UnVEHrbraucht geht anders

Personelles Recycling bei Eintracht Frankfurt: Der Klub wählt mit Armin Veh, seinem Ex-Trainer, die konservative Variante in Bezug auf die Nachfolge von Thomas Schaaf. Die Entscheidung ist jedoch vertretbar. Veh erfüllt die von Funktionären in den letzten zwei Wochen skizzierten Kriterien, charakterlich und ideel, vor allem aber übernimmt er zum Großteil seine Mannschaft. Die meisten Spieler formen das Team, bei dem Veh oft die richtigen Worte fand, die korrekten Entscheidungen traf – nicht immer mehr schöne, manchesmal auch verschanzt hinter Ausreden, aber doch in aller Regel nachvollziehbar (Auswechslungen, Umstellungen, auch Transfers wie Alexander Madlung) und vor allem erfolgreich. Nüchtern betrachtet ist Veh eine gute Wahl, vor allem dann, wenn – wie mal kolportiert – er den Job erstmal für ein Jahr übernimmt, dann in den Vorstand wechselt und ggf. Alexander Schur (als heranzuführender Co-Trainer) 2016/2017 die Geschicke lenkt. Ein verzögerter Umbruch, sozusagen.

Ein Pluspunkt: Veh hat in seinen drei SGE-Jahren das Element in den Klub gebracht, das ihm bis dato fehlte (und auch danach, offenbar auch bis heute fehlte): Antriebsgeist, Anschiebekraft. Veh war ein Motor, der dem Gebilde Eintracht gut getan hat.

Problematisch ist, dass Veh seienrzeit einen sauberen, einen sauberen und doch herzenswarmen Abschied aus Frankfurt hatte. Da blieb nichts zurück, Sympathien hat er sich – trotz oder wegen – aller Macken und Zickereien erarbeitet. Selbst als es sportlich trüber wurde, entstand so gut wie keine Anti-Veh-Tendenz. Könte sich ändern, denn das Beispiel Stuttgart zeigt, dass ein Comeback, und kommt es auch noch so sehr von Herzen, zwar emotional aber auch un-erfolgreich sein kann. Rückholaktionen, die in Frankfurt gefühlt weitaus mehr Tradition haben als anderswo, haftet stets das Aufwärmen der Vergangenheit an. Dass er nicht so häufig als Verlierer Hände schütteln wolle, das weiß man als Fan natürlich auch noch. Ein gewisser Wankelmut ist eben auch Teil von Veh. Und dann die Frage nach der Verzahnung mit der Jugendarbeit … Alleine deswegen wäre es zwingend erforderlich, Schur im Trainerstab an die Profis heranzuführen.

Zu hoffen ist, dass er abermals eine Begeisterung erzeugen wird können. Das gelingt natürlich mit nichts besser als durch sportlich spürbare Erfolge, Aufstieg und Europa-League-Teilnahme. Sollte es letztlich zum Mittelfeldrang reichen, wird es auf die Art und Weise des Erreichens ankommen. Zumindest dürfte das Schaafsche Langholz ausgedient haben, auch im Team wird es mehr Gewinner (bspw. Flum, Djakpa) als Verlierer (bspw. Inui, Kittel) geben.

Sascha Lewandowski und André Breitenreiter wären die mutigen Entscheidungen gewesen. Jens Keller eine sinnige und vertretbare. Armin Veh ist irgendwie die naheliegendste; das sagt vermutlich und leider mehr über die Funktionärs-Crew um Sportdirektor Bruno Hübner aus, als dem Fan lieb sein kann. Wirkliche Ideen scheinen sie dort entgegen den Erwartungen doch nicht zu haben. Wobei, da verweise ich einschränkend auf den ersten Absatz: Veh als Heranführer eines Alexander Schur mit Perspektive Vorstandsnachfolge Heribert Bruchhagen, das wäre zumindest ein Plan. Ob man den gut oder schlecht findet, soll jeder selbst bewerten. Ein neues Gesicht zu installieren, ist kein Selbstzweck. Ein Ruck geht nicht automatisch umher, nur weil jemand das Mäntelchen des „Unverbrauchten“ zu tragen scheint. Dennoch schmeckt die Wahl auf Veh etwas … schal.

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14 Kommentare

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14 Antworten zu “UnVEHrbraucht geht anders

  1. Makanaki

    War schon der Hickhack bis zur Verpflichtung von Schaaf ein Trauerspiel, so ist die erneute Veh Verpflichtung der Offenbarungseid. Was soll das Eintracht ? So mutlos, so wenig professionell. Das ist doch einfach nur noch gaga. Der Herr Veh ging mir mit seiner zuletzt gezeigten Haltung bei Eintracht ( Abgeschenkte Spiel usw.) schon mächtig auf den Geist und sein Gastspiel in Stuttgart war ja auch eher dürftig. Die eigentlich kritischen Herren von der FR reden sich das ja jetzt auch schon richtig schön..
    Ich glaub ich Fall vom Glauben (Guck mir kommende Saison mal ein paar Spiele von den Lilien an !)

  2. Jetzt schaun mer mal was kommt. Ich bin mit Veh zufrieden und wie Du schreibst wird es am Ende am Erfolg liegen. Man darf auch nicht vergessen, dass die Erwartung an Veh nach einem Jahr Schaaf eine andere ist, als wenn Veh letzte Saison noch trainiert hätte.

  3. Jermaine Jones Junior

    Eine ganze andere Frage beschäftigt mich bei der offenkundigen Rückkehr Vehs, weshalb er jetzt, anders als vor 12 Monaten, womöglich eine Perspektive im Team zu sehen vermag. Signifikant besser finde ich den aktuellen Kader nun doch wieder nicht.

    • Tja, und das ist genau der Punkt, der ihm gefährlich werden könnte. Wohl wahr.

      • Jermaine Jones Junior

        „Der Trainer, der jetzt kommt, kann sich glücklich schätzen. Aber es sind auch Grenzen da, und das sind nicht unbedingt meine Ziele. Es wird in der nächsten Zeit nicht einfacher werden, wenn ein Verein wie Mainz 05 mehr Geld zur Verfügung hat als die kleine Eintracht.“ (Armin Veh). Quelle: http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/sport/armin-veh-vor-rueckkehr-zu-eintracht-frankfurt-13643641.html

        Die Motive seiner Rückkehr zum VfB damals, und zur SGE heute, basierend auf seinen Ambitionen und der Beschreibung der wirtschaftlichen Verhältnisse von Eintracht Frankfurt sind mir bis heute nicht klar geworden. Mit jeder Stunde, die vergeht, wird meine Euphorie ob der wahrscheinlichen Rückkehr Vehs immer kleiner.

    • Olli

      Ich spekuliere mal:
      Vermutlich wird er in einem Jahr den Heribert beerben, der zwar keine „Lame Duck“ ist aber sein Wort und Wissen hatte schon mal mehr Gewicht und wird weiter abnehmen. Wenn es heißt, wie haben 3-5 Mio für Transfers in der Kasse, dann wird er da wohl problemlos 2 Milliönchen mehr aus der Tasche leiern können (wenn es passt). Er wird auch kaum so einen rigorosen schwarze Null Kurs wie Bruchhagen fahren. Die Null steht auch wenn du im einen Jahr 3 Mio Miese machst und im nächsten 3 Mio Gewinn (mal ein junges Talent für 5+ Mio verkaufen HERR HÜBNER!).
      „Die Mannschaft“ hat ein ordentliches Grundgerüst da, wo es 3 Stellen hauptsächlich zu verstärken gilt (Ersatz für Chandler und Inui, sowie einen vernünftigen Kombi-Spieler auf IV/6 – evtl. nen vierten in der Offensive wenn das mit Meier noch länger gehen sollte). Er wird nächstes Jahr keine Bäume ausreißen. Aber er kann nen verdammt guten Kader hinterlassen und seien Nachfolger (mit) aussuchen! Darin sehe ich sehr viel Potential.

      Und er wird vieles von dem bereuen was er damals im letzten Halbjahr bei der SGE von sich gegeben hat. Er hatte große Erwartungen in Stuttgart und ist grandios auf die Fresse gefallen. Der kommt zwar nicht tief gebückt nach Frankfurt gekrochen aber geläutert.

      • Jermaine Jones Junior

        “ “Die Mannschaft” hat ein ordentliches Grundgerüst da, wo es 3 Stellen hauptsächlich zu verstärken gilt (Ersatz für Chandler und Inui, sowie einen vernünftigen Kombi-Spieler auf IV/6 – evtl. nen vierten in der Offensive wenn das mit Meier noch länger gehen sollte).“

        Vor dem Hintergrund der teuren Vertragsverlängerungen mit Trapp, Aigner und Anderson sowie evtl. Zambrano, bliebe tatsächlich nicht mehr viel im Budget übrig.
        Wäre meine Meinung gefragt, würde ich folgendes vorschlagen:
        Ein 1-jähriges Ausleihgeschäft mit Jung vereinbaren, Barnetta ablösefrei verpflichten, den Vertrag mit Madlung verlängern, Medojevic und Ignjovski (Schröck 2.0) verkaufen und dafür Flum eine neue Chance geben.
        Für den Sturm könnte man Kadlec nach Dänemark transferieren, um einen 10-Tore-Stürmer zu verpflichten.
        Damit ließe sich eine gute Saison spielen.

        Noch was: Ich kann das Jahr 2020 kaum erwarten. Dann nämlich läuft dieser miese Stadionvertrag aus. Wenn die Stadt Frankfurt am Main ihren Einwohnern unbedingt (bessere) Unterhaltung in Form von Bundesliga bieten möchte, dann muss sie auch diejenigen entgegen kommen, die den Zirkus erst möglich machen.
        Die Baukosten betrugen ca. 126 Mio. Euro. Bisher hat Eintracht Frankfurt ca. 90 Mio. Euro zur Amortisierung beigetragen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass in den nächsten Jahren Frankfurt ein Bundesliga-Standort bleibt. Mit welcher Zähigkeit die Stadt Frankfurt eine Mietkürzung verweigert, erschließt sich mir nicht.

      • Olli

        Mit den Verpflichtungen und Abgängen stimme ich absolut überein. Mit Zambrano muss man nicht zwangsläufig verlängern. Der hatte am Ende der Saison eigentlich keinen Bock mehr und sich gedanklich schon verabschiedet. Aber er scheint sich auch ordentlich verzockt zu haben.

        Zum Stadion: die Rechnung wird noch viel mieser als du denkst. Zwar kommen zu den 126 Mio noch Zinsen drauf. Aber ein Gläubiger wie Frankfurt / Hessen wird kaum mehr als 2-2.5% zahlen. Aber dafür gehen die Einahmen der Namensrechte (mehr als 5 Mio im Jahr) auch nicht an die SGE. Da haben wir uns beim Neubau ordentlich über den Tisch ziehen lassen. Die Druckmittel waren damals aber auch richtig mies als Fahrstuhlmannschaft.

      • Veh wird HB nicht beerben, glaube ich nicht. In den (erweiterten) Vorstand rücken, irgendwann, wenn halbwegs erfolgreich als Trainer, ja.
        Aber dem Vernehmen nach gibts eben doch einen längerfristigen Trainervertrag; was ich wiederum seltsam und bedenklich fände.
        Denn klar ist: Als Übergangslösung für 1,2 Saisons bei entsprechendem Aufbau eines (internen) Nachfolgers, macht Veh Sinn, gerade zum jetzigen Zeitpunkt. Als Hoffnungsträger für die Zukunft? Pheeeew, dafür liegt im Jugendbereich zu viel im Argen.

  4. Olli

    Breitenreiter ist angeblich aktuell Favorit auf Schalke weil Wilmots sich noch etwas Zeit lassen will.

    Veh’s Rückkehr nach Stuttgart ist eine ganz andere als die Rückkehr nach Frankfurt. Wie du gesagt hast, der große Teil des Kaders ist seiner. In Stuttgart ist zwischen seinen beiden Auftritten sehr viel Wasser den Necker runter geplätschert.
    Barnetta wäre absösefrei zu haben und könnte Inui etwas in den Arsch treten. Mit dem sollte man zumindest mal reden. Eventuell hat er in Wolfsburg noch nen Gefallen offen … in Sachen Basti Jung. Flum wird sicher wieder ne stärkere Rolle spielen dafür kann man dankbar auf Medojevic verzichten. Kittel wird frühestens in der Rückrunde wieder ein Thema werden.
    Eine entscheidende Frage wird sein, was (Position) er mit Meier macht wenn der wieder zurück kommt – hoffentlich irgendwann im November – und wie sein „Notfallplan“ bis dahin aussieht!

    Für ne vernünftige Startelf wirds noch 2-3 (alte) neue Spieler brauchen. Probleme sehe ich dann eher wieder auf der Auswechselbank mit wenig Druck auf die Startelf. Dank fehlender U23 und Vereinen wie RB und Bayer die uns die A- und B-Jugend leer kaufen ist da zuletzt (3-4 Jahre) von unten eigentlich nix nachgekommen.

    Es sind leicht gemischte Gefühle mit Veh. Aber deutlich bessere als mit Korkut!

  5. Thea

    Ja das hatte ich auch so in Erinnerung. Als es vor kurzem dieses Angebot gab, Veh als Chef und Schur als Co hieß es – bei der FR glaub ich – das Veh daran kein Interesse habe.

    • Die Frage wird ja eher sein, was der Verein will. Und da wäre man sehr gut beraten, weiter zu denken als über Vehs Wunsch. Die Nachwuchsarbeit, Riederwald im ganzen, muss ja drigenst besser an die Profis rankommen; ganz unabhängig davon was nun konkret mit/aus Schur wird perspektivisch

  6. ich dachte, das mit Schur sei vom Tisch?

  7. Jermaine Jones Junior

    Interessanter wird die Vertragslaufzeit sein. Denn die gibt viel mehr Ausschluss über Zukunftspläne im Verein.

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