Entscheidungsfolgen

Das Leben ist simpel. Es besteht aus Entscheidungen, die Konsequenzen haben. Entscheidet man sich für A, entscheidet man sich gleichsam gegen B – und eine Folge tritt ein. Das geschieht täglich, bei einem Obdachlosen, bei einem Quantenphysiker. Und bei einem Sportdirektor, beispielweise bei einem von Eintracht Frankfurt. Bei Leuten wie ihm gibt es diese Methodik jedenfalls zwei Mal pro Jahr: in der Sommerpause/Vorbereitung sowie in der Winterpause/Vorbereitung. Dazu später mehr.

Wie gravierend die Situation der SGE ist, wie schlimm es um die Mannschaft bestellt ist, lässt sich ebenfalls simpel erkennen: Niemand, offenbar nicht mal Trainer Armin Veh hat eine Idee, wie es sportlich, spielerisch besser werden könnte. Egal welche Aufstellung, egal welches Personal, egal welches System: Es fehlt die Vorstellung davon, wie dieses allenthalben zu langsame Team in Richtung 18 Punkte bis zur Winterpause kommen soll. Der Grund ist abermals nur eines, und zwar simpel: Formschwäche, klar, aber vor allem spielen immer Spieler auf Positionen, für die sie nicht ausgebildet sind, auf denen ihre Stärken nicht liegen, auf denen sie sich nicht wohl fühlen (können). Marc Stendera ist, ob nun als Linksaußen oder Halbpositionsspieler, untauglich. Er ist bei allen technischen Finessen schlicht zu langsam, zu träge und in der defensiven Zweikampfführung unbeholfen bis unbeteiligt. Dementsprechend ist die linke Abwehrseite total überfordert, Bastian Oczipka ist nach einem sichtbaren Aufwärtstrend im Nu leistungstechnisch abgestürzt. Aleksandr Ignovski ist als Rechtsverteidiger bemüht, aber außer Verhinderungs- und Vermeidungstaktik, außer Zerstörung ist er dort zu wenig zu gebrauchen. Dass das defensive Mittelfeld, Stefan Reinartz, genauso überrant wird wie Makoto Hasebe zu Schaafs Zeiten, ist fast schon ironisch angesichts des Trainer- und damit angedachten Formationswechsels.

Die Spielweise, die der Trainer ausgegeben haben wollte, ist nicht gescheitert, sie ist nie etabliert worden. Daher ist es auch absurd von ihm, nun davon zu sprechen, dass eine Abkehr von jenem Plan A geschehen würde. Natürlich wird jetzt sowohl systemisch als auch personell etwas passieren (müssen). Die Doppelsechs, also 4-2-3-1 ist ebenso zwingend wie überfällig, ganz unabhängig von einer etwaigen offensiven oder defensiven Spielweise. Seit mehr als einem Jahr ist das so. Das Durchschleppen mehrerer Positionsfremder muss beendet werden, die Macht des Faktischen gebietet das. Dementsprechend kommen im Wesentlichen zwei bis drei Varianten in Betracht: Die linke Seite wird künftig von Bastian Oczipka und Constant Djaka bespielt, Letzterer als Verteidiger, Ersterer als Linksaußen. Das ist natürlich abermals Positionsfremde, aber nicht ganz so vehement wie die Causa Stendera. Der nächste Schritt könnte sein, Timothy Chandler als Rechtsverteidiger aufzubieten und Aleksandr Ignovski ins zentrale defensive Mittelfeld zu stellen. Somit hätte man auf beiden Positionen etwas mehr Tempo, Agilität im Team. Vielleicht auch lieber neben Johannes Flum anstatt Reinartz/Hasebe.

Die Alternative ist es, einen bislang mehr oder weniger Unbeachteten aufzubauen, ihn radiakl durchzuziehen und das Prinzip (Steigerungs)Hoffnung walten zu lassen. Luca Waldschmidt als Linksaußen etwa, gar Voll-Fehl-Einkauf Vaclac Kadlec, eines der Hemden Joel Gerezghier oder M. Gacinovic dürfte noch chancenloser sein. Haris Seferovic oder Luc Castaignos auf links zu ziehen, den anderen in die Spitze vor Alexander Meier zu stellen, wäre theoretisch ebenfalls denkbar. Aber sinnvoll? Jedenfalls im Fall von Castaignos ganz klar: nein, der kann nur Abseits und sehr wenig mit dem Ball. In der Innenverteidigung dürfte Carlos Zambrano ab sofort wieder gesetzt sein, Marco Russ dürfte weichen; wenn er nicht als DM aufgeboten würde.

In diesem Sinne müssten auf die Bank: Reinartz oder Hasebe, vielleicht auch beide, da das defensive Mittelfeld überhaupt nicht funktioniert. Marc Stendera, der offenbar nur zentral offensiv kann, sowie Castaignos und Russ.

Die Kaderzusammenstellung, die Ur-Aufgabe von Sportdirektor in Rückkoppelung mit dem Trainer war und ist jedenfalls totaler Mist, sie/er ist gescheitert. Der Klub hat an und für sich keine schlechten Spieler geholt, ein Reinartz etwa hat (sichtbare) Qualität, ein Castaignos wäre für ein Konter-Team eine sinnige Ergänzung, aber das Puzzle passt einfach überhaupt nicht zusammen.
Es wirkt so, als ob man im Klub keine Ahnung hat(te), welche Art Fußball man mit welchen Spielern spielen möchte. Wie um Himmels Willen könnte man auf die Idee kommen, mit einem Stürmertyp wie Castaignos Ballbesitzfußball, ein konsequentes Flügelspiel aufziehen zu können? Der Mann tut sich mit der Kugel am Fuß so schwer, hat Annahme- und sowieso Passspielprobleme aller grundlegenster Art. Würde der aktuelle Absturz an der Innenverteidigung liegen, was er nicht tut, kämen die Frankfurt-Funktionäre 100%ig auf die Idee, nochmal (den vertragslosen) Alexander Madlung zu verpflichten.

Willensbekundungen, (eingestellte) Bemühungen á la Sidney Sam und Sebastian Jung, die zumindest das Ur-Problem Geschwindigkeit behoben hätten, schließen jedenfalls die lange bekannten Lücken nicht. Womit wir die Klammer zum Textanfang, zum Fabulieren über Entscheidungen geschafft haben. Die Entscheidung bei der Eintracht, samt Folge, lautete: Wir entschließen uns zu einem Krüppel-Kader, anstatt Summe X auszugeben, um die Schwächen zu beheben.
Trifft Otto-Normal-Mensch so eine Entscheidung bei seinem Auto, das er regelmäßig auf Autobahn oder Landesstraße zu benutzen gedenkt, endet so eine Entscheidung bisweilen tödlich. Zum Glück ist Fußball nicht so ernst, sonst könnte man ob so viel Diletantismus wahnsinnig werden.

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Entscheidungsfolgen

  1. Jermaine Jones Junior

    Armin Veh hat ja angekündigt etwas zu ändern. Im Prinzip hat man seinen Frust nach dem 1:4 erkannt, als er konsequent auf 4-2-3-1 -seinem Lieblingssystem- umstellen durfte. Daher glaube ich, dass 4-2-3-1 die wahrscheinlichste Variante ist.
    Ignjovski, für mich der Salihamidzic der SGE. Vom Notnagel zum Hoffnungsträger. Er ist der Einzige unter den 6er und 8er, der die nötige Aggressivität mitbringt.

  2. Jermaine Jones Junior

    ————————————Hradecky———————————–
    ——————Zambrano——————–Abraham——————–
    Chandler————————————————————-Djakpa
    ——————Ignjovski———————Flum————————–
    ————————————————————————————
    ———-Aigner———————————————-Oczipka——–
    ———————————-Meier—————————————–
    ———————————————-Seferovic————————

    Meinst du das so?

    • Im Pinzip ja. Allerdings ebenso im Wissen, dass das nicht passieren kann. Hasebe oder Reinartz wird spielen, weshalb das Dargestellte so fast die radikalste und damit unwahrscheinliche Variante wäre. Jedoch wäre es die, mit der das Team – nach den vorhandenen personellen Möglichkeiten – das meiste Tempo zumal auf die Sechs bekommen könnte.

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