Ab in den Süden

Interviews im Sport sind in aller Regel sterbenslangweilig, sie wimmeln von Floskeln und wenn sich nicht gerade ein Typ, ein Charakter á al Robert Harting (Diskuswerfer) äußert, kommen keine klaren Aussagen. Schon gar nicht in Zeiten, in denen Vereine – auch Eintracht Frankfurt – alles für den Gewinn der Deutungshoheit über PR-Kanäle wie EintrachtTV tun.

Das gesagt, finden sich im Gespräch der „Frankfurter Rundschau“ und SGE-Sportdirektor Bruno Hübner immerhin einige interessante Aussagen. Wie so oft, wird leider an diesen interessanten nicht nachgehakt. Die Rede ist von einigen Stadion- und Vermarktungsverträgen, die bis 2020 laufen und die – so Hübner – eine finanzielle Aufwertung der Ist-Situation verhindern.
Meine ganz ernstgemeinte Frage: Hieß es nicht vor ein, zwei Jahren schon, dass dieser ominöse Vertrag mit der Agentur ISPR auslaufen und danach einige Millionen Euro frei werden sollen?

Wäre schön (gewesen), wenn solche Nachfragen mal gestellt würden. Denn irgendwie hat man bei Eintracht Frankfurt das Gefühl, dass das goldene Kalb stets auf einer Wiese steht, die erst noch eingesäht werden muss. Soll heißen: Irgendwann in der Zukunft wird mal (finanziell) alles besser.
Kurioserweise funktioniert diese Vermittlung nach außen sogar, vermutlich, weil so viele Fans recht neu hinzugekommen sind und hinzukommen, die diese Argumentations-Struktur nicht schon seit 25 Jahren kennen. Beispiel: Die Mär, dass der Standort Frankfurt doch so ein gloreicher sei, wegen Banken und so, und das man dieses Potential doch nur abschöpfen müsse, ist der Tenor dessen was der neue starke Mann in der Frankfurter Funktionärs-Riege, Axel Hellmann, sagt. Problem ist eben, dass diese Art Aussagen schon in den 80ern, in den 90ern und ja, auch – Stichwort Octagon – in den frühen 2000ern gefallen sind. Geschehen ist in diese Richtung aber nie etwas.
Und das verwundert auch nicht. Frankfurt hat zwar internationales Flair, die Wirtschaft in der Umgebung läuft, aber speziell die so gepriesenen Banken sind eben internationale Player. Die juckt ein Verein wie die Eintracht herzlich wenig. Da geht es um Fische anderer Kategorien, da angelt man Wels, nicht Sprotten.

Aber gut, man kann sich lange aufhalten mit diesen Meta-Ebenen. Und darüber das Sportliche vergessen. Sollte man jedoch nicht tun.

Denn in dem Interview stehen auch sportlich ein paar bemerkenswerte Aussagen. Die durchaus gewollten Transfers von Slobodan Medojevic und Vaclav Kadlec, etwa. Von Wunschspielern zur Resterampe, leider bei der SGE stets zu Millionenverlusten. Ärgerlich, kritikwürdig – aber nötig, vernünftig; wenn denn Ersatz verpflichtet wird, und bitte nicht in der Breite.

Hübners Kurz-Einschätzung zum Augsburgspiel hingegen ist etwas … seltsam. Von dem schon von Marco Russ nach dem Spiel geäußerten „zu viel wollen“ kann nämlich nicht die Rede sein. Die Partie gegen Augsburg war von vielem gekennzeichnet, aber sicher nicht zu sehen war eine permanent wollende Mannschaft, die schlicht nicht konnte. Was übrigens in der Conclusio einer Analyse nicht minder schlimm wäre. Vielmehr spielte die Eintracht als ein Team, das nicht wusste, wie es spielen will, wie es spielen sollte. Also: Nicht am Willen, sondern am Können ist die Mannschaft gescheitert. Gegen Augsburg. Im vorherigen Spiel in Wolfsburg war ja noch weitaus mehr Können zu sehen.

Genug des Rückblicks.

Das, was Trainer Armin Veh ausgezeichnet hat, wohl auch weiterhin auszeichnet, ist, dass er Missstände erkennt – und handelt. Das war unter seinem Nachfolger-Vorgänger Schaaf anders. Veh hat bereits gegen Augsburg reagiert und aus einem Gruselauftritt in Halbzeit eins immerhin noch einen Übel-Auftritt geformt. Die Wechsel und Umstellungen zahlten sich (auf geringem Niveau) aus, verbesserten etwas im Spiel der Frankfurter.
Jetzt deuetet sich an, dass Veh am größeren Rad drehen, zwei, drei Positionen neu besetzen, die Formation verändern wird. Das ist angesichts der vielen spielerischen Mängel auch dringend notwendig. Der Trainer gesteht somit selbst ein – und er behauptete diese Woche auch nichts anderes – dass es nicht am Willen, am Erzwingen lag, sondern an faktisch sportlichen Mängeln. Diese Erkenntnis, diese Handlung ist schon mehr als alle Analysefähigkeit, die in der vergangenen Saison üblich war.

Stuttgart. Das kann maximal einen Punkt geben. Im Idealfall.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Ab in den Süden

  1. Jermaine Jones Junior

    Ich tippe auf folgende Aufstellung:

    ————————–Hradecky————————-
    —————-Russ————-Zambrano—————
    Chandler——————————————–Oczipka
    —————–Hasebe——-Reinartz———————
    Aigner———————————————Waldschmidt
    ————————-Stendera——————————–
    ————————————-Seferovic——————-

    Das Spiel wird nach meiner Einschätzung 2:2 ausgehen.

    • Olli

      Laut kicker läuft es wohl darauf raus:

      —————————–Hradecky————————-
      Chandler——Zambrano——Abraham——–Oczipka
      —————————Russ——————————
      ———-——–Hasebe——-Reinartz———————
      ————————-Stendera——————————–
      ——————Aigner——-Seferovic——————-

      sieht auch noch ner gewissen Lernressistenz aus.

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