Von der Schippe gesprungen

Jetzt mit einem Farbspiel, lag auf der Hand, oder? In Gelb, der bis heute, 15.30 Uhr geltenden Alarmstufe, wurde aufgelaufen. An diesem symbolischen Farbton hat sich keine zwei Stunden später nicht geändert. Der Sieg war unglaublich wichtig, weil die Konkurrenz aus Hamburg und Bremen dick punktete – zwischenzeitlich stand die SGE sogar auf 16. Und das vor dem Spiel gegen Bayern München. Durchatmen, Suff gehabt. Aber der Status quo ist gleich geblieben: Alarm herrscht nach wie vor, tabellarisch, nicht minder spielerisch.

Denn fussballersich war das schon nicht mal mehr Senfgelb, was Eintracht Frankfurt in Hannover zeigte. Nach vorne ging abermals eine Stunde lang gar nichts, Langholz wie unter Thomas Schaaf, weil am Boden überhaupt nichts funktioniert. Mittlerweile ist selbst die eigentlich passable Verteidigung angesteckt von der allgemeinen Trägheit. Erst mit dem 1:1 fing sich die Mannschaft, nachdem sie lange fruchtlosen Ballbesitz, aber keinen Torschuss hatte. Sobald es Hannover – das auf der Schlechtigkeitsskala erwartbar mies, aber eben nicht mieser als die SGE war – ein wenig schneller, direkter versuchte, wurde es wackelig bei der SGE.
Ein (bekannter) Grund für sowohl die offensive Ungefahr und die defensive Wackeligkeit: die Geschwindigkeit. Nach vorne im Einheitstempo, das wird auch im 4-2-3-1 nicht gelingen. Ein Paradebeispiel für die Langsamkeit des Teams war etwa die Enstehung eines Freistoßes in der 31. Minute, wo Hasebe seinem Gegenspieler verzweifelt hinterherläuft, rupft und zerrt – während auch die Kameraden eher staunend schauen, wann der Schiri pfeifft oder der Hannoveraner abspielt.

Als dann der Erste vom letzten Aufgebot eingewechselt wurde, Slobodan Medojevic, wähnte man Trainer Armin Veh samt Latein am Ende. Dass der Serbe, der den abermals erschreckend blassen Reinartz ersetzte, am Ende so ziemlich der entscheidende Faktor für die Wende im Spiel sein sollte, mochte wohl kein Fan, Analyst oder Fundamentalgläubiger erahnen. Medojevic warf sich in jeden halbwegs freien Ball, hatte seine Fußspitze oft noch dran, spielte saubere, einfache Bälle. Natürlich war der Matchwinner Marc Stendera. Beide Tore technisch anspruchsvoll erzielt, jeweils nach Zuspielen über die eigentlich nicht wirklich gute linke Seite, Vorlagen von Meier und Aigner, die beide ebenfalls – wie das ganze Team – bestenfalls willens, aber fusballerisch zu Höherem kaum in der Lage waren.

Auffälig: Jeder Passempfänger dreht sich mit dem Ball vom Gegner weg, geht stets 1,2 Meter in Richtung eigenem Tor; Sicherheit zuerst, immer und permanent. Die Krone setzten dem Spiel zwei Aktionen von Haris Seferovic auf. Einmal rumpelt er einen einfachen Pass in einer 4-auf-2-Situation auf Höhe des gegnerischen Mittelkreises derart mies zum Mitspieler, das der Konter tot war. Da stand es 1:1. Und dann die unglaubliche Szene in der Schlussminute, als er aus vier Metern den Hannoveraner Torwart anschießt, statt den Deckel drauf zu machen. Den, naja, Nachschussversuch von Bastian Oczipka verbuchen wir als zweite symbolische Szene beim Stichwort Langsamkeit/Trägheit.

Bei Eintracht Frankfurt war mit dem 1:1 der Wille zu erkennen, ab diesem Zeitpunkt wurde das Team besser. Nicht gut, wahrlich nicht, aber es reichte damit noch gerade so für das Prädikat verdienter Sieg. Schweinesieg, natürlich. Aber überhöhen muss, darf man da nichts. Bei Not gegen Elend gewann das etwas weniger schlechte Team. Mehr ist das alles nicht, so tabellearisch wichtig es auch ist.

Die wesentlich Fragen bleiben egal wie bis tief in den November hinein bestehen: Ob im Team einige dachten, mit dem Trainerwechse auf Veh wird die Saison ein Selbstläufer? Der Kommunikator wird in jedem schon das Nötige auslösen? Man könnte das meinen. So viele, wie ihrer Form hinterherlaufen (Aigner, Reinartz, Hasebe, seit einigen Wochen auch Oczipka), muss man das fast annehmen.

Hat der Systemwechsel funktioniert? Immerhin sah es etwas stabiler aus, aber man beachte auch den Gegner. Egal, was solls. Vom Bankrott rettete man sich, dem Tod sprang man von der Schippe. Gerade rechtzeitig, vor der Nullnummer gegen Bayern München. Da ist es nur gut, dass jetzt das Pokalspiel ansteht, gegen einen auch etwas kriselnden, vor allem unterklassigen Gegner. Da sollte man alles daran legen, etwas Sicherheit in diese Formation zu bekommen, auch und gerade was offensive Ideen angeht. Seien es Konter, seien es Flachpässe, meinetwegen sogar Langholz, solange das geplant ist und man die Spieler dazu aufstellt.

Noch mindestens sechs, besser acht Punkte braucht es bis Hinrundenende. Egal, wie quälend man die erringen möchte.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Von der Schippe gesprungen

  1. Olli

    Ach komm, sind doch gerade mal 2 Punkte zu Ingolstadt auf dem 7. Platz. Das schaffen sie ganz sicher …. zu vergeigen.

  2. Jermaine Jones Junior

    Das gelbe Trikot hatte was aus den blütenden Zeiten der Jahre 1993 bis 1995, als Tetra Pak Hauptsponsor war.
    Es fehlten nur die Farbtöne Weiß, Blau und ein wenig Rot.

    Eines möchte ich über Alex Meier loswerden:

    Ja, er zählt zu meinen persönlichen Lieblingsspielern.
    Ja, er ist unsere „Lebensversicherung“.
    Ja, ohne ihn geht es nicht.
    Ja, er ist der wahrscheinlich beste Eintracht-Spieler der vergangenen 15 Jahre.

    Aber ohne Hübners Kritik aus dem letzten Jahr, er würde die entscheidenden Wege nicht gehen, wäre es auch mir nicht aufgefallen.
    Auch gegen Gladbach griff er oft den ballführenden Gegenspieler einfach nicht an. Ist das vom Trainer so gewollt? „Bleib da vorn stehn un‘ köpp die Dinger rein!“

    Marco Russ und Stefan Reinartz werden genauso selten kritisiert wie Alex Meier.
    Was ich mit all dem sagen will: Man sollte aufhören ständig die üblichen Spieler zu kritisieren (Chandler, Hasebe, Oczipka, Medojevic, „Fehleinkauf“ Kadlec), sondern auch mal den Mut beweisen und laut sagen: Ja, die ganze Mannschaft hat überwiegend schlecht gespielt, auch die Kapitäne Alex Meier und Marco Russ.

    Symptomatisch: Es waren Kevin Trapp und Bastian Oczipka, die letzte Saison mal meinten, dass alle, und damit er ALLE, Spieler sich an der Taktik beteiligen müssen. Andererseits hätte die Taktik keinen Erfolg.

    Medojevic fand ich heute überraschend gut. Es war sein wahrscheinlich bestes Spiel im Eintracht-Trikot. Konkurrenz belebt das Geschäft. Da soll mir jemand erstmal das Gegenteil beweisen.

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