San setto für Taka-San

Frankfurts Fiasko-Fuddler Takashi Inui wechselt, wie vor wenigen Tagen von der #Lügenpresse vorhergesagt, von Eintracht Frankfurt nach Spanien. Auf eigenen Wunsch und wohl ohne nennenswerte Ablöse. Nunja.

Inui, der alle Anlagen zu einem Spieler des Formats Shinji Kagawa (also, den vor-England-Kagawa) mitbrachte, ist in seiner Entwicklung so schnell stehengeblieben, wie sie zu beginnen schien. In den ersten Monaten, genauer gesagt zwischen August und Dezember 2012, traute man als Eintracht-Fan seinen Augen kaum. Da wirbelte ein Mittelfeldspieler, mit einer Dynamik, mit einer Technik, mit einer Konsequenz, die man so lange nicht in einer Frankfurter Mannschaft gesehen hat. Im Zuge des Überrennungs- und somit Überraschungseffekts, der Armin Veh nach dem Wiederaufstieg gelang, blühte Inui auf. Als dann jedoch die Gegner nicht mehr überrascht vom Auftreten des SGE-Teams waren, nahm auch die Wucht und Leichtigkeit in Inuis Spiel ab. Sukzessive. Gleichsam nahmen die Stellungsfehler, die Ballverluste, die Laxheit und Lässigkeit, kurzum die folgenschweren Fehler zu. Sukzessive. Erst in der Rückrunde, dann in der Folgesaison, dann in der darauf folgenden Saison und nun in dieser Spielzeit.

Dem Raketenstart folgte ein zügiges Abbrennen, mit dem Resümee, dass Takashi Inui in seiner Vertragszeit in etwa so viele Gegentore (mit-)verschuldet haben dürfte, wie er (mit-)vorbereitet hat. Nicht umsonst ist die linke Frankfurter Seite stets die anfällige, der vom Gegner ausgemachte Schwachpunkt gewesen, wenn Inui – gerade vor dem defensiv in der Vergangenheit auch oft nicht sattelfesten Bastian Oczipka platziert – spielte.

Nachdem er 2012 vom VfL Bochum zur SGE gewechselt war, wurde Friedhelm Funkel von der „Frankfurter Rundschau“ zu dem Japaner gefragt – immerhin arbeiteten die beiden im Ruhrpott zusammen. Aussage vom Frankfurter Ex-Trainer: „Er verliert zu leicht die Bälle. In Bochum haben wir drei, vier Kontertore bekommen, weil er den Ball leichtfertig hergegeben hat.“ Funkel bezeichnete Inui schon damals als den schwächsten der bis dato verpflichteten Neuzugänge, bzw. als die Personalie, bei der er am skeptischsten ist. Er sollte, all seinen Widersachern und den Eindrücken der ersten Monate, Recht behalten.

Und doch könnte der Transfer von Inui für die Eintracht noch zu einem Problem werden. All seinen Schwächen, all dem Sicherheitsrisiko-Dasein zum Trotz, ist, war er der einzige Eintracht-Spieler, der das Tempo anziehen konnte, der auf den ersten fünf Metern schneller als Gegenspieler war, flink und wendig. So einen gibt es in diesem Frankfurter Kader nicht. Gerade im Mittelfeld, wo es zur Spieleröffnung, vom eins-gegen-eins ganz zu schweigen, diese Dynamik braucht, ist das Fehlen eines Wuselers fatal. Stefan Aigner ist ein anderer Spielertyp, in der Zentrale ist Marc Stendera ein feiner Techniker und Passgeber, aber kein Tempo-Variierer oder gar Tempo-Anzieher, bisweilen sogar eher ein Verschlepper. Stefan Reinartz ist ein defensiverer Spielertyp, Makoto Hasebe und Marco Russ sowieso; zwei davon auch klar Kategorie Kante (weshalb das Duo Reinartz/Russ laut Trainer Armin Veh wohl auch ausgedient haben wird). Aleksandr Ignovski ist ein Dynamiker, aber eben von der Sorte Beißer, Kratzer – keiner, der im Spiel nach vorne etwas ausrichten kann. Joel Gerezghier ist noch nicht so weit, das war gegen Augsburg zu sehen. Ihm gelang es nicht mal, Anlagen zu zeigen. Schon ist es dünn geworden im Frankfurter Mittelfeld, wenn man Alexander Meier – der aber bei aller Wertschätzung auch kein Tempo-Macher ist – mal außen vor lässt. Womit nur noch Johannes Flum übrigbleibt, auf den man berechtigte Hoffnungen setzen kann. Der löst jedoch, bei allen guten Anlagen die er mitbringt, das Geschwindigkeitsproblem nicht. Er könnte, er wird andere Probleme lösen. Aber eben nicht das Tempo-Dilemma.

Nun kann man nach Inuis Abgang natürlich wieder das tun, was man in Frankfurt so gerne tut: Stürmer als Außenbahnspieler einsetzen. Schon wird nämlich darüber fabuliert, dass man dort ja auch Vaclav Kadlec oder Luca Waldschmidt einsetzen könnte. Sicher kann man das. Nur murksen die sich dann auch weitaus mehr einen zurecht als auf ihren gelernten Positionen im Sturm(zentrum).
Die Variante, Aigner mit ins offensive Zentrum zu ziehen – die unter Veh schon während dessen erster Amtszeit mehrfach in die Hose ging – ist eine denkbar schlechte Idee. Man nimmt Aigner (gelernter Außen) aus dem Spiel und schafft zugleich auf der rechten Mittelfeldposition eine Baustelle, der es nicht bedürfte.

Entscheidet man sich tatsächlich gegen Neuverpflichtungen – unabhängig von der Zukunft des Missverständnisses Kadlec – sollte man umgehend auf den gekauften Serben Mijat Gacinovic setzen. Dieser hat die Position wenigstens gelernt, ist einer der jungen Spieler, auf die man offenbar ja zu setzen gedenkt. Er wäre die einzig logische Wahl; eine Systemumstellung mal nicht angenommen.

Jedenfalls sollte der Trainer konsequent auf ein 4-2-3-1 setzen, bloß keine (Schaaf´sche) Raute. Ob er das tut? Es wäre – jetzt schon – drigend angeraten. Denn die allerbeste Zeit erlebten sowohl Veh als auch das Team in diesem System, auch und wegen Inui.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “San setto für Taka-San

  1. Kosten-Nutzen-technisch trotzdem die bessere Wahl. Mir hat bei Inui immer ein wenig die Ernsthaftigkeit gefehlt. Als ob ihm nicht klar war, dass er damit Geld verdient, Fußballprofi zu sein. Die Lustlosigkeit im Spiel nach hinten, aber auch so Momente, in dem er im Strafraum abgeräumt wird und er lieber weiter aufs Tor zurennt (und sich dann wieder verhaspelt und nix aus der Situation macht).
    Dann sind wir mal gespannt, was Gacinovic so kann. Und viel schlechter als Inui können sich doch auch Waldschmidt, Kadlec oder irgendwann Kittel da nicht schlagen. Oder man lässt Basti eine Reihe weiter vorne ran. Läuft bei uns. 😉

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