Zu spät gespielt

Bescheuert. Das ist wohl das einzige Adjektiv, dass einen Eintracht-Fan beschreibt. Zum einen weiß man, dass öfter gepatzt/verloren wird als man Erfolge feiern darf. Zum anderen beschäftigt man sich während einer Fortbildung fern der Heimat weniger mit Lernen und Üben mit der Frage, wo man am Abend das Spiel der Frankfurter sehen kann.
Und so findet man sich in der Lobby eines Hotels wieder, mit mieser WLan-Verbindung auf dem Handy SkyGo schauend, bis dort gar nichts mehr geht. Dann entdeckt man im Personalraum einen Fernseher samt Sky, fragt ob man schauen dürfe – und bestellt undurstig ein Weizen und verspricht sattes Trinkgeld fürs Schauendürfen.

Und was man sah, war erstmal ok. Diese gewisse Unaufgeregtheit, die im Team zu herrschen scheint, weiß zu gefallen. In einem weitgehend ausgeglichenen Spiel, war man diesmal jedoch nicht in der Lage, auswärts den Punkt mitzunehmen. Dabei war Schalke individuell nicht mal besser als der Hamburger SV zuvor. Die klareren Tormöglichkeiten, wenn auch nicht in Massen, hatte in der ersten Stunde zwar Schalke. Aber ehrfürchtig müsste man da nicht sein, was erwartbar war.
Man kann alles in allem sagen, dass die SGE 45 Minuten etwas passiv, vor allem ungenau im Spiel nach vorne wirkte. Ballverluste der Schalker gab es eine Halbzeit lang durchaus. In klare Chancen (was sich rächte) ummünzen konnte das die Eintracht eigentlich nie – die mit Beste war Hasebes 17Meter-Volley.
Spielfreudig war das lange nicht wirklich, konzentriert dafür sehr. Der Auftritt gegen Köln konnte und kann kein Maßstab sein, alles in allem wirkt die SGE aber reif, abgeklärt. Der Furor nach vorne fehlt aber – was gerade bei der Raute ungut ist. Denn durch die Raute gibt es ein recht offenes Mittelfeld, daher muss das Spiel nach vorne als Stärke (besser) funktionieren. Andernfalls, also wenn man auswärts in Richtung Punktgewinn schielt, wäre ein 4-2-3-1 irgendwann die besser Idee gewsen.
Defensiv ist indes klar sichtbar, dass die rechte Seite als der Frankfurter Schwachpunkt ausgemacht wurde. Wieder mal. Im nun 2. Jahr. Trotzdem steht man hinten gut, und als man so nach 60 Minuten – vielleicht auf erhoffter Schalker Müdigkeit fußend – eine Chance erkannte dass mehr Spielanteile möglich und nötig sind, investierte Frankfurt mehr.

Das Team wurde dann forscher, übernahm das Kommando, machte das Spiel. Da war vieles ganz gut ohne die allerletzte Konsequenz, die ganz klaren Abschlüsse. Jedoch, und das ist gut, kann das Team zusetzen, spielt mangels Können kein Einheitstempo.
Bis, und das war bei dem Spielverlauf ohne zwingende Szenen irgendwie klar, eine Standardsituation (von denen die SGE zu viele verursachte) die Partie 10 Minuten vor Ende entscheidet – und die Eintracht, als nun vorerst schlechtester Rhein-Main-Bundesligist, hätte ja unmittelbar nach dem Rückstand bei der Alexander Meier Doppelchance ausgleichen müssen. Das 2:0, ja mei, ist halt so.
Resümee: Zu spät fing das Team an, etwas zu wollen.

Bastian Oczipka hatte keinen guten Tag, Marc Stendera spielte durchwachsen, bei Luc Castaignos ging quasi nichts zusammen – im Grunde, wenn auch kollektiv spielerisch verbessert, fällt die Bewertung ähnlich aus wie beim Hamburg-Spiel: Augenhöhe.

Nach Haris Seferovics Verletzung, seiner Auswechslung, behielt Trainer Armin Veh das System bei – es half so wenig, wie es schadete. Müßig zu diskutieren, ob eine Umstellung, oder ein Wechsel Flum statt Aigner und Stendera auf die 10 besser gewesen wäre. Jedenfalls riss das Spiel damit, dadurch nicht ein.
Problematisch ist die Tatsache der Doppelverletzung Seferovic/Carlos Zambrano.
Eine teuer zu ertragende und unerzwungene Niederlage. Gegen Hertha BSC sind jetzt, zuhause, Punkte (Plural) gefordert. Andernfalls ist man erstmal weg von der Rampenposition in Richtung Europapokal. Da sich die Kellerteams nun geschüttelt haben, sollte die Eintracht am Wochenende tunlichst nachlegen. Man hatte die Ziele gut im Visier, nun darf man sie nicht aus den Augen verlieren.

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Zu spät gespielt

  1. Olli

    Laut dem Live-Ticker wurde irgendwann nach dem Seferovic / Aigner Wechsel auf 4-2-3-1 umgestellt. Mein Live-Stream hat aber nicht zugelassen dies zu erkennen.

  2. Jermaine Jones Junior

    Noch nie habe ich Sebastian Jung so sehr vermisst wie heute Abend.

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