Eine Wahl für Herz und Seele

Alexander Meier ist neuer Kapitän von Eintracht Frankfurt, sein Stellvertreter ist Marco Russ. Damit ist genau die Spieler-Achse nun formal das, was sie sein sollte: ein Vorbild.

Auch, wenn viele das gerne anders sehen, zumindest sahen und dann wohlfeil in den (Pro) Mainstream-Meier-Kurs einschwenkten: Er verdient das. Über Leistung, klar, das seit zehn Jahren. Über Treue, das seit zehn Jahren. Über das Angenehm-Anderssein, das seit zehn Jahren. Über den (Trainings)Fleiß, der ihm seit Jahren nachgesagt wird.
So seltsam es auch ist, so Anti-Star er auch ist, Alexander Meier verkörpert etwas, das es in Frankfurt seit fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr gab – einen Klassespieler, einen Könner, eine Identifikationsfigur, die das in erster Linie und über einen brutal steinigen Weg der Anfeindungen seitens der Anhänger über den Faktor Leistung geschafft hat. Auch wenn Tausende SGE-Fans sieben, acht Jahre benötigten um das Offensichtliche und Langevorhandene zu erkennen, hat Meier letztlich alle versöhnt. Dafür brauchte er keine Worte, davon nutzt er sowieso wenig, sondern mehr als so viele andere, waren es Taten: Nicht nur Tore, nicht nur Vorlagen, es war das Bekenntnis zum Klub gepaart mit einer weiteren Leistungsexplosion genau in dem Moment, wo es die Wenigsten erwartet hätten.
Es kann in diesem Kader, für diese Mannschaft, für diesen Verein keine bessere Wahl geben, als ihn.

Ähnliches gilt auch für Stellvertreter Marco Russ. Nach seiner Saison beim VfL Wolsburg, wo er, was viele vergessen, kein reiner Bankdrücker oder gar Tribünengast war, kehrte er dorthin zurück, wo er hingehört. In der Jugend Eintrachtspieler, Teil des Eintracht Frankfurts, das strukturell wie sportlich die Diva abschüttelte, integriert in das Notnagel-Team von Trainer Friedhelm Funkel Mitte der 2000er. Sportlich genügt Russ den Ansprüchen eines Mittelklassevereins, er ist ein Reinhänger und mehr als das auch ein grundsolider Spieler. Seine Wortgewalt, die manchen bisweilen nerven wird, ist ein Pfund, das man nicht unterschätzen sollte. Selbst der viel gescholtene Seitenhieb gegen SGE-Legende Jürgen Grabowski war alles andere als falsch. Russ hatte (in meinen Augen) mit seinen Aussagen Recht, zumal im Kontext der Situation.
Für den Defensivspieler ist die Wahl von Trainer Armin Veh jedenfalls ein Fingerzeig, der ihm über die Ehre hinaus gefallen dürfte. Denn da Meier bis in den Herbst nicht spielen, und somit das Team nicht aufs Feld führen kann, wird der Coach dessen Ersatz-Anführer als Stammspieler sehen, den Vertreter nicht vertreten lassen.

Natürlich wird, Bindentragen hin oder her, Stefan Aigner neben Russ und Meier eine Führungsrolle einnehmen. Es würde nicht wundern, wenn er, sobald auch Russ nicht spielt, das Team als Kapitän aufs Feld führt. Auch Bastian Oczipka ist ein Kandidat wenigstens für die Position des „dritten formalen Chefs“, ist er doch seit geraumer Zeit einer der öffentlich am häufigsten auftretenden Spieler.
Makoto Hasebe, gut und gitfig wie er ist, hingegen braucht die Kapitänsbinde für den Führungsanspruch nicht, da er auf dem Feld sowieso der unangefochtene Karabinerhaken ist. Über ihn ging und geht diese Mannschaft, er hatte und hat das Team an der Hand.
Carlos Zambrano ist spätenstens seit dem Vertragsverlängerungs-Versprechen und den nun aufkommenden Gerüchten rund um einen (finanziell für ihn sicher lukrativen) Türkei-Wechsel kaum noch tragbar, schon gar nicht als Kapitän. Dafür zieht sich die ganze Geschichte zu lange, es sei daran erinnert: November 2014 gab es das erste Vertragsangebot.

Frohen Mutes stimmt den Fan indes, dass Armin Veh den Fuddler Takashi Inui verbal aufbaut, ihn in der Vorbereitung bislang sehr stark sieht. Das deckt sich mit den Eindrücken, die von den Beobachtern, den Journalisten überbracht werden. Wüsste man nicht, dass sich das bei Inui ganz schnell als Strohfeuer entpuppen kann, könnte man ja Hoffnungen hegen …

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