Eine Nummer zwei – gleich dreimal

Lukas Hradecky, ein Torhüter, gemixt aus finnischem, slowakischem und dänischem Können, soll also der Stangenmann für Eintracht Frankfurt werden. Erleichterung, geschweigedenn Euphorie ruft so ein Transfer nicht gerade hervor. Kevin Trapp, so vernünftig sein Verkauf war, ist ja nun auch nicht irgendein Keeper gewesen. Hinter Manuel Neuer, Bernd Leno und Marc-Andre ter Stegen, ist das Ex-Eintracht-Gesicht, der transferierte Kurzzeit-Kapitän wohl der viertbeste deutsche Torwart. Und ihn zu ersetzen, das versucht die SGE nun wohl mit gleich drei Wundertüten: Besagter 25-jähriger Hradecky, der gleichaltrige Österreicher Heinz Lindner und das Aserbaidschan-Ass Emil Balayev.

Böse Zungen behaupten, dass alle drei zusammen die Qualität Trapps besitzen und ihn so vielleicht ersetzen könnten. Doof nur, dass man nicht drei Keeper auf die Linie stellen kann. Nun gut, soweit sollte man wahrlich nicht gehen, damit täte man jedem der Spieler Unrecht, zumal nicht ein Fan irgendeinen dieser Torhüter beurteilen kann. Dafür braucht es zumindest mal vier, fünf Spiele.

Und doch lässt einen diese Entwicklung auf der Torwartposition etwas ratlos zurück. Welche Meinung soll man schon zu Spielern haben, die in eher schwachen Fußballligen zu den besten auf ihrer Position zählen? Sicher, gelobt, gewürdigt wird jeder potentielle Neuzugang, jeder herbeigerüchtete Kicker, überall, immer. Stärken hier, Qualitäten da, Potential hier, Einstellung da – irgendwo jemals gelesen oder gehört, dass ein Profispieler (zu) schlecht (für das jeweilige Team) wäre? Eine Granate ist im Jargon, in der Szene doch jeder, erinnert sei etwa an Leonard Kweuke.

Der Konkurrenzkampf im Tor wird jedenfalls so offen sein, wie lange nicht. Selbst das Duell Markus Pröll / Oka Nikolov war eindeutiger. Eine klare Nummer eins, eine faktisch geschaffene Hierachie – ob das nun Kalkül ist oder aus der schieren Not geboren – gibt es bei Eintracht Frankfurt 2015/2016 jedenfalls nicht, sollte man sich für (einen wie) Hradecky entscheiden. Mit diesem Konstrukt, daran sei der Fußballfan erinnert, haben in den vergangenen drei Jahren mehrere Bundesligisten schlechte Erfahrungen gemacht. Werder Bremen mit dem Duo Wolf/Mielitz, Hamburger SV mit Adler/Drobny und VfB Stuttgart mit Ulreich/Kirschbaum. Stabile Defensiven, Torhüter als Rückhalt – das waren Attribute, die in diesen Fällen nicht zutrafen. Auch 18,99 Euro Hoppenheim fehlte, wenn auch zwischenzeitlich aus anderen Gründen, in der Saison 2012/2013 die Festlegung, dort kamen gleich drei Torhüter zu respektablen Einsatzzeiten (16 / 10 / 9). Und auch bei den sympathischen Kraichgauern (!) war das – wie bei den oben genannten Teams – eine Schießbuden-Saison, es hagelte 67 Gegentore, gleichbedeutend mit Rang 16 und dem Fast-Abstieg.

Das ist die Geschichte, die kein Trend sein muss. Der Eintracht jedoch Warnung sein sollte. Man entschied sich offenbar gegen einen der prinzipiell auf dem Markt verfügbaren Routiniers; wie man hört, vor allem aus finanziellen Gründen. Die Hoffnung der Fans, des Autors jedenfalls, ist, dass sich das nicht als Fehlentscheidung herausstellt. Hradecky, Lindner – das kann klappen. Es ist die risikoreiche Variante; in einem Land, in dem Torhüter seit Jahrzehnten wetlweit so ziemlich am besten ausgebildet werden. So viel Mut, um von Tollkühnheit nicht zu sprechen, hätte man sich bei der Eintracht mal in Bezug auf die Jugend-Integration oder die Verpflichtung von so manchem offensiven Feldspieler gewünscht. Auf diesen Positionen gibt es ein paar mehr Alternativen, Ersatzmöglichkeiten, als im Tor; gerade, wenn man zwei, drei hat, von denen man nicht so recht weiß … Vielleicht sind das ja aber auch Keeper-Knaller, kann ja auch sein.

Wir haben gerade von Feldspielern gesprochen (wahnsinnige und völlig zufällige Überleitung, nice!): Nico Schulz von Hertha BSC Berlin, will weg, hinfort aus der Hauptstadt. Der Mann ist Linksfuß, soll vorne wie hinten rumlaufen können. Hat bei diesem leblosen U21-Turnier vor ein paar Wochen mitgespielt und zählte da, bei den zwei Spielen, die ich mir anschauen musste, noch zu den besseren. Einer für die Eintracht? Nicht ganz ausgeschlossen. Königstransfer wäre er auch nicht. Und irgendwo hin müssen diese rund 10 Millionen Euro ja wandern, die Frankfurt über den Trapp-Verkauf eingenommen hat. Rund 2 Millionen für den Fin-Dänen-Slowaken im Tor, drei, vier Millionen auf das heilige Festgeldkonto – und die restlichen Unsummen in ein Beinpaar, wo der linke Fuß der fähigere ist, richtig?!

Grundsätzlich bin ich jedenfalls wesentlich zuversichtlicher, als vor und in der vergangenen Saison. Nach allem, was man mitbekommt, sitzen die Neuzugänge bisher und vor allem ist die Stimmung eine andere, eine bessere; das Schaaf-Mürre-Gespenst ist vertrieben, der Grauschleier gelüftet. Das ist die halbe Miete, denn kicken konnten sie die Spieler ja sogar unter dem Rauten-Relikt aus Mannheim – wenn sie sich von den Vorgaben lossrissen 😉

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8 Kommentare

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8 Antworten zu “Eine Nummer zwei – gleich dreimal

  1. Olli

    Balaeyev ist bei dir echt eine Nr.2? Interessant finde ich, der kommt als Nr. 3, die beiden vor ihm gehen und kriegt wieder 2 davor gesetzt. Mach das mal mit als Nationaltorhüter. Sicher, ihm wir die Zukunft (hoffentlich) gehören, aber schön das wir ihn bei den Profis durchschleppen. U23 is ja nicht mehr. Was man sich bei Zummack so denkt …. kein Ahnung.

    Gehen wir doch mal zu ner anderen wichtigen Frage: Wer wird Trapp-Nachfolger … in Sachen Capitano? Meier, Russ, Aigner. Meier ist zu brav, Aigner eventuell ein bisschen zu hitzig. Mein Geheimtipp wäre ja Hasebe. Oder machen wir doch Zambrano zum Bindenträger um ihn zum Bleiben zu überreden. Obwohl: dann kassiert er sicher 17 Gelb-Rote in einer Saison. Oder auch nicht – der Schiri wird den Großteil der Beleidigungen eh nicht verstehen.

    PS: Kevin K. zu 18€99.

  2. Jermaine Jones Junior

    @Björn
    Wer sagt, dass das Ausland auch keine guten Torhüter ausbildet?
    Darüber hinaus gibt der deutsche Markt im Moment keine guten (deutschen) Torhüter her, die bezahlbar sind, wie du selbst mal analysiert hast.
    Ich weiß noch genau, wie Wiedwald nach dessen Verpflichtung hier im Forum und auch auf Facebook zerrissen wurde („typische Bruchhagen-Verspflichtung. Hauptsache sparsam!“)

      • Das ist ja schon ein kurioses und groteskes Stück, das die Kollegen da aufschreiben. Die Nummer 1, die nicht ziehen gelassen werden wird, soll die Notlösung für Frankfurt sein. Das ist ein wunderbares Stück aus der Sommerlochkiste. Witzig finde ich hingegen den Gerry-Ehrmann-Stall, den wir hier ja auch schon thematisierten 😉

    • Du hast natürlich recht, es ist alles andere als ausgeschlossen, dass es außerhalb Deutschlands starke Torhüter gibt. Mein Einwand, meine Sorge ist, dass im Regelfall ein in Deutschland ausgebildeter (Mittelklasse)Keeper besser ist als die, sagen wir, obere Klasse in vielen anderen Ligen. Soll heißen: Ich würde von 18 Bundesligatorhütern recht bedenkenlos 13,14 verpflichten, weil ihre Grundqualität höher ist (bzw. ich sie für höher halte) als, sagen wir den Stammtorwart von Sigma Olmütz, FK Teplice oder AIK Solna. In diesen Ligen ist ein Spieler, das ist meine These, recht schnell bei den Besten. Ob sie das Niveau halten bzw. erreichen können, das gerade ein Torwart in/für die Bundesliga braucht … da habe ich so meine Zweifel. Was nicht heißen soll, dass ich grundsätzlich gegen einen solchen Transfer bin. Allerdings zwei, drei von der Sorte für eine (Schlüssel)Position, das halte ich für waghalsig.

      Richtig ist hingegen auch, dass der deutsche Markt wenig (aber nicht nichts) hergibt, derzeit. Die Option, auf einen Erfahrenen zu setzen; nennen wir halt mal wieder Weidenfeller, Starke oder Drobny, dürfte vorhanden gewesen sein. In Weidenfellers Fall wird es am Finanziellen gescheitert sein. So oder so: Wenn man bspw den Lindner ODER Hradecky ein Jahr lang hinter einem der Besagten hätte aufbauen, beobachten können, dann würde ich das clever, sinnvoll nennen. Aber die jetzt gewählte Variante, ich wiederhole mich, finde ich schwierig.

      Was Wiedwald angeht, hast du recht: Er entpuppte sich als guter Transfer, entgegen auch meiner Erwartung.

      • was ginge denn außer den Erwähnten sonst noch in Deutschland? Wohl fast nur noch halbwegs erfahrene Nr.-1en von Zweitligisten, die es auch nicht für umme gäbe. Vielleicht ja Lukas Kruse, auch wenn der auch in der Rückrunde arg ins Wackeln kam und eigentlich kein Erstligatorhüter ist (aber zumindest eine Saison in der Bilanz hat). Rensing?

      • Jermaine Jones Junior

        Du meinst das Konzept wie an den Beispielen Kahn/Rensing oder Nikolov/Fährmann?

  3. Florian

    Kevin Trapp – obwohl natürlich bei Ehrmann ausgebildet – war seinerzeit auch auf dem absteigenden Ast und keine klare Nr. 1. Ich bin zwar auch skeptisch ob der Ligen, aus denen die Jungs kommen, aber vielleicht ist unser Scouting ja wirklich besser geworden.

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