Monatsarchiv: August 2015

Einzelkritik vs. VfB Stuttgart

Lukas Hradecky: Machtlos beim Abseits-Gegentor, ansonsten strahlt er viel Ruhe aus. Macht das Spiel schnell, via Abwürfe, womit so mancher Mitspieler arge Mühe gar.

Carlos Zambrano: Manches Mal stehengelassen, einige Male im Stellungsspiel nicht 100% da, war er doch nur einer von 2,3 Frankfurtern die auch in der ersten Halbzeit wenigstens etwas zuzusetzen hatten. Im zweiten Abschnitt ebenso gut wie schnörkellos – obwohl nun jeder Gegenspieler in seiner Nähe fällt.

Marco Russ: Hatte seine Mühe mit den gegnerischen Stürmern Ginczek und Harnik, säbelte einmal böse über den Ball. Die Auswechslung, ob nun verletzt oder nicht, war aus Geschwindigkeits-Defiziten heraus jedenfalls so oder so nötig.

Timothy Chandler: Bedenklich schwach, würde von Kostic regelrecht hergespielt. Jeder gegnerische Angriff lief über seine Seite, fast immer wurde es gefährlich. Verletzt oder nicht, seine Auswechslung war nötig, ein Transfer auf RV für den Klub sinnig.

Bastian Oczipka: Gute Leistung, schon in der ersten Halbzeit einer der wenigen Besseren. Ideale Flanke aus dem Lauf zum 1:0, defensiv auch in Ordnung. Eine wirre Szene in Halbzeit zwei, als er an der eigenen Eckfahne partout spielerisch lösen wollte, wo der lange Hieb die einzige Wahl war, da wurde es nach Ballverlust einmal eng.

Makoto Hasebe: Solide erste Halbzeit, obgleich dem VfB-Ansturm auch nicht gewachsen, leistete sich jedenfalls keinen Fehler á la Augsburg. Dann, als er auf die Rechtsverteidigerposition gesetzt wurde, reihte er Passfehler an Passfehler, einmal wurde es sehr brenzlig. Steigerte sich nach 10, 15 Minuten aber, hatte den bis dato überragenden Kostic im Griff.

Stefan Reinartz: Sinnbild für den Spielverlauf, begann verunsichert, wackelig, wurde wie seine Teamkollegen überrant und brachte kaum einen Pass an den Mann, versuchte zudem wieder zu häufig den langen Ball. Nach Wiederanpfiff verbessert, sein Tackling-Timing war entscheidend für das spielentscheidende 3:1, auch das 4:1 bereitete er direkt per feinem Pass vor.

Marc Stendera: Ideallösung auf Außen ist er nicht, ihm geht manches noch zu schnell und ihm fehlst selbst das gerade auf Außen nötige Tempo. Dennoch machte er ein passables Spiel, löste einige Szenen technisch gut, brachte eine größere Ballsicherheit ins Spiel als die bislang auf Links ausprobierten.

Stefan Aigner: Merkwürdige Partie, so recht war er wieder nicht ins Spiel integriert. Wurde deutlich seltener angespielt als gewohnt, schaltete sich auch zu spät in das nötige Doppeln von Kostic in der ersten Halbzeit ein. Erzielte ein reguläres Tor, das nicht gegeben wurde. Schade, aber kein Drama.

Haris Seferovic: Wie zuletzt weitgehend unsichtbar, was auch am mangelhaften Offensivspiel des ganzen Teams lag. Nicht mehr so wirr wie etwa gegen Augsburg, aber für Gefahr sorgt er bei allem läuferischen Einsatz nicht. Den Elfmeter nervenstark verwandelt, ein Verballern hätte das ohnehin weitgehend einseitige Spiel wohl endgültig nach Stuttgart kippen lassen.

Luc Castaignos: Ein Doppelpack quasi aus dem Nichts. Wie sein Nebenmann kaum zu sehen, wenn, dann im Abseits. Der für seinen Antritt gelobte Holländer bewies die Schnelligkeit zwei Mal, ging den steilen Weg – zuvor ließ er sich in einem Laufduell mit Ball am Fuß übel abkochen. Geschenkt. Er muss mehr machen, mehr am Spiel teilnehmen.

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David Abraham: Stabilisierte die Abwehr, wenn auch nicht ganz fehlerfrei. Dennoch wurde es auch vor dem dann entscheidenden 3:1 mit ihm in der Defensive ruhgier – was aber auch an den Temperaturen und dem Abbauen der VfB-Kräfte gelegen haben könnte.

Aleksandr Ignovski: Rackert unermüdlich in der Defensive, lässt da nicht locker und macht das gut. Er brachte Aggressivität rein, die die Mannschaft ein bisschen ansteckte, anstachelte. Darf allerdings in der Offensive nicht den Ball bekommen, verlor ihn einmal schülermäßig nach einer Ecke, was Verteidiger Abraham zum taktischen Foul (Gelb) zwang.

Luca Waldschmidt: Eroberte vor dem 4:1 den Ball, legte klug quer für den Steilpassgeber. Macht insgesamt einen guten Eindruck, einen wesetnlich unaufgeregteren als etwa Geregezhier zuletzt. Wird sich als Joker etablieren, hat 4-Millionen-Mann Kadlec überholt. Chapeau.

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Armin Veh: Drittes Spiel, dritte Aufstellungs-Korrektur in der Halbzeit. Man könnte sagen, gut, dass er die Fehler erkennt und handelt. Man könnte aber auch sagen, schlecht, dass er die Startelf vergurkt. Auf links bleiben die Probleme, rechts hinten ebenso. Das lässt sich nach allem, was man in 270 Minuten gesehen hat, kader-intern nur mit Notlösungen auffangen. Stendera war und ist kein Außen, Hasebe kein Rechtsverteidiger und insgesamt fehlt die Geschwindigkeit, sowohl die faktische in Laufduellen als auch im Aufbauspiel, in den Kombinationen.
In der ersten Halbzeit wurde die SGE schwindelig gespielt, die Leistung in Halbzeit 2 ist schwer zu bewerten. Das totale Überrenen konnte das Team stoppen, dann kamen Platzverweis/3:1 und in der Folge wurde das einst kochendheiße Spiel recht souverän, wenn auch zu passiv verwaltet.
Es liegt bis zum 12. September viel Arbeit, vor allem im flinken Zusammenspiel, vor dem Team. Und bis Montagabend sollte tunlichst personell nachgelegt werden. So viel Dusel, wie in Stuttgart wird der Eintracht nicht nochmal zu drei Punkten gereichen.

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Rettung durch die rote Karte

Die Geschichte des Spiels VfB Stuttgart gegen Eintracht Frankfurt kann auf zwei Weisen erzählt werden.

Variante 1:
Die Schwaben überranten die Gäste, hätten bereits 3:0 führen müssen bevor die Frankfurter den Mannschaftsbus verlassen hatten. Die rechte Frankfurter Seite wurde überrant, Filip Kostic spielte Timothy Chandler und andere im SGE-Defensivverbund schwindelig. Das gesamte Mittelfeld bekam in der Rückwärtsarbeit keinen Zugriff, die Offensive kam nicht vor, Haris Seferovic und Luc Castaignos versuchten sich in Arbeitsverweigerung. Einzig Carlos Zambrano und Bastian Oczipka in der Defensive, Marc Stendera in der Offensive wehrten sich gegen den Dauersturm der Stuttgarter.
Es grenzte an ein Wunder, dass Frankfurt in Führung ging, es war sowas von überfällig, dass Stuttgart ins Tor traf, es grenzte an ein Wunder, dass Frankfurt vor der Halbzeit abermals in Führung ging. Niemals hätte die Eintracht führen, gar gewinnen, am Ende mit vier Toren, dürfen. Ohne den Platzverweis für den Stuttgarter Keeper wäre am Ende vermutlich nicht mal ein Zähler geblieben.

Variante 2:
Die Schwaben überranten die Gäste, hätten bereits 3:0 führen müssen bevor die Frankfurter den Mannschaftsbus verlassen hatten – taten sie aber nicht. Stuttgart ging verschwenderisch mit der drückenden Überlegenheit um, schoss nur ein Tor, vergab in der ersten Halbzeit drei weitere 100%ige Chancen. Gegen eine Mannschaft, die halbwegs geradeaus laufen kann – was der SGE abermals schwerfiel – kann sich das rächen. Tat es auch. Rein auf Dusel, auf Massel, auf Glück gebaut – wenigstens in der ersten Halbzeit. Für den zweiten Abschnitt gilt das nicht mehr ganz so.
Sucht man ein Symbol, eine Person für den Spielverlauf, dann ist das Stefan Reinartz. In der ersten Halbzeit völlig daneben, wirr und ohne jeden Zugriff aufs Spiel, Langholz und Fehlpässe spielend, ist es sein aggressives Vorwärts-Tackling gewesen, das den Elfmeter, das 3:1 möglich machte. Sein Schritt zum Ball hin, vor den Stuttgarter Passempfänger und das dann zügige nach-vorne-treiben des Balls samt richtig getakteten Pass auf Luc Castaignos, ist DIE Szene des Spiels gewesen. Dass er auch das 4:1, nach Ballgewinn des eingewechselten Luca Waldschmidt direkt vorbereite, ist eine weitere Fußnote. Abgesehen von diesen sehr wirkungsvollen Szenen, steigerte sich der Mittelfeldspieler mit Wiederanpfiff sichtbar. Das ganze Team wirkte nach den Auswechslungen und Umstellungen gefestigter (wie übrigens schon gegen Augsburg). Obgleich Stuttgart weiterhin das bessere, das gefährlichere Team blieb; bis zur Elfmeterszene und dem Platzverweis.

Alles in allem war es natürlich ein höchst glücklicher Sieg. Effektiv kann man ihn nennen, wenn man aus einem Torschuss zwei Treffer erzielt. Spielerisch war diese Partie abermals dürftig, Kurzpässe gab es zwar mehr als zuletzt (löblich und erforderlich), die Fehlerquote war aber hoch. Ein richtiges Offensivspiel gelang der Mannschaft erneut nicht. Drei Kontertore (gut), ein Elfmeter; schämen, entschuldigen muss man sich dafür nicht. Doch niemand sollte auf die Idee kommen, diese vier Tore, den Sieg als solchen, hoch zu hängen.
Was Armin Veh übrigens im Interview nach dem Spiel schon nicht tat, er sprach von „Hauptsache Sieg“ – und genauso sieht es aus. Mit jetzt vier von neun möglichen Punkten ist Eintracht Frankfurt voll im Soll für die eigenen Ziele. Das es angesichts der Gegner sechs bis sieben hätten sein können, gut, geschenkt.

Die SGE muss in den kommenden zwei Wochen viel viel arbeiten, verbessern. Soviel Glück wie gegen Stuttgart wird man kaum nochmal haben, schon gar nicht, wenn man sich erinnert, dass bereits gegen Augsburg eine Menge davon gebraucht wurde. Doch Arbeiten alleine wird nicht reichen. Auf dem Transfermarkt sollte der Klub nochmal aktiv werden. Nicht nur, dass nun der Verkauf von Vaclav Kadlec endgültig klar sein dürfte und somit eine Lücke in a) der Offensive und vor allem b) der Flinkheit/Wendigkeit entsteht, nein, auf der Rechtsverteidigerposition ist akuter Handlungsbedarf.
Timothy Chandler wurde vom zugegebenermaßen bärenstarken Filip Kostic hergespielt, Makoto Hasebe war gegen Augsburg dort eine Fehlbesetzung (kurioserweise hielt er Kostic schon vor dem Kippen des Spiels besser in Schach als Chandler) und Aleksandr Ignovski kann da auch keine dauerhafte Startelflösung sein.
Sebastian Jung, jetzt. Jean Zimmer meinetwegen, wenn Jung wirklich zu teuer sein sollte. Es braucht jedenfalls Qualität und Tempo. Noch wenige Stunden ist Zeit. Die SGE ist gut beraten, diese zu nutzen.

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Ab in den Süden

Interviews im Sport sind in aller Regel sterbenslangweilig, sie wimmeln von Floskeln und wenn sich nicht gerade ein Typ, ein Charakter á al Robert Harting (Diskuswerfer) äußert, kommen keine klaren Aussagen. Schon gar nicht in Zeiten, in denen Vereine – auch Eintracht Frankfurt – alles für den Gewinn der Deutungshoheit über PR-Kanäle wie EintrachtTV tun.

Das gesagt, finden sich im Gespräch der „Frankfurter Rundschau“ und SGE-Sportdirektor Bruno Hübner immerhin einige interessante Aussagen. Wie so oft, wird leider an diesen interessanten nicht nachgehakt. Die Rede ist von einigen Stadion- und Vermarktungsverträgen, die bis 2020 laufen und die – so Hübner – eine finanzielle Aufwertung der Ist-Situation verhindern.
Meine ganz ernstgemeinte Frage: Hieß es nicht vor ein, zwei Jahren schon, dass dieser ominöse Vertrag mit der Agentur ISPR auslaufen und danach einige Millionen Euro frei werden sollen?

Wäre schön (gewesen), wenn solche Nachfragen mal gestellt würden. Denn irgendwie hat man bei Eintracht Frankfurt das Gefühl, dass das goldene Kalb stets auf einer Wiese steht, die erst noch eingesäht werden muss. Soll heißen: Irgendwann in der Zukunft wird mal (finanziell) alles besser.
Kurioserweise funktioniert diese Vermittlung nach außen sogar, vermutlich, weil so viele Fans recht neu hinzugekommen sind und hinzukommen, die diese Argumentations-Struktur nicht schon seit 25 Jahren kennen. Beispiel: Die Mär, dass der Standort Frankfurt doch so ein gloreicher sei, wegen Banken und so, und das man dieses Potential doch nur abschöpfen müsse, ist der Tenor dessen was der neue starke Mann in der Frankfurter Funktionärs-Riege, Axel Hellmann, sagt. Problem ist eben, dass diese Art Aussagen schon in den 80ern, in den 90ern und ja, auch – Stichwort Octagon – in den frühen 2000ern gefallen sind. Geschehen ist in diese Richtung aber nie etwas.
Und das verwundert auch nicht. Frankfurt hat zwar internationales Flair, die Wirtschaft in der Umgebung läuft, aber speziell die so gepriesenen Banken sind eben internationale Player. Die juckt ein Verein wie die Eintracht herzlich wenig. Da geht es um Fische anderer Kategorien, da angelt man Wels, nicht Sprotten.

Aber gut, man kann sich lange aufhalten mit diesen Meta-Ebenen. Und darüber das Sportliche vergessen. Sollte man jedoch nicht tun.

Denn in dem Interview stehen auch sportlich ein paar bemerkenswerte Aussagen. Die durchaus gewollten Transfers von Slobodan Medojevic und Vaclav Kadlec, etwa. Von Wunschspielern zur Resterampe, leider bei der SGE stets zu Millionenverlusten. Ärgerlich, kritikwürdig – aber nötig, vernünftig; wenn denn Ersatz verpflichtet wird, und bitte nicht in der Breite.

Hübners Kurz-Einschätzung zum Augsburgspiel hingegen ist etwas … seltsam. Von dem schon von Marco Russ nach dem Spiel geäußerten „zu viel wollen“ kann nämlich nicht die Rede sein. Die Partie gegen Augsburg war von vielem gekennzeichnet, aber sicher nicht zu sehen war eine permanent wollende Mannschaft, die schlicht nicht konnte. Was übrigens in der Conclusio einer Analyse nicht minder schlimm wäre. Vielmehr spielte die Eintracht als ein Team, das nicht wusste, wie es spielen will, wie es spielen sollte. Also: Nicht am Willen, sondern am Können ist die Mannschaft gescheitert. Gegen Augsburg. Im vorherigen Spiel in Wolfsburg war ja noch weitaus mehr Können zu sehen.

Genug des Rückblicks.

Das, was Trainer Armin Veh ausgezeichnet hat, wohl auch weiterhin auszeichnet, ist, dass er Missstände erkennt – und handelt. Das war unter seinem Nachfolger-Vorgänger Schaaf anders. Veh hat bereits gegen Augsburg reagiert und aus einem Gruselauftritt in Halbzeit eins immerhin noch einen Übel-Auftritt geformt. Die Wechsel und Umstellungen zahlten sich (auf geringem Niveau) aus, verbesserten etwas im Spiel der Frankfurter.
Jetzt deuetet sich an, dass Veh am größeren Rad drehen, zwei, drei Positionen neu besetzen, die Formation verändern wird. Das ist angesichts der vielen spielerischen Mängel auch dringend notwendig. Der Trainer gesteht somit selbst ein – und er behauptete diese Woche auch nichts anderes – dass es nicht am Willen, am Erzwingen lag, sondern an faktisch sportlichen Mängeln. Diese Erkenntnis, diese Handlung ist schon mehr als alle Analysefähigkeit, die in der vergangenen Saison üblich war.

Stuttgart. Das kann maximal einen Punkt geben. Im Idealfall.

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San setto für Taka-San

Frankfurts Fiasko-Fuddler Takashi Inui wechselt, wie vor wenigen Tagen von der #Lügenpresse vorhergesagt, von Eintracht Frankfurt nach Spanien. Auf eigenen Wunsch und wohl ohne nennenswerte Ablöse. Nunja.

Inui, der alle Anlagen zu einem Spieler des Formats Shinji Kagawa (also, den vor-England-Kagawa) mitbrachte, ist in seiner Entwicklung so schnell stehengeblieben, wie sie zu beginnen schien. In den ersten Monaten, genauer gesagt zwischen August und Dezember 2012, traute man als Eintracht-Fan seinen Augen kaum. Da wirbelte ein Mittelfeldspieler, mit einer Dynamik, mit einer Technik, mit einer Konsequenz, die man so lange nicht in einer Frankfurter Mannschaft gesehen hat. Im Zuge des Überrennungs- und somit Überraschungseffekts, der Armin Veh nach dem Wiederaufstieg gelang, blühte Inui auf. Als dann jedoch die Gegner nicht mehr überrascht vom Auftreten des SGE-Teams waren, nahm auch die Wucht und Leichtigkeit in Inuis Spiel ab. Sukzessive. Gleichsam nahmen die Stellungsfehler, die Ballverluste, die Laxheit und Lässigkeit, kurzum die folgenschweren Fehler zu. Sukzessive. Erst in der Rückrunde, dann in der Folgesaison, dann in der darauf folgenden Saison und nun in dieser Spielzeit.

Dem Raketenstart folgte ein zügiges Abbrennen, mit dem Resümee, dass Takashi Inui in seiner Vertragszeit in etwa so viele Gegentore (mit-)verschuldet haben dürfte, wie er (mit-)vorbereitet hat. Nicht umsonst ist die linke Frankfurter Seite stets die anfällige, der vom Gegner ausgemachte Schwachpunkt gewesen, wenn Inui – gerade vor dem defensiv in der Vergangenheit auch oft nicht sattelfesten Bastian Oczipka platziert – spielte.

Nachdem er 2012 vom VfL Bochum zur SGE gewechselt war, wurde Friedhelm Funkel von der „Frankfurter Rundschau“ zu dem Japaner gefragt – immerhin arbeiteten die beiden im Ruhrpott zusammen. Aussage vom Frankfurter Ex-Trainer: „Er verliert zu leicht die Bälle. In Bochum haben wir drei, vier Kontertore bekommen, weil er den Ball leichtfertig hergegeben hat.“ Funkel bezeichnete Inui schon damals als den schwächsten der bis dato verpflichteten Neuzugänge, bzw. als die Personalie, bei der er am skeptischsten ist. Er sollte, all seinen Widersachern und den Eindrücken der ersten Monate, Recht behalten.

Und doch könnte der Transfer von Inui für die Eintracht noch zu einem Problem werden. All seinen Schwächen, all dem Sicherheitsrisiko-Dasein zum Trotz, ist, war er der einzige Eintracht-Spieler, der das Tempo anziehen konnte, der auf den ersten fünf Metern schneller als Gegenspieler war, flink und wendig. So einen gibt es in diesem Frankfurter Kader nicht. Gerade im Mittelfeld, wo es zur Spieleröffnung, vom eins-gegen-eins ganz zu schweigen, diese Dynamik braucht, ist das Fehlen eines Wuselers fatal. Stefan Aigner ist ein anderer Spielertyp, in der Zentrale ist Marc Stendera ein feiner Techniker und Passgeber, aber kein Tempo-Variierer oder gar Tempo-Anzieher, bisweilen sogar eher ein Verschlepper. Stefan Reinartz ist ein defensiverer Spielertyp, Makoto Hasebe und Marco Russ sowieso; zwei davon auch klar Kategorie Kante (weshalb das Duo Reinartz/Russ laut Trainer Armin Veh wohl auch ausgedient haben wird). Aleksandr Ignovski ist ein Dynamiker, aber eben von der Sorte Beißer, Kratzer – keiner, der im Spiel nach vorne etwas ausrichten kann. Joel Gerezghier ist noch nicht so weit, das war gegen Augsburg zu sehen. Ihm gelang es nicht mal, Anlagen zu zeigen. Schon ist es dünn geworden im Frankfurter Mittelfeld, wenn man Alexander Meier – der aber bei aller Wertschätzung auch kein Tempo-Macher ist – mal außen vor lässt. Womit nur noch Johannes Flum übrigbleibt, auf den man berechtigte Hoffnungen setzen kann. Der löst jedoch, bei allen guten Anlagen die er mitbringt, das Geschwindigkeitsproblem nicht. Er könnte, er wird andere Probleme lösen. Aber eben nicht das Tempo-Dilemma.

Nun kann man nach Inuis Abgang natürlich wieder das tun, was man in Frankfurt so gerne tut: Stürmer als Außenbahnspieler einsetzen. Schon wird nämlich darüber fabuliert, dass man dort ja auch Vaclav Kadlec oder Luca Waldschmidt einsetzen könnte. Sicher kann man das. Nur murksen die sich dann auch weitaus mehr einen zurecht als auf ihren gelernten Positionen im Sturm(zentrum).
Die Variante, Aigner mit ins offensive Zentrum zu ziehen – die unter Veh schon während dessen erster Amtszeit mehrfach in die Hose ging – ist eine denkbar schlechte Idee. Man nimmt Aigner (gelernter Außen) aus dem Spiel und schafft zugleich auf der rechten Mittelfeldposition eine Baustelle, der es nicht bedürfte.

Entscheidet man sich tatsächlich gegen Neuverpflichtungen – unabhängig von der Zukunft des Missverständnisses Kadlec – sollte man umgehend auf den gekauften Serben Mijat Gacinovic setzen. Dieser hat die Position wenigstens gelernt, ist einer der jungen Spieler, auf die man offenbar ja zu setzen gedenkt. Er wäre die einzig logische Wahl; eine Systemumstellung mal nicht angenommen.

Jedenfalls sollte der Trainer konsequent auf ein 4-2-3-1 setzen, bloß keine (Schaaf´sche) Raute. Ob er das tut? Es wäre – jetzt schon – drigend angeraten. Denn die allerbeste Zeit erlebten sowohl Veh als auch das Team in diesem System, auch und wegen Inui.

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Schnelllebigkeit

Ordnen wir mal: Takashin Inui wird wechseln. Vacvlav Kadlec will wechseln. Slobodan Medojevic soll wechseln. David Kinsombi dürfte wechseln. Jetzt wird es da draußen sicher wieder viele geben, die das absolut überraschend finden. Und natürlich gibt es diejenigen, die ohnehin jeden Schritt von Eintracht Frankfurt ganz tutti finden.
Doch was genau ist bitte überraschend am (Quasi-)Aus für die oben genannten Spieler? Nichts, gar nichts. Es handelt sich, und das bisweilen seit Jahren, um Problempersonalien.

Inui spielte eine bärenstarke Halbserie, danach kam nicht mehr viel – er verschuldete in der Folge genauso viele Gegentore, wie er mit vorbereitete.

Kadlec ist, nach gutem Start, in eine Mixtur aus Leistungsloch und Ungnade gefallen. Wohlgemerkt nicht nur unter Trainer Armin Veh, auch Thomas Schaaf verzichtete auf die Aufstellung des Tschechen. Integrationsprobleme, Sonderling-Dasein im Team, werden als Gründe gerüchtet. Und das nicht erst seit kurzem.

Medojevic ist von Beginn an ein seltsamer Transfer gewesen, ein teurer zudem. Sportlich war der Serbe, ob nun halb- oder ganz gesund, keine Hilfe, es bleiben sogar eher bisweilen folgenschwere Fehler in Erinnerung.

Kinsombi wurde nur Wochen vor der Entscheidung zur Schließung der U23 eben für die U23 verpflichtet. Und so spielte er, wenn er denn spielte, auch (ohne Wertung ist das gemeint). Unvergessen im Profibereich sind seine Probleme gegen Hannover 96, wo er binnen kürzester Zeit mehrfach überlaufen, überspielt, übersprungen wurde.

Genau deshalb ist die Entscheidung, nicht länger auf diese Spieler zu setzen, absolut richtig. Jedoch wird sie zu einem zu späten Zeitpunkt getroffen. In allen Fällen konnten Beobachter davon ausgehen, dass diese Spieler den großen Schritt nicht, nicht mehr machen würden. Zumindest nicht in Frankfurt. Die Spielweise etwa eines Inui war in Bochum so, ist in Frankfurt so, wird auch in Eibar oder beim TSV Osaka so sein. Man weiß, was man (nicht) bekommt, wenn Inui spielt. Sollte man zumindest. Nach drei vollen Spielzeiten. Medojevic ist schlicht ein Fehlkauf, da gilt es, einen möglichst großen Teil der rund 2 Millionen Transfereuro von irgendeinem anderen Klub reinzuholen. Kadlec hingegen ist, kurz nach Caio, Korkmaz, Fenin und Bellaid das nächste millionenschwere Missverständnis von Eintracht Frankfurt. Wie man schon befürchtete, als es die wochenlange Hängepartie um „Wunschstürmer“ gab. Der Klub, natürlich auch der Spieler, sollte sich einen Gefallen tun, und eben dieses Missverständnis beenden. Und zwar, bevor Kadlec noch mehr zu Caio-2.0 mutiert, zu dem Spieler, in den alle Welt ein Können hineininterpretiert, dass er schlicht nicht zu haben scheint.

Nun werden natürlich nicht alle vier Spieler verkauft. Inui, ja, das scheint festzustehen. Kadlec, das dürfte mit der Entscheidung pro/contra Startelf am Wochenende fallen. Bislang weigerte man sich in Frankfurt jedenfalls beharrlich, auf dem Transfermarkt nochmal aktiv zu werden. Nach dem miesen Auftritt gegen Augsburg sollten aber unabhängig von möglichen Abgängen die Alarmglocken schrillen. Auf Linksaußen kann nicht ewig herum-gedoktort, werden. Dafür war die Vorbereitung da Die offenbar ganz schön schepp gelaufen ist, jedenfalls was die Aufstellung auf dieser speziellen Position anbelangt. Auch im Sturm sind sowohl Luc Castaignos als auch Haris Seferovic in der laufenden Punktrunde einiges schuldig geblieben – und im Mittelfeldzentrum fehlt das Tempo, die Dynamik, die auch mit dem technisch feinen, aber behäbigen Marc Stendera nicht ins Team kommen wird. Baustellen gibt es genug, Kadlec, Inui und die anderen hin oder her.

Kevin Großkreutz, so wurde ja bereits geäußert, ist als Qualitäts-Pusher nicht finanzierbar. Noch so eine „Überraschung“. Dass der Name Sidney Sam in den kommenden Tagen nochmal aufploppt, wenn einer der Genannten tatsächlich verkauft worden ist, würde nicht wundern.
Auf die Jungen setzen, was derzeit als favorisierte Lösung angesehen wird, scheint hingegen mehr Verzweiflungs-Tat als Überzeugung zu sein. So, wie schon die einst von Heribert Bruchhagen ausgegebene Marschroute „junge, deutsche Spieler aus der Region“ nur eine inhaltsleere, kurzlebige und der Finanznot geschuldete Stanze war.

Am Wochenende laufen somit zwei Fristen aus. Die mit den Transfers und die mit der Geduld. Eine Pleite gegen Stuttgart, und auch im Magenbereich der Ewigtreuen wird etwas passieren. Aber wer sagt denn, dass man gegen die Schwaben nicht auch was holen kann?! 🙂

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Mühelose Fehlpässe

Wenn es so aussieht, wenn Eintracht Frankfurt etwas „erzwingen will“ (Zitat Marco Russ), steht uns Fans ja eine wahrlich schlimme Saison bevor.

Die Atmosphäre im Waldstadion nach dem 0:1 durch Augsburgs Caiuby (der übrigens nur Ersatzmann für den eigentlichen SGE-Schreck Raul Bobadilla ist), spätestens aber mit Beginn der zweiten Halbzeit und der Einsicht, dass nichts, aber auch gar nichts funktioniert, war frostig. Den Zuschauern war anzumerken, dass sie sprachlos über das Dargebotene waren. Es war ja nicht so sehr der Rückstand, der einen fassungslos werden ließ. Es war die Tatsache, dass die Heimmannschaft völlig überfordert mit einem Gegner war, dem eine konzentrierte Vorstellung genügte, um (fast) zu gewinnen. Augsburg musste nur auf den Fehlpass, auf den Fehler der Frankfurter Spieler warten; das genügte, um spielerisch als Sieger vom Platz zu gehen. Es wirkte beinahe mühelos, was der FCA im Waldstadion zeigte, während der Auftritt der Eintracht dem Team offenbar schon alles Können abverlangte.

Was war das für ein Passspiel? Drei Szenen, die mit Flachpässen vorgetragen wurden und wo diese funktionierten, in 90 Minuten. Davon eine mit dem Resultat Torerfolg. Abgesehen davon, dass das im-Spiel-bleiben einzig Torwart Lukas Hradecky zu verdanken war, sind drei Kombinationen in einem (Heim)Spiel erschreckend wenig. Aber wie soll das auch gelingen, wenn Trainer Armin Veh ein Mittelfeld aufstellt, das in der Zentrale vor allem aus Physis/Wucht anstatt aus Dynamik/Geschwindigkeit besteht, auf dem linken Flügel ein überforderter Jugendspieler umherirrt und die Stürmer nur mit dem Messer zwischen den Zähnen die Abwehrspieler anlaufen (allerdings ohne den Ball zu haben)? Marco Russ wird, bei aller Wertschätzung als Kämper, als robuste Kante im Defensivverbund, als nachrückender Torgefahr-Heraufbeschwörer, kein Aufbauspieler mehr. Der Mann ist 1,90 Meter groß und einfach nicht für schnelle Flachpässe in Zentrum oder auf der Halbposition – die für das Flügelspiel als Doppelpasspartner zwingend besetzt sein muss – gemacht.
Stefan Reinartz, auch ein hochaufgeschossener Spieler, wurde mit jedem (nicht angekommenen) langen Ball unsicherer, gekrönt von der Flanke in den eigenen 16er.

Die Hereinnahme von Fußballfeinschmecker Aleksandr Ignovski machte, und das ist wirklich bemerkenswert, das Spiel der Eintracht sogar besser. Entscheidend dafür, dass in der zweiten Halbzeit zumindest der Versuch des Flügelspiels unternommen wurde, war jedoch die Einwechslung von Timothy Chandler. Dem gelang, wie allen anderen, weiß Gott auch nicht viel. Aber man merkte, dass von dort an ein Mann auf der Position spielt(e), die er gelernt hat, die er beherrscht. Resultat: Er wird ab sofort in die Startelf rücken.
Makoto Hasebe muss indes zwingend auf die Sechs, da kann auch die Russ´sche Kapitänsbinde kein Schutzschild sein. Nach dem wilden Auftritt von David Abraham in der Innenverteidigung könnte man ja gar überlegen, ob er es gegen einen Stuttgarter namens Daniel Ginczek nicht noch schwerer haben wird.

Man kann jeden einzelnen unter die Lupe nehmen, via Einzelkritik, wie ich es in der Regel tue. Aber das ist mir, sorry dafür, diesmal zu müßig. Ich wüsste gar nicht, wo ich Unterscheidbarkeiten in der Leistung ausmachen sollte. Hradecky mal außen vor gelassen, haben nur Carlos Zambrano und Bastian Oczipka eine passable Leistung gezeigt. Die schon erwähnten Ignovski und Chandler zählten ebenfalls noch zu den Besseren. Danach klafft ein großes Loch der Blässe, ausgefüllt etwa von Stefan Aigner und Marco Russ. Die schwächste Vorstellung lieferten meiner Ansicht nach Castaignos, Gerezghier und Seferovic ab. Hasebe folgt auch dem Fuße, gefolgt von Reinartz.

Wie man es auch bewertet, gegen den ohnehin Dauer-Angstgegner Stuttgart wird es am kommenden Wochenende darum gehen, ob der Baum Feuer fängt oder nicht. Im Gegensatz zur Eintracht spielt der VfB jedenfalls einen deutlich enthemmteren Fußball, die entwickeln in ihrem SPiel Wucht. Dass sie die Balance (noch) nicht gefunden haben – geschenkt. Jetzt kommt schließlich Frankfurt, da sind drei Punkte quasi vorprogrammiert, um die Maschine zu ölen. Im Umkehrschluss droht die SGE bereits im August ganz unten angekommen zu sein. Der Euphorie, Aufbruchstimmung (so oft habe auch ich sie schon empfunden, zitiert) ist dank des abenteuerlich schlechten Heimauftritts am Samstag bereits ins Gemächt getreten worden. Wie immer.

PS: Mich würde es wirklich überhaupt nicht wundern, wenn die Frankfurter Funktionäre Takashi Inui tatsächlich für einen Abbel und ein Ei Richtung Spanien ziehen lassen und keinen neuen Mittelfeldspieler mehr verpflichten. Einfach, weil man sich wieder eine Überzeugung einredet, die aber dem Realitätstest nicht standhält.
Aber es gibt ja noch Vaclav Kadlec, den Tschechen-Caio. Den könnte man ja schlimmstenfalls auch nach 45 Minuten erlösen. Gilt natürlich auch für den Super-Serben; und sei es zwei Wochen später gegen Köln.

Gegen Stuttgart bin ich unterdessen zuversichtlich.

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Es lodert am Baum

Man kann jetzt Schaukämpfe führen, Scheindebatten. Über Schiedsrichter, einzelne Spieler, die Häme ob des Trainerwechsels. Kann man alles machen, wird auch gemacht. Ebenso wie das Schönreden, das realitätsverachtende Dauerjubeln im Stadion.

Ändert aber alles nichts an der Feststellung, dass Eintracht Frankfurt – sorry – beschissen Fussbsll gespielt, den Saisonstart gekonnt verbockt und damit früh den Aufbruchs-/Hoffnungsstöpsel gezogen hat.

Die Probleme sind dieselben wie in der Vorsaison, jeder Blinde konnte sie sehen, jeder Taubstumme sie benennen. Linksaußen, rechts hinten sowie das Tempo der Spieler, die Geschwindigkeit im Spiel.
Eintracht Frankfurt hat das wohl, oh Wunder, ignoriert. Man versucht es mit 1,90-Meter-Kanten aller Orten. Marco Russ, Innenverteidiger, gibt den Spielmacher. Stefan Reinartz den … ja, was eigentlich? Stefan Aigner taucht unsichtbar unter der spielerischen Schmach hindurch, Joel Gerezghier braucht die U23 (ups…) und so weiter und so fort. Jetzt lässt man den einzig flinken, obgleich indisponierten Inui auch noch – laut Manger wohl ersatzlos – für Erdnüsse den Verein wechseln.

Ohne Worte.

Als dann bei irgendeiner der 6,7,8 Elend-Ecken gar kein SGE-Spieler überhaupt zum Treten eben dieses Standards ging, wohnte dem eine Symbolik inne, die bemerkenswert ist. Ball haben? Damit etwas anfangen wollen? Um Gottes Willen, blos nicht!

Ich könnte zu vielem mehr etwas schreiben. Über den vogelwilden Seferovic, über Abseits-Luc, über Hasebes Qualen als RV, über die Einwechslungen von zwei Defensiven statt eines Offensiven (Kadlec? Der nun echt vollends Tote) …

Gegen den VfB Stuttgart wird sich nun also schon entscheiden, wie dreckig tief dieses Team im Abstiegskampf stecken wird. Erfolg a la Frankfurt, Herrschaften. Der Baum droht bald zu brennen.

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