Vabanque mit Vaclav

Am Donnerstagabend schickte der Fußballgott vorübergehend ein Lebenszeichen, einen Schweif der Hoffnung in die Wohnzimmer. Es war, als das norwegische Kleinstädtchen Odds zeitweise mit 3:0 gegen den millionenschweren BVB aus Dortmund führte. Man dachte, es könnte … und ehe man sich wagte, das zuende zu enden, verpuffte die Romantik im Dunst der Pyrotechnik.
Geld gewinnt immer. Das gilt im Gesellschaftlichen, das gilt im Sport.

In der Tat wäre es mal eine empirische Untersuchung wert, wie hoch der Faktor ist, mit dem Klubs mit einem höheren Etat gegen Klubs gewinnen, die ein kleineres Budget besitzen. So auf drei bis fünf Bundesligasaisons gerechnet, meinetwegen. Die Tabelle macht sich ja ohnehin quasi von selbst, mit zwei, drei Irrungen und Wirrungen pro Jahr. Aber abzüglich dieser um den Zufallsfaktor bereinigten Summe … interessant wäre das allemal. Sicher, in einem Spiel wird es dem lendenschutztragenden David schon mal gelingen, dem prada-verwöhnten Goliath einen Speer zwischen die Stelzen zu schmeissen. Aber in einem Rückspiel? Regelmäßig? Immer mal wieder? Nein.

Nach dieser Logik muss das kommende Heimspiel von Eintracht Frankfurt gegen den FC Augsburg unentschieden ausgehen. Und das wird es auch. Mit dem 25-Millionen-Deal für einen Spieler, der jedenfalls mir nicht weiter aufgefallen ist, bewegt sich der FCA auf einen Schlag finanziell mindestens auf SGE-Niveau. Gepaart mit der Europapokal-Qualifikation sorgt das auf dem Papier für eine gewisse Waffengleichheit. Man sollte sich nicht vom vermeintlich ruhmreicheren Namen Eintracht Frankfurt blenden lassen, außerhalb von Hessen wird die SGE sporltich kaum als ein Goliath wahrgenommen, der nun gegen einen David aus Augsburg antreten wird.

Offenkundig ist nun geworden, dass man vor kurzem weitere Transfergelder versenkt hat. Slobodan Medojevic, für etwas weniger als zwei Millionen Euro vom VfL Wolfsburg verpflichtet, soll an einen Interessenten abgegeben werden. Tja. Ähnlich unböse wäre man in Frankfurt auch, wenn Verteidiger David Kinsombi sich ein neues Trikot überstreift. Kinsombi, der Mann, den man aus Mainz für die U23 verpflichtete. Ein paar Wochen, bevor man die U23 auflöste. Für eine Ersparnis von 800 000 Euro – und der Konsequenz, dass Spieler wie Luca Waldschmidt, Joel Geregizher, Enis Bunjaki (ok, A-Jugend) und auch ein Vaclav Kadlec ums Verrecken nicht genug Einsatzzeit, überhaupt einen Rhythmus bekommen.
Aporpos Kadlec: Sollte der Junge am Samstag nicht von Beginn an spielen, gibt es keinen Grund, ihn im Verein zu behalten. Als Stürmer, der er gelerntermaßen ist, ist ihm offenbar jeder Weg verbaut. Als Linksaußen diletiert Takashi Inui bereits sehr lange; reicht es für den Tschechen jetzt nicht, muss man dem Klub geplante Fahrlässigkeit vorwerfen, ihn nicht irgendwohin verkauft zu haben. Davon abgesehen befördert man Kadlec so oder so in eine sportlich wirkliche undankbare Situation. Dem würden die Knie mit Sicherheit mächtig schlottern am Wochenende, wüsste er doch, dass jeder Fehler seine Karriere noch einen weiteren Dämpfer versetzen könnte. Antrieb oder Lähmung? Ein Vabanque-Spiel.

Überhaupt ist die Geschichte von Vaclav Kadlec eine seltsame. Es stimmt schon, in seinen schwachen Spielen war er wahrhaft schwach, da ließ er viele Basics vermissen, war ebenso leicht vom Ball zu trennen, wie sein Körper schmächtig wirkte.
Und doch waren die mauen Auftritte – so viele hatte er insgesamt ja gar nicht – weit weniger als die besseren. Er hat Tore geschossen, er hat aber vor allem ein Element der Quirligkeit ins Offensivspiel gebracht, das sonst nur Inui beherrscht(e). Die Eintracht ist gerade vorne ein Kollektiv von Kanten. Seferociv, Meier, jetzt Castaignos – das sind alles 1,90-Ballermänner. Qua Physis können sie den Körperschwerpunkt gar nicht so tief haben, können gar nicht so wendig und flink sein, wie Kadlec. Wieso sich Armin Veh, dann auch Thomas Schaaf in der Vergangenheit dieser personell-taktischen Möglichkeit beraubt haben – es ist ein Rätsel.

Zur Großkreutz-Causa lege ich indes den dritten Absatz eines vier Wochen alten Blog-Textes ans Herz.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Vabanque mit Vaclav

  1. Jermaine Jones Junior

    Kevin Großkreutz – ein kritisch intellektueller Geist, der bei seinen Twitter-Hater aneckt und dem der Teppischboden eines Berliner Hotels in der Nacht eines Pokalsfinals missfiel.

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