Schlamm fliegt

Holla, der für sein Abschreiben bei anderen Medien bekannte, gebührenfinanzierte „Hessische Rundfunk“ hat am Donnerstag ein bemerkenswertes Stück rausgehauen. In diesem ist – das erscheint logisch – die Rede von einem Machtkampf, speziell zwischen dem in einem Jahr aus dem Vorstandsvorsitz-Amt scheidenden Heribert Bruchhagen samt Gefolge und Neu-Vorstand Axel Hellmann sowie dessen Anhängerschaft.

Das soll soweit geführt haben, dass die Unternehmensführung die Spieler quasi manipulierte, Stimmung machte, diese konstruierte Gefühlslage an Journalisten durchtseckte, wiederum mit einem Trainernachfolger für Thomas Schaaf zu sprechen – mit dem Ziel, den aktuellen Trainer zu diskreditieren, sich ihm als Coach zu entledigen; um damit letztlich Bruchhagen zu schädigen.

Das ist harter Tobak, um nicht zu sagen, das ist ein komplett anderer Sachverhalt als der bislang diskutierte. Plötzlich geht es weniger um das kühle Verhältnis der Spieler zum Trainer (eine Kälte, die sich im November 2014 und Anfang Mai 2015 ja sogar belegen lässt), sondern um Unbill zwischen Unternehmensführung und Trainer. Sollten die Anschuldigungen, die jemand über den HR in Richtung Hellmann und dessen Unterstützern erhebt, stimmen, erscheint eine solche gesponnene Intrige – dazu noch quasi unbemerkt und mit einem angesichts des tabellarischen Verlaufs schwer erreichbaren Fernziel (Schaaf aus dem Amt zu drängen) – gar weltverschwörerisch.

Die vom HR dargestellten Tatsachen können jedoch genauso gut auf Rache, auf Rückzugsgefecht (Bruchhagen/Bender, im Hinblick auf die Aufsichtsratswahlen Anfang Juni) hin gedeutet werden. Immerhin ist der gebührenfinanzierte Sender – neben Einracht-Premiumpartner „Frankfurter Neue Presse“ – das einzige Medium, das zur SGE weitgehend nur wischi-waschi berichtete (gipfelnd in den montaglich unsäglichen „Heimspiel“-Sendungen) und somit sicher die klügste Wahl für einen Gegenschlag.

Jetzt ist jedenfalls ein Punkt erreicht, an dem man sich dann doch Sorgen um die Zustände in dem Klub machen kann. Konnte man bislang davon ausgehen, dass auf Funktionärsebene doch noch Leute sitzen, die Fußball verstehen, die den Sport und die unter Schaaf auffälligen spielerischen Mängel erkennen und zu handeln bereit sind, kommt nun die Ebene der Eitelkeiten, der Aversionen, der persönlichen Ziele auf die Agenda.
Das Nähe-Probleme im ZusammenspielSchaaf/Mannschaft bestanden haben, war offensichtlich, ist wie gesagt belegbar, und dürfte außerhalb der verblendeten Ewigtreuen-Fraktionen unstrittiten sein. Diese Kühle und die damit verbundene Sorge ob der längerfristigen Zusammenarbeit würden aber für eine Entlassung nicht gereicht haben; schon gar nicht stehend auf Rang 9. Das ist eine der Meta-Ebenen des HR-Artikels. Aber mit einer Kampagne, wie der HR sie beschreibt zu diesem Resultat, diesem Ziel zu kommen? Gerade, wenn die Gräben im Verein im Zickzack verlaufen, es neben vielen Kritikern auch viele Befürworter gegeben haben soll, klingt das doch nach einem sehr kühnen Plan.

Die Schlammschlacht ist jedenfalls in vollem Gange. Die Aufsichtsratssitzung Anfang Juni wird zu einem Showdown – und entweder Axel Hellmann oder Heribert Bruchhagen wird dann aller Vorraussicht nach nicht mehr im Amt sein; entweder faktisch oder via … Kompetenzbeschneidigung. Sollte – von Hellmann und seinen Unterstützern – versucht worden sein, mit Biegen und Brechen nun im Juni 2015 das zu machen, was eigentlich erst 2016 auf der Agenda stand – den Vorstandsvorsitz neu zu besetzen – wäre das schändlich. Dass Hellmann und seine Anhänger, die angesichts der seit Monaten kolportierten Veh(oder wer auch immer)-als-Bruchhagen-Nachfolger ihre Chancen schwinden sehen könnten, die Klubentwicklung derart rücksichtslos für die Aussicht auf den Vorstandsvorsitz-Posten torpediert … das wäre ein Rückfall in tiefste 1990er-Zeiten. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der AG und der Neubesetzung des Aufsichtsrats dürfte Hellmann jedenfalls perspektivisch die besseren Karten im Vergleich zu den Bruchhagen-Anhängern besitzen, ergo: Hellmann hätte nur warten müssen, um inthronisiert werden zu können. Es sei denn, die Angst davor, dass Bruchhagen die Nachfolgersuche derart an sich reißt und seinen Nachfolger tatsächlich „einarbeitet“, anweist, wiegt bei Hellmann und Co. groß. Die Frage wird sein: Wie sehr neidet Hellmann Bruchhagen den Sonnenschein?

Die nächsten Tage werden sehr sehr spannend.

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10 Kommentare

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10 Antworten zu “Schlamm fliegt

  1. Pingback: #Link11: Der Proceß | Fokus Fussball

  2. Jermaine Jones Junior

    Frontzeck hat seinen Vertrag bei Hannover 96 bis 2017 verlängert. Damit bleiben nur Schalke und die SGE auf dem Markt, die nach einem Trainer suchen.

    • Spannende Stunden, momentan, viel bewegt sich. Schalke und Frankfurt im Duell um dieselben Trainer? Schwer vorstellbar. Bei Keller sowieso nicht, bei Lewandowski als Dortmunder und bekannter (Hintergrund)Kandidat der SGE, gibt es auch Zweifel an einem Engagement bei Gazprom04.

      • Jermaine Jones Junior

        Rudi Völler hat vor ein paar Stunden bestätigt, dass Lewandowski eine Woche vor Schaafs Rücktrittserklärung den Verein Bayer 04 um eine Vertragsauflösung bat. Ober da Herr Hellmann nicht schon mit ihm verhandelt hat? Mein Gott ist das spannend 🙂

      • Die Zeitleiste, eine der Schwächen des HR-Artikels, kommt jedenfalls mächtig ins Wanken. Wenn AH tatsächlich vor dem Hoppenheimspiel mit Lewandowski redete (vor dem 9.5.) , Lewandowski aber angeblich nach dem Bild-Artikel (7.5.) abgesprungen sein soll, die löchrige Aufsichtsratsitzung mit Hellmann-SMS am 11.5. war … jemand lügt. Und mein Tipp hängt mit einem in diesen Tagen aus dem Amt scheidenden Funktionär zusammen.

    • Jermaine Jones Junior

      Meinst du Heribert Bruchhagen? Mir ist die Kinnlade runtergefallen, als ich gelesen habe, dass er am Sonntag (?)/ Montag (?) seinen Rücktritt anbot. Dieser sei nach HR-Infos aber abwendet worden.
      In anderen Zeitungen betitelt man Heribert Bruchhagen ohnehin längst als „lame duck“. Ob dieser Titel nun direkt mit seinem Ausscheiden in 2016 oder seiner fehlenden Lobby (außer Dr. Manfred Bender) zusammenhängt, bleibt ungewiss.

      • Bruchhagen in diesem Fall nicht, ein anderer, dessen Nachname einem von dir genannten Fußballer gleicht, könnte durchaus beim HR vorstellig geworden sein. Jedenfalls macht das – in Anlehnung an die vor ein paar Monaten von derselben Person genannten angeblichen Mio-Investitionen durch Mr.X – gewissen Sinn.

      • Jermaine Jones Junior

        Hmpf… jetzt bringst du mich aber schwer ins Grübeln! Ich habe in letzter Zeit sehr viele Spieler genannt.

        Mio-Investitionen? Hä??? Was hat Wolfgang Steubing mit der ganzen Sache zu tun?

        …Ich kapiere gerade gar nichts mehr!

        Bitte um dringliche Aufklärung!

      • Du meintest vermutlich Wilhelm Bender , nicht Manfred 😉 Letzerer war mal Bayern/1860/KSC-Kicker, ersterer ist scheidender SGE-Aufsichtsrat … Und jener fabulierte vor kurzem, als die Präsidentenwahl anstand und für den AR Steubing am Horizont auftauchte, über einen an der Eintracht interessierten Investor. Stichwort: Wahlkampfmanöver. Ähnliches, wenn auch anders gelagert, erkenne ich jetzt via HR-Geschichte.

  3. Olli

    Ich gehe mal Abseits der Schlammschlacht auf Spielersuche. Der Barnetta kriegt bei Schalke keinen Vertrag mehr und ist ablösefrei zu haben. Habe nicht die schlechtesten Erinnerungen an ihn, wenn er auch viel Anlaufzeit gebraucht hat. Defintiv besser auf links als Inui.
    Hat angeblich auf Schalke zuletzt als Rechtsverteidiger gespielt – soll mir auch recht sein.

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