Wie unter Helmut Kohl

Das berühmte Kriechen auf dem Zahnfleisch, alle, die mit der Eintracht in irgendeiner physischen wie kognitiven Beziehung stehen, werden es spüren. Man hat einfach keine Lust mehr auf die Wochenendkicks, auf das Ansehen derer, geschweigedenn die Analyse des Gesehenen. Seit Wochen, ach, Monaten ist das alles nur noch mühsam. Eine Tretmühle, in deren Betrieb man als Fan, als emotional Abhängiger massiv Energie investiert. Und für was? Um sich durch einen Großteil von 32 Pflichtspielen zu mühen, sich dank Sturheit des Trainers, Unlust der Spieler, Unvermögen der Funktionäre Stück für Stück weiter von der Abhängigkeit zu lösen. Die Spielweise, die dem Fan seit August 2014 präsentiert wird, kommt einer unfreiwilligen Teilnahme am Methadonprogramm gleich. Entzugserscheinungen, jedenfalls was strukturierten Fußball angeht, inklusive.

Wer will es einem verdenken? Wer gut und gerne zwei Dutzend Mal (von mehr als 30 Versuchen) gegen die Wand rennt, dazu noch gegen ein und dieselbe Wand, kann doch nicht ernsthaft noch Zuspruch erwarten. Schlimm genug, dass auch bei den letzten paar Gewürgen der Saison wieder 50 000+ Menschen auf den Stadion-Sitzschalen und ein paar Zehntausend vor dem Fernseher Platz nehmen werden. Aus Überzeugung? Glaube? Weil es Freude macht? Wohl kaum. Man hat die Tickets ja bezahlt, 20, 25, 35, 50 Euro. So dicke hat es von uns keiner, als dass er dann auf den Besuch verzichtet. Man ist knauserig – oder zumindest nicht verschwenderisch. Und am Ende verbringt man im Mai in der Regel auch klimatisch angenehmere Tage, bummelt vorher und nacher über die Zeil oder am Main entlang, als zwischen Oktober und April. Heribert Bruchhagen wertet die Zuschauerzahlen ja als ein Beleg für die Attraktivität #spektakel des Klubs. Naja. Fernsehen kann man wenigstens ausschalten, auch die Emotionen regelt man mit einem Umschalten runter.

Bewegung wird sowieso nur auf zwei Weisen in den Klub kommen (wie man das schon 2011 dachte): Abstieg oder geordnete Führungsetagen-Erneuerung. Das Verzwickete ist halt, dass das Team den Abstieg in dieser Saison nicht mehr schaffen wird, es nächste Saison jedoch dahingehend virulent zu werden droht. Abstieg und zwangsläufige Führungsetagen-Erneuerung folgen dann. Es war, ist und bleibt ein Hinwarten auf den 30. Juni 2016, wenn die Amtszeit von Heribert Bruchhagen endet. Muffig, miefig, bleiern – man fühlt sich, vergleicht man Eintracht Frankfurt mit der Geschichte, an die Jahre der Kanzlerschaft Helmut Kohls erinnert. Ob sich die Dinge nach Bruchhagens Vorstandsvorsitz zum Guten oder Schlechten entwickeln, das wird halt die Frage sein. Da sollte man zwar auch nicht zu euphorisch sein. Entwicklung als solche wäre ja aber schonmal ein wünschenswerter Schritt. Wo also, wer also ist der Gerd Schröder, der Joschka Fischer für die SGE? Dem Gebilde samt Gefolge wieder Leben einzuhauchen, dafür hätte man jedenfalls bald drei Monate Zeit – bis zum ersten Kicker-Sonderheft-Transfer.

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Wie unter Helmut Kohl

  1. Jermaine Jones Junior

    Rummenigge hat ja noch nicht mal was gelernt. Er strebte mal eine Ausbildung als Bankkaufmann an, die er nie antrat!

  2. Jermaine Jones Junior

    Oder Christoph Metzelder. http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/sport/eintracht-frankfurt-armin-veh-als-bruchhagens-nachfolger-13562714-p2.html
    Nicht jeder, der BWL studiert und ein Kuckuckskind mit einer Hotelmanagerin gezeugt hat, darf als Kandidat gelten.

    Wobei die ganze Diskussion mich eher an die boulevard’eske Diskussion erinnerte, als es darum ging, wer Thomas Gottschalk bei „Wetten daß?“ ablößen sollte, und weniger an die Kanzlernachfolge, anno 1998.
    Als „Wetten daß?“-Moderator brachte sich jeder Halbamateur ins Gespräch.

  3. Jermaine Jones Junior

    Es kursiert, wie vor einem 3/4 Jahr mal wieder der Name Armin Veh als Nachfolger für Heribert Bruchhagen. Ob die Neubesetzung des Vorstandsvorsitz mit Armin Veh eine revolutionäre Veränderung im Verein einleuten würde? Mitnichten. Man holt im Grunde genommen wieder einen Fachmann, der seine Expertise im Fußball in vielen Jahren bei unterschiedlichen Großklubs zwar nachgewiesen hat, aber den Vorsitz einer Fußball-AG erstmals in seiner langen und ruhmreichen Karriere einnimmt.
    Es spräche vieles dafür, dass man jemanden holt, der ein erfahrener Mann in Führung, Organisation und Marketing ist. Im Grunde sollte der Verein jemanden holen, der die Trends im Profifußball frühzeitig erkennt und den Verein nach aktuellen wirtschaftlichen wie sportlichen Erfolgsfaktoren strukturiert. Gleichzeitig bringt er idealer ein Netzwerk mit Personen aus dem Fußball und der (Frankfurter) Wirtschaft mit und strahlt das „gewisse Charisma“ einer Führungsperson aus.

    Kann Armin Veh diese Erwartungen erfüllen? Denkt mal darüber nach!

    • Na komm, ich musste eben den Namen Jürgen Klinsmann verdauen! Zum Glück ist das Online-Müll á la Spox, von daher hält sich der Würgreiz in Grenzen #buddhagte

      • Florian

        Ich habe aber auch sehr sparsam geguckt, als man mir das mit Klinsmann hämisch per Whatsapp mitteilte. Schon Dirk Dufner fände ich bedenklich. Vor allem fragt man sich dann auch mal grundsätzlich nach der Funktion, die so ein CEO/GF dann erfüllen soll. Da werden dann in einer Bandbreite von Rettig über Dufner bis Klinsmann oder Metze Namen ins Spiel gebracht, die zeigen, dass das Anforderungsprofil für diesen Posten noch nicht völlig klar ist. Gut, dass ist selbst bei den Bayern nicht anders, oder ist Herr Rummenigge zu irgendwas zu gebrauchen?

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