Das Missverständnis ist beendet

Thomas Schaaf ist als Trainer von Eintracht Frankfurt zurückgetreten. Das Missverständnis zu beenden ist, bei allem letztlich tabellarischen Erfolg, konsequent und richtig. Was zu befürchten war, dass der knorrige Schaaf nicht so recht zum Team, schon gar nicht als Nachfolger von Armin Veh passte, hat sich bewahrheitet. Thomas Schaaf, ein ehrlicher und stringenter sowie angenehm ruhiger Typ, ist letztlich nicht am sportlichen Erfolg, an den Zielen gescheitert. Diese hat er (mit)erfüllt. Jedoch war es die Mixtur aus spielerischer Armut, gepaart mit taktischen Defiziten sowie den kommunikativen Mängeln, den aufgekommenen atmosphärischen Störungen, die ihm zum Verhängnis wurden.

Eine Hetzkampagne gab es nicht, so sehr das die Medienkritier auch herbei-argumentieren. Die Fehler sind von Schaaf, vom Verein, von Funktionären gemacht worden. Und nun, da sich die Amtszeit von Heribert Bruchhagen als Vorstandsvorsitzender auf die Zielgerade bewegt, haben die neuen Machtverhältnisse erstmals und früh durchgeschlagen. Man darf davon ausgehen, dass Schaaf den Rückhalt in der Tat nur noch von Bruchhagen spürte und sich die latente bis offene Unzufriedenheit (die reel und nicht grundlos existiert) nicht länger geben wollte.

Dafür gebührt Thomas Schaaf Dank. Für das Erfüllen der Ziele, wie auch immer das letztlich zustande kam. Vor allem aber dafür, dass er erkannt hat, dass er und Eintracht Frankfurt nicht zusammenpassen. So etwas ist menschlich, nicht jeder kann mit jedem. Auf den jovialen Antreiber, den Menschenfänger, den Kollektiv-Motivator Armin Veh folgte der ehrliche, aber kühle Arbeiter Thomas Schaaf. Das konnte nicht klappen. Thomas Schaaf war, nach all den Versäumnissen bei der Veh-Nachfolger-Suche, im Sommer 2014 der bestmögliche Trainerkandidat. Es hat sich herausgestellt, dass es perspektivisch nicht funktionieren würde; im Klub haben die Sensoren das ermittelt, und Schaaf ist auch lange genug dabei und menschlich auf der Höhe, um das zu spüren.

Dass nun die Medien die Schuldigen sein sollen, wie Schaaf in seiner Erklärung sagt, nunja, das kennt man momentan ja. Lügenpresse und so. Zeitgeist. Immer schön die Verantwortung fortschieben, die bösen sind die Überbringer der schlechten Nachricht, nie die tatsächlichen Auslöser. Übrigens: Schaafs Arbeit wurde nicht bemängelt, etwa die „Frankfurter Rundschau“ stellte stets seinen Trainingsfleiß und das Engagement fest. Kritisiert wurde seine Spielidee, die schlicht nicht funktioniert hat. Die zwei Zwischensprints im November, als das Team die Taktik an sich riss, und nun im Endspurt, nachdem der Kapitän eine Team-Erklärung (ohne Trainerbekenntnis) vortrug und das System auf Doppelsechs umgestellt wurde, haben für das letztliche Resultat maßgeblich gesorgt. Im Grunde gibt es genau zwei Zeitungen, die einen – ebenso nötigen wie gerechtfertigten – kritischen Umgang mit Thomas Schaaf pflegten (Kritik gilt übrigens für jeden, nicht nur für jene Leute, die man kritisiert wissen will). Die „Frankfurter Rundschau“ brachte die Kritik über ihre richtigen Analysen ein, und, aber erst als es dann richtig knarzte, die Bild in nicht mal einem halben Dutzend Artikelchen. Wir reden also von zwei (!) Medien, die ach-so-böse sein sollen. Wie zahm müssen „Weser Kurier“ und „Syker Kreisblatt“ bitte gewesen sein, dass Schaaf die kritische Begleitung zur Verbitterung treibt? Oder aber, da ab 13.30 Uhr wohl auch Bruchhagen die Tür zuschmeißen will, geht es ihm um etwaige Indiskretionen im Verein? Es ist egal. Fakt ist – und das wirklich völlig emotionslos -, dass die Kritiker mit dem inhaltlichen Teil der Kritik schlicht und ergreifend Recht hatten.

Alle Aussagen der vergangenen Wochen deuteten jedenfalls auf diese Entwicklung hin. Nicht zuletzt, oder sogar zu aller erst jene, der Spieler. Zwei, drei Spieler bekannten sich offen und offensiv zu diesem Trainer; die allermeisten blieben vage was Schaaf angeht. Logisch: Warm war das Verhältnis zwischen Coach und einem nicht unwesentlichen Teil des Teams nie.

Nun also, wo tatsächlich ein Umbruch ansteht, macht man das mit einem neuen Trainer. Das ist konsequent, gut und richtig. Sascha Lewandowski, Ex-Leverkusen, wurde genannt als Nachfolger. Keine schlechte Idee, wobei auch der ewiggenannte Alexander Schur, der zum wiederholten Mal die Jugend rettete, eine Chance bekommen könnte. Roberto di Matteo, der auf Schalke geschasste, dürfte keine Lobby haben.

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Das Missverständnis ist beendet

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  2. Herr Schnitzelmann

    für mich wäre es jetzt an der Zeit, Mirko Slomka zu holen. Damals war er noch in Hamburg, war also nicht frei, jetzt aber wäre er zu haben, für mich auf jeden Fall die bessere Alternative als Lewandowski!
    Auch könnte man sich nun um Breitenreiter bemühen, er hat bewiesen, dass er ein Team 1. Ligareif spielen lassen kann, auch mit sehr limitierten Möglichkeiten sah das in Paderborn lange sehr gut aus!

  3. Jermaine Jones Junior

    Ich fühle mich erleichtert. Endlich hat das ein Ende.

  4. Gut das bei der Eintracht immer Saison ist, auch nach und zwischen den Spielzeiten, den damit wird es als Fan niemals langweilig werden…..
    Sarkasmus Ende!

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