Monatsarchiv: Juli 2015

Folklore

Der FC Tokio also. Dürfte nicht wesentlich schwerer werden als Eintracht Stadtallendorf in Halbzeit eins. So ganz glücklich ist die Wahl der Testspielgegener jedenfalls nicht. Wenn schon eine Truppe wie Fulham, die man mühevoll nach einem Standard aus fünf Metern 1:0 besiegte, der nominell stärkste Opponent war … Vorbereitungsspiele besitzen sicherlich keine große Aussagekraft, aber so ganz banalisieren sollte man die Ergebnisse, vielmehr das Zustandekommen der Resultate, nicht. Was kann es schaden, sich gegebenenfalls mal von einem stärkeren Team drei, vier reinschießen zu lassen? Dafür braucht es weder Real Madrid noch Manchester United – vermutlich hätte schon ein Gegner der Kategorie „gutes Uefa-Cup-Team“ gereicht. Oder auch ein aufstiegsambitionierter Zweitligist aus Deutschland, da diese ja immerhin früher anfangen, in der Vobereitung weiter sind/waren. Auch da muss es ja kein Risikospiel gegen Kaiserslautern oder Karlsruhe sein. So zuwider sie einem sind, aber irgendwo im Matteschitz-Land gegen RedBull Leipzig anzukicken, wäre denkbar gewesen, oder?

Egal. Für den Bremer SV wird eine Leistung wie in der zweiten Halbzeit gegen Eintracht Stadtallendorf reichen. Für die Bundesliga nicht. Dafür, so mein Eindruck, sind die spielerischen Abläufe noch zu holzschnitzartig, zu fehlerbehaftet. Das wird nicht nur an der mangelnden Motivation in Mittelhessen gelegen haben. Immerhin kennen wir die Ballverluste und Abspielfehler etwa eines Takashi Inui ja vor allem aus der Bundesliga – und gegen Stadtallendorf unterliefen ihm solche abermals. Da reicht es dann einfach nicht, dass er diesen Schwung, diese Geschwindigkeit ins Team bringt. Umso unverständlicher erscheint es, dass man bei Eintracht Frankfurt weiterhin keinen Linksaußen verpflichtet hat, das man sogar auf die „kleine Lösung“, also einen vis-a-vis-Konkurrenten für den Japaner zu setzen scheint. Dabei will der Großkreutz Kevin doch hinfort aus dem geliebten Dortmund …

Aber Inui war nicht das einzige Sorgenkind in Stadtallendorf. Auch die Hoffnungsträger Marc Stendera und Joel Gereghizer spielten ausgesprochen mau. Auf der anderen Seite sollte man auf all dem trotzdem nicht über Gebühr herumreiten, man weiß schließlich nicht ob/wie intensiv am Tag vor dem Kick trainiert wurde. Es geht bei solchen Veranstaltungen ja auch nicht unwesentlich um das Drumherum, um die Nähe zu den Zuschauern. Und von denen, so leise sie auch waren, erfreuten sich viele vor allem an Armin Veh (Plakate wie „Willkommen zuhause,Armin“) und Autogrammschreibern wie Haris Seferovic (der wirklich von einer Menschentraube umrignt war) sowie David Abraham.
Folklore, die ist ja auch nicht unwichtig in der Vorbereitung. Was auch immer das gegen den Bremer SV, vor allem aber in den ersten beiden Bundesligaspielen gegen Wolfsburg und Augsburg wert ist.

Edit: Hradecky-Wechsel ist laut Bröndby Kopenhagen perfekt. Zum 7. August. Bisschen schmunzeln muss man da schon, oder? 😉

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Einträchtliches Erstaunen

Merkwürdig, wie still mehr als 4000 Fußballzuschauer sein können. Dabei dürften 99 Prozent der am Mittwochabend Anwesenden in das Herrenwaldstadion gekommen sein, um Eintracht Frankfurt, nicht um Eintracht Stadtallendorf zu sehen. Das Zuschauen wurde jedenfalls ähnlich emotionslos verrichtet, wie die Fließbandarbeit bei der dem Stadion nahegelegenen Firma Winter (Eisengießerei). Dabei organisierte der EFC Adlerhorst eine Veranstaltung, die auch im Rahmenprogramm und von der Präsentation wirklich qualitativ weit oberhalb dessen liegt, was man von Vereins-Festen so kennt.

2015-07-29 Testspiel Eintracht 191

Wäre es nicht von Beginn an friedhofsstill gewesen, könnte man als Argument für das Schweigen die Spielweise der Profifußballer anführen. Denn in den ersten 45 Minuten konterkarierte das Gezeigte so ziemlich alles, was der geneigte Fan bis jetzt vom Vorbereitungsstand vernahm. Kombinationsfußball? Fehlanzeige. Es war ein Fehlpassfestival in Schwarz-Rot. Ideenlos und ohne Tempo nach vorne, dafür anfällig in der Rückwärtsbewegung; gekrönt von gleich drei brutalen individuellen Fehlern (mit Ball am Fuß!) von David Abraham (zweifach) und Marco Russ (einmal), je 20 Meter vor dem eigenen Tor. Der zweite (!) Torwart Emil Balayev parierte zwei der folgenden Großchancen gut, bei einem Nachschuss zum 1:1 war er chancenlos. Ein weiterer Ball schlug am Pfosten ein, zwei Schüsse gingen über das Gehäuse. Wohlgemerkt ist das die Chancenbilanz des Fünftligisten Eintracht Stadtallendorf.
Bei der SGE reduzierte sich die Ausbeute auf einen Kullerball von Inui aus 15 Metern zentral und frei vor dem Tor, auf das Halb-Eigentor, das zum 1:0 (offizieller Torschütze der bemühte aber uneffektive Stefan Aigner, nach einem Eckball) führte sowie auf einen Schuss des schwachen Joel Gereghzizer.

2015-07-29 Testspiel Eintracht 106

Nach der Pause, als der stets stoisch mit Basecap auf dem Stuhl sitzende Trainer Armin Veh das System umstellte und mehrfach wechselte (Bastian Oczipka für Constant Djaka, Johannes Flum für Stefan Aigner,Luca Waldschmidt für Takashi Inui und Aleksandr Ignovski für Joel Gereghizer), wurde das Spiel der Eintracht in vielerlei Hinsicht besser – was gar nicht so sehr am Gegner lag, der zumindest nicht sichtbar konditionell abbaute, nun aber deutlich tiefer stand, stehen musste, da die SGE dominanter, vor allem passsicherer war. Plötzlich schien das Team eine Idee zu haben, wie es spielen will. Kombinationen waren zu erahnen, später funktionierte auch die eine oder andere. Vor allem Luca Waldschmidt, der im Landkreis Marburg-Biedenkopf geboren wurde und in der Jugend dort auch Fußball spielte, drehte mächtig am Schwungrad. Sein Tor zur 2:1 Führung war fast schon logisch, auch an den zwei folgenden Treffern durch Flum und Stendera war Waldschmidt maßgeblich, an einem von beiden Toren direkt beteiligt. Das 3:1 resultiete aus der ersten wirklich starken Kombination der Frankfurter, ausgelöst von Waldschmidt, der auf Oczipka querlegte, der wiederum scharf hereinflankte und Flum es so einfach wie möglich machte. Durch ein Tor des irgendwie teilnahmslos wirkenden Marc Stendera stand es plötzlich 4:1, ein akzeptables Ergebnis war erreicht. In der Folgezeit probierte die SGE das Tempo, den Spielfluß zu halten, was so lala gelang. Das 5:1 und ein Vollspannschuss zum 6:1 (beide Tore vom recht unkoordinierten Seferovic) versöhnten letztlich, war die erste Halbzeit doch ganz schön zum fürchten.

2015-07-29 Testspiel Eintracht 185

Klar, niemand weiß, ob und wie intensiv die Profis am Morgen vielleicht schon trainiert haben. Das hängt ja auch denen, schließlich sind es auch nur Menschen, in den Knochen. Dazu die Motivationsschere: Für die Amateure ist es ein Top-Ereignis, da wird gerannt und gebissen (sowohl Seferovic als auch Abraham ließen sich je einmal zu Ausbrüchen hinreißen, die in der Bundesliga – begleitet von zig Kameraeinstellungen – mit der bösen Karte hätten belegt werden können), während die Profis im Trudel- und Showmodus sind, bestenfalls mal etwas ausprobieren. Von daher muss man auf die Eindrücke aus dieser Partie noch weniger geben als auf jene aus anderen Vorbereitungsspielen.
Und doch war es interessant, bisweilen verstörend zu sehen, wie problematisch das Aufbauspiel noch zu sein scheint. Takashi Inui, der zwar ein bisschen was versuchte, aber dem kaum etwas gelang, tat sich da ebenso hervor wie der matte Marc Stendera. Auch Marco Russ streute im Aufbauspiel nicht die besten Bälle ein, während David Abraham auffällig oft mit Ball am Fuß das 1gegen1 suchte. Constant Djakpa hatte seine Mühe mit der Ballverteilung, Aigner mit der Ballverarbeitung. Stefan Reinartz zuzuschauen, macht hingegen wirklich Freude, wohingegend sich der im Mittelfeld bekantnermaßen bärenstarke Makoto Hasebe als Rechtsverteidiger erkennbar unwohl fühlt. Gewinner, wenn man das als Profi gegen einen Hessenligisten sein kann, sind Luca Waldschmidt und Bastian Oczipka. Johannes Flum spielte nach seiner Einwechslung okay, auch Aleksandr Ignovski war zumindest nicht viel schwächer als er für Hasebe auf die Rechtsverteidigerposition rückte.

2015-07-29 Testspiel Eintracht 135

Fotos: Björn Wisker / Jan Eiler

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In der Welt der Wundertüten

Zugegeben, der Bremer SV dürfte für Torwart Heinz Lindner ohne Schweißausbrüche zu bewerkstelligen sein. Der VfL Wolfsburg, der in der Folgewoche des DFB-Pokalwochenendes wartet, ist da eine andere Hausnummer. Und das es ja bekanntlich sehr gut für das vermeintlich schwächere Team ist, zu Saisonbeginn auf den einen oder anderen Top-„Klub“ zu treffen (Stichwort Eingespieltheit, Formfindung etc.), wäre es für die auf dem Papier schwächere Mannschaft duchaus sinnvoll, ein homogenes Team samt der besten Spieler beisammen zu haben. Ob das im Tor bereits der Fall ist? Nach allem was man hört, ist der Lindner Heinz ein ganz Guter, aber als Nummer 1 sehen ihn momentan die Wenigsten; ja nicht mal der Verein selbst, wenn man bedenkt, dass man auf der Position personell nachlegen will. Nur verstreichen die Tage, in der man Mr. X Hradecky zu holen gedenkt mehr und mehr. Man war, so viel ist jedenfalls sicher, so ganz und gar nicht vorbereitet auf einen Abschied von Kevin Trapp. Und als dieser sich abzeichnete, war man offenbar nicht in der Lage, halbwegs zügig in die Gänge zu kommen. Zwei Wochen vor Saison-, eine Woche vor Pflichtspielstart, hat man keine klare Nummer 1, man hat dadurch streng genommen nicht mal eine Nummer 2.

Ohnehin geht der Trend nach langem Kicker-Sonderheft-Scouting wohl zur Wundertüte. Der neueste vom unermüdlichen Gerüchte-Boulevard in den Ring geworfene Name lautet Mijat Gacinovic aus Serbien. 20 Jahre jung und schon als Ersatz(!)mann für Takashi Inui beschrieben. Als ob man einen Ersatz für den Japaner bräuchte – man benötigt einen, der das Team voranbringt und der Inui in die Herausforderer-Rolle drängt. Mehr Spitze, weniger Breite. Der Kurs schien ja mit der Verpflichtung von Stefan Reinartz durchaus eingeschlagen, im Jahr zuvor kam bereits ein anderer ausgewiesener Könner mit Makoto Hasebe … das ist die Kategorie Spieler, die dieses, die jedes Team diese paar Prozent verbessern, um vielleicht wirklich den Schritt nach vorne zu machen.
Natürlich ist es gut und richtig, wenn man aus dem Nirgendwo Spieler verpflichtet, die dann einschlagen und – im Idealfall – gewinnbringend verkauft werden können. Die Skepsis unter Eintracht-Fans rührt aber daher, dass das dem Verein noch nicht einmal gelungen ist, Kevin Trapp mal ausgenommen. Sicher, die Hoffnung, dass nun etwa Vaclav Kadlec sportlich etwas bewegt, ist vorhanden. Aber da muss, da sollte man erwartungstechnisch erfahrungsgemäß sehr zurückhaltend sein. In der Vorbereitung läuft so oft so vieles, sind so viele sehr gut.

Zur unendlichen Vertrags-Geschichte mit Carlos Zambrano möchte ich ehrlich gesagt nicht mehr viel schreiben. Ich finde, dass sich ein Klub lächerlich macht, der mit einem Angestellten (mindestens) ein Dreivierteljahr lang verhandelt und zu keinem Ergebnis kommt. Einem Ergebnis weder in die eine, noch die andere Richtung. Wie Eintracht Frankfurt sich auf diese Hängepartie einlassen konnte, so dass es am Ende einmal mehr der Trainer Armin Veh ist, der die Dinge regeln muss – das ist schon grotesk. Dieses Hinterhergetrage von Angeboten, ob da nun ein dubioses Konsortium dranhängt oder nicht, nervt einfach. Zambrano ist, wenn er ruhig spielt und seine Theatralik sein lässt, ein sehr guter Verteidiger. Doch auf zwei, drei abgeklärte Spiele, folgte stets der Rückfall ins (grundlos) Assoziale. Auch das ist Zambrano, auch das sollte man bei der Spielerbewertung, bei Vertragsverhandlungen bedenken. Es ist nicht so, dass der Peruaner völlig unersetzlich wäre. Er ist, wäre es nur dann, wenn man Transfertag um Transfertag , Trainingstag um Trainingstag verstreichen lässt, ohne einen Ersatzmann zu verpflichten. Am Ende zweingen sich die bei der SGE noch selbst dazu, Heiko Westermann an den Main zu lotsen 😉

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Alpha-Kevin guckt in den Geldspeicher

Wer sich mal so richtig in die Gerüchteküche fuchst, stößt auf so manch irrwitzige Personalie, gerne gepaart mit abstrusen Summen. Vor Wochen bereits ging das Unding über die Bühne, dass irgendein englischer Billio-Quadronärs-Klub für dieses Fallobst Shinji Okazaki (natürlich Mainz 05) Unsummen überwies. So ging es dann fröhlich weiter, etwa mit diesem Kevin Wimmer von Köln, jetzt werden für Julian Draxler Beträge durch die Gassen getrieben, die ebenfalls jeder nicht nur betriebswirtschaftlichen Grundlage entbehren.

Eintracht Frankfurt zählt indes weiter die durch den Kevin-Trapp-Verkauf eingenommenen Geldscheine, anstatt sie auszugeben. Seit wenigen Tagen wissen wir auch, wieso: Von den rund zehn Millionen Euro ist nämlich gar nicht so furchtbar viel übrig, da man offenbar mit Erlösen in dieser Größenordnung bereits rechnete als man in der Vergangenheit Verträge verlängerte. Man ging also in Vorleistung, spekulierte.
Jetzt erkläre mir nur jemand mal einen Widerspruch: Welche Verträge sind denn derart kostspielig verlängert worden, außer jener von demjenigen, den man Monate nach der Gehaltserhöhung verkauft hat? Wäre man bei der SGE tatsächlich davon ausgegangen, dass (Stamm)Spieler für Vertragsverlängerungen anderer (Stamm)Spieler verkauft werden müssen, mit wem rechnete man denn da so? Wer außer Trapp besaß, besitzt / besaß denn einen vergleichbaren Marktwert? Carlos Zambrano, dem man mit Mühe und Not eine 1,5-Millionen-Ausstiegsklausel ins Vertragswerk dichten konnte? Der 32-jährige Alexander Meier wird es nicht gewesen sein, ebenso wenig Makoto Hasebe. Bleiben nur Stefan Aigner oder Marc Stendera, die man als Spekulationsobjekte in petto hat(te). Ein bisschen mager, allen jährlich höher werdenden Mondpreisen zum Trotz.

Trotz allem wird auf dem Giro-, natürlich nicht dem heiligen Festgeldkonto noch der eine oder andere Taler herumliegen. Konservativ gerechnet sollten das irgendetwas zwischen drei und fünf Millionen Euro sein. Den dänisch-finisch-slowakischen Keeper wird man so für 1,5 Millionen bekommen, womit noch gut und gerne drei bis 3,5 Millionen für einen Linksaußen bleiben. Da ploppte nun sogar der Name des beim Hergensverein nun unglücklichen Kevin Großkreutz auf. Ein Alpha-Kevin also. Der wird sich, wenn da wirklich ein Kontakt bestand, das Angebot kurz angeschaut und sofort rückgefragt haben, ob das Fax-Gerät die Gehaltssumme unleserlich, falsch gedruckt hat oder Seiten bei der Datenübertragung verloren gegangen sind. Oder er unterhielt sich kurz mit Roman Weidenfeller.

Der Handlungsbedarf auf der Position des linken offensiven Mittelfeldspielers scheint in Frankfurt täglich weiter abzunehmen, da man sich der Leistung(ssteigerung) des Japaners Takashi Inui sicher ist. Wenn sie sich da mal nicht blenden lassen. Inui sticht in fast allen Eintracht-Spielen heraus, ganz einfach deshalb, weil er wuselig ist, ein Dribbler, Fuddler, einer, der Schwung in die Angriffe bringt. Das konnte man ihm nie absprechen. Aufgrund dieser Schein-Agilität ist der erste Eindruck oft positiv, nach dem Motto „er macht,er versucht ja was“. Das ihm aber seit nunmehr drei Jahren so gut wie jede Effektivität abgeht, dass er an schlechten Tagen – von denen es in den vergangenen zwei Jahren weitaus mehr gab als gute – ein Sicherheitsrisiko ist und selbst an guten seine Schwächen schwerlich übertünchen kann, droht abermals vergessen, aktiv ignoriert zu werden.
Die Aussagen etwa von Trainer Armin Veh, wonach der noch zu verpflichtende Linksaußen durchaus einer sein könne, der erstmal die zweite Geige spiele, lassen Böses erahnen. Am Ende verpflichtet der Klub auch auf dieser Position eine Wundertüte.

Bemerkenswert sind in diesen Tagen die Interviews, die die Spieler – von Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing ganz zu schweigen – der #Lügenpresse geben. Alle sprechen die Bindung zu Armin Veh an, alle sprechen von der passenden Chemie, dem Klima im Team. Nix mehr mit einer, besenfalls, nüchternen Arbeitsbeziehung wie in der Vorsaison unter Thomas Schaaf. Nicht ein Spieler, den bezeichnenderweise vertragsaufgelösten Nelson Valdez außen vor gelassen, äußerte sich in der Vergangenheit so klar positiv zu Schaaf, wie es in Bezug auf Veh getan wird.
Würden wir in einer Gesellschaft, in einer Welt leben, in der Leute noch Rückgrat hätten, so etwas wie Empathie empfänden, müssten in diesen Tagen Tausende den Kotau gegenüber den Analysten etwa der „Frankfurter Rundschau“ machen, Entschuldigungs-Schreiben in der Ehrlichkeit aufsetzen, wie sie vorher Drohmails an die Redaktionen schrieben. Wird aber, natürlich, nicht passieren.

Was solls. Wichtig ist, dass der Kurs der Mannschaft wieder zu stimmen scheint. Arbeitserfolg und Atmosphäre hängen dicht zusammen, von daher ist zu hoffen, dass die Vorbereitung – und das nicht als Worthülse, die 18 von 18 Bundesligatrainern jährlich aufs Neue runterdiktieren – „positiv“ verläuft, sich auch so auf Ergebnisse und Spielweise auswirkt. Meinetwegen in einem 1-1-8-System mit Bällen hintenrausprügeln, Hautpsache es ist wieder ein System, eine Idee, ein gewollter Weg zum Erfolg erkennbar. Solange es keinen Zufalls-Fußball á la Trainerimitat oder Schaaf gibt, bin ich persönlich zufrieden; denn dass die Spieler von Eintracht Frankfurt kicken können, haben sie selbst im spielerisch trüben 2014/2015 gezeigt, als sie es zeigen durften.

In diesem Sinne: Noch ein Dutzend Mal schlafen, dann wird der Bremer SV mit 3:0 wegspaziert.

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Eine Wahl für Herz und Seele

Alexander Meier ist neuer Kapitän von Eintracht Frankfurt, sein Stellvertreter ist Marco Russ. Damit ist genau die Spieler-Achse nun formal das, was sie sein sollte: ein Vorbild.

Auch, wenn viele das gerne anders sehen, zumindest sahen und dann wohlfeil in den (Pro) Mainstream-Meier-Kurs einschwenkten: Er verdient das. Über Leistung, klar, das seit zehn Jahren. Über Treue, das seit zehn Jahren. Über das Angenehm-Anderssein, das seit zehn Jahren. Über den (Trainings)Fleiß, der ihm seit Jahren nachgesagt wird.
So seltsam es auch ist, so Anti-Star er auch ist, Alexander Meier verkörpert etwas, das es in Frankfurt seit fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr gab – einen Klassespieler, einen Könner, eine Identifikationsfigur, die das in erster Linie und über einen brutal steinigen Weg der Anfeindungen seitens der Anhänger über den Faktor Leistung geschafft hat. Auch wenn Tausende SGE-Fans sieben, acht Jahre benötigten um das Offensichtliche und Langevorhandene zu erkennen, hat Meier letztlich alle versöhnt. Dafür brauchte er keine Worte, davon nutzt er sowieso wenig, sondern mehr als so viele andere, waren es Taten: Nicht nur Tore, nicht nur Vorlagen, es war das Bekenntnis zum Klub gepaart mit einer weiteren Leistungsexplosion genau in dem Moment, wo es die Wenigsten erwartet hätten.
Es kann in diesem Kader, für diese Mannschaft, für diesen Verein keine bessere Wahl geben, als ihn.

Ähnliches gilt auch für Stellvertreter Marco Russ. Nach seiner Saison beim VfL Wolsburg, wo er, was viele vergessen, kein reiner Bankdrücker oder gar Tribünengast war, kehrte er dorthin zurück, wo er hingehört. In der Jugend Eintrachtspieler, Teil des Eintracht Frankfurts, das strukturell wie sportlich die Diva abschüttelte, integriert in das Notnagel-Team von Trainer Friedhelm Funkel Mitte der 2000er. Sportlich genügt Russ den Ansprüchen eines Mittelklassevereins, er ist ein Reinhänger und mehr als das auch ein grundsolider Spieler. Seine Wortgewalt, die manchen bisweilen nerven wird, ist ein Pfund, das man nicht unterschätzen sollte. Selbst der viel gescholtene Seitenhieb gegen SGE-Legende Jürgen Grabowski war alles andere als falsch. Russ hatte (in meinen Augen) mit seinen Aussagen Recht, zumal im Kontext der Situation.
Für den Defensivspieler ist die Wahl von Trainer Armin Veh jedenfalls ein Fingerzeig, der ihm über die Ehre hinaus gefallen dürfte. Denn da Meier bis in den Herbst nicht spielen, und somit das Team nicht aufs Feld führen kann, wird der Coach dessen Ersatz-Anführer als Stammspieler sehen, den Vertreter nicht vertreten lassen.

Natürlich wird, Bindentragen hin oder her, Stefan Aigner neben Russ und Meier eine Führungsrolle einnehmen. Es würde nicht wundern, wenn er, sobald auch Russ nicht spielt, das Team als Kapitän aufs Feld führt. Auch Bastian Oczipka ist ein Kandidat wenigstens für die Position des „dritten formalen Chefs“, ist er doch seit geraumer Zeit einer der öffentlich am häufigsten auftretenden Spieler.
Makoto Hasebe, gut und gitfig wie er ist, hingegen braucht die Kapitänsbinde für den Führungsanspruch nicht, da er auf dem Feld sowieso der unangefochtene Karabinerhaken ist. Über ihn ging und geht diese Mannschaft, er hatte und hat das Team an der Hand.
Carlos Zambrano ist spätenstens seit dem Vertragsverlängerungs-Versprechen und den nun aufkommenden Gerüchten rund um einen (finanziell für ihn sicher lukrativen) Türkei-Wechsel kaum noch tragbar, schon gar nicht als Kapitän. Dafür zieht sich die ganze Geschichte zu lange, es sei daran erinnert: November 2014 gab es das erste Vertragsangebot.

Frohen Mutes stimmt den Fan indes, dass Armin Veh den Fuddler Takashi Inui verbal aufbaut, ihn in der Vorbereitung bislang sehr stark sieht. Das deckt sich mit den Eindrücken, die von den Beobachtern, den Journalisten überbracht werden. Wüsste man nicht, dass sich das bei Inui ganz schnell als Strohfeuer entpuppen kann, könnte man ja Hoffnungen hegen …

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Eine Nummer zwei – gleich dreimal

Lukas Hradecky, ein Torhüter, gemixt aus finnischem, slowakischem und dänischem Können, soll also der Stangenmann für Eintracht Frankfurt werden. Erleichterung, geschweigedenn Euphorie ruft so ein Transfer nicht gerade hervor. Kevin Trapp, so vernünftig sein Verkauf war, ist ja nun auch nicht irgendein Keeper gewesen. Hinter Manuel Neuer, Bernd Leno und Marc-Andre ter Stegen, ist das Ex-Eintracht-Gesicht, der transferierte Kurzzeit-Kapitän wohl der viertbeste deutsche Torwart. Und ihn zu ersetzen, das versucht die SGE nun wohl mit gleich drei Wundertüten: Besagter 25-jähriger Hradecky, der gleichaltrige Österreicher Heinz Lindner und das Aserbaidschan-Ass Emil Balayev.

Böse Zungen behaupten, dass alle drei zusammen die Qualität Trapps besitzen und ihn so vielleicht ersetzen könnten. Doof nur, dass man nicht drei Keeper auf die Linie stellen kann. Nun gut, soweit sollte man wahrlich nicht gehen, damit täte man jedem der Spieler Unrecht, zumal nicht ein Fan irgendeinen dieser Torhüter beurteilen kann. Dafür braucht es zumindest mal vier, fünf Spiele.

Und doch lässt einen diese Entwicklung auf der Torwartposition etwas ratlos zurück. Welche Meinung soll man schon zu Spielern haben, die in eher schwachen Fußballligen zu den besten auf ihrer Position zählen? Sicher, gelobt, gewürdigt wird jeder potentielle Neuzugang, jeder herbeigerüchtete Kicker, überall, immer. Stärken hier, Qualitäten da, Potential hier, Einstellung da – irgendwo jemals gelesen oder gehört, dass ein Profispieler (zu) schlecht (für das jeweilige Team) wäre? Eine Granate ist im Jargon, in der Szene doch jeder, erinnert sei etwa an Leonard Kweuke.

Der Konkurrenzkampf im Tor wird jedenfalls so offen sein, wie lange nicht. Selbst das Duell Markus Pröll / Oka Nikolov war eindeutiger. Eine klare Nummer eins, eine faktisch geschaffene Hierachie – ob das nun Kalkül ist oder aus der schieren Not geboren – gibt es bei Eintracht Frankfurt 2015/2016 jedenfalls nicht, sollte man sich für (einen wie) Hradecky entscheiden. Mit diesem Konstrukt, daran sei der Fußballfan erinnert, haben in den vergangenen drei Jahren mehrere Bundesligisten schlechte Erfahrungen gemacht. Werder Bremen mit dem Duo Wolf/Mielitz, Hamburger SV mit Adler/Drobny und VfB Stuttgart mit Ulreich/Kirschbaum. Stabile Defensiven, Torhüter als Rückhalt – das waren Attribute, die in diesen Fällen nicht zutrafen. Auch 18,99 Euro Hoppenheim fehlte, wenn auch zwischenzeitlich aus anderen Gründen, in der Saison 2012/2013 die Festlegung, dort kamen gleich drei Torhüter zu respektablen Einsatzzeiten (16 / 10 / 9). Und auch bei den sympathischen Kraichgauern (!) war das – wie bei den oben genannten Teams – eine Schießbuden-Saison, es hagelte 67 Gegentore, gleichbedeutend mit Rang 16 und dem Fast-Abstieg.

Das ist die Geschichte, die kein Trend sein muss. Der Eintracht jedoch Warnung sein sollte. Man entschied sich offenbar gegen einen der prinzipiell auf dem Markt verfügbaren Routiniers; wie man hört, vor allem aus finanziellen Gründen. Die Hoffnung der Fans, des Autors jedenfalls, ist, dass sich das nicht als Fehlentscheidung herausstellt. Hradecky, Lindner – das kann klappen. Es ist die risikoreiche Variante; in einem Land, in dem Torhüter seit Jahrzehnten wetlweit so ziemlich am besten ausgebildet werden. So viel Mut, um von Tollkühnheit nicht zu sprechen, hätte man sich bei der Eintracht mal in Bezug auf die Jugend-Integration oder die Verpflichtung von so manchem offensiven Feldspieler gewünscht. Auf diesen Positionen gibt es ein paar mehr Alternativen, Ersatzmöglichkeiten, als im Tor; gerade, wenn man zwei, drei hat, von denen man nicht so recht weiß … Vielleicht sind das ja aber auch Keeper-Knaller, kann ja auch sein.

Wir haben gerade von Feldspielern gesprochen (wahnsinnige und völlig zufällige Überleitung, nice!): Nico Schulz von Hertha BSC Berlin, will weg, hinfort aus der Hauptstadt. Der Mann ist Linksfuß, soll vorne wie hinten rumlaufen können. Hat bei diesem leblosen U21-Turnier vor ein paar Wochen mitgespielt und zählte da, bei den zwei Spielen, die ich mir anschauen musste, noch zu den besseren. Einer für die Eintracht? Nicht ganz ausgeschlossen. Königstransfer wäre er auch nicht. Und irgendwo hin müssen diese rund 10 Millionen Euro ja wandern, die Frankfurt über den Trapp-Verkauf eingenommen hat. Rund 2 Millionen für den Fin-Dänen-Slowaken im Tor, drei, vier Millionen auf das heilige Festgeldkonto – und die restlichen Unsummen in ein Beinpaar, wo der linke Fuß der fähigere ist, richtig?!

Grundsätzlich bin ich jedenfalls wesentlich zuversichtlicher, als vor und in der vergangenen Saison. Nach allem, was man mitbekommt, sitzen die Neuzugänge bisher und vor allem ist die Stimmung eine andere, eine bessere; das Schaaf-Mürre-Gespenst ist vertrieben, der Grauschleier gelüftet. Das ist die halbe Miete, denn kicken konnten sie die Spieler ja sogar unter dem Rauten-Relikt aus Mannheim – wenn sie sich von den Vorgaben lossrissen 😉

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Stockend

Das mit dem Linksaußen, das mit dem Torwart, das mit Zambrano, das mit der Rechtsverteidigung läuft irgendwie. Nicht. Eintracht Frankfurt droht derzeit, mit denselben und vor allem bekannten und benannten Schwachstellen wie in der vergangenen Saison in die Runde zu gehen. Wie schon so oft in der Vergangenheit, werden Transfers immer weiter aufgeschoben. Im ersten Trainingslager soll dieser und jener dabei sein. Nicht. Nun gut, dann im zweiten. Nicht. Irgendwann rückt dann der 31. August, wo wieder mal die fallenden Preise herbeizitiert werden, immer näher. Die ersten zwei, drei Spiele sind dann gespielt, die ersten neun Punkte vergeben. Und so verging und vergeht die Zeit, so verging und vergehen die Chancen, ein eingespieltes Team zusammenzustellen, um die Maximalwahrscheinlichkeit auf Maximalpunktausbeute zu gewährleisten.

Kein Fan sollte sich etwas vormachen: Mannschaften wie Eintracht Frankfurt, um nicht zu sagen alle Teams außer den fünf, sechs Großkopferten / finanziell Gepämperten, können nur über die absolute sportliche Geschlossenheit Erfolg haben. Mangelt es an Individualisten, an den überragenden Kickern, kann es nur das Kollektiv – eine erste Elf plus fünf, sechs Rotationsspieler, die auf der Höhe sind – richten. Doch das gelingt nur, wenn man trainiert, trainiert, trainiert und will, will, will. Eine sechswöchige Vorbereitung mit 18,19,20 Spielern, bringt einem Team aber nicht das Optimum, wenn von diesen rund 20 ein Drittel nicht wirklich für das große Ganze eingeplant ist (aus durchaus nachvollziehbaren, in der Qualität bedingten Gründen) und gut ein Viertel der Startelf noch nicht mal im Training, weil nicht vertraglich gebunden sind.
Die Rede ist zum einen von Innenverteidiger Carlos Zambrano, der bis 31. August für läppische 1,5 Millionen Euro wechseln könnte. Er stehe bei der Eintracht im Wort, dass er nicht wechselt, heißt es. Ein Hüsteln, gepaart mit einem erschöpften Lächeln erntet der Klub für diese Haltung. Es sei an Patrick Helmes oder so manch anderen Spieler erinnert, der bei Sportdirektor Bruno Hübner via SMS, Whatsapp und Co im Wort stand.
Die anderen, abermals zum x-ten Mal thematisierten Baustellen (Plural!) sind die nötige Verpflichtung eines Linksaußens und Torhüters. Das sind keine optionalen Geschichten, kein kann, muss aber nicht. Auf dem Flügel ist Takashi Inui derzeit quasi konkurrenzlos gesetzt. Ein Spieler, bei dem man bis auf ein starkes Halbjahr und eine alle paar Wochen einmalig aufblitzende Top-Aktion, nichts gesehen hat, schon gar keine Entwicklung. Inui ist ein Schwungraddreher – an den wenigen guten Tagen. Inui ist an normalen Tagen ein Ballvertendeler, an schlechten ein reines Sicherheitsrisiko. Mag man angesichts dieser Verteilung wirklich am Glücksspiel teilnehmen?
Der größte Konkurrent des Japaners ist bezeichnenderweise Vaclav Kadlec, ein gelernter Stürmer. Der in den Heimatschoß vertriebene Wunschspieler, den man bis zur Verletzung beim Jugendnationalmannschafts-Turnier ziemlich umstandslos verkauft hätte, ist plötzlich zum Hoffnungsträger mutiert. Weniger für den Sturm, wo er mal eingeplant war und eine andere als die physische Spielweise á la Seferovic/Castaganios hineintragen könnte, sondern für die linke Außenbahn. Dort, und das sollten Fans nicht bei Seite schieben, erfordert die Aufstellung von Kadlec statt beispielsweise Inui eine ganz andere Spielweise – vom gesamten Team. Denn Kadlec wäre mit Sicherheit dazu angehalten, noch deutlich aggressiver in die Mitte zu ziehen, als Inui das bereits tut. Zumal in einem etwaigen 4-4-2, das Trainer Armin Veh derzeit wohl verstärkt trainieren lässt. In eben jenem System braucht es klassische Flügelspieler, Flankenschläger – nur im 4-2-3-1, wo der dem Ballführenden gegenüberspielende Außen als Sturmverstärkung bei Angriffen zwigend einrücken soll, könnnte die Variante Kadlec funktionieren. Allerdings darf bezweifelt werden, dass Kadlec in Bezug auf die Defensivarbeit wesentlich bessere Anstalten betreibt, als Inui das tat und tut. Nach dem nun bestätigten Muskelfaserriss bei Angreifer Luc Castaignos, ist der Weg für den (f)linken Inui auf links jedenfalls freier als für Kadlec der Weg ins Sturmzentrum.
Wenn man die Äußerungen Vehs aus den vergangenen zwei, drei Tagen (über)interpretieren will, scheint das mit der Linksaußenverpflichtung auf der Prioritätenliste – mal wieder – nach unten gerückt zu sein. Man hätte ja noch die Variante Bastian Oczipka oder Constant Djakpa …

Im Tor herrscht nach dem nunmehr doch eine Weile zurückliegenden Verkauf von Kevin Trapp weiterhin Handlungsbedarf. Die rund zehn Millionen eingenommenen Euro schmoren scheinbar selig auf dem Festgeldkonto. Einen erfahrenen Torwächter, Roman Weidenfeller, Tom Starke, Jaroslav Drobny, will man nicht – oder kann man nicht bezahlen. In Bundesliga 1 und 2 bleiben indes personell nicht viele Möglichkeiten. Eine Nummer Eins der Konkurrenz zu verpflichten, etwa Sven Ulreich, der vom VfB Stuttgart zu Bayern München wechselte, dürfte ausgeschlossen sein. An Nummer Zweien, zumal solchen, denen eine Trapp-Nachfolge qualitativ zuzutrauen wäre – da herrscht Ebbe. Zu Felix Wiedwald ist alles gesagt.
Wie schon vor einigen Tagen geschrieben, bleibt innerhalb der Bundesliga nur Wolfsburgs Belgier Koen Casteels – einst Stamm-Wackel-Wächter der Mäzen-Mannschaft Hoppenheims. Der Konzernklub hat mit Max Grün einen zweite/dritten Torhüter, der 28 Jahre und somit auch keiner für die SGE ist. Oder? Immer mal wieder genannt wird der Ex-Schalker Lars Unnerstall (25), der seinen Torwartposten bei Düsseldorf an Michael Rensing (ja, den gibt es noch) zu verlieren droht. Der Ex-Fortune und Fährmann-Ersatz bei Gazprom 04 Fabian Giefer (25) dürfte nach der Ausleihe des letzte Saison verlässlich wackeligen Timo Wellenreuther auch nicht mehr zu haben sein. Torsten Kirschbaum, einer von gefühlt zehn Stuttgarter Ersatz-Torhütern, kann den Ansprüchen vermutlich ebenso wenig gerecht werden wie Bremer Pannen-Keeper á la Raphael Wolf oder Richard Strebinger (der aber ohnin zum 1. Juli nach Österreich wechselte).

Die Konsequenz ist klar: Die Eintracht muss sich eine Wundertüte kaufen, im Ausland nach einem Ersatz für Trapp angeln, so, wie es sich anhand der Namen Matthew Ryan und Francesco Bardi bereits abgezeichnet hat. Neben dem Österreicher Heinz Lindner und dem Aserbaidschaner Emil Balayev, wird im Land der am besten ausgebildeten Torhüter also vermutlich kein Deutscher zwischen den Pfosten stehen (können). Das ist bemerkenswert, um nicht zu sagen peinlich.

Einzig auf der Position des Rechtsverteidigers sehe ich, allem Geflickschuster mit Makoto Hasebe oder anderen zum Trotz, weniger Handlungsbedarf als angenommen. Timothy Chandler wird in der kommenden Saison, sofern er in Form ist, besser aussehen als vergangene Runde. Aldiweil Stefan Aigner eine andere Rolle einnehmen wird als Schaaf sie ihm und anderen verordnete. Ergo: Chandler wird wieder mehr Hilfe bekommen.

Unabhängig von all diesen doch seltsamen (Nicht)Entwicklungen, scheint es sich ja ganz gut anzulassen bei und mit der Mannschaft. Auch die Stimmung soll, wie aus Spieler-Interviews und Beobachtungen der #Lügenpresse hervorgeht, deutlich besser sein als unter Ex-Trainer Thomas Schaaf. Jenem Schaaf, für den sich so viele Eintracht-Fans mit Verve in die Verteidigungslinie warfen, um all die Lügen und Intrigen, die gegen ihn von der #Lügenpresse gesponnen wurden, abzuwehren. Was Eintracht-Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing dazu zu sagen hat, kann sich jeder im Kicker auf mehreren Seiten durchlesen (kostet aber Geld, gibts nicht für umme im Internet).

Stefan Reinartz scheint sich jedenfalls als der erwatbar gute Griff zu entpuppen, eine Doppelsechs mit ihm und Hasebe sowie einer Innenverteidigung Zambrano plus Bamba Anderson … das könnte sich sehen lassen. Auch dieser David Abraham scheint ja kein Blinder zu sein, was man so mitbekommt. Immerhin wird diesmal nicht gegen Kellnerauswahlen aus Norderney gekickt und es wird sich nicht gegen Serviette Genf zu Tagen der offenen Tore gerumpelt.
Aber wie jede Saison aufs Neue, wird man erst Ende August, spätestens nach der Länderspielpause Mitte September wissen, wie gut oder schlecht tatsächlich in der Vorbereitung gearbeitet worden ist.

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