Aus dem Knick

Nun gut, ich sehe die Kritik an dem Spiel von Eintracht Frankfurt ja ein, ich teile sie in Teilen sogar. Aber die Ernüchterung, die sich breitzumachen scheint, ist mir dann doch etwas zu viel emotionale Düsternis.

Fakt ist, dass die SGE gegen Berlin in der zweiten Halbzeit, speziell ab der 60. Minute schlecht spielte, Hertha die Partie vermutlich sogar gewonnen hätte, wenn das Spiel 100 statt 90 Minuten gedauert hätte. Fakt ist auch, dass BSC im ersten Abschnitt zwei, drei sehr gute Chancen hatte – die Eintracht jedoch auch. Entscheidend ist jedoch eine ganz andere Feststellung, und zwar die, dass die Mannschaft in einer engen Bundesliga näher an Rang 4 als an Rang 16 steht und bisher in allen Spielen konkurrenzfähig, nicht selten die etwas bessere Truppe war. Mit ein bisschen weniger Unglück holt man gegen Schalke wenigstens einen Punkt, dann ist man punktetechnisch zweistellig und vieles liest sich besser. Spiele auf Augenhöhe gehen eben mal so, mal so aus. Das Frankfurt eines eben dieser Duelle auf Augenhöhe hätte gewinnen müssen (Gegen Berlin hatte man das in der Hand und verschenkte es), ist klar. So what?

Zum einen steht der Klub tabellarisch so ziemlich genau dort, wo er wohl hingehört. Ein anderes Ergebnis, und er stünde entweder deutlich weiter oben (Rang 4) oder minimal weiter unten. Zum anderen waren die personellen Baustellen doch bekannt, in diesem Blog wurden sie die ganze Saison 2014/2015 hindurch immer wieder benannt (Rechtsverteidiger, linkes offensives Mittelfeld), aber die Frankfurter Funktionäre entschieden sich bewusst dafür, nicht zu handeln, nicht gegenzusteuern. So läuft man eben mit einem Notnagel als Rechtsverteidiger auf, der defensiv löglich arbeitet, sich in alles und jeden reinwirft, aber am Ball verzweifelt. So läuft man mit dem technisch guten, stets bemühten, aber ebenso schlicht zu langsamen Marc Stendera als Linksaußen, wenn auch auf Halbposition, auf. Wenn man dann noch im defensiven Mittelfeld zu wenig Tempo entwickelt und Passpräzisionsprobleme hat, die zweite Reihe bei Einwechslungen keine wirkliche Hilfe ist – nunja, dann sollte man vielleicht das Spiel gegen Köln nur als das Hochlicht ansehen, das es war. Die Mannschaft hat ja auch in anderen Spielen schon gezeigt, dass diese Power, zumal das strukturelle Vorgehen ja durchaus kein Zufall war und ist.
Entscheidend für die Stimmung, sogar weniger als für den Saisonverlauf, wird die Partie in Ingolstadt sein. Tabellarisch Augenhöhe, aber personell wäre es lachhaft, die Ingolstädter auf Augenhöhe zu sehen. Die haben, wie auch Darmstadt einen euphorisierten Lauf, keine Frage. Aber wenn die Eintracht neben ihren fußabllerischen Möglichkeiten, die man schon gesehen hat und die vorhanden sind, nun mal so etwas wie eine Mentalität entwickelt – und nicht dieses fahrige Larifari-Gegurke á la Berlin – ist ein Sieg in Bayern nicht nur möglich, sondern Pflicht.
Die Ingolstädter werden indes tief stehen, weshalb Spieler wie Luc Castaignos Mühe haben werden. Das wird keine Gala, aber wen juckt es? Die Eintracht hat jetzt, eben weil der Gegner a) formstark und b) diszipliniert ist, eine Chance. Eine Möglichkeit, den Stimmungsknoten wieder zu lösen. Dazu müssen aber einige wenige Spieler sportlich (Makoto Hasebe zählt dazu) und so ziemlich alle mental aus dem Knick kommen. Die Geilheit aufs Gewinnen, die ging diesem Verein zu lange ab. Wird mal Zeit, das zu ändern, Europaambitionen hin oder her.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Aus dem Knick

  1. Christian H

    Als hätten wir nicht schon genug Probleme, jetzt steigt der Chandler auch noch in das Training ein.

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