Feinschmecker-Woche

Bevor man Fleisch auf den Grill schmeißen und essen kann, ist es roh. Ähnlich kausal verhält es sich mit dem, was in dieser Kalenderwoche auf den Tisch kommt. Das Dinner beginnt mit der zähen Nachricht, dass Rechtsverteidiger Patrick Ochs zu Eintracht Frankfurt möchte, er beziehe gerade sein Haus nahe der Stadt. Da bekommt selbst der mit Köchen nachsichtigste Kunde mal Schluckauf, weil das Gericht nur sehr mühsam die Speiseröhre runtergeht.

Man muss sich das mal überlegen: Da hat sich Patrick Ochs seinerzeit einen gewissen Status im Kader, im Verein erarbeitet – bisweilen wurde das Leistungsvermögen auch übertrieben – und tritt dann den Weg an, dem (sportlich) schon so viele zum Verhängnis geworden sind: den Weg des Geldes. Und so ergab es sich, dass ein im positiven Sinne durchschnittlicher, solider, unangefochten als Stammspieler agierender Spieler zum Gelegenheitsspieler, zum Ersatzmann, zum Dauerreservisten, zum Handelsobjekt, zum Tribühnengast wird. Besonders blöd ist das dann, wenn dieser Strudel genau in den Lebensjahren einsetzt, in denen ein Profifußballer nochmal einen Qualitätssprung nach oben erlebt.

Mit 31 Jahren, zwei, drei Jahren mit wenigen, schon gar keinen regelmäßigen Bundesliga-Einsätzen, zurückkommend von einer Kreuzbandrissverletzung … wäre der Abschied aus seinem Herzensverein damals etwas geschmeidiger gelaufen, bekämen selbst solche Umstände weniger Gewicht. Aber nimmt man die damaligen „Irritationen“ zur Kenntnis und vielmehr noch die sportlich-qualitative Verfassung, dürfte man schwerlich zu dem Urteil gelanden, dass Ochs die Position des Rechtsverteidigers so viel besser ausführt als der über weite Saisonstrecken schwächelnde Timothy Chandler. Für Ochs spricht, dass er ablösefrei verpflichtbar wäre (in Frankfurt ja ein Kernkriterium) und man ihn zum Rollenspieler machen könnte. Sprich, man sagt ihm „Du, Patrick, wenn du hierherkommen willst, bist du die Nummer 2 hinter Chandler, das muss dir klar sein“. Und genau da setzt das Problem ein: Transfers sollten dazu beitragen, die Mannschaft zu verbessern, nicht um den status quo zu erhalten. Ergo bräuchte es einen Rechtsverteidiger, der nicht auf Augenhöhe, sondern über Augenhöhe von Chandler steht. Talking about Sebastian Jung … Aber ist Konkurrenzkampf nicht vielleicht auch ein Wert an sich? Kann funktionieren, jedoch wäre Patrick Ochs so … Eintracht, so muffig, miefig, dass man sich fast fragen müsste, was dieser Bernd Legien (Chefscout) in den vergangenen Monaten so getrieben hat.

Abwarten, der Koch kocht noch.

In der Menükette folgt jetzt jedenfalls die Vorspeise (Aufsichtsratswahl), bevor in den nächsten Tagen Hauptgericht (Trainer) und Nachspeisen (Transfers) folgen.

So seid erwartungsfroh.

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Feinschmecker-Woche

  1. Olli

    Laut kicker ist der Heribert wohl gerade mit dem Tayfun am verhandeln. Nicht mein bevorzugter Kandidat für ein Sterne Menü …
    Aber eventuell kann er den einen oder anderen von H96 locken.

  2. Pingback: #Link11: Mannschafts-freie Zone | Fokus Fussball

  3. Ich befürchte ja, dass zwischen all den Scharmützeln und Neubesetzungen mal wieder das ganze Thema „Sportliches Konzept“ zu kurz greift. Da darf dann wieder ein Trainer antanzen und sein eigenes vorstellen, anstatt dass man ihm sagt, wie die Richtung der Eintracht sein soll. Aber dafür ist Bruno wohl auch nicht der Typ, der wirkt eh nur getrieben, aber gestaltet nicht. Und Herri, so sehr ich seine Verdienste schätze, scheint auch nur noch daran interessiert zu sein, seine „Legacy“ zu schützen, damit er im Kicker und der Bild als Inbegriff der Seriösität gefeiert wird. Keine guten Voraussetzungen. So viele Weichenstellungen, und mittendrin eine Lame Duck mit einsetzendem Altersstarrsinn. 😦

  4. Olli

    Das Wohl und Weh des Herbiert …. Ich küsse ihm die Füße wenn er sich mit „er hat sein finanzielles Glück bei VW gefunden“ durchsetzt. Zum anderen wird es mit ihm kaum für Jung reichen.

    Die ideale Option für uns wäre den Basti für 1 Jahr zu leihen mit Kaufoption – im Bereich 5-7 Mio. Nur wird VW leider nicht auf solche Peanuts angewiesen sein. Wenn die nicht mal bei einem 80 Mio-Angebot für Kevin zucken.
    VW „kaputt-zu-kaufen“ ist halt etwas teurer als beim BVB …

  5. Jermaine Jones Junior

    Weißt Du etwa mehr als wir? Dein Beitrag hat einen euphorischen Anklang!

    Darf ich fragen: Kommen Sebastian Jung und Sascha Lewandowski zur Eintracht? 🙂

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