Konsequent konsequent

Umso mehr Stunden seit der Niederlage in Gelsenkirchen vergehen, wächst die Säuernis ob des Ergebnisses aus Sicht von Eintracht Frankfurt. Die Pleite war angesichts des Spielverlaufs unnötig wie ein Kropf. Nicht, dass die SGE tatsächlich die bessere Mannschaft gewesen wäre, wie sie viele durchaus sehen. Aber sie war auch keinen Deut schlechter als das mit Gazprom-Millionen gespritzte Schalke, die von Schiedsrichter, Verband und Medien ignorierte oder stiefmütterlich behandelte Huntelaar-Aktion (wann wurde eigentlich zuletzt ein Spieler nachträglich sanktioniert für seine im Spiel geflissentlich übersehene Schweinerei?) ganz außen vor gelassen.

Die Niederlage hat für die Frankfurter eine Veränderung der saisonalen Vorzeichen zur Folge. Ein Auswärtspunkt (von einem Sieg ganz zu schweigen), und man – ein Sieg zuhause gegen Berlin vorausgesetzt – wäre wirklich so ziemlich oben mit dabei. Der bisherige Spielplan ist ja in puncto Gegnerstärke / Gegnerform wahrlich sehr durchmischt. Möglich war vieles, so ein richtiges Brett hatte man jedenfalls noch nicht vor der Brust. Man hätte am Ende dieser englischen Woche die komfortable Lauerstellung eben inne haben können. Stattdessen könnte, wenn gegen Hertha nicht drei Punkte geholt werden, nach kurzem Aufflackern von Ambitionen die gewohnte Tristesse zurückkehren.
Um das klar einzuordnen: Wer mit dem unteren Tabellendrittel nichts zutun haben möcte, einen einstelligen Tabellenplatz anstrebt – bei allen bekannten und angesichts der Leistungsdichte zwischen Rang 4 und 14 kurzfristigen, wöchentlich wechselnden tabellarischen Auf und Abs – sollte Hertha BSC Berlin bezwingen. Müssen. Können sowieso.

Nach zwei Auswärtsspielen, die zwischen konzentriert-reif und zufrieden-schlafmützig pendelten, darf, sollte im Waldstadion mal mit der von Trainer Armin Veh und der Mannschaft ausgegebenen Marschroute begonnen werden, das eigene Spiel durchzuziehen, die Stärken im spielerischen Bereich auszuspielen. Denn der Angriffsausbau ist derzeit als eher schleppend zu bezeichnen, das Team agiert plötzlich weitaus seltener als es reagiert. Dabei bezeichnet man doch die Offensive, das nach-vorne-Spielen als eigene Stärke.

Die Partien in Hamburg und Schalke haben, und das ist ein irgendwie zufällig zustande gekommener, positiver Erkenntnisgewinn, der (zentralen) Defensive ein Stabilitäts-Gütesiegel eingebracht. Welches Innenverteidiger-Pärchen auch immer aufläuft, das sieht sehr vernünftig, ruhig, abgeklärt aus. Im Gegensatz zu den defensiven Außenbahnen, wo Aleksandr Ignovski sich auf rechts redlich müht, aber durch den sehr konsequenten Druck über seine Seite irgendwann den Gegenspieler nicht mehr halten kann. Es ist eine Zermürbungstaktik, die bislang alle Eintracht-Gegner verfolgten. Nicht zu unerfolgreich, möchte man sagen.
Das liegt übrigens nicht mal an Ignovski, dessen unbestrittene Arbeitermentalität mit dem Ball am Fuß ihre Wirkung verliert, sondern an der bekannten Transferfehlentscheidung vor der Saison. Seien es nun der immer wieder genannte Sebastian Jung, der Kaiserslauterer Jean Zimmer oder andere gelernte Rechtsverteidiger: eine Konkurrenten zu Timothy Chandler hätte es so oder so bedurft, erst recht, wenn man als Ersatzleute nur (redlich bemühte) Notnägel wie Ignovski oder Makoto Hasebe aufzubieten hat. Nun gut, zig Mal thematisiert, Schwamm drüber.

Vor Sonntag wird Armin Veh eine Entscheidung treffen müssen, die mehr beinhaltet als die Kombination Aigner für Seferovic + Systemumstellung auf 4-2-3-1 oder Kadlec für Seferovic + Festhalten am 4-4-2. Der Trainer wird überlegen, ob er nicht in das offene Messer zu rennen droht, wenn er den Berlinern von Beginn an eine brachial offensive Ausrichtung anbietet. Damit dürfte der Gegner nämlich rechnen, schließlich waren die forscheren Spielweisen zuletzt ein Markenkern der SGE-Heimauftritte.
Auf der anderen Seite ist es eben tatsächlich angesagt, nach zwei abwartenden, reservierteren, auf Auswärtszähler sichernden Taktiken des Spiels Kern – das Toreschießen – ins Visier zu nehmen. Konsequenz ist das Nomen, das Maßgabe sein muss. Gegen alle Gegner. Wenn du A am besten kannst, dann zieh A voll durch, kannst du B besser, zieh durch. Egal ob gegen TSV Hintertupfingen oder Bayern München. Es wird Zeit, dass die Eintracht sich für einen spielerisch-taktischen Weg entscheidet. Denn kicken können die, da ist vieles – wie auch in den zweiten 45 Minuten gegen Schalke immer wieder zu sehen war – kein Zufall. Doch bislang schlingert die SGE ziemlich, in Gelsenkirchen und auch schon in einigen Partien zuvor sogar halbzeitweise. Und das wollen wir ja nicht. Wir, die Fans, wollen aber erstmal nur ganz schnöde Sieg(e). Es soll ja schließlich in Richtung international vermarktbarem Image gehen, nicht die gewohnte Verstrickung in Klassenerhaltskämpfe.

Ist doch mal eine Ansage, oder gilt man damit bereits als illusorischer Träumer, der ungerechtfertigte, bankenturmhohe Erwartungen formuliert?

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

2 Antworten zu “Konsequent konsequent

  1. Mirko Mmtkomischvor

    ich liebe die hoffnung, die der text austrahlt….strahlt. aber klar, hier werden bei uns allen offene türen eingerannt. obwohl wir es wissen, alle wissen, dass ein sieg gegen die hertha zu diesem zeitpunkt nicht dem verein entspricht, wie wir ihn kennen. wenns um was geht, wenn die chance besteht, „uns mit EINEM sieg JETZT oben festzubeißen“, verkacken und versagen wir, egal wann in den letzten jahren, egal wer da unten steht. will gar nicht über die ausfälle, bzw noch unklare ausfälle reden. die geben fast wieder hoffnung, da sie die erwartungshaltung eher dämpfen. magische sge. magisches denken. wtf. so simmer.

Diskussion

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s