworten zu “Gewohnheiten

  1. Matse

    Die guten bekommen wir nicht und die bei den wenigen tauglichen aus Freiburg muss man sich mittlerweile auch fragen, ob Frankfurt für die nicht das Wolfsburg für Ex-Eintrachtler ist. Gute Referenzen wird man aktuell von Flum und (ex) Rosenthal wohl kaum bekommen, wenn man Jonathan (!) Schmid heißt.

    Also wird Bruno wieder was (unsinniges) zusammen brauen und uns als Zaubertrank verkaufen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Römer den Fake nicht merken und auf Angriffe verzichten. Ich ahne jedenfalls wieder mal Böses in Sachen Transfers für die neue Spielzeit.

  2. Steinheimer

    Ein Misserfolg in Dortmund ist nicht vorprogrammiert. Punkt in Dortmund. Sieg gegen Bremen, Hoffenheim und Berlin. Danach müsste ein Unentschieden gegen Leverkusen reichen. Sehe ich so, kann aber auch anders kommen.

  3. Staniii

    Pander und Andreasen passen ins Profil weil Verletzungsanfällig. Schlaudraff als Rosenthal Nachfolger halte ich auch für möglich. Sollte der VFB absteigen landet Maxim im Ausland oder sonst wo nur nicht bei der SGE und Werner geht entweder mit in Liga 2 oder zu Hoppenheim. Bleibt nur Schmid der absolut Sinn macht und damit man wieder ein Doppelpack aus Freiburg holt eher Mehmedi, den keiner braucht, statt Sorg oder Darida. Wobei Tschechen ja so einen gewissen Charme haben

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