Mühelose Fehlpässe

Wenn es so aussieht, wenn Eintracht Frankfurt etwas „erzwingen will“ (Zitat Marco Russ), steht uns Fans ja eine wahrlich schlimme Saison bevor.

Die Atmosphäre im Waldstadion nach dem 0:1 durch Augsburgs Caiuby (der übrigens nur Ersatzmann für den eigentlichen SGE-Schreck Raul Bobadilla ist), spätestens aber mit Beginn der zweiten Halbzeit und der Einsicht, dass nichts, aber auch gar nichts funktioniert, war frostig. Den Zuschauern war anzumerken, dass sie sprachlos über das Dargebotene waren. Es war ja nicht so sehr der Rückstand, der einen fassungslos werden ließ. Es war die Tatsache, dass die Heimmannschaft völlig überfordert mit einem Gegner war, dem eine konzentrierte Vorstellung genügte, um (fast) zu gewinnen. Augsburg musste nur auf den Fehlpass, auf den Fehler der Frankfurter Spieler warten; das genügte, um spielerisch als Sieger vom Platz zu gehen. Es wirkte beinahe mühelos, was der FCA im Waldstadion zeigte, während der Auftritt der Eintracht dem Team offenbar schon alles Können abverlangte.

Was war das für ein Passspiel? Drei Szenen, die mit Flachpässen vorgetragen wurden und wo diese funktionierten, in 90 Minuten. Davon eine mit dem Resultat Torerfolg. Abgesehen davon, dass das im-Spiel-bleiben einzig Torwart Lukas Hradecky zu verdanken war, sind drei Kombinationen in einem (Heim)Spiel erschreckend wenig. Aber wie soll das auch gelingen, wenn Trainer Armin Veh ein Mittelfeld aufstellt, das in der Zentrale vor allem aus Physis/Wucht anstatt aus Dynamik/Geschwindigkeit besteht, auf dem linken Flügel ein überforderter Jugendspieler umherirrt und die Stürmer nur mit dem Messer zwischen den Zähnen die Abwehrspieler anlaufen (allerdings ohne den Ball zu haben)? Marco Russ wird, bei aller Wertschätzung als Kämper, als robuste Kante im Defensivverbund, als nachrückender Torgefahr-Heraufbeschwörer, kein Aufbauspieler mehr. Der Mann ist 1,90 Meter groß und einfach nicht für schnelle Flachpässe in Zentrum oder auf der Halbposition – die für das Flügelspiel als Doppelpasspartner zwingend besetzt sein muss – gemacht.
Stefan Reinartz, auch ein hochaufgeschossener Spieler, wurde mit jedem (nicht angekommenen) langen Ball unsicherer, gekrönt von der Flanke in den eigenen 16er.

Die Hereinnahme von Fußballfeinschmecker Aleksandr Ignovski machte, und das ist wirklich bemerkenswert, das Spiel der Eintracht sogar besser. Entscheidend dafür, dass in der zweiten Halbzeit zumindest der Versuch des Flügelspiels unternommen wurde, war jedoch die Einwechslung von Timothy Chandler. Dem gelang, wie allen anderen, weiß Gott auch nicht viel. Aber man merkte, dass von dort an ein Mann auf der Position spielt(e), die er gelernt hat, die er beherrscht. Resultat: Er wird ab sofort in die Startelf rücken.
Makoto Hasebe muss indes zwingend auf die Sechs, da kann auch die Russ´sche Kapitänsbinde kein Schutzschild sein. Nach dem wilden Auftritt von David Abraham in der Innenverteidigung könnte man ja gar überlegen, ob er es gegen einen Stuttgarter namens Daniel Ginczek nicht noch schwerer haben wird.

Man kann jeden einzelnen unter die Lupe nehmen, via Einzelkritik, wie ich es in der Regel tue. Aber das ist mir, sorry dafür, diesmal zu müßig. Ich wüsste gar nicht, wo ich Unterscheidbarkeiten in der Leistung ausmachen sollte. Hradecky mal außen vor gelassen, haben nur Carlos Zambrano und Bastian Oczipka eine passable Leistung gezeigt. Die schon erwähnten Ignovski und Chandler zählten ebenfalls noch zu den Besseren. Danach klafft ein großes Loch der Blässe, ausgefüllt etwa von Stefan Aigner und Marco Russ. Die schwächste Vorstellung lieferten meiner Ansicht nach Castaignos, Gerezghier und Seferovic ab. Hasebe folgt auch dem Fuße, gefolgt von Reinartz.

Wie man es auch bewertet, gegen den ohnehin Dauer-Angstgegner Stuttgart wird es am kommenden Wochenende darum gehen, ob der Baum Feuer fängt oder nicht. Im Gegensatz zur Eintracht spielt der VfB jedenfalls einen deutlich enthemmteren Fußball, die entwickeln in ihrem SPiel Wucht. Dass sie die Balance (noch) nicht gefunden haben – geschenkt. Jetzt kommt schließlich Frankfurt, da sind drei Punkte quasi vorprogrammiert, um die Maschine zu ölen. Im Umkehrschluss droht die SGE bereits im August ganz unten angekommen zu sein. Der Euphorie, Aufbruchstimmung (so oft habe auch ich sie schon empfunden, zitiert) ist dank des abenteuerlich schlechten Heimauftritts am Samstag bereits ins Gemächt getreten worden. Wie immer.

PS: Mich würde es wirklich überhaupt nicht wundern, wenn die Frankfurter Funktionäre Takashi Inui tatsächlich für einen Abbel und ein Ei Richtung Spanien ziehen lassen und keinen neuen Mittelfeldspieler mehr verpflichten. Einfach, weil man sich wieder eine Überzeugung einredet, die aber dem Realitätstest nicht standhält.
Aber es gibt ja noch Vaclav Kadlec, den Tschechen-Caio. Den könnte man ja schlimmstenfalls auch nach 45 Minuten erlösen. Gilt natürlich auch für den Super-Serben; und sei es zwei Wochen später gegen Köln.

Gegen Stuttgart bin ich unterdessen zuversichtlich.

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Mühelose Fehlpässe

  1. Anonymous

    Ihre Kritik, Herr Wisker, ist eigentlich in jeder Ihrer Artikel negativ.
    Ihre Ahnung rund um den Fußball ist auf einem schlechten Kreisliganiveau!
    Solche Spiele kommen nun mal vor in denen man einfach mal keine Kreativität vorzeigen oder sie zumindest nicht umsetzen kann.
    Sie mögen ja ein guter Schreiber sein, doch der Inhalt Ihrer Artikel über die Eintracht hat keinen großen Stellenwert.

    Ich schreibe Ihnen diese Zeilen, da ich mir Ihre Artikel schon des öfteren durchgelesen habe (, wenn meine Laune es zugelassen hat) und ich Ihre Meinungen nur im seltensten Falle unterstütze.

    Versuchen Sie sich doch bitte Fußballwissen anzueignen, um dann wahrheitsgemäße und professionele Inhalte Ihrer Artikel zu verfassen.

    PS: Nach 2 Spieltagen schon die Frage zu stellen ob uns eine schreckliche Saison bevorsteht ist doch total schwachsinnig.
    Oder finden Sie etwa auch, dass der Abstieg der Gladbacher schon so gut wie besiegelt ist?

    • Eine Bitte: Klarnamen verwenden – wenigstens der Versuch eines Pseudonyms. Ich stehe hier namentlich für Kritik ein, es wäre also nur höflich, das ebenso zu halten.
      Andernfalls fällt es mir schwer, inhaltlich darauf einzugehen.

      Fußballwissen, ja mei, wer hat das schon? Ich habe lediglich die Augen offen und versuche, dass die Vereinsbrille möglichst wenig verdunkelt.
      Und was ich gesehen habe, war schlicht schrecklich. Und es war gerade im Aufbau nicht viel besser als etwa das, was gegen Stadtsllendorf (!) gezeigt wurde.

      Davon abgesehen möchte ich daran erinnern, dass es ja angeblich das Ziel ist, im Mittelfeld in Richtung Europa zu landen. Wer dann, Stuttgart mal skeptisch eingerechnet, 1 bis 2 von 9 Punkten holt, der …

      Gewinnt die Truppe in Stuttgart, ist sie im Soll. Nicht mehr. Siegt sie nicht, hat sie ein Problem. Nicht weniger.

      Muss man nicht teilen, die Analyse. Ich gestehe mir jedoch zu, eben doch ein bisschen was von dem Gekicke zu verstehen. Die Probleme mit/unter Schaaf oder zuvor Skibbe wollte ja auch keiner wahrhaben, Caio oder Korkmaz wurden für Riesenkicker gehalten … perdu.

      Danke fürs Lesen, fürs Kommentieren. Ich freue mich über jede Rückmeldung.

  2. Du hast ja so Recht – andererseits würde ich jetzt nach einem Spiel gegen einen Gegner, mit dem die Eintracht schon immer größte Schwierigkeiten hatte, nicht alles direkt so schwarz malen.

    Bei Inui bin ich ehrlich gesagt der Meinung, dass es für Eintracht Frankfurt und meine Gesundheit nur wichtig ist, dass er geht. Ob und wieviel Geld dafür noch rausspringt, ist zweitrangig. Sie können meinetwegen auch noch ein Jahr eine eventuelle Gehaltsdifferenz weiterzahlen. Mir egal. Das, was er in einem Spiel so anrichtet, ist die ein, zwei guten Offensivaktionen nicht wert.

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