Des einen Uhr läuft, des anderen Uhr läuft ab

Sascha Lewandowski wird laut „Frankfurter Rundschau“ nicht Trainer von Eintracht Frankfurt. Ob nun aus Vermarktungs- oder sporttechnischen Gründen, sei mal dahingestellt. Stattdessen soll Paderborns Coach André Breitenreiter der Favorit für die Nachfolge von Thomas Schaaf bei der SGE sein. Das würde strukturell passen – Breitenreiter ist ein Bekannter von Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Jedoch ist genau dieser Aspekt, bei allen Meriten die sich Breitenreiter verdient, bei allem Qualitätsnachweis den er erbracht hat, das Manko. Wie schon Schaaf, riecht Breitenreiter (zu sehr) nach Bruchhagen. Wie sähe, so fragt sich der Eintracht-Fan, die Idee von Sportdirektor Bruno Hübner aus? Breitenreiter, das ist so sicher wie seine Entscheidung pro/contra Paderborn unsicher ist, wäre im Klub sowie Umfeld bzw. Fanszene konsensfähig.

Die meisten Bundesligisten trauen sich ohnehin nicht, eine Inthronisierung eines mehr oder minder unbeschriebenen Blattes vorzunehmen. Mainz 05 und SC Freiburg – die, die sich wag(t)en, auf , sind damit zwar durchaus erfolgreich, aber eben Exoten. Meistens, auch wenn es sich um jüngere Trainger handelt, haben sich auch die jungen Leute ihre Aufmerksamkeit bei einem Profiklub der 2. oder 3. Liga erarbeitet/erarbeiten müssen. So auch, wie oft vergessen wird, Markus Weinzierl vom FC Augsburg. Dieser arbeitete jahrelang, erst als Co- dann als Cheftrainer beim mittlerweile in Liga 4 abgestürzten Jahn Regensburg. Für Lewandowski gilt, siehe Leverkusen gemeinsam mit Sami Hypiä, dasselbe: So ganz unbeschrieben vom Himmel fiele dieser auch nicht in den Eintracht-Schoß. Für Kosta Runjaic oder Dirk Schuster – der nach diesem sensationellen und emotionalen Aufstieg den Verein jetzt sicher nicht verlassen wird – kann man das ebenso behaupten.

Die Variante Armin Veh / Alexander Schur ist dagegen beinahe die charmanteste, jedenfalls emotional tragfähigste. Diese könnte einen Ruck, einen Schulterschluss bewirken, ein neues Feuer im Zuge des anstehenden Umbruchs entfachen. Jedenfalls theoretisch. Praktisch würde diesem Tandem ein irgendwie künstlicher Stallgeruch anhaften, Veh hat nach seiner Rückkehr 1.0 (nach Stuttgart) zudem schlechte Erfahrungen gemacht, die er in Frankfurt bei einer Rückkehr 2.0 sicher nicht wiederholt wissen würde wollen.

Und was wissen wir jetzt? Nur, dass es – wie schon mehrfach im Blog geschrieben – diesmal mehr Möglichkeiten, mehr denkbare Modelle als vor einem Jahr gibt. Die Funktionäre haben diesmal den Luxus, Kandidaten gegeneinander abwägen zu können, zumal als einzig wirklicher interessierter Arbeitgeber in der Bundesliga. Um diesen Posten, das sollte kein Fan vergessen, werden sich so manche Trainer reißen. Die causa Thomas Schaaf, die zwar schmutziger als nötig zu Ende ging, deren Ende aber nötig war, ändert nichts am stabilen, grundsätzlich eher unambitionierten Wesen des Vereins(umfelds).

Auf Spielerseite, Kaderplanung hat sich die Situation im Vergleich zu 2014 und der Trainerfindung auch nicht dramatisiert. Sie ist ähnlich angespannt und verzwickt. Mehrere Leistungsträger sind für die kommende Saison (vorerst) raus, der Handlungsbedarf ist groß, Geld nur leidlich vorhanden, das Ausbleiben eines Turniers (EM / WM) wird die Vertragsfragen nicht unendlich verzögern.
Nottransfers á la Lucas Piazon („Er weiß gar nicht, wie viel er kann“, sagt Thomas Schaaf) weren diesmal allerdings ausbleiben, da lege ich mich fest – aber die Eintracht ist ja stets für eine mürbe machende Überraschung á la Rechtsverteidiger Patrick Ochs (31 Jahre) gut.

Die spannende Frage wird sein, inwieweit es wichtig ist, mit einem Trainer auch ein Netzwerk zu verpflichten. Bei Armin Veh half dies mit Alexander Madlung, der dauerhaft voll einschlug. Thomas Schaafs Verbindungen brachten Nelson Valdez, über den man mit einem abschließenden Urteil der Fairness halber warten sollte. Einer wie Breitenreiter kann diese Kontakte zu verschiedenene Spielern und Wegbegleitern mangels Berufszugehörigkeit noch nicht besitzen. Und ob im Paderborner Kader Spieler für eine Mittelklassemannschaft wie Eintracht Frankfurt zu finden wären … zweifelhaft. Marvin Bakalorz verprellte man seinerzeit ja schon selber recht offensiv bei der Eintracht, der dürfte einen Teufel tun und sich abermals auf die Bank im Waldstadion setzen. Lukas Rupp, Ex-Mönchengladbach, wäre ggf. eher einer für die Breite des Kaders, Elisa Kachunga wäre eher kein Gewinn für die SGE, Uwe Hünemeier mit fast 30 Jahren ebenfalls nicht (mehr), Marvin Duksch geht zu Borussia Dortmund (zurück).

Der Fokus der Eintracht wird ohnhin auf Spielern liegen, die nicht das Trikot des Ex-Vereins des jeweiligen neuen Trainers getragen haben. Joselu, bei Hannover ähnlich temporär durchwachsen eingeschlagen wie in Frankfurt, ist in den vergangenen Wochen immer mal wieder als möglicher Sturm-Neuzugang genannt worden. Phantasten denken über Mario Gomez oder Kevin Kuranyi nach. Nils Petersen (Ex-Cottbus, Ex-Bayern, Ex-Bremen, Ex-Freiburg, Wieder-Bremen) geistert ligaweit durch die Gassen, aus Freiburg ist (für andere Klubs) Torwart Roman Bürki interessant, daneben wird es vor allem Begehrlichkeiten an Jonathan Schmid (wohl Bremen) Stürmer Admir Mehmedi, Dauerläufer Vladimir Darida und wohl Marc-Oliver Kempf (RedBull) geben. Oliver Sorg, Christian Günter, Felix Klaus – das sind weitere potentielle Neuzungs-Namen.

Freier Wunsch des Blog-Autors? Schmid und/oder Darida. Sorg oder Günter wären passable Ergänzungen. Mehmedi und Sefeoriv als Schweiz-Sturm … dürfte es außerhalb der Nationalmannschaft auch noch in keiner Liga gegeben haben 😉

Eintracht Frankfurt, da lege ich mich fest, wird im Falle des (zu erwartenden) Nichtaufstiegs jedenfalls beim Karlsruher SC zuschlagen. Reinhold Yabo, der Spieler, der im Hinspiel gegen den KSC im Strafraum nach Foul nicht umfiel sondern lieber den Ball 10 Meter über das Tor bolzte, ist vor Monaten bereits auf Bruno Hübners Zettel gelangt. Sollte indes, gegen alle Vorzeichen, der Hamburger SV endlich endlich endlich absteigen … man würde Madlung keinen neuen Vertrag geben und auf Heiko Wetsermann setzen. Jede Wette, dazu wäre die Eintracht in der Lage! Auf Matthias Ostrzolek und den sympathischen Schwalben- und Schauspielerkönig Maximilian Beister könnte man beim Blick auf den Kader kommen, wobei das Gros der Leute nur Lewis Holtby, Pierre-Michel Lasogga und Co. im Sinn haben wird. Und beim 1. FC Kaiserslautern, einer jungen aber nicht aufgestiegenen Mannschaft, hätte man auf Willy Orban kommen können; aber da waren die RedBull-Summen schneller. Den kompakt gebauten Jean Zimmer soll es da noch geben sowie Außenverteidiger Chris Löwe.

Noch eine Woche bis zur Aufsichtsratssitzung. Dann wird sich einiges entscheiden, was die Eintracht angeht. Vorher muss ein jeder aber Karlsruher-SC-Fan sein. Wenn der HSV diesmal wieder am Leben erhalten wird, durch die unsägliche Relegation, gehen die wirklich nie mehr in die zweite Liga. Das wäre ebenso ungerecht wie bitter.

Advertisements

4 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

4 Antworten zu “Des einen Uhr läuft, des anderen Uhr läuft ab

  1. Herr Schnitzelmann

    …oh bitte nicht Yabo, das hat man doch nun gegen den HSV mehr als deutlich gesehen, selbst gegen einen sehr schlechten 1.Ligisten ist er technisch zu limitiert!!! Wenn schon unbedingt einen Karlsruher, dann Nazarov oder Hennings!
    Und in Sachen Trainer kann ich nur darauf drängen, dass der möglichst bald verpflichtet wird, sonst plant man den Kader wieder ohne Trainer und wundert sich hinterher wieder, warum die Spieler nicht zum Trainer passen!
    Nach wie vor hoffe ich ja noch, da der Name nirgends gehandelt wird, dass doch noch Slomka aus dem Hut gezaubert wird. Es wäre eine riesen Chance, wenn man ihn bekommen könnte!

    Zum Freistoß gegen Karlsruhe kann ich nur sagen, wenn ein Boateng unseren Meier im Strafraum von hinten umsäbelt, dann kriegt der nicht mal ne Karte und der Meier noch nen verbalen Einlauf wegen der Nachfrage warum nicht gepfiffen wurde, wenn dann ein Spieler der Eintracht die beim Freistoß schützend vors Gesicht hält, dann gibts Elfer wegen Handspiel! Es gewinnt in solchen Spielen numal immer der, der die Nacht vorher den dickeren Koffer vors Schirizimmer gestellt hat. Soviel hat der Schiri in diesem Relegationspiel wiedermal eindeutig bewiesen!

  2. Jermaine Jones Junior

    Laut HR soll Lewandowski der SGE zumindest keine Absage erteilt haben.
    Damit solle er noch weiterhin zum Kandidatenkreis gehören.

    • … was aber nicht bedeuten würde, dass die Eintracht ihn nicht (mehr) verpflichten will. Wie ich vor ein paar Tagen schon anklingen ließ, dürfte Lewandowski – zumindest bis auf Weiteres – nicht mehr verkaufbar sein. Entweder ist man sich mit ihm in der Tat einig und wartet eine Schamfrist (Aufichtsratssitzung als Anlass) bis zur Verkündung ab, oder Lewandowski ist tatsächlich durch die Schaaf-Debatte verbrannt.

      So oder so: Mitte nächster Woche wissen wir (erst) mehr.

  3. Olli

    Es wird noch ruhiger auf dem Trainer-Markt. Labbadia hat jetzt ne Jobgarantie bis Ende September.

Diskussion

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s