So grau grau grau blüht der Eintrachtian

Eine These: Hätte sich Alexander Meier auch nur ein wenig früher verletzt, stünde Eintracht Frankfurt (nicht erst seit dieser Woche) auf einem Abstiegsplatz.

Eine Aussage, deren Wahrheitsgehalt sich nie überprüfen lassen wird, geschenkt. Und doch muss einem jedem Eintracht-Fan diese Möglichkeit, diese Annahme den Angstschweiß auf die Stirn treiben – im Hinblick auf die nächste Saison, aber auch in der Einordnung der noch laufenden Spielzeit. Schon oft zitiert, stand der Name Alexander Meier vermutlich noch nie mehr als Synonym für  Lebensversicherung wie unter Trainer Thomas Schaaf.

Ironischerweise ist es am Ende also der Vielverschmähte, die „Kröte“ (Bruno Hübner), die dem nüchternen Übungsleiter seinen Arbeitsplatz gerettet, gesichert hat.

Ausgehend von Tabellenplatz 8, wo auch niemand so recht weiß wie es diese Mannschaft dorthin spülen konnte, und profitierend von einem elenden Europa-Schneckenrennen bei günstigem Spielplan, wird Eintracht Frankfurt schlußendlich dann doch irgendwo zwischen Position 10 und 13 landen. Bewertung Grauschleier oder Grausen – entscheidet euch. Einer hat sich seine Meinung, zumal über den Trainer jedenfalls schon gebildet: „Das Beste was passieren konnte„. Nunja.

Unbenommen, Thomas Schaaf tut eine Sache im Speziellen, die seit Jahren so in Frankfurt niemand mehr gewagt hat: er gibt jungen Spieler eine, mehrere Chancen. Marc Stendera, der von Armin Veh schon in die Spur gebracht und nah an das Team heran geführt wurde, ist unter ihm Stammspieler geworden. Sonny Kittel hat sich, so kopflos er auch spielt, zu einer Alternative im Mittelfeld entwickelt und auch David Kinsombi und nun Luca Waldschmidt haben Chancen bekommen, sind auf dem Zettel des Trainers. Joel Gereghizer, der Dauerverletzte, soll dem Vernehmen nach ebenfalls hoch in der Gunst des Trainers stehen und nur aufgrund der Verletzungen noch ohne Einsatz sein. Ob dieses Handeln derpersonellen oder qualitativen Not geschuldet ist, also quasi aus Zwang geschieht oder nicht, sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass Schaaf sich auch bei den Jugendmannschaften immer wieder blicken lässt (eine U23 gibt es ja, weil man phänomenale 800 000 Euro sparen wollte, nicht mehr) und somit mittel- bis langfristig eine positive Entwicklung anstoßen, davon profitieren könnte.

Allerdings stellt sich die Frage, wie sinnvoll eine Weiterarbeit zwischen Schaaf und der Mannschaft ist. Im Kernbereich, der Spiel- und Sportvermittlung, dem klimatischen Auskommen zu bzw. mit den Spielern, liegen Erklärungsansätze für den Saisonverlauf, die Spielweise. Doch abseits von allem Spekulativen, von allen Mutmaßungen was die frostige Team-Trainer-Verbindung angeht, zeigen die Ergebnisse, zeigt vor allem die Spiel- und Herangehensweise derart gravierende Mängel auf, dass man die Kritik am Trainer auch getrost daran alleine festmachen kann. Lucas Piazon aufzustellen, per se, aber im Speziellen gegen Borussia Dortmund, einem flügelfanatischen Team, zeugt beim SGE-Trainer von wenig … Gelehrsamkeit was die Gegnereinschätzung anbelangt. Dazu Slobodan Medojevic abermals zu stellen, ihn statt Marc Stendera mit der Spieleröffnung zu betrauen, wie oft muss das noch scheitern? Über die Nicht-Nominierung von Constant Djakpa als Linksverteidiger kann man nach dessen langer Verletzung geteilter Meinung sein, geschenkt. Nun gut, in Dortmund war es personell in der Tat, aber das auch erstmals, wirklich dünner. Aber die Blaupause der Spielanlage war dieselbe, auch bis zum Knick nach dem Strafstoß: Langholz und Ballverlust wechselten sich mit Ballverlusten und Langholz ab. Da redet man dann wohl kaum mehr von Zufall, sondern von Hilflosigkeit oder gar Anweisung – beides Faktoren, die ursächlich mit dem Trainer, dessen Handwerksvermittlung zusammenhängen.

Die Lustlosigkeit, der mangelnde Eifer mit dem das alles, die uninspirierte Spielweise geschieht, dürften aber dann doch nicht ganz so singulär mit handwerklichen Geschichten zusammenhängen. Stichwort Frost. Verschworene Einheit? Davon, einem Eindruck den man in den vergangenen zwei, drei Jahren von dieser Mannschaft – die ja eben längst nicht so umgebrochen ist, wie der Sportdirektor das gerne verkauft – stets haben konnte, ist nichts mehr zu spüren. Und sollte die Grüppchenbildung, die von einigen wesentlich näher am Geschehen Befindlichen kolportiert wird, Realität sein, nunja, dann ist ein weiteres Mosaiksteinchen hinzugefügt.

Wenn der Sportdirektor sich dann noch hinstellt und a) behauptet, man habe in der Saison andauernd unter Verletzungspech gelitten, b) einem mittlerweile auch die personellen Alternativen ausgegangen seien, man jedoch c) eine mögliche Alternative (Vaclav Kadlec, so mangelbehaftet dessen Spiel auch war/ist) im Winter verschachert, dann d) ein Timothy Chandler – von „ein bisschen mehr als 40 Punkte am Saisonende wären überragend“ erzählt – ja dann ist auch irgendwann der Punkt erreicht, wo ein Anreden gegen die Vereins-PR, EintrachtTV-gleiche-Verdummung einen Realisten wahrlich dem Hirntod nahebringt. Die glauben vermutlich selbst, was sie erzählen – womit dann auch geklärt ist, wieso die Dinge in Frankfurt laufen, wie sie laufen.

Schon jetzt, wo man auf der letzten Lust-Rille auf der Kante zum Abstieg entlang-schlittert, muss man sich vor der nächsten Saison fürchten. Etwas, dass man Umbruch nennen könnte, steht jetzt erst bevor. Doch da es spielerisch an so vielen Dingen mangelt, wird es mit drei,vier Neuzugängen nicht getan sein. Im Prinzip taugen nur wenige Eintracht-Profis für eine Weiterbeschäftigung, das sind Trapp, Hasebe, Aigner und Meier sowie der erstarkte Oczipka, meinetwegen noch Bamba Anderson und Marc Stendera. Gestaltet man um diese Spieler – wobei Meier ja erst in der Rückrunde einsatzbereit und auch dann außer Form sein wird – mit gutklassigen Leuten der Klassenkategorie Hasebe eine erste Elf, wird der Abstieg „auch“ 2015/2016 kein Thema, wird das Mittelfeld anpeilbar sein. Setzt man den Cut weiter unten an, also schleppt man Kicker der Güteklasse Medojevic, Inui, Chandler, Ignovski weiter mit, setzt gar verstärkt auf diese Spieler, wird es düster.

Aber erstmal muss dieser Verein überhaupt Spieler verpflichten. Die Klassen-Kategorie sinkt jedenfalls mit jedem abgerutschten Tabellenrang, mit jeder Null-Bock-Nummer weiter. Irgendwann reicht es dann eben zwangsläufig nur noch für die Maladen, die Ausgehungerten, die Vereins-Waisen. Ich sehe schon Ivo Illecevic oder Gojko Kacar bzw. ähnliche Raketen am Main unterschreiben.

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6 Kommentare

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6 Antworten zu “So grau grau grau blüht der Eintrachtian

  1. Staniii

    Olli du schreibst es, Punkt- und Auflaufprämie. Das sind die Möglichkeiten für Spieler ihr Gehalt direkt zu beeinflussen und so nach oben zu schrauben, sofern keine Vertragsverlängerung oder ein Vereinswechsel anstehen. Mehr Punkte bedeutet für den Verein eine bessere Platzierung
    und somit mehr TV Gelder. Von Europa und dem damit verbundenen mehr
    an Spielen braucht man gar nich anfangen.

    Mir ging es aber eher darum, das man den Druck auf die Spieler erhöht.
    Kaum kann man die EL nicht mehr erreichen, ist die Saison quasi gelaufen
    und am Ende wird einem Platz 12-14 in der Umbruchsaison als Erfolg
    verkauft. Klar ist auch das nicht mal die greifbare Nähe zu den Quali
    Plätzen genug Motivation waren. Aber man kann nach außen hin doch
    wenigstens so tun als ob man die Saison zu einem versöhnlichen Abschluss
    bringen will.

    • Olli

      Aber gerade in Bezug auf Auflaufprämie führt der Trainer diese Stellschraube ad absurdum. Okay, gegen Dortmund habe die gespielt die noch irgendwie konnten. Aber sonst? Leute durchschleifen, die es nicht verdient habe, weil er sie mag. Und vor allem, auch umgekehrt.

      Viele Spieler in diesem Verein werden mit Schaaf nicht sehr grün sein. Die sind genervt und am Ende froh, dass es nicht runter geht. Es wäre natürlich viel mehr drin gewesen als am Ende raus kommen wird. Aber es ist sehr bedenklich, dass die Mannschaft die erfolgreichste Zeit hatte, als der Trainer sie hat machen lassen!
      Mit diesem Trainer muss über kurz oder lang die Laune und die Leistungsbereitschaft in der Mannschaft den Bach runter gehen. Ist im normalen Leben ja auch nicht anders. Du kannst den Job so sehr lieben wie du willst: haste nen Chef der dich nicht mag, sinnlose Personalplanungen festlegt, dir den Karriereweg verbaut, dir eine Niete vorzieht und auf seinem falschen Weg beharrt, haste auch irgendwann keinen Bock mehr auf 105%.

      Entweder wird über die Position des Trainers diskutiert oder über 2/3 des Kaders. Sollte beides ausbleiben, wird die nächste Saison bitter. Dann kannste nur hoffen, dass Freiburg und Paderborn drin bleiben und Darmstadt aufsteigt.

  2. Staniii

    Wenn wir schon bei HR-Online Meldungen sind. Würde mri wünschen das bei der SGE mal jemand Stellung bezieht und den Spieler sagt worum es geht, bevor man die Saison austrudeln lässt.

    +++ Millionenspiele für den FSV +++

    Für den FSV Frankfurt steht in den letzten Spielen der Saison viel Geld auf dem Spiel. Obwohl der Klassenerhalt wohl gesichert ist, fordert FSV-Boss Clemens Krüger deshalb von den Spielern weiterhin vollen Einsatz. „Die Mannschaft muss verstehen, dass es hier um sehr viel Geld geht“, sagte er der „Bild“. „Ein Platz weiter vorne kann für uns 800.000 Euro mehr an TV-Geldern bedeuten.“ Nach acht sieglosen Spielen in Folge sind die Bornheimer auf Platz zwölf abgerutscht – ganz zum Unmut von Krüger. „Wir verspielen derzeit viel Geld“, sagte er.

    • Irgendwie bezweifele ich, dass das etwas bringen würde. Am Ende ist es bei de Sportler wie bei de Leut: Bilanzen, Zahlen für den Arbeitgeber taugen als Motivationsspritze nicht wirklich.

      Es hat bei der absurderweise lange realistischen Möglichkeit in die EL zu kommen, also sich aus sportlichen, aus Ehrgeizgründen zu motivieren, nicht funktioniert. Wieso dann für eine abstrakte Kategorie wie TV-Gelder?

      • Olli

        Was hat der Spieler auch von TV-Geldern? Kriegt er bei der Eintracht nicht sein Wunschgehalt, wird es halt Köln, Hannover oder Berlin zahlen. Spielt er nicht mit uns in der EL dann halt mit Hoffenheim, Schlacke oder Augsburg. Für die meisten Spieler, bzw. deren Berater, geht es doch nur um den maximal finanziellen Abschluss / Provision / Punkt- / Auflaufprämie. Gehe doch mal alle Vereine durch, wie lange die Spieler im Schnitt so bleiben. Werden das mehr als 4 Jahre werden? Eher nicht. Ein Fakt, der Hübner eher noch nicht aufgefallen ist, so wie seine ausgehandelten Verträge manchmal aussehen.
        Selbst ein Meier und Nikolov werden sich ihre letzten Verträge gut bezahlt haben lassen. Idealismus ist im Fußball nicht mehr weit verbreitet.
        Heute kannst du auf zwei Methode eine gute Mannschaft zusammen kriegen: sautgute wie teure Einzelspieler oder eine Truppe die gemeinsam Spaß am gewinnen hat. Alleine eine Wand aus Fans – was neben uns noch andere haben – beeindruckt heute nicht mehr jeden.

  3. Alex

    +++ Eintracht bindet Inui +++

    Mittelfeldspieler Takashi Inui bleibt der Frankfurter Eintracht offenbar auch in der kommenden Saison erhalten. Wie die „Frankfurter Neue Presse“ berichtet, zogen die Hessen beim 26 Jahre alten Japaner eine Vertragsoption auf eine weitere Spielzeit. Inui war 2012 vom VfL Bochum zur Eintracht gewechselt und kam in 83 Pflichtspielen auf neun Tore und 19 Vorlagen.

    Soviel zum Thema, Cut weiter unten ansetzen.

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