Stockend

Das mit dem Linksaußen, das mit dem Torwart, das mit Zambrano, das mit der Rechtsverteidigung läuft irgendwie. Nicht. Eintracht Frankfurt droht derzeit, mit denselben und vor allem bekannten und benannten Schwachstellen wie in der vergangenen Saison in die Runde zu gehen. Wie schon so oft in der Vergangenheit, werden Transfers immer weiter aufgeschoben. Im ersten Trainingslager soll dieser und jener dabei sein. Nicht. Nun gut, dann im zweiten. Nicht. Irgendwann rückt dann der 31. August, wo wieder mal die fallenden Preise herbeizitiert werden, immer näher. Die ersten zwei, drei Spiele sind dann gespielt, die ersten neun Punkte vergeben. Und so verging und vergeht die Zeit, so verging und vergehen die Chancen, ein eingespieltes Team zusammenzustellen, um die Maximalwahrscheinlichkeit auf Maximalpunktausbeute zu gewährleisten.

Kein Fan sollte sich etwas vormachen: Mannschaften wie Eintracht Frankfurt, um nicht zu sagen alle Teams außer den fünf, sechs Großkopferten / finanziell Gepämperten, können nur über die absolute sportliche Geschlossenheit Erfolg haben. Mangelt es an Individualisten, an den überragenden Kickern, kann es nur das Kollektiv – eine erste Elf plus fünf, sechs Rotationsspieler, die auf der Höhe sind – richten. Doch das gelingt nur, wenn man trainiert, trainiert, trainiert und will, will, will. Eine sechswöchige Vorbereitung mit 18,19,20 Spielern, bringt einem Team aber nicht das Optimum, wenn von diesen rund 20 ein Drittel nicht wirklich für das große Ganze eingeplant ist (aus durchaus nachvollziehbaren, in der Qualität bedingten Gründen) und gut ein Viertel der Startelf noch nicht mal im Training, weil nicht vertraglich gebunden sind.
Die Rede ist zum einen von Innenverteidiger Carlos Zambrano, der bis 31. August für läppische 1,5 Millionen Euro wechseln könnte. Er stehe bei der Eintracht im Wort, dass er nicht wechselt, heißt es. Ein Hüsteln, gepaart mit einem erschöpften Lächeln erntet der Klub für diese Haltung. Es sei an Patrick Helmes oder so manch anderen Spieler erinnert, der bei Sportdirektor Bruno Hübner via SMS, Whatsapp und Co im Wort stand.
Die anderen, abermals zum x-ten Mal thematisierten Baustellen (Plural!) sind die nötige Verpflichtung eines Linksaußens und Torhüters. Das sind keine optionalen Geschichten, kein kann, muss aber nicht. Auf dem Flügel ist Takashi Inui derzeit quasi konkurrenzlos gesetzt. Ein Spieler, bei dem man bis auf ein starkes Halbjahr und eine alle paar Wochen einmalig aufblitzende Top-Aktion, nichts gesehen hat, schon gar keine Entwicklung. Inui ist ein Schwungraddreher – an den wenigen guten Tagen. Inui ist an normalen Tagen ein Ballvertendeler, an schlechten ein reines Sicherheitsrisiko. Mag man angesichts dieser Verteilung wirklich am Glücksspiel teilnehmen?
Der größte Konkurrent des Japaners ist bezeichnenderweise Vaclav Kadlec, ein gelernter Stürmer. Der in den Heimatschoß vertriebene Wunschspieler, den man bis zur Verletzung beim Jugendnationalmannschafts-Turnier ziemlich umstandslos verkauft hätte, ist plötzlich zum Hoffnungsträger mutiert. Weniger für den Sturm, wo er mal eingeplant war und eine andere als die physische Spielweise á la Seferovic/Castaganios hineintragen könnte, sondern für die linke Außenbahn. Dort, und das sollten Fans nicht bei Seite schieben, erfordert die Aufstellung von Kadlec statt beispielsweise Inui eine ganz andere Spielweise – vom gesamten Team. Denn Kadlec wäre mit Sicherheit dazu angehalten, noch deutlich aggressiver in die Mitte zu ziehen, als Inui das bereits tut. Zumal in einem etwaigen 4-4-2, das Trainer Armin Veh derzeit wohl verstärkt trainieren lässt. In eben jenem System braucht es klassische Flügelspieler, Flankenschläger – nur im 4-2-3-1, wo der dem Ballführenden gegenüberspielende Außen als Sturmverstärkung bei Angriffen zwigend einrücken soll, könnnte die Variante Kadlec funktionieren. Allerdings darf bezweifelt werden, dass Kadlec in Bezug auf die Defensivarbeit wesentlich bessere Anstalten betreibt, als Inui das tat und tut. Nach dem nun bestätigten Muskelfaserriss bei Angreifer Luc Castaignos, ist der Weg für den (f)linken Inui auf links jedenfalls freier als für Kadlec der Weg ins Sturmzentrum.
Wenn man die Äußerungen Vehs aus den vergangenen zwei, drei Tagen (über)interpretieren will, scheint das mit der Linksaußenverpflichtung auf der Prioritätenliste – mal wieder – nach unten gerückt zu sein. Man hätte ja noch die Variante Bastian Oczipka oder Constant Djakpa …

Im Tor herrscht nach dem nunmehr doch eine Weile zurückliegenden Verkauf von Kevin Trapp weiterhin Handlungsbedarf. Die rund zehn Millionen eingenommenen Euro schmoren scheinbar selig auf dem Festgeldkonto. Einen erfahrenen Torwächter, Roman Weidenfeller, Tom Starke, Jaroslav Drobny, will man nicht – oder kann man nicht bezahlen. In Bundesliga 1 und 2 bleiben indes personell nicht viele Möglichkeiten. Eine Nummer Eins der Konkurrenz zu verpflichten, etwa Sven Ulreich, der vom VfB Stuttgart zu Bayern München wechselte, dürfte ausgeschlossen sein. An Nummer Zweien, zumal solchen, denen eine Trapp-Nachfolge qualitativ zuzutrauen wäre – da herrscht Ebbe. Zu Felix Wiedwald ist alles gesagt.
Wie schon vor einigen Tagen geschrieben, bleibt innerhalb der Bundesliga nur Wolfsburgs Belgier Koen Casteels – einst Stamm-Wackel-Wächter der Mäzen-Mannschaft Hoppenheims. Der Konzernklub hat mit Max Grün einen zweite/dritten Torhüter, der 28 Jahre und somit auch keiner für die SGE ist. Oder? Immer mal wieder genannt wird der Ex-Schalker Lars Unnerstall (25), der seinen Torwartposten bei Düsseldorf an Michael Rensing (ja, den gibt es noch) zu verlieren droht. Der Ex-Fortune und Fährmann-Ersatz bei Gazprom 04 Fabian Giefer (25) dürfte nach der Ausleihe des letzte Saison verlässlich wackeligen Timo Wellenreuther auch nicht mehr zu haben sein. Torsten Kirschbaum, einer von gefühlt zehn Stuttgarter Ersatz-Torhütern, kann den Ansprüchen vermutlich ebenso wenig gerecht werden wie Bremer Pannen-Keeper á la Raphael Wolf oder Richard Strebinger (der aber ohnin zum 1. Juli nach Österreich wechselte).

Die Konsequenz ist klar: Die Eintracht muss sich eine Wundertüte kaufen, im Ausland nach einem Ersatz für Trapp angeln, so, wie es sich anhand der Namen Matthew Ryan und Francesco Bardi bereits abgezeichnet hat. Neben dem Österreicher Heinz Lindner und dem Aserbaidschaner Emil Balayev, wird im Land der am besten ausgebildeten Torhüter also vermutlich kein Deutscher zwischen den Pfosten stehen (können). Das ist bemerkenswert, um nicht zu sagen peinlich.

Einzig auf der Position des Rechtsverteidigers sehe ich, allem Geflickschuster mit Makoto Hasebe oder anderen zum Trotz, weniger Handlungsbedarf als angenommen. Timothy Chandler wird in der kommenden Saison, sofern er in Form ist, besser aussehen als vergangene Runde. Aldiweil Stefan Aigner eine andere Rolle einnehmen wird als Schaaf sie ihm und anderen verordnete. Ergo: Chandler wird wieder mehr Hilfe bekommen.

Unabhängig von all diesen doch seltsamen (Nicht)Entwicklungen, scheint es sich ja ganz gut anzulassen bei und mit der Mannschaft. Auch die Stimmung soll, wie aus Spieler-Interviews und Beobachtungen der #Lügenpresse hervorgeht, deutlich besser sein als unter Ex-Trainer Thomas Schaaf. Jenem Schaaf, für den sich so viele Eintracht-Fans mit Verve in die Verteidigungslinie warfen, um all die Lügen und Intrigen, die gegen ihn von der #Lügenpresse gesponnen wurden, abzuwehren. Was Eintracht-Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing dazu zu sagen hat, kann sich jeder im Kicker auf mehreren Seiten durchlesen (kostet aber Geld, gibts nicht für umme im Internet).

Stefan Reinartz scheint sich jedenfalls als der erwatbar gute Griff zu entpuppen, eine Doppelsechs mit ihm und Hasebe sowie einer Innenverteidigung Zambrano plus Bamba Anderson … das könnte sich sehen lassen. Auch dieser David Abraham scheint ja kein Blinder zu sein, was man so mitbekommt. Immerhin wird diesmal nicht gegen Kellnerauswahlen aus Norderney gekickt und es wird sich nicht gegen Serviette Genf zu Tagen der offenen Tore gerumpelt.
Aber wie jede Saison aufs Neue, wird man erst Ende August, spätestens nach der Länderspielpause Mitte September wissen, wie gut oder schlecht tatsächlich in der Vorbereitung gearbeitet worden ist.

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8 Kommentare

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8 Antworten zu “Stockend

  1. Eintrachtfan_Hamburg

    na Gott sei Dank, scheint der Wundertütenkelch Sam an uns vorbei zugehen. Zuletzt hat er das Können, das ihm nachgesagt wird in Lev’ku gezeigt. Darüber hinaus, hat er mehrfach bewiesen, dass man seinen Charakter zumindest anzeifeln kann, u. a. die Art und Weise des Wechsels von Lev’ku zu Schlacke04, usw.. Vom Finanziellen ganz zu Schweigen, denn selbst 50% von 4mio/a sind mir für so Einen noch zu gewagt. Und den 1,52m Knappen von Held, würde ich schon mal gar nicht finaziell entlasten wollen, mit seiner „GeldumsichschmeißPolitik“. Da muss auf LA Besseres in den Datenbanken schlummern!
    Die Causa Sebi würde ich, trotz großer Symathie, auch erst mal bis Vertragsende schließen. Denn, da ist der Sebi auch nicht ganz unschuldig dran (Reus hat Gl’bach damals wenigstens noch von seinem Wechsel nach DO antizipieren lassen/Klausel hochsetzen), wenn man ihn für lumpige 2,5mios nach Golfsburg ziehen lassen muss, ist es nicht vertretbar, diesem Konzern-Club nach 1-2 Jahren eine Rendite von 2mios an einem Königsteiner (Hesen!!!) Spieler zu bescheren, alleine schon aus Prinzip! Da muss man den nachkommenden Jungs straight demonstrieren „wenn du meinst du musst gehen, dann geh, aber denke daran, wenn es nicht so läuft ->Spass kost!“ ….in manchen Fällen Einsatzzeit und der Spaß am Spiel…

    m. M.

    ps. viell. mal bis zur Winterpasue mit Heinz einsteigen, bei 2-3 Böcken über dem Schnitt kann man immer noch aktiv werden. Wer hätte dem Wiedwald die Leistung zugetraut auch mal mutig sein, mit dem was man hat!

  2. Pingback: #Link11: No need for a name | Fokus Fussball

  3. Jermaine Jones Junior

    Der neue Torwart soll bald kommen. Laut Hübner ist die Verpflichtung deswegen so kompliziert, weil der Neue sich in der letzten Vorbereitungsphase seines Vereins befindet. Das deutet darauf hin, dass er im Ausland rekrutiert.
    Was den neuen rechten Verteidiger angeht, bin ich zuversichtlich, dass Sebastian Jung nach dem ersten Bundesliga-Spiel zu uns wechselt wird.

    • … beides fände ich, wie aus dem Beitrag wohl hervorgeht, ungut. A) ist die RV-Position in der Tat tertiär, mit Hasebe, der das wohl gut macht, und Timothy Chandler, der unter Veh andere Arbeitsaufgaben als unter Schaaf bekommen wird, ist man da okay besetzt.
      B) Aus dem Ausland Torhüter (!) zu verpflichten, halte ich angesichts des Ausbildungsstands für Humbug. Bisher hat jeder Geryy-Ehrmann-Aufpump-Keeper es zu mehr gebracht als ein Internatinaler, selbst hochgelobte wie Langerak waren und sind keine Konkurrenz für die Kategorie Trapp/Leno/ter Stegen, ja nicht mal für Ullreich/Zieler/Baumann.

    • Lukas Hradecky. Finnland. Slowakei. Dänemark. Wilde Mischung. Wundertüte. Ich bin da sehr zurückhaltend.

      • Anonymous

        Ich weiß auch nicht. Dänische Liga ist ja nun auch eher so semi-gut. Dann kann man es auch mit dem Lindnerheinz riskieren.

        ich wäre ja immer noch für Romero gewesen, aber der will ja lieber international auf der Bank sitzen und ist wohl jetzt Backup bei ManU. 😉

      • ch weiß auch nicht. Dänische Liga ist ja nun auch eher so semi-gut. Dann kann man es auch mit dem Lindnerheinz riskieren.

        ich wäre ja immer noch für Romero gewesen, aber der will ja lieber international auf der Bank sitzen und ist wohl jetzt Backup bei ManU. 😉

  4. Olli

    Sam kriegt bei S04 unter neuem Trainer noch mal ne Chance. Läuft doch mal wieder alles nach Plan …. Ruhe im Sommer, Hektik und Durcheinander in der Saison. Man könnte meinen das hat System. Ich mag den Vorteil davon nur irgendwie nicht sehen.

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