Eine rationale Wahl

Ich bleibe dabei: Ich halte die (Wieder-)Verpflichtung von Armin Veh als Trainer von Eintracht Frankfurt für eine vernünftige Entscheidung. Keine innovative, keine mutige, keine euphorie-auslösende. Aber angesichts der Tatsache, dass der Kader zu größten Teilen, nach wie vor auf seiner Zusammenstellung fußt, gibt es einen Anknüpfungspunkt, der nicht unterschätzt werden sollte. Die Stimmung in diesem Team, im Dunstkreis der Mannschaft, war unter Thomas Schaaf – und da können die Medienkritier auskeilen wie sie wollen – schlecht. Der Trainer war nicht wohl gelitten, auch weil er in puncto Zwischenmenschlichkeit, Kommunikation ein Gegenpart zu seinem direkten Vorgänger Veh war. Diesen harten Bruch hat das Binnenklima, allem Tabellarischen zum Trotz, nicht verkraftet.

Abseits von all dem „geringe Perspektive“, „Gegnern nicht öfter die Hand schütteln“-Gerede, womit Veh inhaltlich übrigens nicht mal unrecht hatte, geht etwas völlig unter: Er hat etwas völlig normales getan, seinen Vertrag nicht verlängert. Nach drei Jahren, einer Amtszeit, die im Profifußball so normal nun nicht ist. Man tut derzeit so, als habe Veh ein Verbrechen, einen Affront begangen, indem er die SGE seinerzeit verließ. Nach zwei sehr erfgolgreichen Jahren und einer Saison, die letztlich glimpflich und ungefährdetER endete. Insgesamt ist das doch keine schlehchte Bilanz, oder sehe ich das falsch? Er ging dann zu Stuttgart, einem Verein, der in der Tat, zumindest in der Theorie andere Möglichkeiten … möglich machte. Finanziell, transfertechnisch. Und das ihn mit dem VfB (auch) emotional etwas verband – was ist darin verwerflich? Klar ist er bei seinem zweiten Anlauf dort gescheitert. Häme? Wozu? Und ist es ein Hinweis auf das, was in Frankfurt passiert? Warum, wieso diese Kausalkette, diesen Automatismus am Horizont erkennen?

Das Verlangen nach einem, ja was eigentlich, jungen, unverbrauchten Trainer ist offenbar für viele Fans zu einem Selbstzweck geworden. Sascha Lewandowski, der Trainer, der wie Thomas Tuchel übers Wasser gehen kann, ist weder bei Frankfurt, noch bei Schalke, herrje, nicht mal in Paderborn als Breitenreiter-Nachfolger untergekommen. Könnte ein Indiz dafür sein, dass der Mann vielleicht doch nicht übers Was… Nein, das kann, das darf nicht sein – das wäre sicher wieder so eine Medienkampagne, #lügenpresse und das ganze.
Und Breitenreiter? Schalke bot offenbar mit. Glaubt ernsthaft jemand, dass die Eintracht ab dem Zeitpunkt des Gazprom-04-Einstiegs noch eine Chance hatte?

Bleibt Tayfun Korkut. Na da wäre aber ein Ruck durch den Rieder- und den Stadtwald gegangen, Autokorsos wären von Hausen ins Ostend gedüst. Also bitte.

Dann gibt es eine ganze Schar von Mister X´en, die uns Nichtswissenden unbekannt sind. Typ Alexander Schur, nur irgendwo anders tätig. Und was aus eben jenem unter / mit Armin Veh und somit langfristig wird … abwarten. Der Verein Eintracht Frankfurt, so scheint mir, hat diesmal etwas Überlegtes, Rationales getan und verfolgt einen Plan. Wäre dem nicht so, also wäre Veh tatsächlich die Langfrist-Lösung (er hat einen Zweijahrsvertrag), ohne das im Hintergrund jemand aufgebaut / mitgedacht wird, ein Kurs von Veh quasi angestoßen, Aufbauarbeit geleistet wird, könnte man tatsächlich mehr als irritiert sein.

Veh dürfte in der Tat nicht die Erstwahl gewesen sein; aber das waren ja auch di Matteo und Schaaf nicht, da waren damals Bernd Schuster und Torsten Fink die Top-Kandidaten, nicht vergessen, liebe Fans. Ein Jahr her, dieser Besuch im Gruselkabinett – aus welchem man am Ende den mürrischen Onkel einpackte, weil der eben verfügbar und verkaufbar war.

Mit Veh kommt, hoffentlich, wieder Spaß ins Team, eine Freude am Arbeiten uffm Platz. Das, liebe Leser, war unter Schaaf spätestens ab dem Wintertrainingslager, ab dem abermaligen Durchsetzen der Löcher-im-Team-Taktik nicht mehr so. Das hört man von allen, die nah am Team, am Verein sind.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Eine rationale Wahl

  1. Jo, bin hier auch ziemlich bei dir. Ich hätte ein Lösung mit einem jungen verbrauchten Trainer gar nicht übel gefunden, hatte zu dem Zeitpunkt aber die Option Veh-Comeback auch nicht auf dem Schirm.
    Was mich bei dieser ganzen Diskussion nervt sind immer diese difusen Rufe nach „einem Konzept“ (besonders häufig bei HR Online in den letzten Tagen). Ein RB Leipzig kann ein „Konzept“ erarbeiten, dass den Verein in den nächsten 5 Jahre in die Champions-League bringen könnte. Ein VW kann das. Hier reden wir von Vereinen mit einem für Fußball-Verhältnisse nahezu unbegrenztem Budget. Die SGE kann nicht sagen „Lass uns einen Trainer holen, mit dem wir in spätestens 2 Jahren EuropaLeague spielen und der uns 3 Nationalspieler hervorbringt“, weil die Möglichkeiten für ein solches „Konzept“ schlichtweg nicht da sind. Was man kann ist gewisse Erwartungshaltungen gegenüber dem neuen (alten) Trainer aufzustellen. Etwa, dass er sich fortan mehr mit dem e.V. und besonders mit der Jugendabteilung auseinandersetzt. Da bin ich verhalten optimistisch, weil Veh im vergangenen Jahr genug Zeit hatte, selbst zu reflektieren. Und ja, geträumt werden darf auch (wie Veh es auf der PK formulierte), aber eben geträumt und nicht als Muss-Ziel formuliert werden. Warten wir’s ab, wie es wird!

  2. Florian

    Ist schon ok so, wobei die FR-Redakteure, so sehr mir die Angriffe auf die in den letzten Wochen missfielen, nun auch wirklich ein bisschen zu laut jubeln.

    Bedenklich finde ich eher, dass nun plötzlich über noch mehr Rückholaktionen angedacht werden. Ausgerechnet Schwegler wird jetzt ins Gespräch gebracht, der dann wieder jedes Jahr seinen Marktwert testen würde. Furchtbar. Sebi Jung ist ja sportlich nachvollziehbar, aber Schwegler muss doch nicht sein.

    Ach ja, hier noch ein Zitat vom CL-Meister-Weltpokalsiegermanager Hübner (bild.de):
    „Für Veh und gegen die übrigen Kandidaten Sascha Lewandowski (43), Andre Breitenreiter (41) und Tayfun Korkut (41) sprach laut Hübner: „Die anderen hatten alle nicht die Persönlichkeitsstruktur, einen großen Verein zu trainieren.““

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