Spieler-Spekulieren: eine Herausforderung

Die Frage, wie denn meine Startformation von Eintracht Frankfurt – unabhängig von derzeit verletzten Spielern und inklusive realistisch machbarer Neuzugänge – aussehen würde, hat mich jetzt fast zwei Tage lang dann doch vor eine schwierige Aufgabe gestellt (danke, Oli…!). Die Krux der Denkaufgabe besteht in zweierlei. A) darin, eine Bejahungs- statt Verneinungs-Haltung zu bestimmten Spielern zu entwickeln und b) die möglichen Millionen durch einen etwaigen Kevin-Trapp-Verkauf (die etwaige Kadlec-Summe dürfte ja nicht so erheblich werden) mitzudenken bzw. sie herauszulassen aus den Überlegungen.

Kurzum: Ich musste mir selber erstmal klar werden, welche (Bundesliga)Spieler auf welchen Positionen ich mir für das neue alte Eintracht Frankfurt unter Trainer Armin Veh vorstellen könnte.

Folgende zwei Vorbemerkungen seien gestattet. Erstens fehlt der SGE vor allem Tempo, viele Spieler sind schlicht nicht schnell genug, zumal mit dem Ball bzw. im Freilaufen in die Räume. Im Mittelfeld ist Stefan Aigner noch der flinkeste, in der Viererkette ist es nur der bis Jahresende verletzte Bamba Anderson, im Sturm – Kadlec außen vor gelassen – niemand. Diese Feststellung bedingt Vorbemerkung Nummer zwei: Veh ist ein Trainer, der großen Wert auf die Außenbahnen legt, der pflegt, Angriffe vornehmlich über rechts und links vortragen zu lassen. Dementsprechend wird dem linken offensiven Flügel, wo Takashi Inui (der wenn etwas, dann flink/schnell ist) keine Rolle mehr spielen dürfte, eine besondere Bedeutung zukommen, zukommen müssen. Dort wird ein qualitativ hochwertiger Spieler verpflichtet werden müssen; schwer genug, weil Linksfüße generell rar sind. Zudem braucht es auf der Position noch einen Ersatzmann, falls Joel Gereghizer – der als zentraler Mittelfeldspieler ausgebildet ist – das nicht leisten kann. Mit Sonny Kittel kann und darf man dort nicht rechnen, und Marc Stendera ist nicht nur aufgrund des mangelnden Tempos weder ein Außen-, noch ein Halbpositionsspieler.

Unter diesen sowohl sporlichen wie finanziellen Voraussetzungen würde ich Vladimir Darida vom SC Freiburg als linken Offensivmann verpflichten; zumal er auch eine Position weiter hinten aushelfen könnte. Seinen Vereinskameraden Christian Günter halte ich ebenfalls für interessant, obgleich er als Linksverteidiger eher Konkurrent für den im letzten Saisondrittel 2014/2015 erstarkten Bastian Oczipka und den genesenen Constant Djakpa wäre; womit die Eintracht ihn nicht auf dem Schirm haben wird, weil man sich gut genug aufgestellt sehen dürfte.
Ins Blickfeld für die linke Offensivseite rücken dürfte auch Nicolai Müller vom Hamburger SV, der auf beiden offensiven Flügeln spielen kann, sich aber auf der rechten Seite wohler fühlt. Trotz allen Vorbehalten dürfte er die unkompliziertere und günstigere Wahl sein, wenn man zum Vergleich Sidney Sam, der ähnliche Positionen spielen kann, heranzieht. Jedoch: Beide sind mit 27 Jahren biologisch zwar im besten Fußballeralter, ob man auf sie länger als zwei, maximal drei Jahre setzen könnte … fraglich. Das angesprochene Tempo wird mit jedem Monat trotz allem ebenfalls nicht höher. Der vor der vergangenen Saison lange umworbene und dann zu Hannover gewechselte Edgar Prib, linker Mittelfeldspieler, könnte finanziell auch darstellbar sein; er spielt qualitativ vielleicht aber noch etwas unterhalb der Nicolai-Müller-Liga, ist jedoch jünger, vielleicht noch entwicklungsfähig(er). Amin Younes, von Mönchengladbach zuletzt an Kaiserslautern ausgeliehen, galt vor zwei Jahren unter Favre mal als großes Versprechen, müsste eher als Ersatz-, nicht aber als Stammelfspieler gedacht werden.

Im Sturm tendiere ich – je nachdem, ob man mit Vaclav Kadlec und/oder Nelson Valdez weitermacht – zur Verpflichtung von zwei verschiedenen Spielertypen. Mit Haris Seferovic hat man den Typ Brecher bereits im Kader, mit Alexander Meier – wenn auch unter Veh sicher wieder zurückversetzter – einen weiteren physisch starken Spieler. Was fehlt sind ein schneller Dribbler und ein „kompletter“ Stürmer (weder Luca Waldschmidt noch Elias Bunjaki sollten zu sehr in die Planungen einbezogen werden). Von dem bisschen, das ich bislang von Branimir Hrgota (Mönchengladbach) gesehen habe, befinde ich diesen für gut, auch Nils Petersen von Werder Bremen könnte ein Kandidat sein. Sie wären jeweils eher unter der Kategorie „komplette Stürmer“ einzuordnen. Hrgota soll allerdings in Gladbach vor einer Vertragsverlängerung stehen. Unter anderen Umständen (gäbe es Seferovic nicht) würde ich ja auch in diesem, dann also im dritten oder vierten Jahr in Folge, für Sven Schipplock plädieren. Was mögliche Dribbelstarke angeht, sehe ich derzeit keinen in der 1. oder 2. Bundesliga.
Kurzum: Im von Veh bevorzugten System 4-2-3-1 wäre Seferovic + (schnellerer) Mister X + Waldschmidt unter Umständen quantitativ ausreichend; wenn man Nelson Valdez einplant. Sollte man den Paraguayer, wie es wohl geschehen soll, verkaufen, müsste wohl doch ein weiterer Offensiver her, einer, der – wie etwa Kadlec – auch auf den offensiven Flügeln ran könnte.

Sollte es sich bei dem Gerede um Rechtsverteidiger Sebastian Jung nicht um einen reinen Preispoker handeln, ist der Kaiserslauterer Jean Zimmer sicher eine Überlegung wert.

Roman Weidenfeller als Trapp-Ersatz hielte ich für ebenso wenig unwahrscheinlich wie unklug, zumal ein jüngerer zweiter Torhüter schon verpflichtet wurde und – etwa in den ersten 1,2 Poaklrunden – als Nachfolger aufgebaut werden könnte.

Die für mich ebenso schwierigste wie drängenste Frage ist die, nach zwei (!) guten, geeigneten Innenverteidigern. Marco Russ sehe ich da künftig seltener spielen, Bamba Anderson ist verletzt, Zambrano quasi fort und Madlung ist, Veh-Faktor hin oder her, eher Rollenspieler. David Kinsombi dürfte nach allem was man bislang gesehen hat, noch (länger) nicht soweit sein. Andre Hoffmann von Hannover 96 halte ich für einen vielversprechenden Innenverteidiger. Problem: Der 22-Jährige war immer mal wieder verletzt.

Auf der Sechs schwanke ich, was die Auftsellung angeht. Es dürfte ein Hasebe + werden, also die Kombination Reinartz / Flum kann ich mir angesichts der physischen Ähnlichkeit kaum vorstellen. Im defensiven Mittelfeld, das Armin Veh als quantiativ wie qualitativ ausreichend besetzt bezeichnet hat, sind keine Neuzugänge geplant, vermulich auch nicht erforderlich. Der Eintracht wird auf dieser Position jedoch wohl abermals Tempo fehlen. Johannes Flum wäre von den drei, vier Hauptanwärtern noch der Schnellste.

Festgenagelt auf eine erste Fünfzehn sähe das, unter genannten Bedingungen, so aus:

———————- Weidenfeller —————-
Jung/Zimmer ——– Bamba — Hoffmann —— Oczipka
—————– Reinartz —— Stendera ————-
Aigner —————– Meier ————— Darida/N. Müller/Prib
——————— Seferovic / Mr. X ————–

Wobei ich eher an eine Formation mit Reinartz in der Innenverteidigung und dafür Hasebe / Flum auf der Sechs glaube. Zu Saisonbeginn, die (bisher) Verletzten als solche auch anerkannt, glaube ich an diese Personalwahl:

——————– Weidenfeller —————-
Chandler——– Russ — Reinartz—— Oczipka
————– Hasebe—— Flum ————-
Aigner —————-Stendera ————— ???
——————- Seferovic ————–

Wie bereits gesagt: Der linke Flügel und der Sturm sowie die Innenverteidigung, falls man Reinartz nicht auf seiner gelernten DM-Position sieht, sind die großen Unbekannten. Die Rechtsverteidigerposition ist demgegenüber eher „kann“ als „muss“, ähnlich sieht es im Tor aus; da könnte man sportlich natürlich auch weiterhin problemlos auf Kevin Trapp setzen.

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8 Kommentare

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8 Antworten zu “Spieler-Spekulieren: eine Herausforderung

  1. Florian

    Ich hatte jetzt bei dieser Springer-Transferseite auch noch mal den Namen Sergio Romero gelesen. Hat zwar vermutlich nur irgendjemand zu viel spekuliert, aber fände ich irgendwie cool, auch wenn der vermutlich seltsame Gehaltsvorstellungen hätte. Andererseits: Ablösefrei. Wird aber wohl zum AS Rom gehen.

  2. Olli

    Läuft bei der Eintracht. Nix mit 2.5 Mio für Kadlec. Die Dänen wollen nach der Verletzung nicht mehr. Auch das wäre noch eine Menge Geld gewesen …
    http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/629547/artikel_kadlec-wechselt-nicht-zu-midtjylland.html

    • Jermaine Jones Junior

      Erstens finde ich nicht, dass Kadlecs Verletzung so gravierend ist, als dass sie einen Verkauf ausschließt, und zweitens glaube ich mittlerweile an dessen Verbleib in Frankfurt, weil er wieder selbstbewusst wirkt und sich physisch weiterentwickelt hat.
      Ein Verkauf – und ein erneuter Kauf eines anderen ähnlichen Spielers – bildet für den Verein doch im Grunde ein Nullsummenspiel ab.
      Es spricht also nicht viel für ein (Gegen-)Transfer. Es sei denn, BH sucht tatsächlich eine „Brechstange“ als kurzfristigen Meier-Ersatz. Das ist aber unwahrscheinlich.

      Kadlec muss selbst wissen, was für ihn am besten ist, weil er die Situation in Frankfurt (Trainer, Umfeld, Gehalt, Konkurrenz und Entwicklungspotential) sehr gut einzuschätzen weiß. Es liegt nun an ihm.

      • Olli

        Die Dänen wollen jemand kurzfristig Einsatzfähigen. Für das CL-Quali Spiel Ende Juli gegen Gibraltar oder Andorra (da haben die wirklich Angst vor????).

        Hätten wir einen wirklich neuen Trainer und nicht den recycelten, dann hätte der Kadlec auch ne wirklich neue Chance. Aber der ist ja unter Veh auch schon durchgefallen – obwohl sein absoluter Wunschspieler. Ich will nicht sagen das er absolut keine Chance hat, aber Trainer haben halt Lieblinge auf dem Platz und auf der Tribüne. Sportlich wäre ein Wechel für Vaclav sicherlich das Beste. Finanziell eher nicht.

  3. Olli

    Firmino angeblich für 41 Mio auf die Insel. Mir wird schlecht bei solchen Transfers. Die Investoren schieben das Geld untereinander her. Da können wir für Trapp doch auch locker 25 Mio aus Paris holen, oder?

    So, aber erst mal danke für die Analyse und bitte für den Denkanstoß 😉
    Russ und Hasebe nicht in der optimalen Startelf? Heftig und Respekt.

    Aber deine aktuelle „Ersatzelf“ sieht sehr kostengünstig aus. Da kannste auch den kostenlosen Barnetta wieder aus links stellen. Hatte damals zwar etwas Anlauf gebraucht aber war nicht unsere dämlichste Leihe auf die Saison gesehen.

  4. Florian

    Siehst du Hasebe (unter optimalen Bedingungen) nicht in der ersten Elf? Ohne den wäre das Defensivchaos letzte Saison doch noch größer gewesen.

    • Das ist der Entscheidung geschuldet. Angesichts von Hasebe / Reinartz / Flum / Stendera für eine Position (falls Meier gesund und fit wird, dürfte Stendera eher wieder auf der 6 als auf der Quasi-10 spielen), musste ich mich entscheiden.
      Hasebe ist ein Topspieler, aber sollte Reinartz nicht für die IV geplant sein, was ich hoffe, sehe ich Reinarzt als gesetzt; plus einen etwas schnelleren. Wie gesagt, das ist für mich das engste Rennen, vorerst, und bestimmt kein Misstrauensvotum gegenüber Hasebe.

      • Florian

        ich frage mich trotzdem, ob Stendera auf eine Doppel-6 gehört. (zumindest als erste Wahl)

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