Vorschau Kölle

Als Zehnjähriger fiel es schwer, so zu bangen und letztlich zu trauern, wie es im Frühjahr 1992 angemessen war. Die verspielte Meisterschaft, die letzte Chance auf einen Titel in der Geschichte von Eintracht Frankfurt – quälend muss es damals gewesen sein für all jene, die besser reflektieren konnten, was da geschehen war in Rostock. Für mich, an diesem Tag schon in das geliebte schwarz-rote Trikot gehüllt, war es … schade. Aber die Dimension dieser Niederlage ließ sich nicht ermessen.

Anders ist das am 8. September 2015 gewesen. Als die Ärztin die Diagnose aus dem MRT stellte, dass die Kreuzbänder gehalten haben – da war mir die Tragweite sofort klar. Eineinhalb Wochen lang bangte ich, da alle Symptome und zumal die Verletzungsentstehung auf einen Kreuzbandriss hindeuteten. Am Ende sind „nur“ einige andere Bio-Sachen im Knie kaputt, aber nichts ist, wäre so schlimm wie der Riss des vorderen Kreuzbands. Keine Operation nötig, in gut zwei Monaten sollte Lauftraining wieder möglich sein. Die Dimension dieses „Sieges“ kann ich sehr wohl ermessen – und wer weiß, welchen Einfluß die vielen Genesungswünsche auch hier im Blog zu dem Ausgang beigetragen haben. Danke dafür.

So dick aufgetragen das auch klingt, aber so ein Unfall, so eine Verletzung – so glimpflich sie im Endeffekt zu sein scheint – rückt die Dinge ins Verhältnis. Umso schwerer, nun eine geschmeidige Brücke zu den Geschehnissen rund um Eintracht Frankfurt zu bauen. Also versuche ich es gar nicht erst.

Am Wochenende, wenn es für die SGE gegen Köln geht, wird spielerisch ein Schritt sichtbar werden müssen. Die eklatanten Mängel im Aufbauspiel, wie sie bislang in allen drei Saisonspielen sichtbar waren, müssen ein Ende haben. Im selben Zug darf es nicht wieder einen defensiven Hühnerhaufen wie gegen Stuttgart (bis zum Platzverweis) und Augsburg (als Caiuby (!) das Team herspielte) geben. Der Sieg in Schwaben, so wichtig und beruhigend er auch war, darf nicht über die vorhanden, allerhand vorhandenen Schwierigkeiten hinwegtäuschen. In meiner Wahrnehmung wurde etwa das 4:1 doch ganz schön hochgehängt, als quasi logischer Erfolg gegen einen konditionell zunehmend abbauenden Gegner bewertet. Ich hingegen sehe noch die drei, vier 100%igen Chancen des VfB vor dem geistigen Auge. Geht davon auch nur die Hälfte ins Frankfurter Tor, ist der Deckel schon drauf bevor Frankfurt zum ersten Mal aufs Tor schoss. Perdu, spilled milk, egal – zum Glück.
Der FC Köln ist, im Gegensatz zu Augsburg und Stuttgart, eine Mannschaft, die bereits in der Spur, die recht formstark ist. Es ist für die SGE der erste Gegner dieser Kategorie in dieser Saison. Köln ist für mich persönlich schon seit Rundenbeginn die Mannschaft, der ich am ehesten den Überraschungseffekt 2015/2016 zutraue. Die haben ein Team zusammen, das sehr gut zusammengestellt ist. Eine Mannschaft mit vielen Rädchen, die zusammenpassen. Kaum ein herausragender Spieler, dafür viele auf einem gutklassigen Niveau – angeführt von einem in Frankfurt eher geschmähten, denn geliebten: Matthias Lehmann. Was in Frankfurter Fankreisen als Durchschnittskicker abgekanzelt wird, wird anderswo als sportlicher Gewinn gewertschätzt. Das Gespann Stöger/Schmadtke hat diesen ehemals der Eintracht sehr ähnlichen Hickhack-Verein jedenfalls auf einen bemerkenswert guten Weg gebracht. Und der FC ist, natürlich, der Eintracht bereits in einigem voraus. Stichwort Transfererlöse, und das schon seit langem. Kevin Wimmer etwa, ein in den Augen der Nicht-Kölnkenner Mr. Irgendwer, ist für einige Milliönchen nach England verkauft worden.

Nun gut, Strukturen kratzen angesichts des sportlichen Wettbewerbs erstmal nicht. Was also erwartet die Frankfurter in der Partie gegen den FC? Erstmal gilt es, die eigene rechte Seite in Schuss zu bekommen. Defensiv gibt es da, und das seit mehr als einem Jahr, Probleme. Egal ob nun Makoto Hasebe oder Aleksandr Ignovski dort verteidigen werden – sie sind Notlösungen und dementsprechend ein Risiko für den Erfolg. Aber sie sind nicht alleine verantwortlich. Stefan Aigner etwa hat, wie bereits vergangene Saison, Schwierigkeiten in Fahrt zu kommen. Erst, als er gegen Stuttgart dem sicthbar überfordertern Timothy Chandler half, zum doppeln kam, die Wege nach hinten mitging, bekam die Eintracht den Flügel defensiv besser in den Griff. Bei Köln rückt Linksverteidiger Jonas Hector häufig vor,

Wichtig: Die Eintracht sollte, Heimspiel hin oder her, defensiver agieren, nicht zu hoch stehen. Köln, das zeigt sich trotz 7 von 9 Punkten, tut sich gegen tiefstehende Gegner schwer, sie kommen dann kaum in die Position, sich Chancen herauszuspielen. Wie schon gegen Stuttgart, war auch der Sieg gegen Hamburg ein durchaus glücklicher – aber auch der Tatsache geschuldet, dass sie in diesen Partien sehr effektiv mit den wenigen Chancen umgingen, die sie bekamen. Gegen das mitspielende, höher stehende Wolfsburg – gegen das Köln im Gegensatz zur SGE einen Punkt holte – hingegen, verschleuderten sie viele Möglichkeiten; ergo kamen sie dort auch zu einigen.

Trainer Armin Veh ist gut beraten, die Rechtsverteidigerrolle an Aleksandr Ignovski zu übertragen, Makoto Hasebe neben Stefan Reinartz als Doppelsechs zu stellen. Ein 4-2-3-1-System sollte die Wahl sein, zumal falls Alexander Meier tatsächlich schon in die Mannschaft zurückkehren sollte. Links könnte man, wenn auch nicht als Idealbesetzung, Marc Stendera spielen lassen. Er kann aufgrund seiner Tempo-Defizite eigentlich bestenfalls halblinks, also Raute, spielen und keinen klassischen Flügelspieler á la 4-2-3-1. Aber mangels Alternativen und dem kompakteren Mittelfeld und den sich daraus ergebenden Doppelungs-Möglichkeiten auf den Flügeln, könnte das eine strukturelle Variante sein. Luc Castaignos auf links zu ziehen, wäre die schnellere, die offensivere Variante – aber bei seinen bisherigen zusammengerechnet gut 30 Minuten auf der Position, sah er nicht wie jemand aus, der dort wirklich spielen kann. Und was wäre mit Vaclav Kadlec? Jedenfalls wäre er von einem physischen Gesichtspunkt her gesehen im 4-2-3-1 eine bessere Wahl als Stendera.
Aber da es vermutlich auf dasselbe System wie in Stuttgart hinauslaufen wird, dürfte Stendera, der ja gegen Stuttgart auch durchaus ok spielte, im Team bleiben.

Und die Frankfurter Innenverteidigung? David Abraham strahlte gegen Stuttgart durch seine Geschwindigkeit mehr Sicherheit aus als die Wucht von Marco Russ. Und auf Tempo dürfte es gegen Köln auch mehr ankommen als auf Wucht. Jetzt, da Carlos Zambrano aber offenbar etwas lädiert vom Länderspiel zurückkam, könnte es sogar auf ein Duo Russ / Abraham hinauslaufen, was angesichts der bisher wirklich starken Auftritte von Zambrano eine Schwächung des Teams wäre.

Eine Prognose? Unentschieden.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Vorschau Kölle

  1. Mirko Mmtkomischvor

    kniefall vorm kreuz..band. und glückwunsch. überleitung egal. geschmeidige analyse in jedem fall. und ja, 92 war bitter. man muss es verdrängen. auch dass köln eben noch zweitklassig, am arsch war und jetzt wieder was kann, nationalspier stellt und dough macht. aber alles egal, hier muss jetzt potential abgerufen werden.
    alles gute

  2. Olli

    Dann wirste ja pünktlich zum winterlichen Skiurlaub wieder fitt mit dem Knie 😉

    Köln ist ähnlich wie Stuttgart: egal wie, hauptsache nicht verlieren. Wenns geht auch dreckig gewinnen. Die vermutlich neuerliche Umstellung wegen Meier finde ich nicht so prickelnd. Er wird nicht 100% fitt sein und überhaupt nicht eingespielt. Er wird kaum den Unterschied machen (können). 1-2 Spiele noch auf der Bank lassen, dann mal ne Halbzeit von Anfang an bringen und schauen was er so kann.

    Was macht eigentlich unser Serben-Jungtalent für Links-Außen? Nach 3 Spielen schon in die Fenin-Kadlec-Spuren getreten?

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