Monatsarchiv: Mai 2015

Straffes Programm

Umzüge, für Otto-Normal-Eintrachtfan sind sie wahrlich nicht vergnügungssteuerpflichtig. Doch weil nötig und möglich, wurde dieses Übel wenigstens so getimt, dass die Bundesliga samt SG Frankfurt pausiert. #rückenschmerzen #heuschnupfen

Umzug – Umbruch, gar nicht soweit auseinander das gegenwärtige Blogger-Private und die ebenso aktuelle Arbeitsaufgabe der Eintracht-Funktionäre. Während hier allerdings die Aufgabe in – wenn auch binnen 2 Wochen etappenweise vorbereitet – an einem Wochenende dank handwerklich begabter Unterstützung erledigt war, werden Sportdirektor Bruno Hübner und Konsorten deutlich länger brauchen.
Aufsichtsratsitzung Ende der ersten Juniwoche, erst danach werden uns die Gleise zu etwas führen; was Dinge anbelangt, die über 2015 hinaus geschehen sollen.

Das Nahziel heißt aber Trainerfindung – und das sollte angesichts des Markts in diesem Spätfrühjahr deutlich einfacher und vielversprechender sein als vor 12 Monaten.
Sichtbar duelliert man sich nur mit Schalke 04 um einen Übungsleiter; und die Investorenarbeiter aus Gelsenkirchen haben es wohl eher auf Ex-Spieler Marc Wilmots abgesehen. Bliebe ein Füllhorn an Optionen für Frankfurt, ganz verschiedene Trainer-Typen für welchen Kurs auch immer man als Klub einzuschlagen gedenkt.

Als da (realistischerweise) wären

Sascha Lewandowski
Jens Keller
Tayfun Korkut
Mirko Slomka
Jos Luhukay
Andre Breitenreiter
Armin Veh
Huub Stevens
Kosta Runjaic
Alexander Schur (zunächst als Co von Veh, falls dieser tatsächlich Bruchhagen bewegen sollte)

Neben der Trainer-, ist ja schon zu Zeiten von Thomas Schaaf die Spielersuche zentral gewesen. Schon ohne 3 Langzeitverletzte (und einem wohl wechselnden Carlos Zambrano) war die Aufgabe schwierig, jetzt ist es nicht leichter geworden. Sinnig wäre es ja, den (Umbruch ;-)Kader auf den neuen Trainer, dessen Typus, Spielidee zuzuschneiden. Wäre auch möglich, WENN Eintracht Frankfurt sich mal nicht vom Trainer dominieren ließe sondern selbst die Philosophie wenigstens grob vorgibt.
Denn eines ist klar, liebe Leser: Wenn man etwa Giovanni Trappstoni einkauft, bekommt man keinen Scheunentor-Schaaf und vice versa – im Guten wie im Schlechten.

Euer Tipp (nicht Wunsch!)?

Zu meinen Favoriten Lewandowski und Keller gesellt sich aktuell ja Kosta Runjaic hinzu … Vor Breitenreiter hätte ich zwar ein wenig Bammel bzw Skepsis, aber abgeneigt wäre ich nicht.
Ich sag’s ja: Diesmal ist’s nicht so eine triste, trübe Trainersuche 😉

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Coach-Casting

Dass Carlos Zambrano die Eintracht wohl ablösefrei verlässt, ist das eigentlich auch eine Lüge, ein Komplott?
Im November 2014 gab es das Vertragsangebot; jetzt, Ende Mai 2015 ist die Sachlage offenbar klar. Interessanter Schachzug des Vereins, dann auch Alexander Madlung – bereits im Winter – aufs Abstellgleis zu stellen. Letzterer wird zumal angesichts der Not einen neuen Vertrag bekommen. Sonst bliebe ja nur Marco Russ als Innenverteidiger. Und genug Einkäuft hat Bruno Hübner jetzt schon zu tätigen.

Die Trainerwahl wird sich wohl erst nach dem 8. Juni, der Aufsichtsratswahl, entscheiden. Bis dahin wird’s noch viele Namen zu hören geben. Der Neueste: Tayfun Korkut, Ex-Hannover.
Jedenfalls suchen nun, da in Hannover, Berlin und bei RedBull die Trainerfragen geklärt sind, nur die Eintracht und Schalke nach neuen Übungsleitern. Gazprom tendiert zu Marc Wilmots (Belgien), womit die Eintracht ein schönes Casting durchführen kann. Diesmal gibts wenigstens eine gute, vielversprechende Auswahl, keine Notlösung a la (damals dann sinnvolle) Drittwahl Thomas Schaaf.

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Ordnung ins Chaos

Das Bömbchen, dass am Donnerstag über den Hessischen Rundfunk gezündet wurde, hat seine Wirkung nicht verfehlt. Im Eintracht-Forum etwa kochen die Emotionen hoch, Hellmann-raus ist en vouge. Und wie so oft, welch Wunder, schreien jene Clacqueram lautesten die auch so laut „Lügenpresse“ rufen. Die Nachrichten, die man hören will, die guten sozusagen, nimmt man fürs Unternauern des eigenen Weltbilds, die entgegenstehenden kantelt man ab. Demokratie, Diskurs, Debatte – Teufelszeug!

Unabhängig ob die ziemlich sicher aus dem Lager von Heribert Bruchhagen und Wilhelm Bender lancierte (HR-)Geschichte stimmt oder nicht, gibt es Fakten. Diese zu betrachten, lohnt sich angesichts der Emotionen.

Fakt 1: Kapitän Kevin Trapp erwähnt den Namen Thomas Schaaf nicht einmal in seiner Team-Erklärung. Auch auf mehrfache Nachfragen von Journalisten gegenüber anderen Spielern, kommt in der Mehrzahl in der heißen Phase kein pro-Schaaf-Bekentnis

Fakt 2: Die Mannschaft spielt ohne jede erkennbare Struktur, in einem ihr unpassenden System – das wurde in diesem Blog, in mehreren lokalen Zeitungen, sogar von Sky-Reportern mehrfach herausgearbeitet.

Fakt 3: Der Trainer hat durch kuriose Auswechselungen oder keine Auswechselungen im Spiel der negativen Entwicklung während der Begegnung nicht entgegen gewirkt.

Fakt 4: Erst als die Mannschaft mit dem Trainer sprach und die Mannschaft vorgab, wie sie spielen will, führte dies kurzfristig zu Punktgewinnen – im November 2014 (elf Punkte) und Mai 2015 (sieben Punkte).
In beiden Fällen, beiden Interventionen, drohte das Team in den akuten Abstiegskampf zu rutschen.

Fakt 5: Unmutsäußerungen / Unmutsgesten sind von mehreren Spielern bekannt, von Torschützenkönig Alexander Meier, von Stefan Aigner, Bamba Anderson, Alexander Madlung, Johannes Flum. Demgegenüber gibt es Treueschwüre von (Überraschung, Überraschung) Nelson Valdez und, etwas halbgarer, von Haris Seferovic und Marco Russ. Dazwischen eine große Masse der Unbekannten – jedoch vermieden etwa auch Bastian Oczipka und Kevin Trapp Bekentnisse, sie sagten jene Hülsen, die man eben so sagt.

Mit der angeblichen Intrige, der Hellmannschrn SMS haben die sportlichen Eindrücke – von denen es unter Schaaf auch gute, etwa was die Heranführung von Nachwuchsspielern angeht – nichts zutun.

Ergebnis: Der Abgang von Schaaf war nötig, denn sonst wären die Probleme in der neuen Saison ziemlich sicher erneut aufgetreten. Zumal wichtige Spieler lange ausfallen, das Transferbudget sehr begrenzt ist, und diesmal eben tatsächlich ein Umbruch ansteht; und kein erfundener.

Da Schaaf, auch das ist wiederholt geschrieben wurden, bei Eintracht Frankfurt nur dritte Wahl war, hat sich das Gefühl des Missverständnisses eingestellt, verfestigt, bestätigt. Die Konsequenz ist das Aus. Wobei man immernoch sagen muss: Schaaf ist zurückgetreten, er wurde nicht gefeuert. Das macht die Causa so nebulös.

Die entscheidende Frage wird sein, inwieweit im Verein irgendeiner der Beteiligten, einen Plan hatte und hat, wie es weitergehen soll(te). Für den meines Erachtens unwahrscheinlichen Fall, dass es dieses durchdachte Hellmann-Komplott gegeben gaben sollte, wäre es doppelt skandalös, wenn der Plan beim Sturz des Trainers und der Beschädigung des Vorstandsvorsitzenden enden sollte.

Jetzt, da die Eintracht via Pressemitteilung (richtig richtig übler, peinlicher Inhalt) das Kriegsbeil nicht nur begraben, vor allem die Differenzen zugegeben hat, scheint ein (schneller) Ausweg samt eröffneter Chancen möglich. Interessant bleibt trotzdem, wie es zur HR-Geschichte kam. Einer lügt – das ist klar. Und es sind nicht (!) die Journalisten.

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Schlamm fliegt

Holla, der für sein Abschreiben bei anderen Medien bekannte, gebührenfinanzierte „Hessische Rundfunk“ hat am Donnerstag ein bemerkenswertes Stück rausgehauen. In diesem ist – das erscheint logisch – die Rede von einem Machtkampf, speziell zwischen dem in einem Jahr aus dem Vorstandsvorsitz-Amt scheidenden Heribert Bruchhagen samt Gefolge und Neu-Vorstand Axel Hellmann sowie dessen Anhängerschaft.

Das soll soweit geführt haben, dass die Unternehmensführung die Spieler quasi manipulierte, Stimmung machte, diese konstruierte Gefühlslage an Journalisten durchtseckte, wiederum mit einem Trainernachfolger für Thomas Schaaf zu sprechen – mit dem Ziel, den aktuellen Trainer zu diskreditieren, sich ihm als Coach zu entledigen; um damit letztlich Bruchhagen zu schädigen.

Das ist harter Tobak, um nicht zu sagen, das ist ein komplett anderer Sachverhalt als der bislang diskutierte. Plötzlich geht es weniger um das kühle Verhältnis der Spieler zum Trainer (eine Kälte, die sich im November 2014 und Anfang Mai 2015 ja sogar belegen lässt), sondern um Unbill zwischen Unternehmensführung und Trainer. Sollten die Anschuldigungen, die jemand über den HR in Richtung Hellmann und dessen Unterstützern erhebt, stimmen, erscheint eine solche gesponnene Intrige – dazu noch quasi unbemerkt und mit einem angesichts des tabellarischen Verlaufs schwer erreichbaren Fernziel (Schaaf aus dem Amt zu drängen) – gar weltverschwörerisch.

Die vom HR dargestellten Tatsachen können jedoch genauso gut auf Rache, auf Rückzugsgefecht (Bruchhagen/Bender, im Hinblick auf die Aufsichtsratswahlen Anfang Juni) hin gedeutet werden. Immerhin ist der gebührenfinanzierte Sender – neben Einracht-Premiumpartner „Frankfurter Neue Presse“ – das einzige Medium, das zur SGE weitgehend nur wischi-waschi berichtete (gipfelnd in den montaglich unsäglichen „Heimspiel“-Sendungen) und somit sicher die klügste Wahl für einen Gegenschlag.

Jetzt ist jedenfalls ein Punkt erreicht, an dem man sich dann doch Sorgen um die Zustände in dem Klub machen kann. Konnte man bislang davon ausgehen, dass auf Funktionärsebene doch noch Leute sitzen, die Fußball verstehen, die den Sport und die unter Schaaf auffälligen spielerischen Mängel erkennen und zu handeln bereit sind, kommt nun die Ebene der Eitelkeiten, der Aversionen, der persönlichen Ziele auf die Agenda.
Das Nähe-Probleme im ZusammenspielSchaaf/Mannschaft bestanden haben, war offensichtlich, ist wie gesagt belegbar, und dürfte außerhalb der verblendeten Ewigtreuen-Fraktionen unstrittiten sein. Diese Kühle und die damit verbundene Sorge ob der längerfristigen Zusammenarbeit würden aber für eine Entlassung nicht gereicht haben; schon gar nicht stehend auf Rang 9. Das ist eine der Meta-Ebenen des HR-Artikels. Aber mit einer Kampagne, wie der HR sie beschreibt zu diesem Resultat, diesem Ziel zu kommen? Gerade, wenn die Gräben im Verein im Zickzack verlaufen, es neben vielen Kritikern auch viele Befürworter gegeben haben soll, klingt das doch nach einem sehr kühnen Plan.

Die Schlammschlacht ist jedenfalls in vollem Gange. Die Aufsichtsratssitzung Anfang Juni wird zu einem Showdown – und entweder Axel Hellmann oder Heribert Bruchhagen wird dann aller Vorraussicht nach nicht mehr im Amt sein; entweder faktisch oder via … Kompetenzbeschneidigung. Sollte – von Hellmann und seinen Unterstützern – versucht worden sein, mit Biegen und Brechen nun im Juni 2015 das zu machen, was eigentlich erst 2016 auf der Agenda stand – den Vorstandsvorsitz neu zu besetzen – wäre das schändlich. Dass Hellmann und seine Anhänger, die angesichts der seit Monaten kolportierten Veh(oder wer auch immer)-als-Bruchhagen-Nachfolger ihre Chancen schwinden sehen könnten, die Klubentwicklung derart rücksichtslos für die Aussicht auf den Vorstandsvorsitz-Posten torpediert … das wäre ein Rückfall in tiefste 1990er-Zeiten. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der AG und der Neubesetzung des Aufsichtsrats dürfte Hellmann jedenfalls perspektivisch die besseren Karten im Vergleich zu den Bruchhagen-Anhängern besitzen, ergo: Hellmann hätte nur warten müssen, um inthronisiert werden zu können. Es sei denn, die Angst davor, dass Bruchhagen die Nachfolgersuche derart an sich reißt und seinen Nachfolger tatsächlich „einarbeitet“, anweist, wiegt bei Hellmann und Co. groß. Die Frage wird sein: Wie sehr neidet Hellmann Bruchhagen den Sonnenschein?

Die nächsten Tage werden sehr sehr spannend.

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Die Eröffnung von Chancen

Während sich der Hass der Wutbürger, der Ewigtreuen und Uninformierten gegenüber der #Lügenpresse im Internet weiter Bahn bricht, ist die Welt rund um Eintracht Frankfurt tatsächlich und entgegen aller Erwartunge nicht untergegangen.

Im Gegenteil: Plötzlich eröffnen sich dem Klub Möglichkeiten, die Fesseln der im Frühjahr und Sommer 2014 selbstverschuldeten Notsituation sind gelöst, der nun de facto bevorstehende Umbruch kann mit einem neuen Trainer – einem, der besser zur SGE, zur Mentalität des Teams, zum künftigen Kurs passt als Thomas Schaaf – gestaltet werden.

Die ersten Namen sind gerüchtet worden, Sascha Lewandowski, der Bayer-Leverkusen-Ex, ist darunter. Dazu hat sich Jens Keller, Ex-Eintrachtspieler und trotz aller Kritik erfolgreichster Schalke-Trainer der vergangenen Jahre, selbst via Interview ins Gespräch gebracht. Wenn man jetzt den Blick nochmal über den Trainermarkt schweifen lässt und sieht, dass es daneben noch Mirko Slomka, wohl Andre Breitenreiter, Armin Veh, Huub Stevens, evtl Kosta Runjaic und einige weitere durchaus Profilierte gibt … die Ausgangssituation im Vor-Sommer 2015 ist eine wesentlich komfortablere als vor einem Jahr. Damals gab es nach der Absage von Roger Schmidt nur di Matteo (den es jetzt auch wieder gibt) oder Schaaf.

Einschätzung gefällig? Lewandowski (wie auch Schur) wäre die mutigere Variante, eine, die zur sichtbar eingeläuteten Post-Bruchhagen-Zeit passen würde. Ein Trainer, der im Nachwuchsbereich – dem Manko der Eintracht – Erfolge gefeiert hat, der auch in der Bundesliga kein Grünschnabel mehr ist, der aufgrund der seit Jahren guten Beziehung zwischen Frankfurt und Leverkusen (siehe auch Transfer von Stefan Reinartz, Bastian Oczipka oder Pirmin Schwegler) irgendwie passen würde.

Aber auch Jens Keller wäre wahrlich keine schlechte Wahl. Wer es bei Schalke, diesem Unruheherd und Diletantenstadel trotz aller und jahrelang anhaltender Kritik zu so viel, zu so viel mehr als sein Nachfolger di Matteo bringt – der wird kein Vollblinder sein. Jedoch ist Schalke 04 immernoch ein finanziell gepämperter, vom Kader her gesehen besser aufgestellter Klub als Frankfurt. Mit Höwedes,Draxler,Neustädter, Huntelaar und Co. geht fast automatisch mehr als mit vergleichbaren SGE-Profis. Ergo muss man die Frage stellen, ob Keller eventuell nur mit Garde-Kickern oder auch der Kategorie darunter Erfolg haben kann. Und man höre mir mit Kellers Mimik als Argument auf.

So oder so: Für jene Fans und Beobachter, die Eintracht Frankfurt intensiv und konzentriert verfolgt haben und verfolgen, ist der Rücktritt von Thomas Schaaf als Trainer eine Erleichterung, eröffnet weitaus mehr Chance als Risiko. Denn die Zerwürfnisse in der Mannschaft bzw. das Klima zwischen Trainer und Team, waren sichtbar kühl; und zwar nicht nur, weil es zwei, drei Unzufriedene gab, sondern weil ein erheblicher Teil der Profis Probleme mit Schaaf hatte. Ich empfehle dazu die Lektüre der FAZ-Printausgabe von Mittwoch.

Diesmal, da bin ich zuversichtlich, wird Ex-Coach Friedhelm Funkel Unrecht mit seiner Einschätzung haben, wonach das Schaaf-Aus gefährlich für die Eintracht werden wird. So sehr er etwa bei Inui – den man ein weiteres Jahr gebunden hat (um Ablöse kassieren zu können?) – dessen Mängel vorhersagte, so sehr irrt er jetzt.

Denn: Ein neuer Trainer wird eben nicht an einem etwaigen Europapokal-Platz gemessen werden, nicht mal an den letztlich 43 Punkten und Rang 9. Es wird darum gehen, Fussball spielen zu lassen, ein Team-Klima wie unter Armin Veh oder Friedhelm Funkel entstehen zu lassen. Der Rest, dafür reicht die Qualität der Mannchaft, kommt von alleine. Denn genau das, liebe Leser, ist die Lehre aus der abgelaufenen Saison: Wenn sich die Truppe durchsetzt, spielen darf was sie spielen kann und sollte, wenn sie sich zusammenreißt, wurde gepunktet. Zwei Zwischensprints, im Novemer 2014 und nach der Trapp-Verlautbarung sind Beweis genug.

Ein neuer Trainer wird in Frankfurt eine gute Mannschaft und ein genügsames, aber stimmungsvolles Umfeld vorfinden. Das werden viele Trainer im Geschäft wissen; macht euch also geschmeidig, nun kann etwas neu gestaltet werden, das neu gestaltet werden muss(te).

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Logisches Ende

Da sich in diesen Stunden auch die letzten Ahnungslosen ihr Urteil über den Rücktritt von Thomas Schaaf bei Eintracht Frankfurt gebildet haben, erkennt man die immergleiche Struktur wieder: Jene, die das Geschehen aus Sportschau und Co. kennen, zeigen sich verwundert. Da lässt man einem alten Fahrensmann wie Schaaf auch schonmal Mobbing-Vorwürfe durchgehen, ja, kommentiert diese wohlwollend. „Schaaf ist zu gut für Frankfurt“. Ja. Klar.

Das, diese Einschätzung gilt nicht nur für Teile der Eintracht-Anhänger, für Fans, für Sympathisanten – nein, auch die Profis unter Medienschaffenden stimmen ein. Spiegel Online, das Schnipsel-Artikel-Medium, spricht von Schaaf vergraulen. Der Kicker, der in den vergangenen Tagen dann auch die Kritik-Fährte witterte, haut erst die Rücktritts-Meldung raus, um dann Stunden später über Zwietracht Frankfurt zu fabulieren. Dazu noch die Füllfederhalter aus Redaktionsstuben in Berlin und München, die alle Jubeljahre mal in Frankfurt aufschlagen, nicht ein Training gesehen haben, und dann mit dem Abstand von 500 Kilometern nachempfundenen Blödsinn auf Papier oder ins Netz drucken lassen. Bankenturmhohe Erwartungen, Diva – der ganze alte Kram wird von diesen Elfenbeinturm-Schreibern wieder aufgewärmt. Woran man am besten die Ahnungslosigkeit jener Leute erkennen kann. Tatsache ist, dass es kein, KEIN unambitionierteres, zahmeres, genügsameres Publikum gibt als das in Frankfurt. Nichtabstieg, Mittelfeld, alle Jubeljahre mal Europa – das ist bankenturmhoch? Wer sowas behauptet, ist entweder völlig fehlinformiert oder ein Lügner. Wer sowas für als zu hochgesteckte Ziele hält, sollte sich nur noch mit Paderborn, Freiburg und Mainz beschäftigen; nur da gehts noch ruhiger zu als in Frankfurt was Erwartungshaltungen angeht.

Medienschelte, Zeitungs-Schuldzuweisungen, Lügenpresse – der ganze Kanon, denen die Ewigtreuen und die Verblendeten etwa im Eintracht-Forum so von sich geben, ist absurd. Die Fehler hat Thomas Schaaf gemacht, Stichwort spielerische Armut, Spieler-Enteierung, Kommunikations-Defizite, atmosphärische Störungen im Team. Die Fehler haben die Funktionäre, etwa Bruno Hübner und Heribert Bruchhagen gemacht, Stichwort ewige erfolglose Trainersuche. Das alles wurde von Journalisten – von ein paar wenigen, die a) von Beginn an erkannten, was da abläuft und b) sich trauten das zu analysieren (was noch lange kein kritisieren ist) – begleitet, nicht initiiert. Diese ganze Entwicklung ist keine Verschwörung, kein Komplott, keine Vendetta. Es ist das logische Ende, quasi der kausale Zusammenhang zwischen Entscheidungen aus dem Winter 2013/2014 und den letzten Wochen. Man kann das Ende nicht verstehen, ohne den Anfang, die Zeitleiste zu kennen.

Das Verhältnis Thomas Schaaf und Eintracht Frankfurt stand nämlich von Anfang an auf tönernen Füßen (dafür kann man Schaaf übrigens die geringste Schuld geben).

Ihren Beginn nahm diese Entwicklung mit der falschen Strategie Bruno Hübners was die Armin-Veh-Nachfolge angeht. Zu lange – ab Dezember 2013 – setzte er auf das falsche, das Überredungs-, das Hoffnungs-Pferd. Als dieses in den Augen von Heribert Bruchhagen endgültig weggalopiert war – im Februar 2014 – gab dieser der FAZ ein Interview, wo er Vehs Entscheidung, den Verein im Sommer zu verlassen, öffentlich machte. Ziel: Den Druck auf Hübner erhöhen in Bezug auf die Nachfolgerfindung. Diese zog sich dann, lange selbst was die Gerüchteküche anging erfolglos, ewig. Das verfügare geeignete Trainerpersonal wurde weniger, bis Roberto di Matteo in den Fokus geriet, im Frühjahr 2014. Auch diese Verhandlung zog sich, Ergebnis: Absage, Zeit verloren. „Plötzlich“ wurden Eintracht Frankfurt die Handlungsoptionen genommen. Mit einem Mal, spätestens seit dem Zögern und dem folgenden Aus für di Matteo, gab es nur noch zwei Möglichkeiten: 1. auf einen unbeleckten, unerfahrenen Trainer setzen, Alexander Schur sei beispielhaft genannt. Für diese Variante war man nicht mutig genug, das kann man kritisieren oder gutheißen. Die zweite und letzte Option war die Verpflichtung eines erfahreneren Coachs; und in dieser Kategorie war Thomas Schaaf der einzig mögliche Kandidat, böse Zungen sagen, dass er der einzig verfügbare, einzig verkaufbare gewesen ist. Die Herzensangelegenheit, die Liebesbeziehung, nicht mal eine Romanze konnte es unter diesen Grundvoraussetzungen werden.

In sportlicher Hinsicht war der Wechsel Schaaf für Veh ebenfalls zum scheitern verurteilt. Schaaf übernahm eine intakte Mannschaft, ein Team, das gewisse Umgangsformen und Inhalte gewohnt gewesen sein wird. Sie war, symbolisch gesprochen bei Faktor 100, vor allem wegen Vehs unbestrittenen Motivations- und Mitnahmekünsten. Schaaf hingegen pflegte offenbar eine andere Atmosphäre, ging anders mit den Spielern um. Die Trainingsinhalte, die von allen Beobachtern durchaus wohlwollend goutiert wurden und des Trainers Treiben als engagiert bewertet worden ist, schmeckten vielen Kickern nicht. Und wie es dann ganz menschlich ist, wird eine ohnehin nicht vorhandene Bindung zu jemandem nicht aufgebaut. Das Team rutscht von 100 auf 90,80,70 … „Nüchterne Arbeitsbeziehung“ nannte ich das in diesem Blog mal. Für ein Team, das Herz und Leidenschaft gewohnt war, musste Nüchternheit auch Kühle bedeuten – mit all ihren Folgen.
Schaafs Fehler, und den beging er von Anfang an und konsequent, war, dass er nicht erkannte, welche Spieler samt welcher Stärken und Schwächen er im Kader hat. Er wollte partout etwas formen, so wie er es wollte, es sich vorstellte. Natürlich hat jeder Übungsleiter seine Vorstellungen, aber für Schaaf war die Übernahme einer prinzipiell fertigen Mannschaft Neuland. Er hatte noch nie etwas anderes unter den Finger als Werder Bremen, eine Mannschaft, die er über Jahre und – auch dank des nötigen Kleingelds, fußend auf guter Arbeit – immer wieder personell erneuern konnte. Eintracht Frankfurt hatte und hat nicht die Möglichkeit, drei, vier mehr oder weniger beliebige Spieler in ein System (zumal Raute, die auf der individuellen Klasse von im speziellen zwei, drei Spielern beruht) einzupflegen, dass auf Spielern der Güteklasse Wiese-Naldo-Frings/Borowski-Diego/Micoud-Klose/Ailton fußt.

“Man musste nur Wochenende für Wochenende Fußball gucken und daneben die geradezu offiziellen Weigerungen Schaafs, von seiner überholten Taktik und Spielidee abzurücken, zu Kenntnis nehmen.”

“… stagnierte, das kommt in der Entwicklung einer Mannschaft vor, es gibt Schwankungen. Doch zugleich entwickelten sich viele Vereine weiter…”

“Auf der Trainerbanl lehnte Schaaf es ab, seinen Fußball weiter zu entwickeln und wichtige Entwicklungen im Fußball aus der zweiten Hälfte der 2010er Jahre zur Kenntnis zu nehmen.”

“Doch Schaaf wollte weiter Erfolg haben ….. Schaaf hat sie aber mit zuviel Risiko überfrachtet ….. bei vielen Ballverlusten führte diese Spielauffassung immer wieder ins Desasteer in Form von nicht mehr zu verteidigenden Gegenstößen.”

“Der geringe Rückstand von nur 4 Punkten auf die Europoapokalplätze ließ wenig Böses ahnen…”

“… aus mir nicht bekannten Gründen bei Schaaf nach der Vorbereitung unten durch…..”

“Es dar niemals passieren, dass der Gegner nach einem Ballgewinn mit einem einzigen vertikalen Pass, oder auch über zwei Stationen in dem Raum zwischen Abwehr und Mittelfeld laufen kann. … passierte dies unter Schaaf an schlechten Tagen mehrere Male im Spiel.”

Klingen diese Zitate, diese Einschätzungen irgendwie vertraut? Sie stammen nicht von Eintrachtinside, sie stammen nicht von den bösen Lügenmedien – sondern sie stammen aus dem Jahr 2013, von und ausgehend von einem Blog Johann Petersens.

Wenn man all diese Faktoren bedenkt, die Zitate von Ballverlust.net liest, sollte einem das Trainer-Aus plausibeler, logischer erscheinen, denke ich. SGE-Schaaf, das war von Beginn an ein Missverständnis. Eines, das nun – wenn auch mit Schlammschlacht – glücklicherweise beendet ist. Thomas Schaaf war es aus dem heimeligeren Bremen, vom handzahmen „Weser Kurier“ und der „Syker Kreiszeitung“ eben nicht gewohnt, dass Journalisten ihren Job machen, dass sie die Geschehenisse ihrer Jobbeschreibung entsprechend begleiten und Entwicklungen öffentlich machen. Entwicklungen übrigens, die Frankfurter Journalisten wahrlich nicht exklusiv wie Herrschaftswissen gepachtet hatten und haben. Jeder, der es sehen wollte bzw. der Fußball und von diesem als Sport etwas versteht, konnte es auch sehen. Man muss nur hinschauen – ohne Eintracht-Brille, ohne PR-Gläubigkeit, ohne treudoofe Emotionen, sondern mit mündigem, wachen Geist.

Zum Schluss nochmal was zur Medienschelte, nur eben anders herum: “Die Beschwerden der Lokaljournalisten über seine immer ruppigere Art … Diese Journalisten haben in den drei vergangenen Jahren ihre Arbeit nicht getan und zur Misere beigetragen, indem sie die Schwächen bei Werder nicht erkannt und nicht beschrieben haben.” (stammt auch von Johann Petersen und Ballverlust.net)

Forza SGE.

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Das Missverständnis ist beendet

Thomas Schaaf ist als Trainer von Eintracht Frankfurt zurückgetreten. Das Missverständnis zu beenden ist, bei allem letztlich tabellarischen Erfolg, konsequent und richtig. Was zu befürchten war, dass der knorrige Schaaf nicht so recht zum Team, schon gar nicht als Nachfolger von Armin Veh passte, hat sich bewahrheitet. Thomas Schaaf, ein ehrlicher und stringenter sowie angenehm ruhiger Typ, ist letztlich nicht am sportlichen Erfolg, an den Zielen gescheitert. Diese hat er (mit)erfüllt. Jedoch war es die Mixtur aus spielerischer Armut, gepaart mit taktischen Defiziten sowie den kommunikativen Mängeln, den aufgekommenen atmosphärischen Störungen, die ihm zum Verhängnis wurden.

Eine Hetzkampagne gab es nicht, so sehr das die Medienkritier auch herbei-argumentieren. Die Fehler sind von Schaaf, vom Verein, von Funktionären gemacht worden. Und nun, da sich die Amtszeit von Heribert Bruchhagen als Vorstandsvorsitzender auf die Zielgerade bewegt, haben die neuen Machtverhältnisse erstmals und früh durchgeschlagen. Man darf davon ausgehen, dass Schaaf den Rückhalt in der Tat nur noch von Bruchhagen spürte und sich die latente bis offene Unzufriedenheit (die reel und nicht grundlos existiert) nicht länger geben wollte.

Dafür gebührt Thomas Schaaf Dank. Für das Erfüllen der Ziele, wie auch immer das letztlich zustande kam. Vor allem aber dafür, dass er erkannt hat, dass er und Eintracht Frankfurt nicht zusammenpassen. So etwas ist menschlich, nicht jeder kann mit jedem. Auf den jovialen Antreiber, den Menschenfänger, den Kollektiv-Motivator Armin Veh folgte der ehrliche, aber kühle Arbeiter Thomas Schaaf. Das konnte nicht klappen. Thomas Schaaf war, nach all den Versäumnissen bei der Veh-Nachfolger-Suche, im Sommer 2014 der bestmögliche Trainerkandidat. Es hat sich herausgestellt, dass es perspektivisch nicht funktionieren würde; im Klub haben die Sensoren das ermittelt, und Schaaf ist auch lange genug dabei und menschlich auf der Höhe, um das zu spüren.

Dass nun die Medien die Schuldigen sein sollen, wie Schaaf in seiner Erklärung sagt, nunja, das kennt man momentan ja. Lügenpresse und so. Zeitgeist. Immer schön die Verantwortung fortschieben, die bösen sind die Überbringer der schlechten Nachricht, nie die tatsächlichen Auslöser. Übrigens: Schaafs Arbeit wurde nicht bemängelt, etwa die „Frankfurter Rundschau“ stellte stets seinen Trainingsfleiß und das Engagement fest. Kritisiert wurde seine Spielidee, die schlicht nicht funktioniert hat. Die zwei Zwischensprints im November, als das Team die Taktik an sich riss, und nun im Endspurt, nachdem der Kapitän eine Team-Erklärung (ohne Trainerbekenntnis) vortrug und das System auf Doppelsechs umgestellt wurde, haben für das letztliche Resultat maßgeblich gesorgt. Im Grunde gibt es genau zwei Zeitungen, die einen – ebenso nötigen wie gerechtfertigten – kritischen Umgang mit Thomas Schaaf pflegten (Kritik gilt übrigens für jeden, nicht nur für jene Leute, die man kritisiert wissen will). Die „Frankfurter Rundschau“ brachte die Kritik über ihre richtigen Analysen ein, und, aber erst als es dann richtig knarzte, die Bild in nicht mal einem halben Dutzend Artikelchen. Wir reden also von zwei (!) Medien, die ach-so-böse sein sollen. Wie zahm müssen „Weser Kurier“ und „Syker Kreisblatt“ bitte gewesen sein, dass Schaaf die kritische Begleitung zur Verbitterung treibt? Oder aber, da ab 13.30 Uhr wohl auch Bruchhagen die Tür zuschmeißen will, geht es ihm um etwaige Indiskretionen im Verein? Es ist egal. Fakt ist – und das wirklich völlig emotionslos -, dass die Kritiker mit dem inhaltlichen Teil der Kritik schlicht und ergreifend Recht hatten.

Alle Aussagen der vergangenen Wochen deuteten jedenfalls auf diese Entwicklung hin. Nicht zuletzt, oder sogar zu aller erst jene, der Spieler. Zwei, drei Spieler bekannten sich offen und offensiv zu diesem Trainer; die allermeisten blieben vage was Schaaf angeht. Logisch: Warm war das Verhältnis zwischen Coach und einem nicht unwesentlichen Teil des Teams nie.

Nun also, wo tatsächlich ein Umbruch ansteht, macht man das mit einem neuen Trainer. Das ist konsequent, gut und richtig. Sascha Lewandowski, Ex-Leverkusen, wurde genannt als Nachfolger. Keine schlechte Idee, wobei auch der ewiggenannte Alexander Schur, der zum wiederholten Mal die Jugend rettete, eine Chance bekommen könnte. Roberto di Matteo, der auf Schalke geschasste, dürfte keine Lobby haben.

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