Alpha-Kevin guckt in den Geldspeicher

Wer sich mal so richtig in die Gerüchteküche fuchst, stößt auf so manch irrwitzige Personalie, gerne gepaart mit abstrusen Summen. Vor Wochen bereits ging das Unding über die Bühne, dass irgendein englischer Billio-Quadronärs-Klub für dieses Fallobst Shinji Okazaki (natürlich Mainz 05) Unsummen überwies. So ging es dann fröhlich weiter, etwa mit diesem Kevin Wimmer von Köln, jetzt werden für Julian Draxler Beträge durch die Gassen getrieben, die ebenfalls jeder nicht nur betriebswirtschaftlichen Grundlage entbehren.

Eintracht Frankfurt zählt indes weiter die durch den Kevin-Trapp-Verkauf eingenommenen Geldscheine, anstatt sie auszugeben. Seit wenigen Tagen wissen wir auch, wieso: Von den rund zehn Millionen Euro ist nämlich gar nicht so furchtbar viel übrig, da man offenbar mit Erlösen in dieser Größenordnung bereits rechnete als man in der Vergangenheit Verträge verlängerte. Man ging also in Vorleistung, spekulierte.
Jetzt erkläre mir nur jemand mal einen Widerspruch: Welche Verträge sind denn derart kostspielig verlängert worden, außer jener von demjenigen, den man Monate nach der Gehaltserhöhung verkauft hat? Wäre man bei der SGE tatsächlich davon ausgegangen, dass (Stamm)Spieler für Vertragsverlängerungen anderer (Stamm)Spieler verkauft werden müssen, mit wem rechnete man denn da so? Wer außer Trapp besaß, besitzt / besaß denn einen vergleichbaren Marktwert? Carlos Zambrano, dem man mit Mühe und Not eine 1,5-Millionen-Ausstiegsklausel ins Vertragswerk dichten konnte? Der 32-jährige Alexander Meier wird es nicht gewesen sein, ebenso wenig Makoto Hasebe. Bleiben nur Stefan Aigner oder Marc Stendera, die man als Spekulationsobjekte in petto hat(te). Ein bisschen mager, allen jährlich höher werdenden Mondpreisen zum Trotz.

Trotz allem wird auf dem Giro-, natürlich nicht dem heiligen Festgeldkonto noch der eine oder andere Taler herumliegen. Konservativ gerechnet sollten das irgendetwas zwischen drei und fünf Millionen Euro sein. Den dänisch-finisch-slowakischen Keeper wird man so für 1,5 Millionen bekommen, womit noch gut und gerne drei bis 3,5 Millionen für einen Linksaußen bleiben. Da ploppte nun sogar der Name des beim Hergensverein nun unglücklichen Kevin Großkreutz auf. Ein Alpha-Kevin also. Der wird sich, wenn da wirklich ein Kontakt bestand, das Angebot kurz angeschaut und sofort rückgefragt haben, ob das Fax-Gerät die Gehaltssumme unleserlich, falsch gedruckt hat oder Seiten bei der Datenübertragung verloren gegangen sind. Oder er unterhielt sich kurz mit Roman Weidenfeller.

Der Handlungsbedarf auf der Position des linken offensiven Mittelfeldspielers scheint in Frankfurt täglich weiter abzunehmen, da man sich der Leistung(ssteigerung) des Japaners Takashi Inui sicher ist. Wenn sie sich da mal nicht blenden lassen. Inui sticht in fast allen Eintracht-Spielen heraus, ganz einfach deshalb, weil er wuselig ist, ein Dribbler, Fuddler, einer, der Schwung in die Angriffe bringt. Das konnte man ihm nie absprechen. Aufgrund dieser Schein-Agilität ist der erste Eindruck oft positiv, nach dem Motto „er macht,er versucht ja was“. Das ihm aber seit nunmehr drei Jahren so gut wie jede Effektivität abgeht, dass er an schlechten Tagen – von denen es in den vergangenen zwei Jahren weitaus mehr gab als gute – ein Sicherheitsrisiko ist und selbst an guten seine Schwächen schwerlich übertünchen kann, droht abermals vergessen, aktiv ignoriert zu werden.
Die Aussagen etwa von Trainer Armin Veh, wonach der noch zu verpflichtende Linksaußen durchaus einer sein könne, der erstmal die zweite Geige spiele, lassen Böses erahnen. Am Ende verpflichtet der Klub auch auf dieser Position eine Wundertüte.

Bemerkenswert sind in diesen Tagen die Interviews, die die Spieler – von Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing ganz zu schweigen – der #Lügenpresse geben. Alle sprechen die Bindung zu Armin Veh an, alle sprechen von der passenden Chemie, dem Klima im Team. Nix mehr mit einer, besenfalls, nüchternen Arbeitsbeziehung wie in der Vorsaison unter Thomas Schaaf. Nicht ein Spieler, den bezeichnenderweise vertragsaufgelösten Nelson Valdez außen vor gelassen, äußerte sich in der Vergangenheit so klar positiv zu Schaaf, wie es in Bezug auf Veh getan wird.
Würden wir in einer Gesellschaft, in einer Welt leben, in der Leute noch Rückgrat hätten, so etwas wie Empathie empfänden, müssten in diesen Tagen Tausende den Kotau gegenüber den Analysten etwa der „Frankfurter Rundschau“ machen, Entschuldigungs-Schreiben in der Ehrlichkeit aufsetzen, wie sie vorher Drohmails an die Redaktionen schrieben. Wird aber, natürlich, nicht passieren.

Was solls. Wichtig ist, dass der Kurs der Mannschaft wieder zu stimmen scheint. Arbeitserfolg und Atmosphäre hängen dicht zusammen, von daher ist zu hoffen, dass die Vorbereitung – und das nicht als Worthülse, die 18 von 18 Bundesligatrainern jährlich aufs Neue runterdiktieren – „positiv“ verläuft, sich auch so auf Ergebnisse und Spielweise auswirkt. Meinetwegen in einem 1-1-8-System mit Bällen hintenrausprügeln, Hautpsache es ist wieder ein System, eine Idee, ein gewollter Weg zum Erfolg erkennbar. Solange es keinen Zufalls-Fußball á la Trainerimitat oder Schaaf gibt, bin ich persönlich zufrieden; denn dass die Spieler von Eintracht Frankfurt kicken können, haben sie selbst im spielerisch trüben 2014/2015 gezeigt, als sie es zeigen durften.

In diesem Sinne: Noch ein Dutzend Mal schlafen, dann wird der Bremer SV mit 3:0 wegspaziert.

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