Schweigen in der Wagenburg

13 Punkte in der Rückrunde, in Rückrunden- und Auswärtstabelle mit ganz am Ende, die Ausgangslage so miserabel wie schon bis zum Zwischenspurt in der Hinrunde: Eintracht Frankfurt ist mit die schlechteste Bundesliga-Mannschaft 2015; so, wie sie es ab Mitte 2014 schon war.

Und wem stößt das seit Monaten sauer auf? Wer mahnt, wer kritisiert? Laut Heribert Bruchhagen ein paar Vollidioten, stimmungsmachende Lügenpresse und ihre tumbe Internet-Gefolgschaft. Ahnungslose, fußballerische Abalphabeten, Außenstehende.
Wie peinlich, wie beschämend muss es sich für den Vorstandsvorsitzenden anfühlen, dass diese ganzen unwissenden Diletanten das über Monate (!) prognostiziert haben, was eingetreten ist? Dass dieses Team, dieser Trainer hundsmiserabel spielt, eher die Leistungen eines 14,15. als 8. der Tabelle zeigt? Wahrscheinlich fühlt man gar nichts. In der Wagenburg verschanzt man sich, schottet sich von der bitteren Realität ab. EintrachtTV, Twitter, Pressekonferenzen – das ist die rosarotWelt der SGE. Da verlautbart man das, was man verlautbaren will: Beschwichtigungen, Ausreden, ja, Lügen.

Was mich so ärgert, nein, regelrecht rasend macht, ist die Kritiklosigkeit mit der das alles hingenommen wird im (Hasenzüchter)Verein. Seit nun 33 Pflichtspielen ist so ziemlich alles was Frankfurt an Fußball versucht schlecht, nur gerettet durch individuelle Klasse weniger Spieler und ein paar wenigen Lichtblickchen – doch wo sind Axel Hellmann, die Aufsichtsräte, Präsident Fischer, wer auch immer? Was kommt von denen? Da muss es doch mal einen, einen einzigen geben, der mal Feuer macht, der Rückgrat hat und Trainer Thomas Schaaf anzählt, wenigstens anzählt! Die öffentlich Debatte mal eröffnen, befeuern, was den Trainer und dessen Treiben angeht. Wie um alles in der Welt kann sich jemand diesen Diletantismus 33 (!) Pflichtspiele lang taten-, gar wortlos anschauen? Das Team (!) stellt sich im November 2014 revoltenhaft auf und selbst ein, plötzlich sieht das nach Fußball aus – doch der Trainer tötet die Entwicklung in der Winterpause – und keinem, der bei Eintracht Frankfurt einen Posten begleitet, platzt der Allerwerteste? Was ist das da für ein Kasperletheater, welche Suppenkasper spielen in dem Orchester mit? Lemminge, die Angst davor haben, als Nestbeschmutzer zu gelten? Herrje, da sind doch gestande Männer in den Gremien, und den offenbar gefürchteten Monarch Heribert Bruchhagen sind sie spätestens in einem Jahr los; eine lahme Ente ist er vorher schon. Und wenn in diesem Monat der worst case, also Astieg/Relegation – was beides nicht passieren wird – einträte, wäre er bereits vorher am Ende. Worauf genau warten die anderen also? Ist es etwa tatsächlich so, dass die alle blind sind, diesen Sport namens Fußball nicht verstehen?! Herrje, man muss doch nur hinschauen!

Dieser Klub ist jedenfalls fertig. Bruchhagen, Bruno Hübner, Schaaf – das Trio der Tristesse hat es wirklich geschafft, die eigenen noch so winzigen Minimalstziele zu verfehlen: nichts mit dem Abstiegskampf zutun zu haben. Denn in diesem, liebe Leser, steckt man nun. Angesichts der grotesken Form dieser Mannschaft sowieso. Die große Wahrscheinlichkeit, dass man in der Bundesliga verweilen darf, rührt vom Spielplan der Konkurrenten her. Die Ergebnisse der anderen Kellerkinder, die häufig in direkten Duellen gegeneinander antreten, werden Eintracht Frankfurt in der Bundesliga halten.
Einen Verein, der einen Etat von 35plus Millionen Euro und somit mehr Geld als die Hälfte der Bundesligisten besitzt, aber konsequent versagt, hinter oder bestenfalls auf Augenhöhe mit Weniger-Geld-Habern landet.

Von den Auswirkungen im Hinblick auf die nächste Saison, der zweiten mit dem lernresistenten Thomas Schaaf, will ich noch gar nicht sprechen. Transfers? Ja wen denn? Resterampe, Klappe die Xte. Ach, was rede ich, wir, Eintracht Frankfurt sind die Resterampe. Außer Meier, Aigner, Hasebe und Stendera, meinetwegen noch Trapp und Oczipka, können die alle anderswo das Geradeauslaufen üben. Auf der anderen Seite: Sie haben als Kollektiv ja gezeigt, dass sie besser Fußball spielen können, dass sie erfolgreich Fußball spielen können – nur tut der Trainer, der natürlich weder jetzt noch nach der Saison oder in der folgenden Spielzeit entlassen wird (vertragstreu bis zum Tod), alles für den Misserfolg.

Liebe Leser, nach 2010/2011 werden wir abermals Zeuge eines Niedergangs. Kurioserweise ist dieser nicht beispiellos, weil man selbst das Beispiel gab. Abermals schaut man tatenlos zu, wie ein Trainer die Dinge nicht den Griff bekommt. Und abermals flüchtet man sich in Schutzbehauptungen wie Verletzungspech. Thomas Schaaf, der ganze Klub müsste jeden Tag in die Paulskirche pilgern und Dutzende Kerzen in memoriam Alexander Meier anzünden, Rosenkranz um Rosenkranz beten, dass dieser die Klasse besitzt, die er besitzt.

Und jetzt: weiterwursteln.

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8 Kommentare

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8 Antworten zu “Schweigen in der Wagenburg

  1. SGE4EVER

    Ihr seid doch nur peinlich. Ihr könnt keine Fans sein. Bleibt einfach daheim gegen Hoffenheim und Leverkusen. So Fans braucht kein Verein, oder geht nach München, zu den Erfolgsfans.

    • Ah, endlich, die gute alte Erfolgsfan-Keule. Stets gern genommen von den Ewigtreuen, den Deluxe-Anhängern 🙂 Danke für den gehaltvollen, diskursiven Beitrag.

    • Hier erwartet doch keiner irgendwelche Höhenflüge. Am Ende des Tages ist und bleibt es die Eintracht, aber erschreckend ist doch, mit wie viel Gleichgültigkeit und wie wenig Lösungen hier die Saison zu Ende gewurschtelt wird, die ohne ein paar glückliche Fügungen auch unterm Strich hätte enden können, und mit ein paar mal am Riemen reißen sogar knapp unter den CL-Plätzen – ohne dafür wirklich richtig viel tun zu müssen.

      • Anonymous

        Natürlich, es wäre mehr drin gewesen. Europa. Vielleicht hätte man sich auch verstärken müssen, in der Winterpause. Aber mit Alex und Aigner fehlen auch 2 wichtige Spieler. Denke mal wir holen noch 4 Punkte´in dieser Saison.

  2. Wahre Worte Herr Wiskers 😉 Ich verschlinge die Artikel immer, denn sie spiegeln meine Meinung, wohingegen aktuell einfach zu vieles schön geredet wird. In Frankfurt hatte man schon immer Angst vor Veränderung, angst durchzugreifen…da lässt man dann halt alles unter dem Motto „Wird schon“ laufen. Auch ich finde, dass momentan sehr vieles schief läuft und einige fehl am Platz sind. Dann hoffen wir mal das Beste. Von mir auf jeden Fall Daumen hoch…Weiter so.

    Das Herz gehört trotzdessen nach Frankfurt. Ändert endlich was !!! Forza SGE

  3. Herr Schnitzelmann

    ich sags mal zynisch positiv und freu mich schon mal wieder auf Montag Abend zum Topspiel, mehr ist nicht drin mit so einem Haufen!

  4. Noch drei mal gegurke anschauen. Dann wird es wohl mit eins zwei Punkten reichen das die Herren nicht absteigen.

    Und dann geht das gewurstel wieder von vorne los.
    Ach wie oft habe ich es schon gesagt…es war nie einfach Frankfurt Fan zu sein aber so langsam wird man ob des regelmaessig wiederkehrenden Dramas echt muede.

  5. Manchmal wäre man wirklich gerne dabei, wenn die hohen Herren tagen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ruhig bleibt, auch wenn sie nach außen dicht halten. Harry wird so nicht abtreten wollen.

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