Von scheitern und träumen

Menschen, die unregelmäßig bis gar nicht Tageszeitung lesen, werfen Journalisten stets und gerne das Immerselbe vor, flankiert von einer Forderung: Über dies, das und jenes werde ja gar nicht geschrieben. Man soll doch endlich mal über dies, das und jenes schreiben.

Hat man ausnahmsweise mal nicht zwei aktuelle Themen, vier Recherchen, sieben Telefonate und neun Mails binnen einem zwölf Stunden Arbeitstag zu bewältigen und man kann dem Medienkritiker sogleich Datum und Seite nennen, an dem besagtes „wird nicht geschrieben“-Thema veröffentlicht wurde, wird es oft schamvoll still am anderen Ende der Leitung. Geoutet als Selektiv-Wahrnehmer. Doof.

Und so, wenn auch nicht beruflich, ließ mich der Eintrag von „Anonym“ gestern verblüfft zurück. Da wird mal eben im Vorbeigehen die verbale Schrotflinte ausgepackt und der Autor für die Aussage angeschossen, dass nach der bevorstehenden Saison ein neunter Platz ein „sehr gutes Resultat“ wäre. Aussage des Kommentators: Dauerpessimismus, so könne man ja nicht vorankommen im Sport, im Leben.
Tja. Was soll ich sagen? Die regelmäßigen Blog-Leser werden wissen, dass das eine These ist, die ich hier seit Jahren vertrete: Rang 15, der Nichtabstieg darf für Eintracht Frankfurt kein (Minimal-)Ziel, sondern sollte für einen Bundesligisten mit dem neunt- bis zehntgrößten Etat der Liga nur Notlösung im Falle einer Rabensaison sein.
Die realistische Erwartung, ausgehend eben von diesen auch finanziellen Möglichkeiten (die Kirchenmaus kann gar nicht so arm sein, wie sie tut) muss dementsprechend zwischen Rang 11 und 8 liegen. Das Ziel, und dieses sollte man sich bekanntlich im Leben durchaus stecken, muss demnach höher liegen. Logischerweise Rang 7 aufwärts – und schon reden wir, natürlich, von Europa League. Nicht als Anspruch, nicht als Forderung, aber auch nicht als Märchen, Fabel oder Utopie. Nein, Rang 7 ist angesichts der finanziellen wie sportlichen Ausgangslage die einzige Zielsetzung, die den Namen verdient. Alles andere wäre Verwaltung. Letzeres war für eine ganze Weile ebenso nötig wie real. Doch alles hat seine Zeit. Und alles überlebt sich irgendwann. Die Hardcore-Heribert-Bruchhagen-Doktrin muss reformiert werden, und das wird sie spätestens seit Juni 2015 auch.
Ziele resultieren qua Definition aus Ambition; was nicht bedeutet, dass jemand beim Nichterreichen auf den Scheiterhaufen geworfen werden muss. Solange die Ziele nicht um Längen verfehlt werden, die Gründe eroiert, die Analysen nüchtern und die Schlüsse richtig gezogen werden, ist jedes Scheitern hinnehmbar.

Ob nun Scheitern oder Träumen, die ersten drei von 102 möglichen Punkten werden für Eintracht Frankfurt am Samstag in Wolfsburg vergeben. Wichtig ist dann das, was eine Woche später geschieht. Aber mehr als drei Punkte gibt es auch da nicht zu gewinnen. Also kann man auch beim symapthischen Firmenklub in Südniedersachsen mit dem punkten anfangen. Optimistisch genug?

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6 Kommentare

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6 Antworten zu “Von scheitern und träumen

  1. Jermaine Jones Junior

    Der DFB-Pokal ist mir sowas von egal geworden. So richtig weit wird man mit einem 38-Mio. Etat auch nicht kommen (Jaja, der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Geschwätz von gestern).
    Wichtig ist Bundesliga. Ich weiß nicht wie es euch ergeht, aber bin wegen morgen doch ziemlich nervös. So richtig weiß ich die Form dieser Mannschaft nicht einzuschätzen.

  2. Olli

    Wenisgtens sollte dieses Jahr mal wieder die dritte Pokalrunde drin sein. Ist auch schon länger her dort mal vertreten gewesen zu sein ….

  3. Knut Müller

    Meines Wissens spielt die Eintracht am Sonntag in Wolfsburg und nicht am Samstag.

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