Die Neuausrichtung

Eine anstrengende Saison geht an diesem Samstag zu Ende. Es ist eine Spielzeit, in der angesichts der Schwäche der Konkurrenz mehr möglich gewesen wäre. Mehr als Niemandsland, jedenfalls, zumal bedingt durch den 7. Tabellenplatz als Europa-League-Qualifikationsrang. Kurioserweise, und das ist Beleg für die gerade aufgestellte These, hätte ein Sieg im Grauselkick gegen Hertha BSC Berlin vor einer Woche die Europapokal-Möglichkeit sogar und weiterhin eröffnet. Die Anstrengung, und das ist für einen Eintracht-Fan ungewohnt, resultiert nicht aus der nervlichen Belastung aufgrund immerwährender Abstiegsangst (die gab es nur im Herbst 2014, bis das Team sich gegen den Trainer durchsetzte und Fußball spielen durfte).

Als nach dem anhaltenden Abrutschten in der Tabelle von Position 8 auf 12 dann wenigstens das Minimalstziel Klassenerhalt erreicht war, schrieb ich in diesem Blog davon, dass die Saison mit vier Punkten aus den letzten zwei Spielen – gleichbedeutend wohl mit Rang 10 – wenigstens noch versöhnlich enden könnte. Der eine Zähler ist es in Berlin geworden, also müssten für die Erfüllung dieser Bewertung im Heimspiel gegen Leverkusen drei weitere, sprich ein Sieg hinzukommen. Ein Unentschieden dürfte es letztlich werden, die Eintracht-Heimstärke wird ausreichen und dem auf Rang 4 festgenagelten und dementsprechend eher auf Sommerkick eingestellten Leverkusen etwas abzutrotzen.

Das Sportliche ist aber seit geraumer Zeit in den Hintergrund getreten, schon vor dem fixen Klassenerhalt. Die Debatte um die monatelang anhaltenden spielerischen Mängel, den Zufallsfußball im Ganzen, die Enteierung verschiedener Spieler, das Austrudeln, haben den Beobachter mürbe gemacht. Unter Trainer Thomas Schaaf ist, entgegen der Spektakel-Verlautbarung aus dem Verein, die Eintracht 2014/2015 doch eine zunehmend spaßbefreite Zone geworden.

Das muss nicht so bleiben. Ab sofort stehen wichtige Analysen an, die kommenden Wochen entscheidend über den Verlauf der nächsten Saison. Es geht zum einen darum, viele (taugliche) Spieler zu verpflichten – ein halbes Dutzend als Minimum, eher sieben, acht werden es sein müssen. Mit Stefan Reinartz ist ein Spieler zur Eintracht gelotst worden, der definitiv in die Kategorie „Knaller“ einzuordnen ist. Zum anderen, und das ist nicht minder wichtig als die Transferfragen, müssen sowohl Trainer als auch grundsätzliche Ausrichtung des Klubs überprüft werden. Mit Wolfgang Steubing als neuem Aufsichtsratschef wird ein anderer Wind in den Klub einziehen, als dass in den vergangenen Verwalter-Jahren der Fall war. Die ab Sommer eintretende Achse wird Steubing-Hellmann-Fischer plus Sportdirektor Bruno Hübner heißen; nicht mehr Bender-Bruchhagen. Angesichts dieser personellen und somit strukturellen Neuerung ist eine offensivere Handlungsweise vorprogrammiert.

Und dafür wird es Zeit. Aus der zweiten Bundesliga drängen mit Ingolstadt und ab 2016/2017 RedBull Leipzig Investorenvereine in die Bundesliga, okkupieren Plätze in der Eliteliga. Plätze, die auch Wolfsburg und Hoppenheim nie mehr hergeben werden. Noch trifft diese Auswirkungen die Kategorie Vereine, die (noch) kleiner sind als Eintracht Frankfurt, also vor allem den SC Freiburg, wohl auch Augsburg. Ob deren bemerkenswert gute Arbeit noch ausreichen wird, wenn die Finanzbestien erstmal aufgestiegen, „etabliert“ sind – mehr als fraglich. Doch dieser Überlebenskampf wird weitere Kreise ziehen, bemessen lassen wird sich dieser auch am zur Verfügung stehenden Geld. An dieser Stelle muss Eintracht Frankfurt, müssen die genannten neuen Handelnden etwas, viel tun. Was und wie, das wird sich ab Juni weisen, weisen müssen.

Die bevorstehende Sommerpause wird den Fans ein Durchatmen ermöglichen, es ist an der Zeit. Auch das Team wird sich die physische wie psychische Belastung vom Leib schütteln. Die Funktionäre hingegen stehen vor der vielleicht größten Aufgabe der vergangenen Jahre – auf andere Art und Weise sind die Baustellen auf den Ebenen nun ähnlich groß, wenn auch auf anderen Ebenen gelagert wie nach einem Abstieg. Nur mit weniger unmittelbarer Dramtik versehen.

Genug zutun ist allemal, spannend werden die kommenden Wochen mit Sicherheit. Und im Blog begleite ich die Entwicklungen auch über die Sommerpause hinweg so regelmäßig wie möglich.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Die Neuausrichtung

  1. Olli

    @JJJ: Seferovic muss sich erst noch beweisen. Da haben schon mehr als genug frankfurter Rohrkrepierer mal ne gute Halbserie gespielt. Und Hübner mag einige Gute hervorgezaubert haben, aber alleine die Nieten aus dem letzten Sommer …. Piazon, Medojevic, zum Teil Chandler und Ignjovski …

    Aber zum Beitrag allgemein. Man merkt deutlich, wie emotionslos dieser geschrieben worden ist (im deutlichen Vergleich zu den vielen davor). Man ist eigentlich froh, das es bald rum ist. Ich finde es beängstigend, wenn man dieser Tage über die Eintracht denkt und spricht und dabei einfach nur mit einem leeren Gesicht ein bisschen die Schulter zuckt wenn man die Saison überblickt ….

    Schaaf ist mit Sicherheit ein guter Trainer. Vom Namen her den Besten den wir vor der Saison kriegen konnten. Was das trotzdem bedeuten kann haben wir Mitte der 90er mit einem späteren Tripple-Sieger erlebt …. Hoffentlich findet er über den Sommer ein System. Nur der Glaube daran will sich absolut nicht einstellen.

  2. Jermaine Jones Junior

    Trapp, Aigner, Hasebe, Seferovic, Reinartz etc.
    Ich muss sagen, dass Bruno Hübner bei der Spielerrecruitierung einen sehr guten Job macht! Bravo!

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