Monatsarchiv: Oktober 2015

Schummelei

Geschummelt habe ich. Vom Spiel von Eintracht Frankfurt gegen Bayern München nahm ich zwar tatsächlich erst in der 49. Minute, dann nochmal in der 83. Minute Notiz. Via Ticker auf dem Handy. Nebenbei gab es bei einem verkappten Italinier Pizza mit Freunden. Dann, um 22:27 Uhr der Blick auf das Smartphone: das 0:0 ist Realität, Fakt geworden. Da schepperte es auf dem leeren Teller, die Gabel flog in hohem Bogen auf eben jenen und ein „Yeeeessss!“ durchfuhr den Laden.

Aber wieso geschummelt? Ich kündigte im Blog an, das Spiel nicht im Fernsehen zu schauen, nicht ins Stadion zu fahren – es zu ignorieren, der quasi verbrieften Klatsche, nunja, der sicheren Niederlage wegen. Die vergangenen fünf Halbzeiten ließen keinen anderen Schluss zu, so absonderlich der Fußballsport auch zu sein vermag. Trotzdem nutze ich die nicht mehr ganz so neue Möglichkeit der Festplatten-Aufnahme; es geht einfach nicht ohne Eintracht-Schauen, in irgendeiner Form zumindest. Und so kam es, dass ich nach Pizza und Weizenbier, nach Cocktail und Snack heim kam und entspannt eine aufgezeichnete Abwehrschlacht verfolgen konnte, die ich mit diesem Ausgang nicht erwartet hätte.

Natürlich hätte Bayern das Spiel gewinnen müssen. Mit einem Tor wäre der einträchtliche Ofen aus gewesen. Aber speziell Lukas Hradecky und Carlos Zambrano waren in ihrem Element, die fußballerische Grundtugend wurde an diesem Freitagabend hochgehalten. Chapeau. Das ganze Team zeigte einen Biss, der gegen jeden der zuletzt gespielten Konkurrenten locker für Erfolge gereicht hätte. Ach, die Hälfte von diesem Einsatz, diesem Willen und Kämpferherz, der Leidenschaft, hätte zumindest für Aue im Pokal gereicht. Es war ein Spiel, Friedhelm Funkel reloaded – mit dem Unterschied, dass der alte Coach für taktische Maßgaben wie am Freitag gegen Bayern von vielen gerne an die Wand genagelt wurde. Zweckmäßig ist, was Punkte bringt – war immer so, wird immer so sein. Mit Ästhetik gewinnt man keinen Blumentopf.

Doch wieder mal – und das ist die bittersüße Lehre – zeigt sich, dass Eintracht Frankfurt sich nur mit dem Rücken zur Wand aufzurappeln vermag. Das ist zwar eine teils beruhigende Eigenschaft. Jedoch belegt sie den Vorwurf, dass dieses Team ein Motivationsproblem hat: Es geht nur dann etwas zusammen, wenn es wirklich sein muss. So, wie nach dem 1:0 von Hannover, wirkte auch das Ausscheiden im Erzgebirgte als Initialzündung für eine deutliche Leistungssteigerung, eine erfolgsgekrönte.

Wie kurzzeitig wird der Nachbrenner diesmal halten? Der ohne Zweifel überraschende und gleichsam für Punktekonto wie Kopf wichtige PunktGEWINN gegen die Übermannschaft aus München, ist super. Folgt darauf allerdings ein Rückschlag in und gegen Hoppenheim, war, ist das alles nichts wert, kaum mehr mal als eine trotzig schöne Momentaufnahme.

Enttäuscht worden ist der SGE-Fan in seiner Leidenszeit oft, sehr oft. Alleine in dieser Saison ist das auf kurzer Strecke schon mindestens zwei, drei Mal der Fall gewesen. Seien wir also gesund skeptisch, bewerten wir die Energieleistung im Waldstadion nicht über. Freuen wir uns über das „den Millionarios in die Suppe spucken“, aber reden wir uns jetzt nicht schön, was zuletzt alles sichtbar schlecht war.
Das schreibe ich in Kenntnis der Sätze, die Trainer Armin Veh nach Abpfiff an das „Umfeld“ richtete, wonach man in Frankfurt überkritisch sei, auf die Mannschaft zu sehr eindresche. Man müsse wohl 6. / 7. werden, um Ruhe zu haben … Ja, Herr Veh, das ist richtig, das müsste man in der Tat werden. Und zwar deshalb, weil dazu die Chance bestand, besteht. Im Schneckenrennen muss Eintracht Frankfurt doch nicht wie gottgegeben immerzu hinterherschauen. Es ist möglich, sollte das Ziel sein mehr zu erreichen als Überlebenskampf, Jahr für Jahr aufs Neue. Das Team hat bislang allen Anlass für Kritik, für Unzufriedenheit, für Spott gegeben. Jeder kleinste Chance wurde kaputtgemacht, und zwar allzu oft aus Unlust, Pomadigkeit, spielerischen Mängeln grundlegenster Art. Nein, den Schuh der Überkritik muss sich das ominöse „Umfeld“ nicht anziehen, nicht dieses Mal, seit Jahren nicht, Herr Veh.

Und jetzt weiter zur Punktefeier.

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Meine Diva

Siehe Titel. Man glaubt’s nicht. Super, Eintracht, da ist doch Leben!

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Vier bis sechs

Gibt jemand etwas auf die „neue“ Maßgabe bei Eintracht Frankfurt, den Ausruf des Abstiegskampfs? Natürlich kann man sich, wie so oft in den vergangenen Jahren wieder daran hochziehen, dass die Verantwortlichen „es“ (damit ist die Abstiegsgefahr gemeint) „früh genug erkannt haben“. Ja, toll. Die Erkenntnis des Offensichtlichen, der Anerkennung der Lage, in die man sie sich selbst offensivst durch sportlich-strategische Fehlentscheidungen hineingearbeitet hat. Ist das überhaupt noch das Mindeste, das verlangt werden kann? Wo Eintracht Frankfurt – auf welcher Ebene auch immer – Höchstleistungen erzielt, beginnt für so manchen Konkurrenten das kaum erwähenswerte Normalpensum.

Machen wir die Sache kurz: Wenn Ende November, von welchem Personal, welcher Formation auch immer, nich mindestens 16 Punkte errungen worden sind, hat zunächst Trainer Armin Veh entlassen zu werden. Auch wenn der Schnitt eigentlich eine Etage darüber, bei dem in Misserfolgs-Situationen übrigens stets schweigenden Sportdirektor Bruno Hübner, anzusetzen hätte. In der Winterpause hat dann für die richtigen Spieler (die allerdings dann auch wieder die falschen Funktionäre aussuchen) Geld in die Hand genommen zu werden. Und das nur, um daas neue (!) Saisonziel zu erreichen. Nach der Spielzeit, egal ob nun in Liga 1 oder 2, wird Heribert Bruchhagens Ära plangemäß enden. Eine Möglichkeit zum Neuanfang (dem x-ten) böte sich dem Klub aber wohl nur, wenn Hübner ebenfalls der Laufpass gegeben werden würde.

Steht die SGE Mitte Dezember wider Erwarten mit 18, 19, 2o Punkten dar, ist bis zum nächsten Kartenhauseinsturz zunächst das große Durchatmen angesagt. In Hoppenheim, mit neuem Trainer und vor der nächsten bedepperten Länderspielpause, wird sich der Kurs schon weisen. Im November warten dann noch Leverkusen und Mainz bevor es Anfang Dezember daheim gegen Darmstadt geht. Auf dem Papier ist das ein Programm, aus dem man die besagten zumindest vier bis sechs Punkte realistisch holen kann. Mit halbwegs Form, Idee und Wille. Doch leider sind all diese drei Aspekte in diesem Team gestorben. Und daher bleibt eben doch kaum Hoffnung auf ein Eintreten des positiven Szenarios; und da interessiert es mich null, wie passabel der Auftritt nachher bei der Niederlage, die zwischen 0:4 und 0:6 liegen wird, gegen Bayern München (den ich übrigens nicht schauen werde) am Ende gewesen sein wird.

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Die letzte Patrone

Da stellt Trainer Armin Veh, nach Wochen des Würgens mit Raute, gegen Hannover ein 4-2-3-1 mit Djakpa/Oczipka auf dem linken Flügel auf. Um dann in Aue was zutun? Das Duo wieder zu sprengen und abermals das System insofern zu (ver-)wechseln, als dass er Marc Stendera als Linksaußen – wo er seine Untauglichkeit schon mehrfach unter Beweis stellen konnte – aufstellte. Bei allen Fehlern, die man auch Veh zurecht zuschreiben und ankreiden mag, vermochte er in der Analyse und Lehre daraus eigentlich stets das strukturell Richtige zu tun. Nun, gegen Aue, tat er das Gegenteil. Er wählte in einer Phase der tiefsitzenden Verunsicherung eine Formation, die noch unsicherer sein musste als das ohnehin fragile Gebilde. Das darf einem mehr Sorge bereiten als so manches andere.

Denn zumindest ich weiß nicht, was Veh spielen lassen will. Nach dem Aufstieg waren es in einem 4-2-3-1 vor allem zwei hochstehende Außenverteidiger mit einem eher defensiv orientierten, strukturierenden (Schwegler) sowie einem schnellen, das Team nach vorne ziehenden Sechser (Rode). Somit schuf das Team neben Überzahl im Mittelfeld recht viele Offensivaktionen, bei gleichsam problematischer Rückwärtsarbeit. Später war es eine wesentlich defensiver gedachte Formation, die auf Ballbesitz aus war und die Angriffe trotzdem sehr konsequent über die schnellen Außen Aigner und Inui vortrug.

Aktuell ist das – und zwar sei Saisonbeginn – nichts als strukturelles Wirrwarr. Das beginnt, endet aber nicht bei der Entscheidung für eine Rautenformation. Das Aufbauspiel ist Unsinn, es gibt offenkundig keine Gesamt-Idee von dem, was man und wie man es zutun gedenkt. Es gleicht einer Maxime, wonach jeder einzelne Spieler seine individuelle Stärke einbringen und der Zufall das große Ganze schmieden, zu einem guten Ausgang führen soll. Das erinnert sehr an die Amtszeit, die Fortsetzung des Treibens von Thomas Schaaf. Es ist Zufalls-Gewurschtel, in puncto Formation, Auf- und Einstellung, um die eklatanten Fehler in der Kaderplanung zu kaschieren. Irgendwie ins Zwischenziel Winterpause retten. Aber das ganze eben planlos, auf Sicht fahrend, mal so, mal so, dann wieder anders.

Das Beispiel ist oben genannt: Erst setzt der Trainer aus der Not auf das Duo Djapka/Oczipka, dann sprengt er es nach nur einem Spiel wieder und stellt Stendera als Linksaußen, der sich dort bereits mehrfach als untauglich erwiesen hat. Wieso? Die Zeit der Experimente ist die Vorbereitung, und wenn man mitten im Schlamassel steckt – was die SGE unstrittig tut – darf man einen Weg, der zumindest halbwegs funktioniert, in die richtige Richtung gewiesen hat, nicht verlassen. Schon gar nicht, wenn man jedes Spiel gebrauchen kann, um sich das Minimum an Sicherheit zu erspielen.

Es ist, und hier kommt abermals die Funktionärs-Verantwortung zum Tragen, absolut sinnbefreit auf einen auf die Außenbahnen fixitierten Kurzpassspiel-Verfechter (Veh) einen zentralspielmacher-orientierten oder Langholz-Anhänger (Schaaf) zu verpflichten und dann eine Saison später wieder den Kurzpass-Verfechter zum Trainer zu machen.

Unabhängig von der üblen Einstellung, die diese Mannschaft immer wieder (aber auch das über die Jahre nicht zum ersten Mal) zeigt, wundert es nicht, dass die Spieler verwirrt sind und sich spielerisch auch so verhalten.
Die Vorstände bei Eintracht Frankfurt haben schlicht keinen Dunst von Trainerverpflichtungen. Man kann sich so eine Runde trefflich vorstellen. Da sitzt dann nämlich kein Kenner des Spiels im Gremium, der eine, der seine Vorstellung von der Ausrichtung des Kaders, der Spielweise, des mittelfristigen Weges hat und den Trainer danach aussucht, ob dieser eben jene Forderungen umsetzen kann. Nein, bei der SGE wird es sicher so laufen, dass Trainer sich und ihre Vorstellungen vorstellen dürfen und á la „Höhle des Löwen“ auf dem Fernsehsender Vox die „Jury“ entscheidet, mit wem man in die Kiste zu steigen gedenkt, weil Person XYZ sich so gut verkauft hat.

Ich bin gespannt, ob in der folgenden Diskussion die Personalie Bruno Hübner mal auf den Prüfstand kommt. Das Kernproblem ist immerhin – ich sprach es an – eines der Vereins“identität“ bzw. der (mangelnden) Fachkompetenz. Und da Heribert Bruchhagen spätestens seit Ende der vergangenen Saison eine lame duck ist, trägt die Verantwortung für die (abermalige) Misere meines Erachtens in erster Linie der Sportdirektor. Die Entscheidung gegen einen LM bei gleichzeitigem Verkauf des einzigen LM, die Entscheidung gegen einen RV und auch einen flinken DM ist vereins-/ teamschädigend. Für sich genommen war etwa der Transfers von Stefan Reinartz durchaus in Ordnung. Angesichts der vorhandenen Spielertypen auf dessen Position allerdings nicht. Und genau an dieser bzw. solchen planerischen Stelle(n) liegt der Hase im Pfeffer: Hübner bzw. die Funktionärs-Riege in Gänze hat offenbar nicht ausreichend Ahnung von Stärken/Schwächen von Spielern, keinen Sinn dafür, einen Kader als quasi organischess Gebilde zu sehen, das verschiedenste Impulse zum Überleben benötigt. Nach welchen Maßstäben werden a) Trainer, b) Spieler verpflichtet? Logisch erschließen kann sich das niemandem. Wildwuchs, that is the rule. Oder: Man nimmt die, die man günstig kriegen kann.

Bald, liebe Leser, kommt das letzte Aufgebot auf den Platz, die letzte Patrone im Lauf des Trainers. Das Vorspiel dazu ist die nun beschlossene Abschottung von der bösen, achso gemeinen Öffentlichkeit. Nur die individuelle Klasse, mit Sicherheit mal wieder die von Alexander Meier, kann dieses Konstrukt „retten“, auf dem in den vergangenen zwei Tagen skizzierten (bescheidennm) Kurs halten. Bis Ende November müssen allermindestens 16 Punkte auf dem Konto von Eintracht Frankfurt stehen. Andernfalls kann man schonmal den Lichtschalter suchen gehen. Egal, ob der aktuelle oder ein neuer Trainer den dann anzuknipsen versuchen wird.

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Maßstab für Misserfolg

Nein, ich werde zu dem DFB-Pokalspiel in Aue nichts schreiben. Die meisten werden die senfgelbe Mittel- und Lustlosigkeit, die klare Überlegenheit und den über und über verdienten Sieg der Erzgebirgler gesehen haben. Es gibt, und darauf möchte ich zu sprechen kommen, eine Meta-Ebene, die mit einem einzigen Wort beschrieben werden kann, und der es dem kompletten Klub Eintracht Frankfurt – das geht an der Funktionärsspitze los und reicht über Spieler bis zum Zeugwart – fehlt. Das Wort heißt Hunger und es ist das, was andere Klubs, andere Mannschaften haben. Im Idealfall immer. Individuelle Klasse, Quadrillionen Euro sind nicht die Gründe für den (Dauer)Erfolg von Bayern München, dem Ex-Mittelklassverein Borussia Dortmund, dem Wiedererstarken von Borussia Mönchengladbach. Es ist der Hunger, die Gier nach Siegen, nach Erfolgen. Dasselbe gilt für so viele Mannschaften, die sich nicht im Underperformen suhlen. Seit Jahren, Jahrzehnten suhlen.

Die Saat, die eine auch noch so minimale Erwartungshaltung an die SGE verteufelt hat, ist aufgegangen. In den Dreck werfen, dankbar sein für das Mitmachendürfen in Bundesliga 1. Das ist das Maximale, das elfte Gebot. Eingetrichtert, eingeflößt wurde dem Umfeld diese gebückte Haltung. Eintracht Frankfurt hat sich selbst über Jahre die Messlatte für Misserfolg so hoch gehängt, dass man dort gar nicht spürt, gar keinen Sinn dafür zu haben scheint, wie mies man eigentlich tatsächlich ist. Dass sich die Minimalismus-Mentalität, der kriechende Gang auch über die Fan-Hirne hinaus ausbreiten wird, war klar. Es ist ein Mechanismus wie nach jenem schicksalhaften Tag im September 2001, als den Menschen des Westens der Moslem solange als Bedrohung, als Feind eingebläut wurde, bis das der neue status quo wurde. Der Aggregatzustand in Frankfurt hat kuschelig zu sein, eine Wohlfühloase ohne das deren Bewohner mehr erwarten als ein Glas Wasser, ein Kanten Brot und Luft zu atmen. Klosterähnliche Freudlosigkeit als Verordnung von oben, der tausende Anhänger jährlich mit tausenden Euro Investment hinterherrennen; in Form von Dauerkarten, Anfahrten, Auswährtsfahrten, Fanartikeln und vor allem Zeit, Konzentration, Energie.

Verliebte Narren sind wir; lassen jeder Lusche ihre Fehl-Handlungen anfeuernd durchgehen. Da darf auch mal ein Kader völlig verhundst, Baustellen nicht geschlossen, Millionen Euro in Fehleinkäufe investiert werden. Weiter gehts. Und dann wird eben als Nachfolger des antiquierten Trainers die Mikrowelle angeworfen und das alte Gericht aufgewärmt. Weiter gehts. Anfeuern, unterstützen, supporten (!), klatschen, dauer-singsangen, jubeln. Die nächste Dauerschleife, die man aus Gewohnheit nicht durchbrechen will. Was jetzt folgt? Klatsche von 0:4, 0:5 gegen Bayern München – nach respektabler Leistung gibt es warmen Applaus von den Rängen. Gegen das trainergewechselte Hoppenheim müht man sich bestenfalls zu einem Remis und in der Länderspielpause wird zum unzähligsten Mal die Besserung gelobt. Mal endet es mit drei noch mieseren Truppen, mal ist man eine der drei miesesten Truppen. Murmeltier. Saisonlich.

Ich für meinen Teil kann ruhigen Blutes und reinen Gewissens behaupten, dass ich – bei aller aufgewendter Kraft und Zeit – mit diesem Ensemble fertig bin. Natürlich schaue ich mir die Spiele weiterhin an, selbstverständlich hoffe ich auf die spärlichen Siege, vermutlich werde ich den Käse sogar weiterhin analysieren, kommentieren. Aber der Eifer ist über die vergangenen eineinhalb Jahre erloschen, erlischt immer mehr. Es ist ein emotionaler Abstand zu dem ganzen Treiben aufgekommen, den ich nie erwartet hätte. Ich bin dieses Eintracht Frankfurt leid, fühle mich ausgebrannt, müde.

Danke, Heribert Bruchhagen, Bruno Hübner, Thomas Schaaf, Armin Veh, ihr hochbezahlten Spieler von Eintracht Frankfurt, all die anderen Ambitions-Vernichter, für das Vergrätzen, das beständige Aushöhlen meiner Leidenschaft Fußball. Und das meine ich nicht mal sarkastisch. Vermutlich ist das, was nun zum x-tan Mal in und mit diesem Gebilde passiert das endgültigste Zeichen dafür, dass es im Leben tatsächlich Wesentlicheres gibt, für das es sich Energie, Leidenschaft, Liebe zu investieren lohnt, als Eintracht Frankfurt in Stadion, Fernseher oder Ticker zu verfolgen. Es soll das Leben und Leiden anderer sein.

Over and out, ihr Luschen.

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Raus. Raus. Raus.

Im Pokal ist Eintracht Frankfurt raus, spielerisch ist die Luft raus, in der Bundesliga ist man aus allen ambitionierten Geschichten raus. Drin hingegen waren, sind und bleiben Trainer, Sportdirektor und Vorstand. Komme was wolle.
Im DFB-Pokal, wo sich mit zwei, drei Siegen das Geld verdienen lässt, das man stets beklagt nicht zu haben, liefert diese Mannschaft die nächste Grottenleistung. Die Konsequenz ist schlicht und ergreifend logisch. Mittellos, lustlos, erfolglos. Das Dreigestirn der Verlierer.

Lachen ist das einzige, das einem Fan noch bleibt. Lachen, geradezu feiern über die Unfähigkeit von Eintracht Frankfurt. Lachen über das Unvermägen der Sportler – symbolisiert durch Haris Seferovic und dessen Traumpass in der 91. Minute. Lachen über die Unwissenheit der sportlichen (An)Leitung. Lachen über die Unfähigkeit der Funktionäre. Humor rettet einen vor der gestalterischen Genialität des Bruno Hübner, der bremsenden lame duck Heribert Bruchhagen, dem Marketing-Visionär Axel Hellmann.

Und das beste an dem Joke: Kein Einäugiger kann die Blinden austauschen. Denn Frankfurt besitzt nicht mal einen Einäugigen. Und die, die Restsehvermögen besitzen, tun sich diese Mischpoke nicht an. Eher gibt es einen kalten Tag in der Hölle, als dass sich bei Eintracht Frankfurt irgendetwas zum Besseren entwickelt. Dieselbe Litanei seit Anbeginn der Zeit, verschlimmert nur durch das Gelaber und die Fehl-Handlungen der immerselben Gesichter. Jene, die nun die Gesetze des Pokals zitieren, ihre Enttäuschung bekunden und vor allem zur Ruhe mahnen und vor überstürzten Entscheidungen warnen werden.

Überstürzt?! Den ganzen Firlefanz der Versager, das Stelldichein der Luschen, läuft nun seit Jahren in Dauerschleife. Mehrfach gab es Möglichkeiten zum Aufbruch, immer wieder ging es stattdessen in den Keller. Erst mit dem Sport, dann mit der Stimmung, dann mit der Struktur.
Wie oft noch? Wie viel Misserfolg braucht es, damit Blinde diesen als solchen (an)erkennen? Wie viele Rückschläge gilt es zu verkraften, wie viele Pleiten schönzureden, damit die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden? Wie lange dürfen Entscheidungsträger diletieren, bis ein reinigendes Gewitter sie hinfortspült? Wie viele Abstiege, Pokal-Ausscheidungen, Nachverpflichtungen, Systemumstellungen, letzte Aufgebote braucht es noch, damit das alles ein Ende hat?

Herr Wolfgang Steubing, als Hochgelobter und Vielgeschätzter, handeln Sie. Raus, raus, raus – angefangen beim Sportdirektor und dann Etage für Etage abwärts. Aber die Frage ist ja schon beantwortet, zwei Absätze weiter oben.

Over and out –

ein Fan.

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Sicherheitstest in Aue

Das gegen Hannover war dann so einer der viel zitierten dreckigen Siege. Eintracht Frankfurt hat mit den drei Punkten in Niedersachsen zum letztmöglichen Zeitpunkt dafür gesorgt, tabellarisch aus dem Gröbsten herauszubleiben. Mit nun 12 Punkten ist es zumindest nicht mehr illusorisch, beim Hinrundenschluss in die Nähe der 20-Punkte-Marke zu kommen. 18, 19 müssten es sowieso werden, um wenigstens den derzeitigen status quo zu halten.

Das es für mehr nicht reichen wird, dürfte mittlerweile jedem klar geworden sein, da ändert das Hannoverspiel nichts dran. Im Gegenteil, der 2:1-Sieg ist eher eine erneute Bestätigung der groben fussballerischen Mängel, auch des Tempodefizits gewesen. Aber eben weil in den vergangenen Partien nicht mal eine Torchance (!) herauskam, ist der Auftritt im 4-2-3-1 schonmal eine Verbesserung gewesen. Gegen das, wie vorhergesagt, wohl wirklich mieseste Team der Liga. Diesen letzten Aspekt sollte sich jeder vergegenwärtigen: Hannover war und ist richtig richtig schlecht, die Eintracht war – nach dem 0:1 – die etwas weniger schlechte Mannschaft. Mehr nicht.
Den guten Fußball, den viele nach dem Rückstand gesehen haben wollen, habe ich auch nach dem zweiten Anschauen des Spiels nicht entdeckt. Natürlich, als sie dann etwas machen mussten und machten, sah das wesentlich griffiger aus als in der vorangegangenen Stunde. Schwer ist das angesichts des Langholz-Marathons auch nicht gewesen. Fakt und das einzig wichtige ist, drei Punkte auf das stagnierende Konto gepackt zu haben. Angesichts der Ausgangslage verbietet sich die allzu überkritische Bewertung.

Welche Schlüsse zieht man also aus der Partie? Hat die linke Seite Djakpa/Oczipka funktioniert? Hat Reinartz – nicht nur aufgrund des Fehlers vor dem 0:1 – seinen Stammplatz verloren, etwa an den starken Medojevic? Bewährt sich die Umstellung auf 4-2-3-1, zumal mit Seferovic als vorderster Offensiver?

Die Schwäche des Gegners außer Acht gelassen, findet man auf die aufgeworfenen Fragen wohl verschiedene, differenzierte Antworten. Die linke Seite etwa lag im Aufbauspiel komplett brach, das änderte sich – fast symbolisch – erst mit dem Ausgleichstor. Während Djakpa vorher, sicher auch der mangelnden Praxis bedingt, bisweilen fahrig verteidigte, zwei, drei Schnitzer drin hatte, spielte Oczipka gar nicht mit. Wenn, zog er immer wieder in die Mitte, mit dem Ball am Fuß gelang ihm lange gar nichts. Fazit: Auf links kann sich eine passable Variante entwickeln. Die Sechserposition neben Stendera dürfte nun in der Tat anders besetzt werden, dafür war die Leistungssteigerung nach der Reinartz‘ Aus- und Medojevic Einwechslung zu deutlich. Die Frage wird sein, ob nun Hasebe neben Stendera rückt und Ignjovski/Chandler als Rechtsverteidiger auflaufen, oder nicht. Übrigens gilt auch für Johannes Flum, dass er einen besseren Eindruck hinterließ und hinterlässt als Reinartz.
Die Systemumstellung wird jedenfalls fruchten. Im Mittelfeld ist da im Spielaufbau nun eine Anspielstation mehr vorhanden, defensiv steht die Mannschaft somit dichter. Entscheidend für das langfristige Gelingen des 4-2-3-1 wird – neben den Fragen des zweiten 6ers und dem Experiment auf links – sein, ob Haris Seferovic in die Spur kommt. Nicht nur seiner fahrlässig vergebenen Großchance kurz vor Schluss wegen, machte er einen unglücklichen Eindruck, selbst in der letzten halben Stunde, als die Eintracht besser, aktiver, offensiver wurde. Er blieb blass, im Gegensatz zu Meier, der nicht nur den Ausgleich vorbereitete, sondern auch die Aigner-Chance mit Zuckerpass initiierte. Ansonsten war auch er freilich unsichtbar in der Vor-0:1-Phase.

Nach dem DFB-Pokalspiel in Aue, bei dem sich diese Mannschaft in dieser Formation einspielen und Sicherheit er-kombinieren muss, kann man entspannt am Ende der Woche gegen Bayern München verlieren. Die Partie gegen den FCB, die dann wie immer irgendwas wie 0:4, 0:5 enden wird, kann man zum Üben von defensiver Kompaktheit, von Zweikampfführung nutzen. Trainingseinheit im Vorfeld der wesentlich wichtigeren Spiele, wo sich das Erlernte auszahlen würde. Also vielleicht dann nicht die A-Jugend aufstellen, aber vielleicht Alexander Meier und Marc Stendera schonen.

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