Am Ende clever

Vom Überroll-Fußball ist in und gegen Hamburg nicht mehr geblieben als ein Kuller-Kick. Selten hat ein Ergebnis, hat ein 0:0 im Speziellen einem Spielverlauf derart entsprochen, wie die Partie Eintracht Frankfurt gegen den Hamburger SV.

In der ersten Halbzeit war die SGE dem Gegner unterlegen, der verballerte eine 100%ige Chance, die Latte trug rot-schwarz. Im zweiten Abschnitt war die Eintracht die bessere Mannschaft, hatte jedoch auch nur eine gute Möglichkeit, als Drobny einen Meierschuss stark parierte. Und sonst? Vor allem viel Frankfurter Schlafmützigkeit, einige Spieler wirkten fast verärgert, spielen zu müssen. Bastian Oczipka hinterlies nach Wochen der guten Konstanz einen merkwürdig fahrigen Eindruck, Marc Stendera gelang bis auf einen hellen Moment nichts, Haris Seferovic verlor jeden Ball und Luc Castaignos spielte gar nicht erst mit.

Im Mittelfeld hatte die SGE vor allem in den ersten 45 Minuten gar keinen Zugriff, erst als Stefan Reinartz sich mit Wiederanpfiff verbesserte, schien das Team sich an ihm hochzuziehen, wurde etwas besser, jedenfalls sicherer, hatte häufiger den Ball als im ersten Durchgang. Damit anzufangen wusste die Mannschaft allerdings nichts.

Fazit: Funktioniert hat in Hamburg durchweg nur eines, und das war die Innenverteidigung. Marco Russ und David Abraham waren die einzigen Spieler, denen man eine rundum gute Leistung attestieren kann, sie hatten die Gegenspieler im Griff, agierten fehlerlos, liesen im 16er – bis auf die Situation bei der Standardsituation, die an der Latte endete – keine Abschlüsse zu.

Irgendwann wird Trainer Armin Veh gemerkt haben, dass sein Team – mit dem Bonus der Gastmannschaft bedacht – hier und heute nichts Außergewöhnliches mehr erreichen wird, und will man es noch so sehr erzwingen. Dafür stand Hamburg zu gut, dafür spielte der HSV nach vorne zu ebenbürtig (man erinnere sich an die recht fahrlässig vergebene Chance von N. Müller aus 14 Metern), dafür hatte man selbst zu viele Mängel im Aufbau, zu wenig Griff nach vorne wie hinten. Spätestens in der Schlussviertelstunde dürfte auch jedem Zuschauer gedämmert sein, dass ein Auswärtspunkt an der Elbe das Maximum sein wird, das Maximum sein sollte. So erklären sich auch die späten Auswechselungen, die zumindest im Fall des schwachen, trägen und bei Standards komplett abgebaut habenden Marc Stendera nicht nachvollziehbar schienen. Wenigstens ihn hätte man früher ersetzen müssen; ob nun mit dem für das System eher ungeeigneten Stefan Aigner oder, was sinnvoll gewesen wäre, mit dem für eine Raute geeigneten Johannes Flum.

Alles in allem ist der Punkt ein Gewinn für Eintracht, auch wenn tabellearisch mit Köln, Mainz und Ingolstadt gleich drei Teams vorbeigezogen sind. Der Trainer hat den Spielverlauf clever und richtig gelesen, die Hamburger waren keinen Deut schlechter / besser als die SGE, das Risiko, in einem solchen Aktionslos-Kick als Gastmannschaft einen (ziemlich) sicheren Zähler zu verlieren, einem direkten Konkurrenten zwei zusätzliche zu schenken, war angesichts der eigenen Harmlosigkeit zu groß. Denn klar war recht bald: Wer das erste Tor erzielt, gewinnt.
Und man muss ja ehrlich sein: Statt einem furiosen Ballbesitz-Beginn wie gegen Köln, einem pressing-betonten Spiel, hatte in den ersten Minuten ausschließlich Hamburg den Ball, war der Bestimmer des Takts. Und ohne eine Anfangsphasen-Attacke, das klang ja auch in meinem Vorbericht zur der Partie an, war es klar, dass die Eintracht nicht mal einfach so Vollgas geben, die Gefahr von Gegenstößen erhöhen würde.

Ob das, die Spielweise, die Ausbeute als solche genügt um mittel- bis langfristig an den Europapokalplätzen dran zu bleiben? Schwer zu sagen, Blicke auf die Tabelle sind nach fünf Spielen sowieso Käse. So clever die Maßgabe hinten raus jedenfalls war, für den ganz großen Coup hätte man vermutlich auch bei diesen Umständen mehr auf die drei Punkte gehen müssen, als Veh das tat (Stichwort Auswechslungen). Aber zum einen sind Frankfurer Bäume sowieso eher Bonsai, zum anderen darf man nie die Stärke/Schwäche des jeweiligen Gegners aus der Betrachtung nehmen. Man kann mit dem Zähler gut leben, die Leistung war zumindest in der zweiten Halbzeit abgezockt; in der ersten war sie nicht gut.

Am Mittwoch in Schalke werden aber beide Halbzeitleistungen nicht für Zählbares reichen.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Am Ende clever

  1. Olli

    4 Spieltage ungeschlagen. Sowas ist auch schon länger her. Augsburg haben wir letzte Saison am Anfang Richtung Europa geschickt, ein ähnliches Spiel gegen den VFB mit 4:5 verloren, das Spiel beim HSV glücklich gewonnen. Es lief bei der Eintracht schon mal bedeutend schlechter mit schlecht gespielten Spielen.

    Interessant werden die Spieltage 9-12. Erst Gladbach und Hannover. Es folgt der Pokal in Aue und ein (überflüssiges) Spiel gegen Bayern. Danach 18,99€. Sprich, der Rest vom aktuellen Tabellenkeller von den Bayern unterbrochen. Wenn du die nächsten 3 Spiele (S06, Hertha und Ingolstadt) nicht böse auf die Fresse fliegst, kann man sich ein schönes Punktepolster aufbauen. Ich bleibe dabei – es wird (tabellarisch) eine entspannte Saison werden.

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